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Was ich lese und was nicht

Christian Högl, Heiratswilliger

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Was ich lese:
Eigentlich erstaunlich, wie sich mein Leseverhalten in den letzten zehn Jahre durch das Internet verändert hat. Klar, ich habe noch immer einige Print-Abonnements: Zu meiner regelmäßigen Lektüre von auf Papier gedruckten Periodika zählen Die Presse und Der Standard, die Wiener Stadtzeitung Falter und das Nachrichtenmagazin profil sowie die alle 14 Tage erscheinende Computer-Fachzeitschrift c't. Aber einen stetig wachsenden Teil meiner Lektüre beziehe ich aus dem Internet. Tägliche Surfziele sind das obligate orf.at und – meinem Interesse an Neuigkeiten aus der Apple-Welt Tribut zollend – macnews.de. Mehrmals wöchentlich begebe ich mich auf einschlägige lesbisch-schwule Seiten wie rainbow.at und natürlich auf hosiwien.at, den Internetauftritt „meines“ Vereins. Sehr angetan bin ich von dem Start des schwulen Online-Magazins vangardist.com.

Die Tätigkeit in der HOSI Wien ist ehrenamtlich, meine Brötchen verdiene ich als Print- und Webdesigner. Ein Beruf, der es nötig macht, über aktuelle Trends informiert und mit neuen Techniken vertraut zu sein. Das Internet bietet schier unendliche Möglichkeiten, Information und Inspiration zu schöpfen. So stellen Onlinemagazine wie das geniale smashingmagazine.com für mich eine wertvolle Lektüre dar. Das Gros der von mir gekauften Bücher ist ebenfalls Fachliteratur. Aber dazu zählen nicht nur computerspezifische, sondern auch ganz andere Wissensbereiche. Wenn mich ein Thema interessiert, gehe ich ihm gerne auf den Grund und möchte nicht nur oberflächlich informiert sein. Begeistert hat mich vor einigen Monaten die Lektüre von „Österreichs populäre Irrtümer“ – der Autor Walter Mückstein hat penibel recherchiert, dass die meisten im medialen Getöse auf uns hereinprasselnden Horrormeldungen von Wohlstands-, Umwelt- und Gesundheitsgefährdung und Kriminalität in keinem Verhältnis zu ihrer realen Bedrohung stehen und wir jeden Grund haben, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Ich lese auch gerne Unterhaltungsliteratur, wie etwa die brillanten Bücher von Wolf Haas. Oft decke ich mich in Wiens schwulem Buchladen Löwenherz mit einschlägigen Krimis, Beziehungsgeschichten oder humorvollen Romanen ein – sehr genossen habe ich hier etwa die witzigen Bücher von Joe Keenan und Robert Rodi. Übrigens im amerikanischen Original, das hilft mir, mein Englisch vor dem Einrosten zu bewahren, und ich verliere den originalen Wortwitz nicht.

Was ich nicht lese:
Ich finde es anmaßend, zwischen „guter“ und „schlechter“ Literatur zu unterscheiden. Natürlich gibt es objektive Kriterien, die helfen, die Qualität zu definieren. Zu denen zählen für mich, so banal das jetzt vielleicht auch klingen mag, Orthografie und Stil. Manchmal vermag es mich mehr zu stören, wenn ein Text schlecht (oder nicht) lektoriert wurde, als wenn er vom Inhalt her meinen Wertvorstellungen entgegensteht. So erquicklich der Genuss eines wortgewandt ziselierten Werkes sein kann, so schwer verdaulich kann ein lieb- und achtlos zusammengeschusterter Text sein. Für mich von Interesse ist, was mich unterhält oder was mich informiert. Ich versuche mein Credo der Offenheit zu pflegen: Wer sein Denken von Dogmen leiten lässt, wird nichts Neues entdecken. Von manchen als minderwertig eingestuftes Material kann mitunter Unterhaltungswert haben. Dazu kann auch die Lektüre von Boulevardmedien zählen. Wobei im Wartezimmer beim Arzt aufliegende Exemplare der Yellowpress allenfalls zur Belustigung taugen, und mein Interesse am tatsächlichen oder erfundenen Privatleben diverser Mitglieder der unterschiedlichen Königshäuser oder heimischer Seitenblicke-Prominenz à la Lugner durchaus enden wollend ist. Auch die Sportberichterstattung lässt mich an sich kalt – aber eine gewisse Schwäche für attraktive Männer wie Markus Rogan, Helge Payer oder Andreas Ivanschitz lenkt meine Aufmerksamkeit doch gelegentlich in die sonst vernachlässigten Sektionen der Medien.

Ich gestehe: Mitunter ist der Appetit auf ein Buch größer als der Hunger. In meinen Bücherregalen verstauben einige Werke, bei denen ich über das erste Kapitel nicht hinausgekommen bin. Lesen ist für mich kein Leistungssport, ich ziehe keine Befriedigung daraus, mich durch 300 und mehr Seiten zu quälen, nur um sagen zu können: „Ich habe dieses Buch gelesen.“ Wenn mich ab einem gewissen Punkt ein Roman nicht zu fesseln oder ein Fachbuch nicht zu faszinieren vermag, erleiden die restlichen Seiten das Schicksal der ewigen Jungfräulichkeit.Zu meiden gelernt habe ich die User-Kommentar-Rubriken im Internet. Da regieren Vorurteil und Kleingeist: Was da in Postings an Menschenverachtung zu Tage tritt, an unverhohlener Missgunst und blankem Hass, schockiert mich zutiefst. Nichts gegen die freie Meinungsäußerung, aber muss man in jedes Exkrement tappen, das dort hinterlassen wird?

Bisherige Autoren der Reihe „Was ich lese und was nicht“ finden Sie hier.



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