Feldpost
Zwischen Turbostier, Traktorenranking und Selbstmordgedanken.
Wo informiert sich Österreichs Bauernszene? Eine Umschau.
Text: Martin Langeder
Fotografie: Petra Rainer
Rumba ist zehn Jahre alt und ein Superstar. Sein Beruf ist Zuchtstier. Er hat 20.768 lebende Töchter und ist, man glaubt es kaum, „nach wie vor aktiv“, wie das 68-seitige Hochglanzmagazin Fleckvieh Austria zu berichten weiß. Bei solchen Aufmachern überrascht es nicht, dass dem vierteljährlich erscheinenden Blatt ein Besamungsstierkatalog samt Fotos von Rumba und 34 seiner Kollegen beigelegt ist.
An die hundert Zeitungen und Magazine versorgen die österreichische Bauernszene mit Lesestoff. „Die Zielgruppe ist groß, die heimischen Bauernmedien erreichen eine Million Menschen im ländlichen Raum“, sagt Josef Siffert, Pressesprecher der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs.
In den Trafiken sucht man nach Blättern wie Der fortschrittliche Landwirt, Top Agrar oder Hof direkt vergeblich: Sie kommen ausschließlich im Abo ins Bauernhaus – oder sie sind Mitgliederzeitschriften der Interessenvertretungen. Wie die Österreichische Bauernzeitung des Bauernbundes, die Donnerstag für Donnerstag an 150.000 Leser verschickt wird. Und die Zeitungen der neun Landwirtschaftskammern.
Das Monatsmagazin Blick ins Land, das von der Universität für Bodenkultur in Wien herausgegeben wird, preist sich mit seinen rund 200.000 Exemplaren selbst als „Österreichs einzig flächendeckendes und absolut führendes Landwirtschaftsmagazin“. Finanziert werden die Produktion des 50-Seiten-Heftes und der Versand an alle Bauern im Lande mit „Fachanzeigen für Fachleute“, wie Blick ins Land-Geschäftsführer Klaus Orthaber sagt. Besonders eifrig schalten Traktorenhersteller. Nicht ohne Grund: „In der heimischen Landwirtschaft gibt es pro Jahr ein Investitionspotenzial von sechs Milliarden Euro“, sagt Orthaber.
Neben diesen Platzhirschen, die eine bunte Mischung aus Traktorenrankings, agrarpolitischen Aufregern, Stallbauanleitungen und Tierzuchttipps bieten, behaupten sich aber auch Kleinstmedien wie die in schwarz-weiß gedruckten Wege für eine bäuerliche Zukunft, wo ein Schwerpunkt auf „kritische Analysen und Informationen über die Situation von Berg-, Klein- und Mittelbauern“ gelegt wird, und Very-special-Interest-Magazine wie Sunnseitn, die „Zeitschrift für bäuerliche VermieterInnen“. Ausgerechnet dort widmet man sich den Schattenseiten des Bauerndaseins.
In einer Geschichte mit dem Titel „Spinnerte Weibsbilder“ lassen drei Bäuerinnen hinter die Kulissen der „Urlaub am Bauernhof“-Vermarktung blicken. Sie berichten, aufgerieben zwischen den Erwartungen der Schwiegereltern und der Gäste, von Burn-out und Selbstmordgedanken. Ein Ausweg ist vielleicht der viertägige Bäuerinnenausflug zur Tulpenblüte nach Holland – für Der fortschrittliche Landwirt-Abonnenten ist die Flugreise um 650 Euro zu haben. Die Fachzeitschrift für die „bäuerliche Familie“ ist das Aushängeschild des auf Landwirtschaft spezialisierten Grazer Leopold-Stocker-Verlags, der auch den Bestseller „Der Agrar-Rebell“ über den Permakultur-Vorreiter Sepp Holzer herausbrachte.
Reinhold Zötsch, der Marketingchef von Der fortschrittliche Landwirt, sagt über seine 36.000 Abonnenten: „Der Bauer ist heute ein Unternehmer, der von der Buchhaltung bis zu den neuen Entwicklungen am Landmaschinensektor über alles informiert sein muss.“ Der Webauftritt www.landwirt.com verzeichnet täglich bis zu 7.000 Besucher. Das Agrarische Informationszentrum wiederum versorgt Bauern mit „tagesaktuellen News“ zur Landwirtschaft im In- und Ausland.
Ein Erfolgsfaktor der klassischen Bauernmedien sind die Kleinanzeigenteile. Dort werden nicht nur gebrauchte Mähdrescher, Pachtgründe und Heurundballen feilgeboten, sondern auch der Bauernnachwuchs im heiratsfähigen Alter: „Sophie, hübsche 25-j. Landwirtstochter (gel. Köchin/Kellnerin), 168, ledig, schlank, dunkelblond, sehr nett, spätere Hoferbin (140 ha Land- und Forstwirtschaft mit Eigenjagd), möchte anständigen, tüchtigen Landwirtssohn kennen lernen!“
ATVplus hat das Potenzial längst erkannt. Während der Privatsender derzeit mit der zweiten Staffel seiner Kuppel-Reality-Soap „Bauer sucht Frau“ eine reiche Quotenernte im Hauptabend einzufahren versucht, versteckt der ORF sein einziges einschlägiges Programmangebot am späten Samstagnachmittag.
Dafür ist dort mit Land und Leute alle zwei Wochen ein Dauerbrenner zu sehen: Seit 1978 produziert das ORF-Landesstudio Niederösterreich das Magazin, das sich laut Eigendefinition in einer „Brückenfunktion zwischen Landwirtschaft und Konsumenten“ sieht. Die Sendung kann auch zum Sprungbrett werden. "ZiB2“-Moderatorin Ingrid Thurnher war zu Beginn ihrer Karriere zwischen Misthaufen und Bioladen im Einsatz.
Apropos biologisch. Jeder „ja! Natürlich“-Fan sei eindringlich vor der Lagerhaus-Zeitung Unser Land gewarnt, wo eifrig für Spritzmittel „mit sicherem Rundumschutz“ und „verlässliche“ Dünger geworben wird. Wer trotzdem weiterblättert, wahrt seine Chance auf einen 500-Euro-Lagerhausgutschein. Auf der vorletzten Seite lädt Armin Assinger zum „Agro-Quiz“. Seine erste Frage lautet: „Wie viele Lehrlinge waren 2005 bundesweit in Raiffeisen-Lagerhäusern tätig?“ A) 12, B) 124, C) 709, D) 1.206.
Antwort D ist richtig.
An die hundert Zeitungen und Magazine versorgen die österreichische Bauernszene mit Lesestoff. „Die Zielgruppe ist groß, die heimischen Bauernmedien erreichen eine Million Menschen im ländlichen Raum“, sagt Josef Siffert, Pressesprecher der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs.
In den Trafiken sucht man nach Blättern wie Der fortschrittliche Landwirt, Top Agrar oder Hof direkt vergeblich: Sie kommen ausschließlich im Abo ins Bauernhaus – oder sie sind Mitgliederzeitschriften der Interessenvertretungen. Wie die Österreichische Bauernzeitung des Bauernbundes, die Donnerstag für Donnerstag an 150.000 Leser verschickt wird. Und die Zeitungen der neun Landwirtschaftskammern.
Das Monatsmagazin Blick ins Land, das von der Universität für Bodenkultur in Wien herausgegeben wird, preist sich mit seinen rund 200.000 Exemplaren selbst als „Österreichs einzig flächendeckendes und absolut führendes Landwirtschaftsmagazin“. Finanziert werden die Produktion des 50-Seiten-Heftes und der Versand an alle Bauern im Lande mit „Fachanzeigen für Fachleute“, wie Blick ins Land-Geschäftsführer Klaus Orthaber sagt. Besonders eifrig schalten Traktorenhersteller. Nicht ohne Grund: „In der heimischen Landwirtschaft gibt es pro Jahr ein Investitionspotenzial von sechs Milliarden Euro“, sagt Orthaber.
Neben diesen Platzhirschen, die eine bunte Mischung aus Traktorenrankings, agrarpolitischen Aufregern, Stallbauanleitungen und Tierzuchttipps bieten, behaupten sich aber auch Kleinstmedien wie die in schwarz-weiß gedruckten Wege für eine bäuerliche Zukunft, wo ein Schwerpunkt auf „kritische Analysen und Informationen über die Situation von Berg-, Klein- und Mittelbauern“ gelegt wird, und Very-special-Interest-Magazine wie Sunnseitn, die „Zeitschrift für bäuerliche VermieterInnen“. Ausgerechnet dort widmet man sich den Schattenseiten des Bauerndaseins.
In einer Geschichte mit dem Titel „Spinnerte Weibsbilder“ lassen drei Bäuerinnen hinter die Kulissen der „Urlaub am Bauernhof“-Vermarktung blicken. Sie berichten, aufgerieben zwischen den Erwartungen der Schwiegereltern und der Gäste, von Burn-out und Selbstmordgedanken. Ein Ausweg ist vielleicht der viertägige Bäuerinnenausflug zur Tulpenblüte nach Holland – für Der fortschrittliche Landwirt-Abonnenten ist die Flugreise um 650 Euro zu haben. Die Fachzeitschrift für die „bäuerliche Familie“ ist das Aushängeschild des auf Landwirtschaft spezialisierten Grazer Leopold-Stocker-Verlags, der auch den Bestseller „Der Agrar-Rebell“ über den Permakultur-Vorreiter Sepp Holzer herausbrachte.
Reinhold Zötsch, der Marketingchef von Der fortschrittliche Landwirt, sagt über seine 36.000 Abonnenten: „Der Bauer ist heute ein Unternehmer, der von der Buchhaltung bis zu den neuen Entwicklungen am Landmaschinensektor über alles informiert sein muss.“ Der Webauftritt www.landwirt.com verzeichnet täglich bis zu 7.000 Besucher. Das Agrarische Informationszentrum wiederum versorgt Bauern mit „tagesaktuellen News“ zur Landwirtschaft im In- und Ausland.
Ein Erfolgsfaktor der klassischen Bauernmedien sind die Kleinanzeigenteile. Dort werden nicht nur gebrauchte Mähdrescher, Pachtgründe und Heurundballen feilgeboten, sondern auch der Bauernnachwuchs im heiratsfähigen Alter: „Sophie, hübsche 25-j. Landwirtstochter (gel. Köchin/Kellnerin), 168, ledig, schlank, dunkelblond, sehr nett, spätere Hoferbin (140 ha Land- und Forstwirtschaft mit Eigenjagd), möchte anständigen, tüchtigen Landwirtssohn kennen lernen!“
ATVplus hat das Potenzial längst erkannt. Während der Privatsender derzeit mit der zweiten Staffel seiner Kuppel-Reality-Soap „Bauer sucht Frau“ eine reiche Quotenernte im Hauptabend einzufahren versucht, versteckt der ORF sein einziges einschlägiges Programmangebot am späten Samstagnachmittag.
Dafür ist dort mit Land und Leute alle zwei Wochen ein Dauerbrenner zu sehen: Seit 1978 produziert das ORF-Landesstudio Niederösterreich das Magazin, das sich laut Eigendefinition in einer „Brückenfunktion zwischen Landwirtschaft und Konsumenten“ sieht. Die Sendung kann auch zum Sprungbrett werden. "ZiB2“-Moderatorin Ingrid Thurnher war zu Beginn ihrer Karriere zwischen Misthaufen und Bioladen im Einsatz.
Apropos biologisch. Jeder „ja! Natürlich“-Fan sei eindringlich vor der Lagerhaus-Zeitung Unser Land gewarnt, wo eifrig für Spritzmittel „mit sicherem Rundumschutz“ und „verlässliche“ Dünger geworben wird. Wer trotzdem weiterblättert, wahrt seine Chance auf einen 500-Euro-Lagerhausgutschein. Auf der vorletzten Seite lädt Armin Assinger zum „Agro-Quiz“. Seine erste Frage lautet: „Wie viele Lehrlinge waren 2005 bundesweit in Raiffeisen-Lagerhäusern tätig?“ A) 12, B) 124, C) 709, D) 1.206.
Antwort D ist richtig.
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