Musik aus Österreich

Ein Baby namens Comfortzone
Text: Gerhard Stöger
Nein, Sie finden hier keinen Rückblick auf den österreichischen Pop der Nullerjahre. Zehn Platten aus zehn Jahren, das würde sich zum Dekadenwechsel aufdrängen. Einzig: Es gab viel zu viel tolle Ö-Musik für ein derartiges Ranking. Was alleine 2009 alles erschienen ist! Den obersten Stockerlplatz für die „Platte des Jahres“ müssen sich Soap&Skin, Laokoongruppe und Ja, Panik teilen, knapp dahinter drängeln sich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Kreisky, Aber das Leben lebt, Clara Luzia, Sir Tralala, Dorian Concept, Paper Bird, Markus Kienzl, Bilderbuch, Der Nino aus Wien, Radian, Pendler, Metalycée, M185 und Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune.
Weniger schwer fällt die Kür der leiwandsten Labelgründung der vergangenen Monate. Diesen Titel verdient sich comfortzone, das sich kürzlich mit drei Vinylveröffentlichungen vorgestellt hat. Spezialisiert auf elektronische Produktionen zwischen Popheimwerkertum und Club, ist comfortzone ein Sub- oder besser gesagt Schwesterlabel des Wiener Indie-Altspatzen Trost, der in den frühen Neunzigern als Kassettenlabel begonnen hat, bald auch Vinyls und CDs veröffentlichte und zu einer der wichtigsten Adressen für den österreichischen Popunderground wurde. Trost (englisch: comfort) lässt es heute ruhiger angehen und veröffentlicht im losen Halbjahresrhythmus Platten, zuletzt etwa vom israelischen Psychedelik-Heavy-Rock-Duo TV Buddhas. Bei comfortzone dagegen rappelt es ganz ordentlich im Karton. Für 2010 sind gleich sieben neue Produktionen geplant; über MySpace ergeben sich ständig neue Kontakte zu potenziellen Labelacts. Christina Nemec, die comfortzone mit Trost-Mann Konstantin Drobil leitet, folgt bei der Auswahl ihrer Musiker einem zufällig anmutenden und doch wohlüberlegten Konzept: In Auflagen von jeweils 500 Stück erscheinen vor allem Vinyl-Maxis, die sich zwei Acts teilen. Eine Seite wird geplant, für die zweite etwas dazu Passendes gesucht, wobei nicht zuletzt die Geografie eine Rolle spielt.
Katalognummer cz002 teilen sich etwa die Pariser Elektropop-Performerin Bonnie Li und die Wiener Weird-Folk-Bastlerin Frau Herz; cz003 eint zwei Duos, die belgisch-dänischen Alloy Alloy und die französisch-rumänischen Stereonucleose. Katalognummer cz001 gehört „Derive“, der zwischen Popsong und Klangspielerei pendelden ersten LP von Chra, Christina Nemecs eigenem Soloprojekt. „Es geht um die Vernetzung und den Austausch verschiedener Szenen vor allem im feministischen und queeren Kontext – wobei ‚queer‘ nicht als Lifestylewort, sondern politisch zu verstehen ist“, beschreibt die Labelmacherin die Philosophie hinter comfortzone. „Aktuelle Diskussionen im Female-Pressure-Netzwerk zeigen, dass es nicht genug Sichtbarkeit gibt. Das heißt, es kann gar nicht genug getan werden.“
Der Radius von comfortzone soll nicht nur auf Europa beschränkt bleiben, u. a. plant man, 2010 eine mexikanische Band namens Kumbia Queers zu veröffentlichen. Ihre Wurzeln hat Christina Nemec in Villach, mit 14 büchste sie 1982 als junger Punk erstmals nach Wien aus. Mitte der Achtziger zog sie endgültig in die Bundeshauptstadt. Seitdem war sie immer ins lokale Musikgeschehen involviert. Sei es als aktive Musikerin, als Journalistin, DJ oder Netzwerkerin. Zuletzt gehörte sie der feministischen Wiener Band SV Damenkraft an und verwirklichte eine gemeinsame Performance mit der amerikanischen Punkikone Lydia Lunch; gegenwärtig liegt Nemecs Hauptaugenmerk auf comfortzone. "Babypause, sozusagen",meint die Neo-Labelbetreiberin lächelnd.
Bisher erschienene Kolumnen von Gerhard Stöger finden Sie hier.
Weniger schwer fällt die Kür der leiwandsten Labelgründung der vergangenen Monate. Diesen Titel verdient sich comfortzone, das sich kürzlich mit drei Vinylveröffentlichungen vorgestellt hat. Spezialisiert auf elektronische Produktionen zwischen Popheimwerkertum und Club, ist comfortzone ein Sub- oder besser gesagt Schwesterlabel des Wiener Indie-Altspatzen Trost, der in den frühen Neunzigern als Kassettenlabel begonnen hat, bald auch Vinyls und CDs veröffentlichte und zu einer der wichtigsten Adressen für den österreichischen Popunderground wurde. Trost (englisch: comfort) lässt es heute ruhiger angehen und veröffentlicht im losen Halbjahresrhythmus Platten, zuletzt etwa vom israelischen Psychedelik-Heavy-Rock-Duo TV Buddhas. Bei comfortzone dagegen rappelt es ganz ordentlich im Karton. Für 2010 sind gleich sieben neue Produktionen geplant; über MySpace ergeben sich ständig neue Kontakte zu potenziellen Labelacts. Christina Nemec, die comfortzone mit Trost-Mann Konstantin Drobil leitet, folgt bei der Auswahl ihrer Musiker einem zufällig anmutenden und doch wohlüberlegten Konzept: In Auflagen von jeweils 500 Stück erscheinen vor allem Vinyl-Maxis, die sich zwei Acts teilen. Eine Seite wird geplant, für die zweite etwas dazu Passendes gesucht, wobei nicht zuletzt die Geografie eine Rolle spielt.
Katalognummer cz002 teilen sich etwa die Pariser Elektropop-Performerin Bonnie Li und die Wiener Weird-Folk-Bastlerin Frau Herz; cz003 eint zwei Duos, die belgisch-dänischen Alloy Alloy und die französisch-rumänischen Stereonucleose. Katalognummer cz001 gehört „Derive“, der zwischen Popsong und Klangspielerei pendelden ersten LP von Chra, Christina Nemecs eigenem Soloprojekt. „Es geht um die Vernetzung und den Austausch verschiedener Szenen vor allem im feministischen und queeren Kontext – wobei ‚queer‘ nicht als Lifestylewort, sondern politisch zu verstehen ist“, beschreibt die Labelmacherin die Philosophie hinter comfortzone. „Aktuelle Diskussionen im Female-Pressure-Netzwerk zeigen, dass es nicht genug Sichtbarkeit gibt. Das heißt, es kann gar nicht genug getan werden.“
Der Radius von comfortzone soll nicht nur auf Europa beschränkt bleiben, u. a. plant man, 2010 eine mexikanische Band namens Kumbia Queers zu veröffentlichen. Ihre Wurzeln hat Christina Nemec in Villach, mit 14 büchste sie 1982 als junger Punk erstmals nach Wien aus. Mitte der Achtziger zog sie endgültig in die Bundeshauptstadt. Seitdem war sie immer ins lokale Musikgeschehen involviert. Sei es als aktive Musikerin, als Journalistin, DJ oder Netzwerkerin. Zuletzt gehörte sie der feministischen Wiener Band SV Damenkraft an und verwirklichte eine gemeinsame Performance mit der amerikanischen Punkikone Lydia Lunch; gegenwärtig liegt Nemecs Hauptaugenmerk auf comfortzone. "Babypause, sozusagen",meint die Neo-Labelbetreiberin lächelnd.
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