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Wann ist ein Außenseiter kein Außenseiter mehr? Der Maler Markus Waltenberger wird von hippen und kritischen Mitgliedern der Kunstglaubensgemeinschaft als gefühlsbesoffener Spinner wahrgenommen.

Redaktion: Christian Bretter
Bilder: Markus Waltenberger
Markus WaltenbergerMarkus Waltenberger, Jahrgang 1971, besuchte die Lehranstalt für Kunst und Design und die Meisterklasse für Malerei bei Gerhard Lojen an der HTL für künstlerische Gestaltung in Graz. Seit 1996 lebt er in Salzburg als freischaffender Künstler und gibt in seinem Atelier sowie in einem Altersheim Malkurse. Ausstellungen u.a. in Brüssel, Berlin und Hongkong. www.markuswaltenberger.com



Den ersten Kontakt zur Malerei hatte Markus Waltenberger als Fünfjähriger. Neben der elterlichen Wohnung hatte ein wortkarger Maler sein Atelier, den er stundenlang bei seiner stummen Arbeit der Bildproduktion beobachtete. „Schon damals war klar: Ich werde Maler“, sagt Waltenberger heute. Seit dieser Erkenntnis sind dreißig Jahre vergangen. Seine Eltern haben sich mittlerweile sogar mit Stolz damit abgefunden, dass ihr Sohn nicht auf großen Straßen fahren wollte, sondern sich auf kleine Nebenrouten und Sackgassen begab, um seinen Weg zur Malerei zu finden. Ein gutes Stück des Weges ging er dafür in Graz. Dort lernte er bei Richard Frankenberger und Gerhard Lojen in der Höheren Technischen Lehranstalt für Kunst und Design und der darin integrierten Meisterschule das Basiswissen zur Malerei.

Die Wohnung, die Waltenberger und zwei weitere mehr oder weniger pubertierende Kunstbesessene zu dieser Zeit bewohnten, könnte als Parkplatz bezeichnet werden, auf dem diverse künstlerische Experimente durchgeführt wurden, immer unter der Beschallung von den Romantikrockern Bee Gees – „Now I’ve found that the world is round“ – oder durch die minimalistische Oper „Einstein on the Beach“ von Philip Glass.

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Die Bandbreite der bildnerischen Arbeiten reichte von briefmarkengroßen Biedermeier-Landschaftsmalereien über gestische Aktgemälde bis hin zur Skulptur aus Sperrmüll. Mittlerweile hat jeder der drei seine eigene Straße gefunden. Auch wenn Waltenberger jahrelang dem Lenken eines Personenkrafwagens entsagte, hat er mit Anfang dreißig doch noch die Lenkerberechtigung erworben und steuert mit seinem Karren langsam auf die Straßen des Erfolges zu. Langsamkeit ist hierbei eine der wichtigsten Essenzen. Waltenberger ist nun über einen Zeitraum von 20 Jahren dem Wesen seiner Malerei gefolgt. Jetzt haben seine rituellen Bilder genug Geist getankt, um ihr beruhigendes Wirken in einer viel zu nervösen Kultur zu entfalten. Und das könnte der Beginn von Waltenbergers Geschichte sein, in der er vom Außenseiter zum Anführer einer neuen Kunstglaubensgemeinschaft wird.

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Die Ausstellung auf den folgenden Seiten lassen wir von Anton Gugg mit seiner Rede anlässlich der Ausstellung „AUSSAAT II“ von Markus Waltenberger im Rathaus der Stadt Salzburg eröffnen.


Liebe Kunstfreunde,

Das Erste, was man zu Markus Waltenberger sagen kann, ist die Tatsache, dass seine Bilder eine ganz eigene, unverwechselbare Ästhetik haben. Niemand im weiten Umkreis hat ähnliche Fantasien, eine ähnliche Technik, niemand sonst schafft es, eine derartige Aura des Indirekten, des Geträumten, auch des Utopischen herzustellen. Irgendwie hat man das Gefühl, in eine ferne Zukunft zu blicken oder in eine ganz ferne Vergangenheit. Vielleicht in einen uralten prometheischen Folianten, der Baupläne für eine modellhafte Botanik enthält.

Markus Waltenberger zeichnet und malt eine fantastische und zugleich realistische Welt ohne Raum und Zeit und eigentlich auch ohne Farbe, denn auch dieses Medium tritt in den Bildern eher als Fluidum denn als koloristische und malerische Tatsache auf. Alles wirkt wie hingehaucht, wie ein zarter, überaus vergänglicher Beschlag am Bildträger. Und dennoch hat Markus Waltenberger ganz genaue Vorstellungen von seinen Geschöpfen. Sie sind alle höchst ebenmäßig, ohne Makel, ideal proportioniert. Sie scheinen in einer Art Plasma zu schwimmen und zu fliegen.

Kinder sind häufig, Frauen, aber wenige Männer. Man spürt, wo der Künstler die Zukunft sieht. Was fällt noch auf? Zum Beispiel schlichte Gefäße, die herumstehen oder einfach gehalten werden, oder Schlauchsysteme, an die die Lebenden oder Untoten – wie man will – angeschlossen sind. Manchmal führen diese Wesen auch eine eigentümliche Akrobatik vor. Ist es eine böse oder eine gute Welt, die der Künstler hier imaginiert? Ich wage es nicht zu sagen. Es ist wie bei einem Schlangenei. Man sieht das fertige Wesen sich hinter der durchsichtigen Haut bewegen, und dennoch kann man nichts wirklich Genaues über das Aussehen prognostizieren.

Irgendwie ist auch das Paradiesische und Märchenhafte an diesen Bildern sehr unheimlich. Weil alles so präzise ist und zugleich vage bleibt, weil es so frei erfunden aussieht und zugleich medizinisch-klinisch wirkt, weil alles dekorativ ist und zugleich hintergründig wirkt. Markus Waltenberger entwirft so etwas wie fantastische Laborsituationen, aus denen dieses oder jenes, sanfte Engel oder schreckliche Aliens hervorgehen können.

Diese Mehrdeutigkeit ist höchst aufregend. Sie beschäftigt den Betrachter nachhaltig. Von welchen Bildern kann man das sonst
noch sagen?



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