Danton aus Hernals
Besonders fleißig war Josef Cap nie. Trotzdem hat er es zu Alfred Gusenbauers Chefstrategen und zum besten Rhetoriker der Innenpolitik gebracht. Oder vielleicht gerade deswegen. Porträt eines Harmoniesüchtigen.
Text: Michaela Kampl, Gunther Müller
Fotografie: Jacqueline Godany
Da ist es wieder, plötzlich, ohne Ankündigung: dieses breite, süffisante Lächeln. Dazu der typische Blick, sein Blick: immer ein wenig abschätzig, immer ein wenig von oben herab. Geschmack hat er, das muss man Josef Cap lassen. Hellgraues, tailliertes Sakko, ein längs gestreiftes Hemd, kombiniert mit einem blauen Kaschmir-Schal. Besucher begrüßt der Klubobmann im Vorraum seines Büros mit einem kurzen Kopfnicken. Würde man ihn nicht schon so lange kennen: Man könnte so ein Auftreten als bodenlose Frechheit auffassen. Aber zu seinem und zum Glück der Öffentlichkeit kennt man den Klubobmann der SPÖ immer schon so.Nicht anders gibt er sich bei seinen Reden im Parlament. Nicht anders kommt er im Fernsehen rüber. Und nicht viel anders wird er sein, wenn er hinter verschlossenen Türen mit der ÖVP über eine Koalition verhandelt. Spricht man ihn auf diesen Eindruck an, reagiert er verständnislos. „Zynisch, polemisch, arrogant: Das sind immer Eigenschaften, die mir unterstellt werden, wenn man auf argumentativer Ebene nicht weiterweiß. Viele Leute können sich einfach nicht der Diskussion stellen.“
Wer wissen will, wie der zweite Mann in der SPÖ tickt, muss bei der Französischen Revolution ansetzen. Genau hier, in der Blütezeit der parlamentarischen Rede und Widerrede, liegt die Triebfeder seines politischen Engagements begraben. Bis heute sieht er sich selbst als ein spätes Kind dieser Epoche. Man kann ihn sich bildlich in dieser Zeit vorstellen: Cap als jakobinischer Redner, mit blitzblauen Augen, kantigem Gesicht und wilder Mähne, wie er eine scharfe, abfällige Rede gegen den Adel hält und dafür den Applaus des Volkes erntet; wie er sich an den zornigen Blicken der Gegner erfreut und umso mehr in Fahrt kommt.
Von außen betrachtet war Cap immer ein Revoluzzer. Einer, der nicht nur gegen den politischen Feind, sondern auch gegen die eigene Partei aufbegehrte. Cap liebt die Literatur, die die Französische Revolution aufarbeitet. Georg Büchners „Dantons Tod“ hat er oft gelesen. Wahrscheinlich hat sich Cap damals insgeheim wie ein moderner Danton gefühlt, als er sich öffentlich gegen den mächtigen Theodor Kery stellte. 1982 – Cap war damals Chef der Jungsozialisten und am Anfang seiner politischen Karriere – richtete er auf dem SPÖ-Parteitag drei kritische Fragen an den korrupten burgenländischen Landeshauptmann: Er fragte ihn nach seinem Einkommen, seinen Privilegien und nach seinem Faible für Schusswaffen. Doch anders als einst Danton bei Robespierre riskierte Cap damals wie heute nicht allzu viel. Die Rebellion war nur eine scheinbare; in Wahrheit handelte es sich bei der Episode um ein abgekartetes Spiel, abgesprochen und von hinten bis vorne durchgeplant mit dem Segen des Bundeskanzlers Bruno Kreisky.
Parteigenossen erzählen heute hinter vorgehaltener Hand gerne, dass Kreisky Cap die drei Fragen sogar selbst diktiert habe. Das politische Ziel des 1990 verstorbenen Sonnenkönigs: jemanden in den eigenen Reihen zu haben, der sich links der Parteilinie positionieren konnte, um jene Wähler (wieder) zu gewinnen, die nach zwölf Jahren Alleinregierung den linken Geist in der SPÖ vermissten und sich nach Alternativen umzublicken begannen. In der Partei hatte sich Cap dadurch wenig Freunde gemacht. Aus dem Bundesparteivorstand wurde er hinausgewählt.
Für die Leute hingegen war er ein Held. Der vermeintliche Märtyrer wurde bei der Nationalratswahl 1983 mit 62.457 Vorzugsstimmen belohnt: der erste Sozialist in der Zweiten Republik, der nur dank eines Vorzugsstimmenwahlkampfs ins Parlament einzog. Von diesem Rückhalt im Wahlvolk kann Cap heute nur mehr träumen. Nicht nur in der Wahrnehmung von vielen seiner ehemaligen Fans hat der 54-Jährige 2007 sein Pulver weitgehend verschossen. Die Rolle des Gerechtigkeitsliebenden mag man ihm nicht mehr so recht abnehmen. Zu feindselig und kleinkariert kommt er oft rüber, zu künstlich, zu institutionalisiert wirkt seine Empörung über den politischen Gegner. Ja, man muss es sagen: Cap kann schon mal richtig nerven. Aber genau diese Eigenschaft ist heute sein wichtigstes Atout.
Josef Cap ist in der SPÖ das, was ein Kanzler niemals sein kann, aber jede Partei braucht: ein kompromissloser, bissiger, unermüdlicher Kampfredner. Er ist Gusenbauers Mann fürs Grobe. Einer, der niemals müde wird, den Gegnern reihenweise verbale Ohrfeigen zu erteilen. Sein politisches Pendant bei der ÖVP ist nicht der staatstragende Wilhelm Molterer, sondern Generalsekretär Reinhold Lopatka. In politisch turbulenten Zeiten liefern sich die beiden ein regelrechtes Duell beim Aussenden von Pressemeldungen, in denen sie den jeweils anderen zu diskreditieren trachten. Mit seiner unbändigen Kampflust steht Cap heute in der SPÖ allein auf weiter Flur – und macht sich genau damit zum unentbehrlichen Joker. Ob Alfred Gusenbauer die vergangene Wahl gewonnen hätte, wäre da nicht Cap gewesen, der ihm stets den Weg freischaufelte?
Gusenbauer ist sich der Qualitäten seines alten Weggefährten aus Juso-Zeiten bewusst. Im Jahr 2001 kürte er ihn gegen den Willen der Partei zum Klubobmann; als Nachfolger eines zwar wesentlich strukturierteren, aber farblosen Peter Kostelka. Wäre Gusenbauer nicht an die Macht gekommen: Josef Cap säße heute garantiert nicht in der ersten, sondern – wenn überhaupt – in den hinteren Reihen der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion. Unter Franz Vranitzky war er glückloser Zentralsekretär, wurde später von ihm abgesetzt, unter Viktor Klima war er schon fast vergessen. Mit Gusenbauer kam der so überraschende wie umstrittene Aufstieg zum Klubobmann. Cap durfte endlich in jene Rolle schlüpfen, die er am besten beherrscht: die des Provokateurs mit Hang zur Schauspielerei. Seine Auftritte erinnern zum Teil ans Kabarett.
Cap selbst sieht sich als „Simplificateur terrible“, als „schrecklicher Vereinfacher“: „Wenn man das so darstellen kann, dass die Menschen Lust haben, einen zu hören, und auch noch Recht damit hat, dann bin ich überglücklich.“ Wollen die Menschen das wirklich hören, Herr Cap? „Ich kann nur das zur Kenntnis nehmen, was mein Publikum dazu sagt“, sagt Cap und lacht.
Josef Cap wurde 1952 in einem ÖVP-nahen Umfeld in Hernals, dem 17. Wiener Gemeindebezirk, geboren. Der Vater war Weinhändler und schickte den Sohn auf die Privatschule der Piaristen, wo er Latein und Griechisch lernte. Seine humanistische Bildung trägt er bis heute gerne zur Schau. Sein großes politisches Vorbild heißt Cicero. „Wegen seiner brillanten Rede gegen Catilina.“ Sofort zitiert Cap den ersten Satz der Rede: „Quo usque tandem abutere, Catilina …“ (Wie lange noch, Catilina, willst du unsere Geduld missbrauchen?).

Das politische Engagement nimmt im konservativen Umfeld der Piaristen seinen Lauf. Gemeinsam mit Klassenkollegen bringt er die Schülerzeitung Contra heraus. Er fängt an, sich in der Sozialistischen Jugend (SJ) zu engagieren, und fällt dort sofort durch seine scharfe, mit sprühendem Wortwitz gespickte Rhetorik und seinen professionellen Umgang mit Medien auf. Nicht unbedingt aber mit seinem politischen Wissen. „Von Marxismus hat er damals wenig verstanden. Da konnte man ihn richtig aufmachen“, erinnert sich ein Weggefährte aus SJ-Zeiten.
Dennoch überzeugt er und setzt beim Marsch durch die Insitutionen seinen ersten Meilenstein: 1978 wählen ihn die Jusos erstmals zu ihrem Vorsitzenden, er bleibt es sechs Jahre lang. Eines hat sich seit damals nicht verändert: Journalisten und Kollegen, die mit ihm zu tun haben, bezeichnen ihn bis heute als scheu und zurückgezogen; als Mann, der große Berührungsängste hat. Dieser Eindruck entsteht auch bei der persönlichen Begegnung. In Caps Büro im Parlament an der Wiener Ringstraße gibt es nicht viel, das etwas über sein Neigungen und Leidenschaften erzählt. Der Raum ist nicht größer als ein besseres Wohnzimmer, wirkt aber kahl und steril. Auf der Glasplatte des Schreibtischs stapeln sich drei Papierstöße. Links von der Türe noch ein Glastisch mit acht roten Sesseln und ein kleiner, silbergrauer Spind, wie man ihn vom Bundesheer kennt. Der einzige persönliche Gegenstand ist Albert Camus’ „Der Mythos des Sisyphos“. Der Essay des französischen Existenzialisten gehört zu seinen All-Time-Favourites.
Den Menschen Josef Cap hält der Politiker Josef Cap aus seinem Büro heraus. Egal ob man mit heutigen Jungsozialisten oder altgedienten Funktionären spricht: Kaum einer weiß etwas über Cap, den Menschen. Einige meinen, er habe weder in der Partei noch privat besonders viele Freunde. Das gesellige Beisammensitzen mit den Genossen nach der Arbeit mag er nicht. Nach der gewonnenen Wahl war Cap einer der Ersten, die sich von der Siegesparty im Festzelt in der Löwelstraße zurückzogen. Nur wenn es sein muss, stößt er mit den engsten Mitarbeitern bei einem Glas Rotwein an. Aber am liebsten denkt er alleine darüber nach, was die soeben gewonnene Wahl bedeuten, was man mit dem Sieg anfangen kann und wie es jetzt in den zäh angelaufenen Koalitionsverhandlungen weitergeht.
Vielleicht ist Josef Cap auch deshalb unter weniger wohlmeinenden Genossen als Egozentriker verschrien. In der SPÖ wolle er vor allem seine ganz persönlichen Vorstellungen durchsetzen und sich profilieren, heißt es. Öffentlich zitieren will sich von den Genossen damit freilich keiner lassen. Kein Sport passt besser zu diesen ihm zugeschriebenen Charakterzügen als das Marathonlaufen – Caps große Passion abseits der Politik, die er auch öffentlich auslebt. Beim Marathon geht es darum, es ganz alleine möglichst schnell ins Ziel zu schaffen. Die 42,195 Kilometer spielen sich nur im eigenen Kopf ab. Beim Wettlauf ist kein Teamgeist, keine Abstimmung mit anderen nötig. Cap steht oft um halb sechs Uhr morgens auf und trainiert. Seine Bestzeit liegt bei knapp drei Stunden vierzig.
Fragt man den Klubobmann heute, ob er vielleicht auch einmal Bundeskanzler werden will, reagiert er wie alle Politiker, die es nicht sind: „Niemals.“ Der Unterschied zu den Standeskollegen: Ihm nimmt man das wirklich ab. Cap ist nicht geschaffen für den Job des Kanzlers. Zwei entscheidende Eigenschaften fehlen ihm dafür: zum einen die Volksnähe, die Freude am Kontakt mit Menschen. Eine Österreich-Tour, wie sie Gusenbauer die vergangenen zwei Jahre unternahm? Für Cap wohl eine Horrorvorstellung. Sicher, wenn er muss, kann er sich zusammenreißen. In Wahlkampfzeiten hält er seine Reden auch vor Leuten, die er nicht kennt, und mischt sich nachher unter sie. Aber Cap wirkt dabei immer eher mehr als wenig unbeholfen. Die ihn kennen, wissen, dass ihm die Worte dann nicht annähernd so leicht über die Lippen kommen, wie wenn er alleine vor dem Rednerpult steht und eine gewisse Distanz zum Publikum wahren kann.
Das zweite große Kanzler-Manko liegt freilich in einer weniger sympathischen Eigenschaft begründet: der ihn zeit seines politischen Lebens begleitenden, fast schon legendären mangelnden Arbeitsmoral. Josef Cap mag der brillanteste Redner sein, den die Sozialdemokratie in der Zweiten Republik hervorgebracht hat; gleichzeitig gibt es heute in der Spitzenpolitik niemanden, dem Kollegen über alle Parteigrenzen hinweg einen solch überproportionalen Mangel an Sitzfleisch und eine derart konsequente Abscheu vor der detaillierten Auseinandersetzung mit den Niederungen der Sachpolitik attestieren. Um nicht zu sagen: Cap gilt als faul. Peter Marizzi, gemeinsam mit Cap Bundesgeschäftsführer der SPÖ von 1989 bis 1995, formuliert es so: „Was er nicht gern macht, ist die Arbeit, die in der Etappe liegt. Finanzen, Organisationspläne haben ihn nie besonders interessiert. Das Alltagsgeschäft wie Rechnungen schreiben, Bilanzen studieren – das ist für ihn eine monotone Arbeit, die ihn nicht interessiert.“
So nimmt man es Cap auch ab, wenn er sagt, dass er „kein Ministeramt anstrebt“. Der mit Bürokratie überladene Alltag eines Staatsbeamten ist nichts für ganzheitlich denkende Menschen wie ihn. Das monotone Geschäft mit ein und derselben Materie, das endlose Verfassen und Lesen von Dokumenten, die im Juristen-Kauderwelsch verfasst sind: So etwas war noch nie die Arbeit für einen Josef Cap. Er selbst führt das – wieder einmal – auf seine humanistische Bildung zurück. „Ich denke lieber universeller und enzyklopädischer. Sie wissen, Diderot“, sagt er und sieht sein Gegenüber an, als wolle er Anerkennung haben; andererseits, um zu prüfen, ob er seine in der Regel intellektuelle Überlegenheit auch diesmal ausspielen kann. Wie denn gleich der andere große Enzyklopädist hieß? Cap wendet den Blick ab. „Es reicht, wenn man einen kennt.“
Dieses „universelle Denken“ schlägt sich auch in Caps heutiger Arbeit nieder. Der Klub, den er leitet, sei eher ein vages Gefüge denn ein klar strukturierter Verein, sagt ein Parteifreund. „Vielleicht hätte er dem sozialdemokratischen Klub mehr Konturen geben sollen. Das Profil ein wenig schärfen“, bringt es der heutige Uni-Professor Heinrich Neisser, langjähriger ÖVP-Abgeordneter und Kurzzeit-Klubobmann – und Caps meistgeschätzter Kollege bei den Konservativen – auf den Punkt. Wegen dieser Eigenschaft wird Cap oft als Universaldilettant bezeichnet. Als einer, der immer zu allem den Mund aufreißt, letztlich aber von wenig wirklich Ahnung hat. Parteifreunde sehen aber genau darin seine Stärke. „Er ist ein politischer Allrounder, der aber das Gesamte nie aus den Augen verliert“, sagt Bundesgeschäftsführerin Doris Bures.
Was Cap liegt, ist das Entwickeln von langfristigen Strategien seiner Partei sowie das Erkennen ebendieser Strategien seiner Gegner. Diese Vorliebe hat er schon bei seiner Dissertation in Politikwissenschaften gezeigt. Auf 250 Seiten erörterte Cap dort die sozialdemokratische Identität zwischen 1978, als sich die SPÖ gerade ein neues Programm gegeben hatte, und 1988. Auch oder sogar vor allem durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Parteigeschichte gilt Cap heute als einer der Vordenker des Kurses der Sozialdemokratie. Dass sich die SPÖ bei der vergangenen Wahl für einen beinharten Negativwahlkampf entschied, geht zu einem guten Teil auf sein Konto. Der rote Klubobmann liebt das Machtspiel. Und seine größte Sorge ist, nicht mehr daran teilhaben zu können.
Einen tragbaren Fernseher und ein Radio hat er fast immer und überall dabei. Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien sind seine liebsten Urlaubsorte. Im Sommer fährt er dort regelmäßig mit seiner Frau hin, um in die kulturellen Wurzeln des Abendlandes einzutauchen. Aber auch dort hat er die Politik immer im Hinterkopf. Nur ja nichts verpassen, nur ja nicht am falschen Ort sein, wenn daheim etwas passiert. Wenn er mit Genossen zusammensitzt und Pläne schmiedet, kann ihn wenig aus der Fassung bringen. Außer ein verkühlter Kollege. Wenn jemand neben ihm sitzt, der hustet und schnupft, verzieht Cap die Miene und versucht, größtmöglichen Abstand zu waren. Er könnte sich ja anstecken und für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt sein.
Doch bei all seiner Liebe zum Konflikt: Am Ende des Tages geht es auch dem bissigen Verbalakrobaten immer um Konsens. „Je größer der Konflikt im Vorfeld“ – wieder beruft sich Cap auf die alten Griechen –, „desto besser das Ergebnis.“ Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen, sagt: „Politisch gesehen ist er sicher der Großkoalitionär. Das ist das System, das er versteht.“ Da er einerseits die Auseinandersetzung schätze, treibe ihn andererseits eine „ausgeprägte Harmoniesucht“, meint SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Bures.
Heuer wird Josef Cap seit 27 Jahren im Parlament sitzen. Er hat die kleine Koalition mit der FPÖ miterlebt, vier große mit der ÖVP, die Opposition. Aus dem ehemaligen Rebellen ist der am längsten dienende Parlamentarier der SPÖ geworden. Was er in dieser Zeit dort vor allem lernte: pragmatisch sein, sich dem Klubzwang bedingungslos unterordnen. Trotzdem sagt Doris Bures: „Er hat seine Werte nicht aufgegeben.“ Ex-Bundesgeschäftsführungskollege Peter Marizzi: „Das ist immer so im Parlament. Das müssen sogar die Revoluzzer zur Kenntnis nehmen. Die Revoluzzer stumpfen im Parlament ab. Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder.“
„Links sein, was bedeutet das schon?“, fragt Josef Cap. „Links sein ist jedenfalls nicht etwas Statisches.“ „Links sein“ ist für Cap heute etwas, das stets „an die jeweiligen Umstände angepasst werden muss, das ständig von neuem definiert werden muss“. Irgendwann alles hinzuschmeißen und sich aus der Politik zurückzuziehen: Darüber hat sich Cap noch nie Gedanken gemacht. Auch nicht darüber, wie er seinen Lebensabend verbringen will. „Ich mag die Unterteilung in Lebensmorgen und Lebensabend nicht. Ich kenne diese Begriffe gar nicht. Keine Kapitulation vor dem biologischen Gesetz!“
Politik ist für Josef Cap ein wenig wie die Arbeit des Sisyphos, der sein Leben lang einen Stein auf den Berg zu rollen versucht. Und wenn Albert Camus mit seinem Essay Recht hat, dann ist nicht nur Sisyphos, sondern auch Josef Cap ein durch und durch glücklicher Mensch.
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