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Saddam und der Sex

Rasanter als die „Simpsons“, verrückter als Monty Python und böser als Georg Kreisler: Die Zeichentrickserie „South Park“ geht ab März in die zwölfte Runde und sorgt für gnadenlos unkorrekte Heiterkeit bei ihren Fans.

Lorenz „Lollo“ Pichler, Jahrgang 1976, lebt in Wien und ist die gitarrespielende Hälfte des Duos Christoph und Lollo. Bekannt wurden die beiden vor allem mit ihren „Schispringerliedern“. Zur Euro 2008 erscheint erstmals ein
Fußballerlied von ihnen.



Wir leben in einer verrückten und fürchterlichen Welt. Die Politik ist durch und durch korrupt, die Wirtschaft sowieso und die Religion erst recht. Aberglaube und Dummheit haben Hochsaison, Medienkonzerne dirigieren unsere Meinungen, wie es ihnen passt. Überall toben Krieg und Elend. Und wir sitzen überfordert da und schalten um zu einem Trickbetrüger, der Löffel verbiegt. Wie soll man sich über diese Welt noch ordentlich lustig machen? Welchen Humor soll man diesem ständigen Zynismus entgegensetzen?
Karikaturisten, Komiker und Kleinkünstler zucken da schnell einmal hilflos mit den Schultern und murmeln etwas von „Wenn die Wirklichkeit die Parodie einholt …“.

Obwohl diesen Monat auf dem amerikanischen Sender Comedy Central – Ausschnitte sind auf youtube.com abrufbar – schon die zwölfte Staffel der Zeichentrickserie „South Park“ anläuft, findet sie immer noch einen adäquaten Weg, unserer Zeit satirisch in den Hintern zu treten. „South Park“ entführt uns in mittlerweile 167 Folgen für jeweils 22 Minuten in eine naiv-bunt und krakelig gezeichnete (fiktive) amerikanische Kleinstadt, wo wir die Welt durch die Augen kleiner Kinder betrachten können.

Die Protagonisten sind ganz normale Acht-, Neunjährige, die laufend fluchen und einander grausam behandeln, im Grunde aber nur Sehnsucht danach haben, mit dieser verwirrenden Welt zurechtzukommen. Leider sind ihnen ihre unfähigen Eltern, der sozial schwer auffällige Lehrer und die stets hysterischen Medien dabei keine Hilfe. So müssen sie sich den Themen, die sie beschäftigen, auf eigene Faust nähern, was immer wieder als Ausgangssituation für absurd-komische Handlungsverläufe dient.

Dabei werden regelmäßig die dringlichsten Probleme und umstrittensten Tabus unserer Gesellschaft behandelt: Egal ob Rassismus, Obdachlosigkeit, Krieg, Kindesmisshandlung oder Stammzellenforschung, egal ob Klimakatastrophe, Sterbehilfe, Abtreibung oder Behinderung – es sind genau die Themen, über die man nach allgemeinem Verständnis keine Witze machen sollte, mit denen sich die kreativen Köpfe der Serie, zwei Videospielfanatiker namens Matt Stone und Trey Parker, am liebsten befassen.

Die Erwartung der Zuseher, dass dabei eine „Botschaft“ vermittelt werde, dass die Macher uns damit „etwas sagen wollen“, wird von diesen regelmäßig genüsslich zerstört. Stone und Parker ergreifen nie Partei, sondern machen sich gnadenlos über jeden und alles lustig. Wie die zwei harmlos aussehenden Kerle das alles machen, ist dermaßen böse, geschmacklos und jenseits aller politischen Korrektheit, dass auch abgehärtete Gemüter sich erst daran gewöhnen müssen.

„South Park“ erschließt sich einem nicht sofort, schon gar nicht in der deutschen Fassung. Wenn man sich aber ein wenig in dieser Welt eingelebt hat, in der ständig aufs Derbste geflucht wird, wo Marienstatuen aus dem Hintern bluten, wo Saddam Hussein den Leibhaftigen als Sexsklaven hält und wo zu Weihnachten ein singender Scheißhaufen erscheint, hat man die lustigste Fernsehserie der Welt entdeckt.

In den größten Momenten ist „South Park“ rasanter und effizienter erzählt als die besten „Simpsons“-Folgen, verrückter und überraschender als „Monty Python’s Flying Circus“ und schwärzer und gemeiner als die bösesten Georg-Kreisler-Lieder. Keine Nachrichtensendung der Welt zeigt uns so brutal die Wirklichkeit wie diese Parodie, nirgends sonst werden die Reichen und Mächtigen von Scientology bis Paris Hilton mit so beißendem und gleichzeitig treffendem Spott bedacht, nichts sonst ist in alldem dermaßen hinreißend komisch.



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