Inhalt

zur Navigation

Selbstläufer

Kein anderer denkt den Österreichern die Politik so lässig vor wie Peter Filzmaier. Durch seine Omnipräsenz im Fernsehen, Radio und Zeitungen läuft er aber langsam Gefahr zu nerven. Annäherungen an einen Mann ohne Eigenschaften.

Text: Lukas Kapeller
Fotografie: Gianmaria Gava
Zaudernde Koalitionsverhandler, Brustkrebs in Graz, Schwulenparade in Jerusalem. Es ist Freitag, kurz vor Mitternacht. ZiB-Sprecherin Lou Lorenz kündigt ihre Sendung an: „Als Gast im Studio zu den politischen Strategien der Parteien begrüße ich den Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.“ Vorher erfahren die verbliebenen Seher noch, dass sie schon wieder nicht 153 Euro-Millionen gewonnen haben. Der Trailer zum Domino Day tröstet schnell darüber hinweg.

Peter FilzmaierDer ganz normale Schwachsinn läutet die ZiB3 ein, in der sich Filzmaier sogleich um Tiefsinn bemühen wird. Von demselben Sessel aus, auf dem sich Josef Cap zwei Stunden zuvor zu heißen Polemiken hinreißen ließ, bemüht sich Filzmaier, die kühle, distanzierte Aura des Wissenschaftlers zu wahren. Die Miene, angepasst der Lage der Nation: ernst, aber nicht hoffnungslos. Als Moderatorin Lou Lorenz sich verhaspelt und verplaudert, repliziert er unbeeindruckt, mit der Zuverlässigkeit eines vollautomatischen Repetiergewehrs. Jede Antwort ein Treffer. Eine volle Ladung Analyse, ohne Schnörkel, ohne kokette Verpackung.


Keine Versprecher, keine Pausen; schon gar keine Worthülsen. „Pures Napalm“, würde Luigi Schober das wohl nennen. Allein der Ehering an der rechten Hand boykottiert den Glauben des Zuschauers, er schaue einem Mann ohne Eigenschaften bei der Arbeit zu. Nach ein paar Minuten ist seine Zeit vorbei. „Professor Filzmaier, wir werden in den nächsten Wochen bestimmt noch viel zu reden haben“, schließt Lorenz ab. Sie weiß, er wird wiederkehren; denn wie kaum ein anderer lässt er die Redakteure vom Küniglberg gut einschlafen. Als er sich verabschiedet, ist er schon nicht mehr im Bild.

„Ich habe noch nie von mir aus bei Medien angerufen und gemeint, ich müsste irgendetwas sagen“, betont Peter Filzmaier. Und doch hat er auf jede Frage eine Antwort. Meistens auch noch die richtige. Nur wenige kennen die Spielregeln so genau wie er, und keiner hält sich so penibel an sie. Nach fünf Jahren in Innsbruck und einem Zwischenspiel in Klagenfurt lehrt der omnipräsente Professor heute an der Donau-Universität Krems. Sein Zuhause hat er aber in den heimischen Medien gefunden.

Zu den Parteien, denen er Tag für Tag den Spiegel vorhält, bleibt er stets auf Distanz; seine Medienauftritte versucht er nach eigenen Worten „gerecht“ zu verteilen. Peter Filzmaier redet mit allen. Auch mit denen, die ihn ärgern. Und so zollen die Politiker dem Workaholic artig Respekt, während ihn die Journalisten nicht nur schätzen, sondern brauchen. Auf einen wie ihn haben sie jahrelang gewartet. In seinem Büro im Altbau der Donau-Uni flimmert der Teletext über den Fernseher.

Seit 2005 beobachtet Filzmaier den Lauf der Politik von der niederösterreichischen Bezirkshauptstadt aus. „Ich freue mich über eine schöne Umgebung, ob das jetzt ein See ist oder Berge. Aber es beeinflusst meine Arbeit nicht“, sagt er. Auch in der Wachau redet er lieber über universitäre Programme als über weiße Spritzer. Im Schatten der Weinberge beginnt sein Tag am Computer: Medienmonitoring.

jellysSchreibtisch und Fernseher sind durch eine schwarze Couchecke getrennt. Auf der rechten Seite steht ein langer Besprechungstisch, auf dem ein prall gefüllter Dispenser mit Jelly Beans ins Auge sticht. Zuckerl, die auf den Zähnen picken bleiben: einer der wenigen offensichtlichen Widersprüche des Homo politicus. Vor ein paar Jahren noch war er einer der besten Langstreckenläufer des Landes. Die Hollabrunner Zeitung schrieb im April 1998: „13 Läufer gingen über die ‚Sprint‘-Distanz an den Start. Sieger wurde Peter Filzmaier aus Wien.“ Filzmaier gewann in Langenzersdorf den Volksbanken-Lauf über zehn Kilometer.


Acht Jahre: eine kurze Zeit für einen Politologen, eine enorme für einen Läufer. „Das Laufen ist ein sehr wichtiger Ausgleich, um den Kopf freizubekommen“, sagt Peter Filzmaier. Egal ob beim Praterlauf oder beim Laaber Genusslauf: Bis vor ein paar Jahren lief der Wissenshaftler in der österreichischen Spitze mit. „Jetzt bin ich auch zur Gruppe der reinen Hobbyläufer zurückgekehrt.“ Filzmaier ist heute verheiratet und Vater einer Tochter. Für Volksläufe bleibt keine Zeit mehr. Schon gar nicht, um sie zu gewinnen.

„Da steht ein bisschen was“, sagt er und deutet in die rechte Ecke seines Büros. Das „bisschen“ besteht aus zwei Dutzend Pokalen, die sich Peter Filzmaier in seinem bisherigen Leben erlaufen hat. Für den Eintretenden sind sie durch die geöffnete Tür verdeckt. Filzmaier selbst hat seine Trophäen vom Schreibtisch aus immer gut im Blick. Und damit ist das Thema auch schon wieder erledigt.

pokale

Öffentlich darüber zu sprechen, was er abseits seiner politikwissenschaftlichen Analysen leistet, ist Peter Filzmaier ein Ekel. Dass er einmal als Schachwunderkind galt und unter allen Wiener Schülern einen Wettbewerb für Redenschreiber gewann? War halt so. Dass er mit 17 Jahren vom Stadtschulrat den Wiener Prosapreis bekam? „Eine schöne Erinnerung.“ Sein Zivildienst in der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Favoriten, wo er mit Kindergruppen arbeitete? „Eine enorme Erfahrung.“ Immerhin. Die Worthülsen, die Filzmaier beim Analysieren vermeidet, bemüht er im Privaten umso mehr. Während er im Fernsehen in akademischer Perfektion und glatt wie ein Plasmabildschirm rüberkommt, neigt er privat zum Extremen: Im Laufsport war er kein großes Talent; nur sein Ehrgeiz brachte ihn so weit.

Mit Medien geht er stets korrekt um, selbst wenn sie es mit ihm nicht tun. Er bleibt höflich – und vorsichtig. Je größer die Erfolge, desto größer die Bescheidenheit. Über Politik redet er gerne vor Millionen; Geschichten über den Menschen Peter Filzmaier lehnt er in einer Heftigkeit ab, die Howard Hughes zur Ehre gereichen würde. Bei Filzmaier hat alles seinen Platz. Und die Medien scheinen ihm dabei weder der richtige für seine Familie noch für seine Laufpokale. „Ob ich jetzt als Schüler in Musik oder Zeichnen besser war, mag für meinen Freundeskreis spannend sein. Aber es sollte sich nicht in der Zeitung wiederfinden.“

Trotzdem übt er sich bei journalistischen Fehltritten immer in Nachsicht. Dass etwa die Kleine Zeitung im Vorjahr sein Fazit zu der steirischen Landtagswahl mit „Filzmaiers Urteil“ betitelte, gefiel ihm nicht wirklich, weil es ihm „die Attitüde eines Richters über die Parteien“ gegeben habe. Richtig empört hat ihn aber das Vorgehen der täglichen Boulevardillustrierten Österreich, die kurzerhand eine Kolumne veröffentlichte, die er nie geschrieben hatte. „Eine Kolumne ist das Intimste, was es gibt“, meint er dazu. „Das war ein journalistischer Tabubruch ohne Gleichen.“

Die Entschuldigung von Wolfgang Fellners Blattsoldaten nahm er dennoch an. Später erfuhr er, dass er sich mit Niki Lauda und TUI-Chef Fritz Leitner in unfreiwillig guter Gesellschaft befand. Rechtliche Schritte ließ er keine folgen, Interviews für Österreich dagegen schon. Und so vergeht kaum ein Tag ohne Filzmaier in den Medien. Ein Interview da, zwei Statements dort, nach der Lehrveranstaltung an der Uni noch eine Abendveranstaltung auf irgendeinem Podium des Landes.

„Er kann immer noch die Welt in zwei Minuten erklären, was die meisten Politiker nicht können. Aber er muss aufpassen, dass er nicht der Schnittlauch auf jeder Suppe wird“, meint ein leitender Redakteur der Kleinen Zeitung. Und trifft damit einen kleinen, aber wunden Punkt. Filzmaiers Vormachtstellung wird längst nicht von allen goutiert. „Es ist schon problematisch, wenn der ORF immer die gleichen Leute auftreten lässt“, sagt der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz. Der Abgeordnete zweifelt angesichts von Filzmaiers ständigen Auftritten vor der Nationalratswahl zudem an der Datengrundlage seiner Analysen: „Mir kommt vor, er tritt eher als Kommentator auf, weniger als Wissenschaftler.“ Inhaltlich seien die Grünen trotzdem meist einverstanden.

Immerhin verdankt Filzmaier seine Position weder einem glücklichen Zufall noch dem richtigen Parteibuch. Der Sitzplatz in der ersten Reihe war für ihn nie reserviert. Er hat ihn nur deshalb, weil er schneller als die anderen ist. „Er kommuniziert einfach gut. Die Journalisten sagen immer, er gibt druckreife Statements“, begründet OGM-Meinungsforscher Peter Hajek, der regelmäßig Bücher mit Filzmaier veröffentlicht, dessen Erfolg. Für die Medien schrumpft er sein enzyklopädisches Wissen auf Soundbite-Größe. Er spricht und denkt simultan, beides ziemlich rasant und so, dass sich Funk und Fernsehen über jeden einzelnen Satz freuen. Während sich mancher Politologe noch abwägend den Bart krault oder nachdenklich die Glatze kratzt, ist Filzmaier in der Regel schon bei der dritten Frage.

Wie der Weg des Peter Filzmaier in die Medien genau begonnen hat, darüber sind sich selbst die Journalisten heute nicht ganz einig. Filzmaier weiß es aber noch ziemlich genau. 1998 hatte er gerade ein Buch über die USA geschrieben und eines seiner ersten Seminare an der Universität Wien gehalten. Dabei machte er auf einen seiner Studenten besonderen Eindruck. „Der damalige Sendungschef der ZiB3 – der hieß Armin Wolf – hat bei mir eine Lehrveranstaltung gemacht und kam auf die Idee, den könnte man einladen“, erzählt er. Bei seinem ersten Auftritt brachte Filzmaier dem Publikum das amerikanische Amtsenthebungsverfahren näher. „Ansonsten, könnte man zynisch sagen, war das Thema ein bisschen halbseiden: nämlich der Fall Bill Clinton und Monica Lewinsky.“

Peter Filzmaier

Als dann George W. Bush 2000 umstritten Präsident wurde und wenig später die Flugzeuge in die Twin Towers krachten, schraubte das Chaos in Übersee die Zahl seiner Auftritte massiv nach oben. „Mein damaliger Schwerpunkt der US-Forschung bekam eine ungeahnte Dynamik“, erzählt Filzmaier. Die Platzhirsche im ORF hießen zu dieser Zeit noch Anton Pelinka und Fritz Plasser, die, wie damals auch er selbst, in Innsbruck lehrten. „Filzmaier ist innenpolitischer Analytiker, anfangs hat er aber mit den USA als zusätzlicher Kompetenz eine Lücke gefunden“, sagt Wolfgang Wagner, Sendungsplaner der ZiB2.

Nachdem Filzmaier zunächst als Kenner der US-Politik auffiel, gilt er heute als Experte für fast alles. Er weiß über die politischen Spielregeln im Weißen Haus genauso Bescheid wie über jene im Eisenstädter Landhaus; er kennt die Thesen eines Cicero nicht weniger als die kruden eines Ewald Stadler. „Wenn man gut ist, wird das in einem kleinen Land wie Österreich zum Selbstläufer“, meint Wagner. Für die vielen ORF-Einladungen findet er auch pragmatische Gründe: „Plasser und Pelinka haben kein Handy. Sie sind nur über ihre Institute erreichbar. Filzmaier ist stärker am Punkt, präziser in der Aussage – und er hat ein Handy.“ Dabei ist Filzmaiers Omnipräsenz heute längst nicht mehr nur im Fernsehen augenscheinlich; Kolumnen im Standard und in der Kleinen Zeitung tragen das ihre dazu bei. Dem Bobo in Neubau erklärt Filzmaier die Welt genauso wie dem Bauern in Paldau.

Wie macht er das? Vor allem in einem Land, in dem jeder, der den Mund aufmacht, sofort Gefahr läuft, vereinnahmt zu werden? „Ich versuche, mich weitestgehend auf Daten zu stützen. Auf keinen Fall darf man die Umfrage mit dem kleinstmöglichen Sample betreiben: ich mit mir selbst. Da ist die Schwankungsbreite zwangsläufig hundert Prozent.“ Bekenntnisse eines Menschen, der sich früher gerne selbstironisch einen „sozialen Analphabeten“ nannte. „Er hat sich erst in den letzten Jahren mehr darum gekümmert, Freundschaften zu pflegen“, sagt ein Vetrauter. Jetzt, da ihn jeder irgendwie kennt und kaum einer wirklich, ist er umso vorsichtiger geworden.

Die Äquidistanz zu den politischen Lagern pflegt er pedantisch. Der Vortrag, zu dem ihn Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch im Landgasthaus begrüßt, hat für ihn dieselbe Wertigkeit wie eine Diskussion mit Josef Cap. Mit Alfred Gusenbauer geht er zwar laufen, „aber nur ein paar Mal im Jahr“. Das tut er auch mit Reinhold Lopatka, dem ÖVP-Generalsekretär. Nur von Blau und Orange nimmt er keine Aufträge an. In Richtung FPÖ meint er: „Wenn der Spitzenkandidat einer Nationalratspartei sagt, dass Ausländer die Maul- und Klauenseuche haben, weil sie zuerst maulen und dann klauen, muss der Politikwissenschaftler sagen: Das ist widerwärtig. Punkt.“

Als er 2003 an die Uni Klagenfurt wechselte, bekam er die ihm verhasste Instrumentalisierung erstmals wirklich zu spüren. Jörg Haider fand es allzu fesch, sich mit dem liberalen Politologen zu brüsten; was auch als inoffizieller Grund gilt, dass Filzmaier Kärnten schon bald den Rücken kehrte und das Angebot der Donau-Uni annahm, wo er 2006 seine Professur erhielt.

Peter FilzmaierIhren Ausgang nahmen die Karrierewege durch die Bundesländer dereinst in Wien. Dort wird Peter Filzmaier 1967 geboren. Über seine frühen Talente macht er heute kein Aufsehen mehr. Christian Oxonitsch, Klubobmann der Wiener SPÖ, lernte den Politologen in Kindertagen kennen: in einem Schachklub in Ottakring. „Da war ich noch ein kleiner Bub und er ein noch kleinerer“, erzählt der Gemeinderat. Er sei ihm damals „nicht weiter aufgefallen“. Erst viel später, als Filzmaier einen Beitrag für sein „Jahrbuch für Politik 2004/2005“ schrieb, fiel Oxonitsch ein, dass man sich schon vor Jahren über den Weg gelaufen war.

Aus Filzmaiers engerem Freundeskreis heißt es, er habe als Schachwunderkind gegolten. Am Beginn seiner offiziellen Vita findet man ihn als Literaturpreisträger. „Worte statt Waffen“ hieß die Erzählung, mit der er 1984 den Wiener Prosapreis gewann. „Ein Burgschauspieler hat dann meinen Text gelesen und aus ihm noch etwas viel Besseres gemacht.“ Politiker erwähnen bei Podiumsdiskussionen lieber, dass Filzmaier stellvertretender Schulsprecher war.

Einen festen Berufswunsch hatte er vor dem Studium noch nicht: „Höchstens Sportjournalist. Das war vielleicht das Äquivalent zum Feuerwehrhauptmann.“ Nachdem er 1985 am Erich-Fried-Realgymnasium am Alsergrund maturiert hat, macht er Zivildienst beim Verein Jugendzentren in der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Favoriten, wo er gruppenweise Kinder betreut. Filzmaier ist besonders das dortige Einkaufszentrum mit seinen zwei Selbstbedienungsrestaurants in Erinnerung. Gerade dort war immer am meisten los. „Der Charme eines Selbstbedienungsrestaurants ist enden wollend. Das zeigt, wie wenig Möglichkeiten es für soziales Leben gab.“ Schon während der Zeit als Zivildiener besucht er erste Lehrveranstaltungen an der Uni. Selbst Politikwissenschaftler zu werden hat er damals noch nicht vor.

Als er 1986 eine Ferialpraxis beim Kurier absolviert, ist der Journalismus schon kein Berufsziel mehr: „Ich war im Redaktionssekretariat, was den Vorteil hatte, dass man als laufender Bote in alle Redaktionen kommt.“ Filzmaier schult den ganzheitlichen Blick des Wissenschaftlers schon früh. Später schreibt er seine Diplomarbeit über „Todesstrafe und Politische Kultur in den USA“ – als strikter Gegner der Todesstrafe. Die Forschungsarbeit dafür betreibt er vor Ort. Wenn es sich ausgeht, reist er seitdem zumindest einmal im Jahr in die USA. Nur 2006 nicht, da kam ihm die Nationalratswahl dazwischen.

Von den USA ist er „abgeschreckt bis beeindruckt. ,Time limit for consuming food 20 minutes‘ – das ist etwas, das sich dem Alltagsverständnis des Österreichers nie ganz erschließen wird“, sagt Filzmaier und streut ein rares persönliches Detail ein: „Vielleicht stört es mich auch nur, weil ich so gerne Cheese-Cake esse und mich dabei ungern stören lasse.“

Nach dem Studium hält er bald selbst Lehrveranstaltungen an der Uni Wien, arbeitet als Marktforscher, später als wissenschaftlicher Beamter im Unterrichtsministerium. „Ich war nie Taxifahrer“, meint er lapidar. 1998 geht er an die Uni Innsbruck. „Das ist vielleicht das, was mich an Amerika geprägt hat, dass diese Mobilität eine Selbstverständlichkeit für mich ist“, sagt er. Am Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung koordiniert er von Tirol aus politische Seminare in ganz Österreich. Nicht nur in Universitätsstädten; es geht vom oststeirischen Söchau bis Spital am Pyhrn.

„Zugegeben aus dem pragmatischen Grund der Hotelpreise“, lächelt er und fügt hinzu: „Der wichtigere Grund waren natürlich die soziale Kompetenz und der gruppendynamische Charakter.“ Von Innsbruck nach Söchau fuhr man damals mit dem Zug neun Stunden. Filzmaier ließ sich die Zeit von einem schlechten Schienennetz nicht totschlagen – er klappte den Laptop auf. „Zugfahrten eignen sich wunderbar für Arbeiten. Ich habe teilweise zwei Reserveakkus mitgehabt, um Zugfahrten so zu nutzen.“

laptop

Nicht nur sein Laptop stand in den letzten Jahren unter Strom. Wie bei den Laufpokalen in seinem Büro bestimmt er auch in den Medien am liebsten selbst den Blickwinkel. Der Überblick ist sein Job, und Filzmaier ist gern in aussichtsreicher Position. Aus seinen eigenen Studien weiß er, dass der optische Eindruck im Fernsehen 70 Prozent der Wirkung ausmacht: „Ich habe mit schütter werdendem Haarwuchs und als Brillenträger nur diese 30 Prozent zur Verfügung.“ Darum respektiert er auch Wissenschaftler, die sich den Medien verweigern. Dass er dennoch regelmäßig auftritt, begründet er damit, dass sein Fach die politische Kommunikation sei – „und die passiert nun einmal über Medien“. Dass ihm das bunte Treiben zwischen Journalisten und Politikern auch schlicht und einfach Spaß macht, bestreitet er nicht: „Medien in ihren Abläufen finde ich einfach extrem spannend, aber nicht, weil ich da jetzt vielleicht kurz etwas analysiere.“

Von seinem Verhältnis zu Journalisten glaubt er, dass beide Seiten profitieren. Solange sie sich an die Spielregeln halten. „Mein Kollege Herbert Dachs aus Salzburg hat einmal gesagt, man sollte als Politikwissenschaftler zu Politik nicht ein Verhältnis haben wie Vogelwissenschaftler zu Vögeln.“

Im Elfenbeinturm zu warten, wer vorüberzieht, ist nichts für ihn. Die Medien und Peter Filzmaier, das ist heute ein Verhältnis mit symbiotischen Zügen. Vielleicht könnten sie auch ohneeinander, bloß: Sie wollen nicht. „Ich habe das zum Beruf gemacht, was mich am meisten interessiert, kann davon noch dazu gut leben und habe sehr große Freiheiten“, sagt er. Freiheiten, die er sich in Maßen nimmt. Journalisten erreichen ihn auch im Urlaub auf dem Handy. Und im Hotel schätzt er „ein ausgezeichnetes Wireless LAN in der Lobby“. Mehr erzählt Filzmaier nicht. Österreich hat schon einen Ball spielenden Bundeskanzler und eine bauchfreie Nationalratspräsidentin.



Navigation

zum Inhalt

  • Aktuelle Ausgabe
  • Bisher erschienen
  • Über Datum
  • Events
  • Wo gibts Datum
  • Lesergalerie
  • Kontakt
  • Hajek Blog
  • Godany Blog
  • Best of Datum 50
  • Trotzdem

Abonnements

Abonnements

Podcast

Start Podcast-Player

MIT iTUNES ABONNIEREN

RSS 2.0 Feed

Archivsuche

Credits

twoday.net
  • xml version of this page

zum Inhalt