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„Himmiherrgotzaggramentzefixallelujamilextamarschscheißglumpfaregtz“ oder
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Text: Hermann Unterstöger
Illustration: Thomas Hamann
Eine Sprachwissenschaftlerin hat Klage geführt, das „Österreichische“ genieße als Lehrsprache in deutschfernen Ländern eine gewisse Geringschätzung. Mit milder Heiterkeit ortet der Fremdling hinter diesen Erörterungen die verhängnisvolle Sehnsucht, über eine „eigene“ Hochsprache zu verfügen, also nicht mehr des Deutschen mächtig sein zu müssen, sondern „Österreichisch“ sprechen zu können, das es so der parallel zur Topografie zerklüfteten Sprachlandschaft wegen gar nicht geben kann. (Nicht umsonst lehrt man in Österreichs Schulen kein Deutsch, sondern die „Unterrichtssprache“.)

Dialekt oder dialektnahe Idiome als hochsprachliche Handreichung für Fremde? Im November 1994 hat der Sprachkritiker und Volkstumsdeuter Hermann Unterstöger in der Süddeutschen Zeitung aufs Köstlichste anhand einer Kritik über ein bayerisch-englisches Wörterbuch die Folgen erörtert. Wir Bayern wissen ja, wovon die Österreicher träumen …

Michael Frank



Johann Lachners unverwüstliche Sprachlehre „999 Worte Bayrisch“ beginnt, wie sich das für ein kultursprachliches Kompendium auch schickt, mit einem ausgefeilten Vers, einem daktylischen Tetrameter: „Stinktada, stinktada, weilst nix vostähst,/ bals zu da Wirtin in d’Kuchel nausgähst?“ Das richtet sich an den Anfänger und fragt, ob er sich nicht darüber ärgere, daß er in der Wirtsküche kein Wort verstehe. Von diesem Vers liegt nun eine englische Übersetzung vor, die als adäquat gelten darf: Hoppin’ mad, hoppin’ mad, nothin’ compree?/ Landlord’s wife’s kitchen talk sounds like Chinee? Sie rührt nicht etwa daher, daß Lachners Werk ins Englische übertragen worden wäre, sondern daher, daß es seit ein paar Tagen ein Bayerisch-Englisches Wörterbuch gibt: „Bavarian into English. A Lexical and Cultural Guide“.

Verfasser ist Otto Hietsch, vormals Professor für englische Philologie an der Uni Regensburg; verlegt wurde das Buch bei Andreas Dick in Straubing (36 Mark). Wie der Untertitel verrät, will es mehr sein als ein schieres Wörterbuch, nämlich ein Kulturführer für Gäste aus aller Welt – und für Einheimische, da es ja durchaus passieren kann, daß man sich dem vermeintlich Altbekannten mit frischeren Augen nähert, wenn man den Umweg über das fremde Idiom wählt.

Um nur ein Beispiel zu erwähnen: Bei dem Lemma „Leberkäs“ wird erklärt, daß das Element „Leber-“ vom „Laib“ (loaf) kommt, because it is offered for sale in long cube-like loaves at butchers’ and grocers’ shop. Derlei bildet den Fremden und schadet auch dem Bayern nicht, weil ihm solche Zusammenhänge nur selten auf Anhieb geläufig sind. (Bedauerlicherweise wird das Wortelement „-käs“ nicht erläutert, obwohl es kaum weniger Irritationen verursachen dürfte.)

SakraUm einem naheliegenden Verdacht vorzubeugen: Hietschs Wörterbuch verfolgt alles andere als die Absicht, sich unter die bekannt quietschlustigen Bavarica einzureihen. Das Stichwort „Hax“ mag belegen, wie sehr sich der Autor bemüht, den Terminus von seinen Wurzeln bis zu den feineren Verästelungen zu fassen und darzustellen. Er reißt sich, um beim Stichwort zu bleiben, förmlich die Haxen aus. Das Wörterbuch beginnt mit „abbusseln“, was Hietsch wiedergibt mit to kiss effusively: to cover with kisses, to shower (or smother) with kisses beziehungsweise, in der reflexiven Version, mit to kiss each other lovingly: to kissy-kissy.

Das letzte Stichwort sei ebenfalls und ausdrücklich erwähnt, da es vielen Einheimischen ähnlich fremd sein dürfte wie den Touristen: der „Zwieseler Fink“. Dabei handelt es sich um keine Züchtung aus dem Hinteren Bayerischen Wald, sondern um a major choral event inaugurated by Paul Friedl, vergleichbar mit dem Welsh eisteddfod, was immer für ein Wettbewerb das nun wieder sein mag. Bayern ist, unter anderem, ein Land des saftigen, ausgefeilten Fluchens, und so sei auch dafür ein Beleg beigebracht: das jedermann geläufige „Himmiherrgotzaggramentzefixallelujamilextamarschscheißglumpfaregtz“.

Otto Hietsch bietet dafür keine wörtliche Übersetzung, wohl aber folgendes schöne Äquivalent: Goshalmightysakesalivegloryshovitshitpissandcorruption. Auch nicht schlecht! Wir aber beenden unsere kleine Präsentation ebenfalls mit einem Fluch, der indessen hier nicht als Fluch aufzufassen ist, sondern, wie Hietsch richtig schreibt, als a word of surprise, and possibly also of appreciation. Wir sagen nur: Sakra!



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