Godany bloggt: Wiener Volksverjagung
Ich kann diese Wiener Volksbefragung leider nicht ernst nehmen, weil sie mich auch nicht ernst nimmt.

Internationale Studien haben ergeben, dass der Einfluss von Sonnenlicht die Gemütslage erheblich verbessert und die Vitamin D-Produktion des Körpers anregt.
Sind Sie dafür, dass in Wien an 365 Tagen die Sonne scheint, damit wir Wiener nicht mehr so mieselsüchtig sind?
Dann antworten Sie auf wienerisch mit vier N: Na No Na Ned.
So ähnlich suggestiv sind die Fragen der Volksbefragung, mit der die Wiener SPÖ kurz vor den Wahlen Sympathie heischen will. Direkte Demokratie, hurra. Aber muss ich jetzt wirklich dankbar sein? Für eine SPÖ-Wahlwerbekampagne unter dem Deckmäntelchen der Demokratie? So deppert sind die Wiener hoffentlich nicht, wie man im Rathaus annimmt. So bringt man die Leute nur dazu, sich endgültig angefressen von der Politik abzuwenden, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen.
Anhand der Fragestellung lässt sich schon erkennen, ob es wirklich einen Willen zur Umsetzung gibt. Nehmen wir Frage vier als Beispiel, meine boshaften Ergänzungen sind kursiv dargestellt.
In Wien fahren täglich Nachtbusse von 0.30 bis 5.00 Uhr.
Was wollt’s also noch, ihr Undankbaren?
Ein 24-Stunden-U-Bahn-Betrieb am Wochenende (Freitag und Samstag) kostet pro Jahr 5 Millionen Euro und bewirkt veränderte Fahrtrouten der Nachtbusse am Wochenende.
Das Geld wird euch woanders abgezogen und die Busse werden eingezogen.Wollt ihr das also wirklich?
Sind Sie dafür, dass die U-Bahn am Wochenende auch in der Nacht fährt?
Eigentlich würde es mir reichen, wenn die U-Bahn jeden Tag eine Stunde länger fahren würde, weil 0.30 Uhr Dienstschluss ist wohl etwas provinziell, Nachtbusse hin oder her.
Falls es Wien wirklich wissen will.
Oder Frage drei zur Citymaut:
Einige Großstädte (z.B. London, Stockholm) haben zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs eine Einfahrtsgebühr für das Stadtzentrum eingeführt (Citymaut).
Die verdienen sich da noch extra was ins Stadtbudget, das wollen wir auch.
In Wien konnte durch die Verkehrspolitik (Ausbau öffentlicher Verkehr, Parkraumbewirtschaftung, Wohnsammelgaragen, Ausbau Radwegenetz) in den letzten Jahren der Autoverkehr in der Stadt deutlich reduziert werden.
Nur dass ihr es nicht vergesst, vor den Wahlen: Wir sind schon super, gell?
Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden?
Äh, und wie soll die aussehen bitte? Darf ich das auch noch erfahren oder ist das schon zuviel der direkten Demokratie?
Über die Problematik einer falsch und überhastet eingeführten Citymaut lesen sie bitte an berufenerer Stelle bei Christoph Chorherr im blog.
Das hübsche Bild des Radfahrers dazu ist zwar nett, aber irreführend. Ordentliche Radwege, die mehr als die Breite eines Mittelstreifens haben, an denen auch zwei Radfahrer ungefährdet nebeneinander fahren können, wären vorrangig. Für die fast sieben Millionen Euro, die die Volksbefragung kostet, hätte man schon ein paar Radwege bauen können.
Die Frage nach den neuen Hausbesorgern ist eine rote Bank und wird von den Wienern, die glücklich über ihre Befragung sind, wohl durchgehend mit den vier N goutiert werden. Bezahlen müssen wir sie dann selber, die Hausbesorger. Die Kosten dafür sind in dieser Frage nicht angegeben, bei der U-Bahn-Frage schon. Aha.
Kampfhunde finden alle böse, die sollen ruhig verpflichtend so einen Führerschein machen, nochmal vier N. Wie ein Schein aus einem Kampfhund einen weniger bissigen Hund machen soll, wird sich freilich weisen. Warum man da ob der Verpflichtung plötzlich den Wiener fragen muss, versteh ich nicht ganz. Bei den Kindern hat auch keiner gefragt, ob sie verpflichtend in den Kindergarten gehen sollen oder wollen.
Aber das Thema Hund und Kind in Wien fange ich jetzt nicht an.
Die Hundstrümmerl, die gnädig von der weichen Winterschneedecke versteckt wurden, schauen übrigens schon wieder frech aus den tauenden Schneeresten.
Zur Frage Ganztagsschule sag ich auch lieber nichts, außer: Wer’s braucht, bitte. Aber wehe, das wird wieder was verpflichtendes. Und Schule generell reformieren vorher nicht vergessen.
Ich weiss wirklich nicht, was die Stadt Wien von mir will, außer mich für dumm verkaufen. Andere ärgern sich darüber so sehr, dass sie ihre Stimmkarte vor laufender Kamera zerreissen. Wie der ÖVP-Stadtrat und Landesgeschäftsführer Norbert Walter in den Austria News von Pro7. Hier ein Video-Link.
Gar keine schlechte Idee. Vielleicht lege ich einfach meine zerissene Stimmkarte vors Rathaus. Oder ich schreibe vier grosse N quer darüber.
Jacqueline Godany lebt und arbeitet in Wien und im Internet als alles Mögliche, siehe hier.
www.godany.com
















volkseinlullung
man muss das so sehen: was auch immer bei der befragung herauskommt, die wiener sind dann selber schuld, weil sie
angekreuzt haben
nicht angekreuzt haben
zu wenig angekreuzt haben
zu viel angekreuzt haben
teilgenommen haben
nicht teilgenommen haben
die medien sowieso alles verteufelt haben
die medien irgendwas hochgespielt haben
die medien irgendwas hinuntergespielt haben
usw usf
und wenn die anderen schuld sind, braucht man bei sich selber nicht nach handlungsbedarf fragen, weil, man kann ja nichts dafür. die anderen haben das so gewollt, und man hat ihnen nur den willen gelassen.
bei manchen dingen allerdings ist es so, dass das alles nur zum wohle wessen auch immer geschehen musste. ganz dringend.