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48-01 N 13-43 E

Vor 60 Jahren wurde Attnang-Puchheim zum Ort mit der höchsten Todesrate Österreichs im II. Weltkrieg. Eine Stadt und ihr Trauma.

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Text: Martin Langeder
Fotografie: Autor, Privatarchiv Helmut Böhm
Eine Lederhose, ein Hemd, ein Paar löchrige Socken und ein Paar abgetretene Schuhe sind am Ende alles, was übrig geblieben ist. Hans Schifflhuber steht am Gleis 16, als die ersten Flieger am Horizont auftauchen. Der 14-jährige Betriebsjunghelfer erkennt die Gefahr. Er beginnt zu laufen. Die ersten Bomben schlagen ein. Schifflhuber läuft.

„Pfiati, bleib brav!“, hatte ihn sein Vater in der Früh verabschiedet. Es sollte das letzte Gespräch für immer gewesen sein. Das Haus der Familie Schifflhuber wird von fünf Bomben getroffen. Als Hans nach dem Angriff zuhause ankommt, stehen seine Mutter und die drei jüngeren Geschwister jammernd vor einem Trümmerhaufen. Vater und Großmutter sind verschüttet. Sie weinen. „Nicht lange herumweinen. Jetzt heißt es arbeiten, arbeiten und wieder arbeiten“, sagt Hans Schifflhuber. Er ist jetzt das Familienoberhaupt.

Wenn Hans Schifflhuber vom 21. April 1945 erzählt, klingt es, als würde er Anekdoten aus den guten alten Zeiten zum Besten geben. Er hat damit abgeschlossen. Wie seine Stadt angeblich auch. Die Stadt, in der Hans Schifflhuber Vater und Großmutter verlor, trägt den Namen Attnang-Puchheim.

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Heute erinnern nur noch die „Straße des 21. April“, das Denkmal am Friedhof und das Wappentier der Stadt an jenen Tag, der den kleinen Ort am Rande des Salzkammerguts zwei Wochen vor Kriegsende an die Spitze der Bombenopferstatistik in Österreich katapultierte. An jenem Tag fanden 708 von 5.600 Bewohnern des Ortes den Tod.

Binnen drei Stunden waren 12,9 Prozent der Bevölkerung ausgelöscht. Eine im Pro-Kopf-Verhältnis gesehen einzigartige Todesrate in Österreich. Zum Vergleich: Wiener Neustadt, die am heftigsten zerstörte Stadt des Landes, musste 2,5 Prozent Tote beklagen, Wien 0,5 Prozent.

Das gegenwärtige Stadtwappen von Attnang-Puchheim zeigt einen flugbereiten schwarzen Phönix. Das Symbol für einen Ort, der aus Trümmern und Ruinen neu entstanden ist.

Heute kämpfen Attnang-Puchheim und seine 8.900 Einwohner darum, das Image der Stadt als gesichtsloser Bahnknotenpunkt Marke „Umsteigen, aber nicht aussteigen“ abzustreifen. Der Bahnhof, der mitten im Stadtzentrum liegt, hat seine besten Tage längst hinter sich. Am nach Karl Renner benannten Bahnhofsvorplatz, der als Busbahnhof dient, steht ein Würstelstand, der sich „fast ein Restaurant“ nennt. Auf der nebenan gelegenen Bundesstraße 1 zischt dichter Lkw-Verkehr vorbei. In der zur Gänze zugeparkten Innenstadt haben fast alle Geschäfte über Mittag geschlossen. Touristen verirren sich in der Stadt, die sich selbst als „Tor zum Salzkammergut“ sieht, höchstens in die mächtige Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim. Ins gelbe Schloss daneben wünscht man sich seit langem ein Kulturzentrum, aber das Geld dafür fehlt. Was hier vor 60 Jahren geschah, lebt nur noch in den Köpfen der Alten.

Hans Schifflhuber findet seinen Vater erst gegen Abend. Äußerlich wirkt er unverletzt, sitzt zusammengekauert in einer Mauernische. Die Druckwellen der Bomben haben ihn erstickt. Mit einem Handwagen bringt ihn der Sohn in die nahe gelegene St.-Georgs-Kirche. Als er durch das Tor tritt, merkt er, dass er nicht der Erste ist, der diese Idee hatte. Am Steinpflaster vor dem Altar haben bereits andere ihre Toten aufgebahrt. Der Platz wird knapp, es gibt zu wenig Särge.

Die Suche nach der Großmutter verschieben die Schifflhubers auf den nächsten Tag. Sie entdecken nur noch Fleischteile. Stunden zuvor hatte Hans einen Hund beobachtet, der ein großes Stück Fleisch aus der Grube wegschleppte. Erst jetzt wird dem Teenager klar, woher das Fleisch stammte. Zum Nachdenken nimmt sich Hans Schifflhuber keine Zeit.

„Ich war danach jeden Tag von sieben bis zwölf im Dienst. Zu Mittag bin ich schnell heim, zu Haferflockensuppe und Maisbrot. Nebenbei habe ich Ziegel abgeputzt, dann ging ich bis fünf Uhr wieder in den Dienst. Es war hart. Aber es formte“, sagt der 74-Jährige, der seine Pension ganz seinen beiden Leidenschaften Musik und Handwerk widmet. Macht er doch einmal Urlaub, entschuldigt er sich bei Gott, „dass ich ihm wieder einen Tag stehle“.

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Der 21. April 1945 ist ein Samstag. Schon am Morgen scheint in Attnang-Puchheim die Sonne, die Birnbäume blühen. Im befreiten Wien trifft sich Karl Renner bereits zu ersten Gesprächen mit den gerade neu gegründeten demokratischen Parteien. In Oberösterreich ist der Krieg noch nicht zu Ende. „Sieg um jeden Preis!“, versucht ein Plakat am Attnanger Bahnhof die Massen zu ermuntern. Ein anderes wirbt für den Volkssturm. Vom US-Luftwaffenstützpunkt im süditalienischen Foggia heben indessen hunderte Flugzeuge ab, voll beladen mit Bomben. Das Inferno beginnt um 10 Uhr 57. Ohne Vorwarnung. Fliegeralarme gehören längst zum Alltag, aber niemand rechnet zu diesem Zeitpunkt mit einem Großangriff.

Aus bis heute ungeklärten Gründen versagt diesmal das Frühwarnsystem. Die Sirenen heulen erst, als die ersten Bomben bereits gefallen sind. So unerwartet, wie es die Attnanger empfanden, kam der Angriff jedoch nicht. Was sie nicht wussten, war, dass ihr Ort mit seinem strategisch wichtigen Bahnhof schon seit längerem in den Blickpunkt der westlichen Alliierten geraten war. Im Hauptquartier der 15. US-Flotte hatte man schon im Mai 1944 überlegt, den Bahnknotenpunkt in die Angriffsplanung mit einzubeziehen.

Der Bahnverkehr hatte sich im Lauf des Kriegs verzehnfacht, Tag und Nacht rollten Truppen- und Munitionstransporte Richtung Osten. Die Front verlief mittlerweile bei Sankt Pölten. Aus der Gegenrichtung kamen immer mehr Züge mit Flüchtlingen und Verwundeten. Die Schule war längst zum Flüchtlingsquartier umfunktioniert worden. Zunächst gab es nur Aufklärungsflüge, die Luftangriffe konzentrieren sich im Gau Oberdonau auf Linz, Wels und Steyr.

Als das Kriegsende näher rückt, befürchteten die westlichen Alliierten, dass die Nazis ihren Plan von der „Alpenfestung“ – einer unterirdischen Befestigungsanlage mit Fabriken und Kasernen, voll mit Elitetruppen, Vorräten und Munition – in die Tat umsetzen könnten. Eine Schimäre, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Erst am 28. April, zwei Tage vor seinem Tod, gibt Hitler den Befehl zum Bau der „Alpenfestung“.

Am 12. April scheint Attnang-Puchheim zum ersten Mal am Einsatzplan der Amerikaner auf. Das Ziel: „Zerstörung der Nord-Süd-Verbindungen, um den zurückweichenden deutschen Truppen den Rückzug in die Alpenfestung unmöglich zu machen.“ Noch lassen sich die Amerikaner Zeit. Am 21. April sollen eigentlich die Bahnanlagen am Brenner zerstört werden, aber eine Schlechtwetterfront vereitelt diesen Plan. Sechs Bombergruppen des 5. und des 49. Bombergeschwaders der 15. US-Luftflotte erhalten neue Koordinaten: 48-01 Nord, 13-43 Ost. Das Schicksal von Attnang-Puchheim nimmt seinen Lauf.

Für die Amerikaner ist der Angriff ein „milk run“, so einfach wie das Milchholen. Die beste Gelegenheit für Jungpiloten, Erfahrungen zu sammeln. Die deutsche Flugabwehr hat längst kapituliert, nur der kriegsversehrte Hans Baumgartinger, ein ortsbekannter Nazi, schießt mit einem Karabiner auf die Flugzeuge.

Bei einer Anflughöhe von 5.000 Metern geben die Bomberschützen 4,5 Kilometer vor dem Main Point of Impact, dem Hauptaufschlagspunkt, den Befehl zum Ausklinken: „Bombs away!“ Das Pfeifen, das die herannahenden Geschosse ankündigt, lässt Alfons Hitsch in den Wald flüchten, aber er schafft es nicht weit genug. Eine Bombe explodiert, ein Splitter reißt ihm den rechten Unterarm weg.

„Jetzt bin ich mein ganzes Leben lang behindert“, schießt es dem 14-Jährigen durch den Kopf. Aus der Traum vom Försterberuf. Er läuft weiter, drückt mit der linken Hand die Wunde ab. „Der Schmerz war so schlimm, dass ich nichts mehr gespürt habe.“ Hitsch findet Zuflucht in einem Bauernhaus. Soldaten binden seinen Armstumpf notdürftig mit Tüchern ab. Der Nerv liegt bis heute frei.

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Erst Mitte der Sechziger kehrte er an jene Stelle im Wald zurück, an der sich sein Leben änderte. Die Familie, bei der er Unterschlupf fand, hat der pensionierte Portier bis heute nicht besucht: „Ich habe es mir schon hundert Mal vorgenommen“, sagt der 74-Jährige. „Aber ich schiebe es weg. Ich weiß nicht, warum.“

Aufgefädelt wie ein Rosenkranz fallen die Bomben vom Himmel. 33 Wellen, 1.858 Stück. 179 viermotorige schwere Bomber rasen mit 240 km/h über den Ort. Christine Heidl spricht nicht gerne über diese Stunden. Die Kindergärtnerin hat zu diesem Zeitpunkt 30 Kinder in ihrer Obhut. Zunächst verstecken sie sich unter Tischen, später flüchten sie in einen Stollen. Am Ende überleben alle. Die 18-Jährige hat indes nur einen Gedanken: „Wo sind Mutter und Großmutter?“

Aus der Befürchtung wird schnell Gewissheit. Beide sterben im Bombenhagel. Drei Tage später kommt die Nachricht, dass auch der in der Steiermark als Soldat kämpfende Bruder tot ist. Christine Heidl bemüht sich sichtlich, nicht zu weinen, wenn sie über jene Tage im April 1945 erzählt. Nach dem Krieg heiratet sie, 1947 kommt ihre Tochter zur Welt. Das Leben sei dann doch wieder sehr schön geworden, sagt sie. Wenn sie Bilder von der Tsunami-Katastrophe im Fernsehen sieht, schaltet sie aus: „Ich will nicht sehen, wie Menschen leiden.“

Immer wieder kommen die Bomber zurück, immer wieder schwillt ihr leises Brummen zu einem orkanartigen Röhren und Dröhnen an. Unten auf den Straßen Attnangs schreien Verwundete, überall liegen Leichen. Häuser stürzen ein, Trümmer fliegen durch die Luft. Die, die noch am Leben sind, laufen panisch weg, weg vom Bahnhof. Aber die meisten von ihnen haben keine Chance. Am so genannten Kreuzland nördlich des Bahnhofs werden hunderte von den Bomben zerfetzt.

Viele der Toten werden nie geborgen, das Feld später eingeebnet. Das Grundstück bleibt für Jahrzehnte unbebaut. Heute steht am Kreuzland die Produktionshalle der Automationsfirma „Stiwa“, die mit anderen ortsansässigen Industriebetrieben wie dem Nahrungs- und Genussmittelhersteller „Spitz“ die Bahn als wichtigsten Arbeitgeber der Stadt mittlerweile abgelöst hat.

Hedwig Ernst holt ihren neuen Kinderwagen ab, als die ersten Bomben explodieren. Die Hochschwangere flüchtet nicht in den Bunker, sie will nachhause, klettert über Schuttberge und durch Bombentrichter. In einem Trichter sieht sie drei Tote, in einem der Toten glaubt sie ihren Mann zu erkennen. Als sie ihr zerstörtes Haus sieht, setzt sie sich auf die Trümmer. Sie betet, dass es auch sie trifft. Plötzlich steht ihr Mann vor ihr: „Schau, alles ist kaputt!“ – „Ganz egal“, sagt sie, „es geht ja allen Leuten so.“

Gegen 14 Uhr kommt ein Gewitter auf. Die Bomber drehen ab, es wird still in Attnang-Puchheim. Am Ende sind 120 Häuser und 277 Wohnungen komplett zerstört, hunderte Familien sind obdachlos. Es gibt keinen Strom, kein Wasser. Der Bahnhof gleicht einer Mondlandschaft: 67 Lokomotiven und 560 Waggons sind wie Kinderspielzeug durch die Luft gewirbelt worden, 23 Kilometer Gleisanlagen und 61 Weichen sind zerstört, wie auch das modernste Stellwerk der Ostmark. Alleine am Bahnhofsgelände zählt man mehr als 400 Bombentrichter. Dazwischen unzählige Schuttberge.

Zum Aufräumen werden KZ-Häftlinge aus dem nahen Lager Ebensee, einer Nebenstelle von Mauthausen, gezwungen, unter ihnen der damals 36-jährige Leo Kuhn, der wegen kommunistischer Untergrundtätigkeit im Konzentrationslager gelandet war. Obwohl er durch die Qualen, die er im KZ erlitten hat, nur noch 36 Kilo wiegt, muss er Schienen und Schwellen schleppen. Wer erschöpft aufgibt, wird erschossen.

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Sieben Häftlinge entdecken in einem zerbombten Waggon eine aufgesprungene Konservendose. Sie können nicht widerstehen. Die Aufseher ertappen sie. Am Rand eines Bombentrichters kniend, werden sie erschossen. Nach einer Woche ist das erste Gleis des Bahnhofs von Attnang-Puchheim wieder provisorisch befahrbar.

Seit Mai 2003 erinnert an dem Bahnsteig eine graue Metallfigur, die eine rote Schiene schleppt, an diese Opfer. Das Mahnmal haben 40 Schüler der Berufsschule gefertigt. Wenige Meter daneben ist eine Gedenktafel für „Andi und Sonja“ angebracht. Die beiden Jugendlichen hatten vor zwei Jahren beim Überqueren der Gleise einen Intercity-Zug übersehen.

Den Werkzeugmacher Ernst Weidinger plagen noch Jahre nach dem Angriff Albträume. Er ist dabei, als 13 Leichen geborgen werden. „Die toten Kinder werde ich nie vergessen“, sagt er. Als am 5. Mai die Amerikaner Attnang-Puchheim befreien, ist er einer der wenigen, die sie mit einem weißen Tuch am Straßenrand willkommen heißen.
War der Angriff notwendig?

Helmut Böhm„Nein. Er war vollkommen sinnlos und unnötig“, sagt Helmut Böhm. Für den 75-Jährigen ist „der schrecklichste Tag, den ich je erlebt habe“ Lebensthema. Seit 25 Jahren arbeitet er sich am 21. April 1945 ab. In seiner Wohnung im ersten Stock eines spinatgrünen Hauses gegenüber dem Schloss hütet der pensionierte Hauptschuldirektor 18.000 auf Mikrofilm gebannte Seiten. Material, das er vom Albert F. Simpson Historical Research Center auf der Maxwell Air Force Base in Alabama bekommen hat. Protokolle, Luftaufnahmen, private Einträge der Piloten. „Ich wollte wissen, wer es gewesen ist. Und warum sie es gemacht haben“, sagt Böhm.

Er hat Archive, Chroniken und US-Fliegerzeitungen durchforstet und Zeitzeugen befragt. 1988 entstand daraus ein Buch mit dem Titel „Der Tag der Tränen“, eine minutiöse Aufarbeitung des Angriffs. Beide Auflagen mit zusammen 2.600 Exemplaren sind längst vergriffen.

Helmut Böhm schrieb Briefe an die Bomberpiloten. Schuldeingeständnis hat er keines bekommen. Das Wort Kollateralschaden gab es damals noch nicht. Einer antwortete: „Ich habe sofort in meinem Logbuch nachgeschaut, an diesem Tag war ich zu einem Trainingsflug über der Adria.“ Ein anderer schrieb: „Ich kann mich nicht erinnern, es war einer von 35 in Europa geflogenen Einsätzen. Außerdem sind viele Jahre vergangen. Wir haben aber nie vorsätzlich Bomben auf nicht militärische Ziele geworfen.“

Nur 208 von mehr als 700 Toten konnten identifiziert werden. Im hinteren Teil des Friedhofs von Alt-Attnang steht inmitten von hundert kleinen schwarzen Kreuzen ein Denkmal für die „unsterblichen Opfer“. Einmal im Jahr findet dort eine Gedenkmesse statt. Dieses Jahr kommt der Linzer Bischof Maximilian Aichern. Zwei Tage vorher werden am Rathausplatz die Namen der Toten verlesen und Kerzen entzündet.

708 Lichter, für jedes Opfer eines. 198 Männer, 368 Frauen, 142 Kinder und Jugendliche. Hobbyhistoriker Böhm hat zum 60. Jahrestag eine Sonderbriefmarke gestaltet, die der „Arbeiter-Briefmarkensammler-Verein“ verkaufen wird. „Der 21. April 2005 ist der letzte große Jahrestag“, sagt Helmut Böhm. „In zehn Jahren werden nicht mehr viele Zeitzeugen leben.“ Um von einer Zeit erzählen zu können, in der einem Leitsätze wie „Leiden, schweigen, meiden“ das Überleben sicherten, wie die Bäuerin Hermine Maringer sagt.

Die 83-Jährige kann sich noch an den „furchtbaren Jubel“ beim Zwischenstopp von Adolf Hitler 1938 in Attnang-Puchheim erinnern, wo sie dem „Führer“ angeblich sogar die Hand geschüttelt hat. Die Erinnerung an jenen Tag ist noch lebendig, auch wenn Hitler damals in dem kleinen Ort gar nicht ausgestiegen, sondern nur durchgefahren ist, mit heruntergelassenen Rollos.

Hermine Maringer, Alfons Hitsch

Maringer deutet mit ihren von jahrlanger harter Arbeit am Bauernhof ausgemergelten Händen auf die Bilder ihrer Brüder, die in der Stube zwischen zwei Fenstern hängen. Alois und Franz hießen sie, beide sind im Krieg gefallen, Opfer für das tausendjährige Reich. Sie sagt, dass man „so etwas“ nie wieder zulassen darf. „Im Vergleich dazu geht es uns heute, ich kann es nur mit diesem Wort sagen, himmlisch.“

Nachsatz: „Und es wäre doch alles wieder schnell zugrunde gerichtet.“

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