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Schönfelder: Über Schule und Sex

von Nikolaus Glattauer

glattauerneu
Da schreibst du jahraus, jahrein über Bildung und Schule – und was interessiert deine Kolleginnen in den diversen Lehrerinnenzimmerinnen?

- Who the fuck ist Doktor Keller?
(siehe DATUM 01/10)

- Doktor Keller? Jewel Staite!

- ?

- Die Kanadierin Jewel Staite spielt die Amerikanerin
Doktor Jennifer Keller.

- Theater?

- Nein. Stargate Atlantis. RTL2. Nach Stargate.

- Und was ist jetzt mit … dieser … Doktor
Jennifer Keller?

- Nix ist mit der. Was soll mit der sein. Super Ärztin
ist die, also, rein optisch. Auf einem Empfang der
SGA trug sie ein schwarzes Kleid mit einem
Spitzendekolleté, das glaubst du nicht, Du kennst
sie ja sonst nur in Uniform, und …

- Wer ist die SGA?

- Kennst du eigentlich außer Goethe noch wen?


Okay, das war unfair. Aber kaum redest du über Sex, verkrampfen sich die männlichen Lehrerinnen und lenken vom Thema ab. Vier (!) Mal habe ich die lustigste Nachricht anlässlich der jüngsten Weihnacht vorlesen müssen, bis der erste Kollege in der Runde verschämt zu kichern begonnen hat. Ich hatte mir den betreffenden Passus aus der Wiener Bezirkszeitung ausgeschnitten. Dort waren Kinder danach befragt worden, wie denn „eigentlich das Christkind aussehe“. Zuerst sagte Martina, 5: „Das Christkind hat schöne silberne Haare und ein weißes Kleid an. Es ist bestimmt zu allen Menschen freundlich.“ (Noch nicht so lustig.) Dann Lion, 3: „Das Christkind ist ganz sicher ein Engerl, das riesengroße Flügerl hat. Ich freue mich schon, wenn es mir Geschenke bringt.“ (Auch noch nicht lustig.) Dann aber kam Martin, 6, und sagte: „Ich glaube, dass das meine Mama ist. Auf Bildern hat das Christkind immer blonde Haare und blaue Augen und hält einen Sack.“ :) :) :)

Womit – spät, aber doch – der Punkt gekommen ist, mich bezüglich meines Neujahrsvorsatzes zu outen: Ich habe fest vor, heuer mehr über Sex und den Rest des richtigen Lebens zu schreiben als über Bildung und Schule. Nennen Sie es Feigheit vor dem Feind, für mich ist es Selbstverteidigung. Immerhin stehen uns Lehrerinnen heuer so hässliche Dinge ins Haus wie a) PISA 3, b) ein neues Lehrerinnendienstrecht, c) neue Schulmöbel oder d) die Ausweitung des Schulversuchs „Neue Mittelschule“ von derzeit so und so vielen Standorten auf so und so viele. Theoretisch vollkommen richtig, praktisch aber vollkommen sinnlos, zumindest in Wien, solange es nebenher noch Gymnasien und Hauptschulen gibt. Das habe ich meiner Ministerin auch gesagt, quasi von Frau zu Frau in ihrem Büro im pädagogisch wertvollen Sesselkreis sitzend. Okay, man hat ihr keine andere Wahl gelassen. Jetzt versucht sie halt den Versuch auszuweiten. Nur, wenn nicht ein Wunder geschieht und sich z. B. Gusenbauer den Kanzlersessel durch einen gezielten Putsch (Vorbild Castro, Klima als Che: Hasta la Viktor siempre!) wieder zurückholt (ich wäre im Boot!), wird der Versuch Versuch bleiben – und dessen Ausweitung von so und so vielen Standorten auf so und so viele das bildungspolitische Highlight ihrer Amtsperiode.

Ob übrigens Eberau als Standort für eine gemeinsame Mittelschule zu gewinnen wäre? Dagegen sprächen die blonde Ministerin und der schwarze Vizekanzler. Sie wie immer aus Gründen der nationalen Sicherheit. Er wie immer so halt. Dafür spräche hingegen die Eberauer Bevölkerung. Die würde nach diesem hässlichen … äh … Dings mit dem Ausländerkonzentrationslager zeigen wollen, dass man auch im schwarzen Burgenland im Grunde ein Mensch ist, und bestimmt den letzten Bausparer auflösen, wenn dafür ein paar kleine, blonde, österreichische Gesamtmittelschülerinnen ein warmes Plätzchen bekämen, wo sie ihre Gedichte gut auswendig aufsagen könnten …

Erhellend war Eberau für den Zusammenhang zwischen Farbenlehre und Geographie. Zum Beispiel lässt sich jetzt die Frage beantworten, was südlicher ist: der Süden eines Landes im Osten oder der Norden eines Landes im Süden. Wenn man schwarz ist, ist der Süden im Osten drüben eben südlicher als selbst der Norden im Süden unten. Wenn man rot ist, ist der Süden immer in Kärnten. Als Grüner stimmst du noch darüber ab. Und die Blaubraunorangen sind überhaupt für die Abschaffung der Himmelsrichtungen zugunsten der Einführung der Begriffe Abendland (wir, Norden) und Morgenland (alle anderen Neger, Asylanten und Türken; wo selbige auch gleich bleiben können).

Apropos tiefer Süden. Im Hagel der entsetzlichen Geschehnisse rund um den Hypo Albtraum Adria (ich z. B. bin draufgekommen, dass ich mit Tilo, dem Dillo, seinerzeit Wehrdienst geleistet habe) ist eine andere Südstaatenerfolgsgeschichte weit unter ihrem Wert gehandelt worden: Elvis P. wäre am 8. Jänner 75 Jahre alt geworden! Ich habe ihn mit einer Flasche kalifornischen Merkur-Cabernet und einem Bootleg seines Pennsylvania-Konzerts aus dem Jahr 76 gefeiert. Dann habe ich mir gedacht: Gut, dass er nicht mehr ist. Wie hätte sich der King z. B. im letzten Wahlkampf verhalten? Obama unterstützt? Eher den anderen. Wäre er gegen einen verstärkten Afghanistaneinsatz gewesen? Ich fürchte, nein. Und für Klimaschutz statt Cadillac? Das schon gar nicht. Prost, also! Und durchaus Funny, so gesehen, How Time Slips Away!

Bisher erschienene „Schönfelder“ finden Sie hier.



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