Überm Tellerrand
Europaweite Forschung entsteht – auch wenn sie von nationalstaatlicher Ignoranz oft behindert wird.
Heinz Fassmann, Jahrgang 1955, ist Professor für Angewandte Geografie, Raumforschung und Raumordnung und Mitglied des europäischen Exzellenznetzwerks IMISCOE.
Im Jänner 2007 haben die Universitäten europaweit mit der Umstellung auf eine einheitliche Studienarchitektur begonnen. Von Portugal bis Finnland, von Irland bis Italien werden Aufbau, Inhalt und Abschluss der Studien vereinheitlicht sein. Zugleich tritt auch das 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung als weltweit größtes seiner Art in Kraft. Es wird bis 2013 Gültigkeit besitzen und ein Volumen von knapp 51 Milliarden Euro umfassen.
Beispiele wie jenes virtuelle Großinstitut, dem ich angehöre und das sich mit der Zuwanderung und der gesellschaftlichen Eingliederung der Zugewanderten in Europa und seinen Nachbarstaaten befasst, belegen, dass ein europäischer Forschungsraum – nicht zuletzt aus inhaltlichen Notwendigkeiten heraus – im Entstehen ist. Größter Feind dieser Entwicklung ist jedoch das nationalstaatliche Klein-klein der europäischen Forschungslandschaft. Jedes Mitgliedsland setzt eigene Forschungsschwerpunkte, ohne diese mit den anderen Staaten zu koordinieren. Die Industrie einigt sich nur in Ausnahmefällen auf gemeinsame Forschungsplattformen.
Die österreichische Forschungsdebatte dreht sich zurzeit nur um Studiengebühren, universitäre Mitspracherechte und Pragmatisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Regierungsprogramm von SPÖ und ÖVP dominiert die nationale Inselperspektive: Die Mitsprache der Betriebsräte im Universitätsrat wird als Maßnahme zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Österreichs Universitäten verpackt; der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird die Erarbeitung modernerer Strukturen vorgeschrieben – ohne jedoch näher zu bestimmen, was eine solche zweifelsohne notwendige Modernisierung beinhalten müsste. Von der notorischen Unterdotierung der Universitäten, des Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Forschung (FWF) und der ÖAW ist keine Rede, das 7. Rahmenprogramm wird nicht einmal erwähnt und die soziale Dimension eines europäischen Hochschulraums findet keine Beachtung.
Warum kündigt man nicht an, die Zugangsbedingungen zu den Universitäten europäisch abzustimmen? Eine verstärkte Mobilität der Studierenden wird nicht zu erreichen sein, wenn nicht auch die Rahmenbedingungen Bologna-konform sind. Warum kündigt man keine Incentives an, wenn Universitäten kostenintensive, aber studierendenschwache Fächer durch internationale Lehrverbünde absichern? Warum sorgt man sich nicht um die Internationalisierung der Karrieren des wissenschaftlichen Nachwuchses, sondern denkt lieber an pragmatisierte Laufbahnmodelle?
Im globalen Wettbewerb mit den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum wird Europa nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn es seine Binnenpotenziale bündelt und mehr in Forschung und Bildung investiert. Strategisch sollte man sich dabei vor allem an den USA orientieren, die auf der einen Seite zentrale Institutionen zur Steuerung und Förderung der Forschung besitzen (etwa die National Science Foundation) und auf der anderen Seite für einen harten Wettbewerb der Forscher um Geld und Positionen sowie der Universitäten um talentierte Studierende und qualifizierte Professoren sorgen. Die zweifellos positiven Dynamiken, die sich in der europäischen Praxis abzuzeichnen beginnen, sind von der vor allem hierzulande parteipolitisch dominierten Forschungspolitik leider noch nicht in vergleichbare Strukturen übersetzt worden.
Im Jänner 2007 haben die Universitäten europaweit mit der Umstellung auf eine einheitliche Studienarchitektur begonnen. Von Portugal bis Finnland, von Irland bis Italien werden Aufbau, Inhalt und Abschluss der Studien vereinheitlicht sein. Zugleich tritt auch das 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung als weltweit größtes seiner Art in Kraft. Es wird bis 2013 Gültigkeit besitzen und ein Volumen von knapp 51 Milliarden Euro umfassen.
Beispiele wie jenes virtuelle Großinstitut, dem ich angehöre und das sich mit der Zuwanderung und der gesellschaftlichen Eingliederung der Zugewanderten in Europa und seinen Nachbarstaaten befasst, belegen, dass ein europäischer Forschungsraum – nicht zuletzt aus inhaltlichen Notwendigkeiten heraus – im Entstehen ist. Größter Feind dieser Entwicklung ist jedoch das nationalstaatliche Klein-klein der europäischen Forschungslandschaft. Jedes Mitgliedsland setzt eigene Forschungsschwerpunkte, ohne diese mit den anderen Staaten zu koordinieren. Die Industrie einigt sich nur in Ausnahmefällen auf gemeinsame Forschungsplattformen.
Die österreichische Forschungsdebatte dreht sich zurzeit nur um Studiengebühren, universitäre Mitspracherechte und Pragmatisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Regierungsprogramm von SPÖ und ÖVP dominiert die nationale Inselperspektive: Die Mitsprache der Betriebsräte im Universitätsrat wird als Maßnahme zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Österreichs Universitäten verpackt; der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird die Erarbeitung modernerer Strukturen vorgeschrieben – ohne jedoch näher zu bestimmen, was eine solche zweifelsohne notwendige Modernisierung beinhalten müsste. Von der notorischen Unterdotierung der Universitäten, des Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Forschung (FWF) und der ÖAW ist keine Rede, das 7. Rahmenprogramm wird nicht einmal erwähnt und die soziale Dimension eines europäischen Hochschulraums findet keine Beachtung.
Warum kündigt man nicht an, die Zugangsbedingungen zu den Universitäten europäisch abzustimmen? Eine verstärkte Mobilität der Studierenden wird nicht zu erreichen sein, wenn nicht auch die Rahmenbedingungen Bologna-konform sind. Warum kündigt man keine Incentives an, wenn Universitäten kostenintensive, aber studierendenschwache Fächer durch internationale Lehrverbünde absichern? Warum sorgt man sich nicht um die Internationalisierung der Karrieren des wissenschaftlichen Nachwuchses, sondern denkt lieber an pragmatisierte Laufbahnmodelle?
Im globalen Wettbewerb mit den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum wird Europa nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn es seine Binnenpotenziale bündelt und mehr in Forschung und Bildung investiert. Strategisch sollte man sich dabei vor allem an den USA orientieren, die auf der einen Seite zentrale Institutionen zur Steuerung und Förderung der Forschung besitzen (etwa die National Science Foundation) und auf der anderen Seite für einen harten Wettbewerb der Forscher um Geld und Positionen sowie der Universitäten um talentierte Studierende und qualifizierte Professoren sorgen. Die zweifellos positiven Dynamiken, die sich in der europäischen Praxis abzuzeichnen beginnen, sind von der vor allem hierzulande parteipolitisch dominierten Forschungspolitik leider noch nicht in vergleichbare Strukturen übersetzt worden.
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