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Online special: „Würde es nicht wieder machen“

Arpad Hagyo, Chronikreporter der Tageszeitung „Österreich“, über die Idee, einen Geiselnehmer zu interviewen und die Kritik an seinen Recherchemethoden.

Interview: Klaus Stimeder
Arpad Hagyo ist Chronikredakteur der Tageszeitung Österreich. Hagyo sorgte jüngst für Aufsehen, als er ein - mittlerweile offline gestelltes - Interview (im Originalton aber hier im Zeit-Blog nachzulesen) mit Günter B. führte, der am 27. Februar eine BAWAG-Filiale in der Wiener Mariahilfer Straße überfallen und anschließend sieben Geiseln genommen hatte.

Nach dem unblutigen Ende der Geiselnahme war Hagyo wegen seiner Recherchemethoden ins Kreuzfeuer der Kritik von Seiten anderer Medien und der Polizei geraten. DATUM fragte Hagyo, wie er überhaupt auf den Gedanken kam, das Interview zu führen und was er von dieser Kritik hält.

Herr Hagyo, Ihr Interview mit dem Geiselnehmer Günter B. hat Furore gemacht. Am Tag danach kritisierten andere Medien unisono Ihre Recherchemethoden: Sie hatten in der Bank angerufen und ein Gespräch mit dem Geiselnehmer geführt. Warum haben Sie das getan?

Wir haben das Geiseldrama im Team bearbeitet und ich hatte eben die Idee, in der BAWAG-Filiale anzurufen. Die Telefonnummer stand schließlich im Telefonbuch. Ich wollte mir lediglich ein Bild machen von dem, was in der Bank passiert.

Was haben Sie sich gedacht, als Sie plötzlich den Geiselnehmer am Telefon hatten?

Ich war vor allem überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hatte. Ich habe versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, aber das ist mir nicht wirklich gelungen – das Gespräch hat nur gut eine Minute gedauert. Ich hatte das Gefühl, dass der Mann es sehr auf Provokation angelegt hat, es war ein ungutes Gefühl. Er hat versucht, mich in ein Geplänkel zu verwickeln und mich runter zu machen.

Manche Kommentatoren zogen Parallelen zum Geiseldrama im deutschen Gladbeck 1988. Was halten Sie von dieser Kritik? Haben Sie unethisch gehandelt?

Parallelen zu Gladbeck sehe ich keine. Damals haben sich Journalisten zu Komplizen der Geiselnehmer gemacht, sind zu ihnen ins Auto gestiegen. Ich habe lediglich eine Festnetznummer angerufen, die im Telefonbuch steht. Die Kritik halte ich teilweise für übertrieben, weil sie mitunter sehr unsachlich daherkommt. Ob da vielleicht auch Neid dabei ist, kann ich nicht sagen. Ich kann Ihnen nur wieder sagen, dass meine Vorgangsweise nicht von Sensationshunger getrieben war. Ich wollte mir, wie gesagt, lediglich ein Bild machen von dem, was in der Bank passiert.

Auch von Seiten der Polizei gab es Kritik, Sie hätten die Operation gefährdet. Auch strafrechtliche Konsequenzen werden nicht mehr ausgeschlossen, der Tatbestand der „Gefährdung der körperlichen Sicherheit“ steht im Raum. Fürchten Sie sich vor einem möglichen Prozess?

Ich fürchte mich davor nicht, aber es würde mich betroffen machen.

Würden Sie aus heutiger Sicht wieder genauso handeln?

Angesichts der Reaktionen würde ich nicht wieder so handeln.

Warum nicht?

Eben aufgrund der Vorwürfe, mit denen ich jetzt konfrontiert bin.

Wer war von Ihrer Vorgangsweise informiert?

Das Team, das die Geiselnahme bearbeitet hat und mein Ressortleiter Wolfgang Höllrigl. Ob die Chefredaktion oder Herausgeber Wolfgang Fellner informiert waren, kann ich nicht sagen.


Anmerkung: Das Gespräch wurde am Nachmittag des 28. Februar geführt. DATUM hat, wie es unsere übliche Praxis ist, Herrn Hagyo das Interview zur Autorisierung vorgelegt. Nachdem Herr Hagyo nach der Vorlegung trotz mehrfacher telefonischer und E-Mail-Anfragen nicht mehr reagierte und in der Zwischenzeit auch die APA (Austria Presse Agentur) ein Interview mit ihm - mit nahezu gleich lautendem Inhalt - veröffentlicht hatte, hatten wir das Schweigen als Zustimmung und das Interview als autorisiert betrachtet.

Nachdem es uns letztlich doch noch gelungen war, Herrn Hagyo zu erreichen, teilte uns dieser mit, dass ihm seine Vorgesetzten zwar erlaubt hätten, mit der APA zu sprechen, eine Autorisierung des Interviews mit DATUM aber verboten hätten.

Weil wir weder von Herrn Hagyo persönlich noch von seinen Vorgesetzten eine Begründung für den Umstand erhielten, dass er zwar mit der APA, nicht aber mit DATUM sprechen dürfe, haben wir uns entschieden, das Gespräch trotz nicht erteilter Autorisierung zu veröffentlichen.


P.S. Bei youtube finden Sie hier einen Originalmitschnitt des Gesprächs, das Hagyo mit dem Geiselnehmer führte.



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