Der Bauer als Rebell
Er machte bekannt, dass der Tiroler Landeshauptmann van Staa Joschka Fischer ein Schwein genannt hat, und legt sich auch sonst gerne mit den Tiroler Obrigkeiten an. Was treibt den Ötztaler Bergbauern und Publizisten Markus Wilhelm an?
Text: Florian Gasser
Fotografie: Steffen Arora
Kamen die Prostituierten in einem Dienstwagen der landeseigenen Tiroler Wasserkraft AG zu ihren Kunden? Wurde für die Abwicklung der Termine der Callgirls ein Tiwag-Dienstlaptop benutzt? Und wie weit war der Ex-Abteilungsleiter des größten Energieerzeugers und -versorgers Tirols, dem das alles vorgeworfen wird, in diese Machenschaften verwickelt? Mit Fragen wie diesen wird sich das Landesgericht Innsbruck Anfang kommenden Monats auseinandersetzen. Gemeinsam mit vier weiteren Personen – für alle gilt die Unschuldsvermutung – soll der Angeklagte P. einen Callgirlring betrieben haben. Der 39-Jährige wurde inzwischen zum einfachen Techniker degradiert und hat auch seine Funktion als Obmann einer Oberländer Schützenkompanie zurückgelegt.
Schuld daran ist einer der im heiligen Land üblichen Verdächtigen: der Landwirt und Publizist Markus Wilhelm, seit nunmehr 30 Jahren Schreckgespenst für Tiroler Politiker und Wirtschaftsbosse. Mit seinen Enthüllungen sorgt der Ötztaler bei den Betroffenen regelmäßig für schlaflose Nächte: zu Unrecht getragene Magistertitel, legale, aber illegitime Verwicklungen zwischen Politik und Wirtschaft, undurchsichtige Geldflüsse und jüngst der amtlich bestätigte Vorwurf an Landeshauptmann Herwig van Staa, den ehemaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer ein Schwein genannt zu haben.
Obwohl sein Name in Tirol dieser Tage wieder einmal in aller Munde ist, ist über Markus Wilhelm nur wenig bekannt. Nach Fotos, auf denen das Gesicht des 52-Jährigen klar zu erkennen ist, suchte man bis vor kurzem vergeblich. Ebenso nach Details aus seinem Privatleben. „Das Fotografiertwerden ist mir zuwider“, sagt er, grinst den Fotografen an und versucht hartnäckig, dessen Objektiv auszuweichen. Trotz seines breiten Ötztaler Dialekts sind seine Sätze meistens druckreif. Groß gewachsen und breitschultrig, frisch rasiert und ordentlich gekämmt sitzt er im hintersten Eck des Café Central in der Innsbrucker Innenstadt, blättert sein vollgeschriebenes Notizbuch durch und würde eigentlich „viel lieber über Thomas Mann oder Bertolt Brecht reden anstatt von mir selbst“.

Dem kommenden Prozess, dessen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen von seinen Recherchen, die er auf seiner Homepage www.dietiwag.org veröffentlicht hatte, angestoßen wurden, sieht er gelassen entgegen. „Lediglich als Beobachter“ werde er vor Gericht anwesend sein. „Nicht ich schade der Tiwag, sondern ihre Mitarbeiter haben sich selbst ganz massiven Schaden zugefügt. Ich bin ja nur der, der die Sachen öffentlich macht, der Überbringer ist aber nicht der Täter. Ich möchte ja Schaden von der Tiwag abhalten.“
Der den Markt dominierende Stromversorger, der sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes befindet, gehört schon seit langem zu den Lieblingsgegnern Wilhelms. Vorzu- werfen hat er ihm viel: Zerstörung der Umwelt durch Kraftwerksbauten, undurch- sichtige Geschäfte mit amerikanischen Firmen – sogenannte Cross-Border-Leasing- geschäfte – und Misswirtschaft.
Mit den Enthüllungen auf seiner Homepage bringt er das Unternehmen regelmäßig ins Schwitzen: Vor drei Jahren begann er damit, Auszüge aus vertraulichen Geschäfts- verträgen der Tiwag mit amerikanischen Firmenkonsortien zu veröffentlichen. Zwischen 2001 und 2003 waren 14 der 15 größten Kraftwerke der Tiwag an US-Konsortien verkauft worden. Seitdem zahlt die Tiwag für deren Nutzung Leasingraten. Wenn der Vertrag ausläuft, können die Tiroler die Kraftwerke zum dann noch verbleibenden Restwert zurückkaufen. Zweck der Übung: steuerrechtliche Vorteile auf beiden Seiten, weil – unter anderem – ein höherer Betriebsaufwand geltend gemacht werden kann. Ein Coup, dessen Sinnhaftigkeit sogar der Rechnungs- hof anzweifelte: 2004 stellte dieser fest, dass nicht abschätzbar sei, ob der Tiwag nach Ende der Laufzeit durch den Deal auch wirklich finanzielle Vorteile entstehen.
Bis heute ist es ein Rätsel, wie die Dokumente in Wilhelms Besitz gekommen sind. Seit über zwei Jahren läuft wegen der Veröffentlichung eine Unterlassungsklage gegen ihn. „Absichtlich und sittenwidrig“ füge er dem Stromkonzern Schaden zu, heißt es in der Klagsschrift. Streitwert: 500.000 Euro. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Wilhelm stört das nicht weiter. Denn: „Das ist ganz einfach. Wenn es so weit ist, werde ich nicht verlieren. Und selbst wenn: Du kannst mir alles nehmen, mein Haus, meine Felder. Was ich aber nie ertragen könnte, wäre, in der Sache nachzu- geben.“
Mit der Tiwag allein hält sich Wilhelm nicht auf. Erst Ende Jänner deckte er auf, dass Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumordnung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins (OeAV), seinen akademischen Titel zu Unrecht führt. Über das Motiv der Enthüllung lässt er keinen Zweifel: „Nach außen gibt sich der OeAV als Naturschutzorganisation, in Wahrheit ist es aber seine Aufgabe, Proteste abzufangen und durch die Aufführung von üppigen Eiertänzen die angestrebten Projekte der Tiwag zu ermöglichen“, sagt Wilhelm. Konsequenz der Enthüllung: Haßlacher musste nach über 30-jähriger Tätigkeit für den OeAV den Hut nehmen.
Für bundesweite Aufregung sorgte Wilhelm aber mit der „Schwein-Affäre“. Er hatte einen Mitschnitt des Tonbands, auf dem Herwig van Staa Joschka Fischer ein Schwein nennt, auf seiner Homepage veröffentlicht. Die Tiroler ÖVP warf ihm daraufhin eine „Manipulation des Bandes“ vor. Zur Anzeige kam es nicht, die Innsbrucker Staats- anwaltschaft nahm allerdings Vorerhebungen auf: gegen Wilhelm, wegen angeblicher übler Nachrede, Täuschung und Beweismittelfälschung. Auf „Bitte“ der Tiroler Polizei übernahm das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) die Ermittlungen. „Ich wurde zur Einvernahme vorgeladen, habe aber aus Protest gegen die BIA-Schikanen nicht ausgesagt. Das Treffen war kurz und frostig“, erzählt Wilhelm heute. Wie jüngst bekanntwurde, konnte das BIA keinerlei Manipulation am Tonband feststellen – van Staa hat tatsächlich „Schwein“ gesagt.
Doch auch Wilhelm teilt kräftig aus: Den Tiwag-Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen stellvertretenden Landeshauptmann Ferdinand Eberle (ÖVP) nennt er „alles eher als Tirols anonymsten Alkoholiker“. Der streitbare Bergbauer sieht keinen Grund, sich für seine Wortwahl zu entschuldigen. „Die Ausdrücke, die ich verwende, sind durch die Geschichten mehr als gedeckt“, sagt er und krempelt die Ärmel seines rot-weiß karierten Holzfällerhemds hoch. „Bei diesen Sauereien ist jedes Wort, das einem einfällt, gerechtfertigt. Jemanden als Kotzbrocken zu bezeichnen ist nichts gegen das, was diese Herren getan haben. Man könnte aber sagen, dass das vielleicht eine Schwäche von mir ist, diese flegelhaften Wörter. Aber das ist so ein übermächtiger Gegner, und dann haust du halt einmal zu.“
Wilhelm sieht sich gern in der Rolle des sturschädeligen Tiroler David, der einsam gegen Goliath kämpft. So einsam ist Markus Wilhelm aber gar nicht. Eine, die seit 30 Jahren nicht von seiner Seite weicht, ist Lebensgefährtin Annemarie. „Sie ist meine Komplizin und unterstützt mich ohne Ende. Auch dadurch, dass sie alles so kritisch sieht wie ich“, erzählt Wilhelm. Eine Heirat stand nie zur Debatte. „Das ist so ein bürgerliches Pflichttor, das wir nicht durchlaufen wollten“, sagt er. Gemeinsam lebt das kinderlose Paar in Sölden, wo Markus Wilhelm 1956 geboren wurde.
Es war die Zeit des großen Tourismusbooms, und seine Eltern waren neben der Landwirtschaft noch im Fremdenverkehr tätig: Die Mutter hatte ein kleines Lebensmittelgeschäft, der Vater einen Skiverleih. Vor allem der Vater habe bis zum Umfallen gearbeitet: „Spätnachts hat er noch Kanten geschliffen und Ski lackiert, und oft ist er dann schon um vier Uhr morgens wieder in der Werkstatt gestanden.“ Er wisse also, wovon er rede, wenn er gegen den Massentourismus wettert.
Den Betrieb später einmal zu übernehmen kam für Markus Wilhelm nie infrage. Nach der Grundschule wurde er in ein bischöfliches Internat in Schwaz im Tiroler Unterland geschickt, wo ihn „die Einsamkeit“ zum Schreiben brachte. Ganze Schulhefte kritzelte er mit Kurzgeschichten und Gedichten voll. Die Themen waren schon damals politisch. „Und immer kämpferisch“, sagt Wilhelm heute. „Ich habe mir schon damals nicht alles gefallen lassen. Wenn der Lehrer gesagt hat ‚Wilhelm, hinaus vor die Tür‘, habe ich das nicht gemacht. Dann wusste er nicht, wie er reagieren soll. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Gegner aufgeschmissen ist, wenn du in dem System nicht so funktionierst, wie es erwartet wird.“

Nach der Matura und dem Präsenzdienst inskribierte er an der Uni Innsbruck Geschichte und Philosophie. „Ernsthaft studiert habe ich aber nicht. Im Grunde war es nur ein Vorwand, um Zeit zum Schreiben zu haben.“ Konsequenz: Das Studium in Tirols Landeshauptstadt brach er ab – und wechselte ans Mozarteum in Salzburg, um Schauspiel und Regie zu studieren. Das Gastspiel endete nach wenigen Monaten. „Die Allüren der Leute dort waren mir einfach zuwider. Für den Ötztaler Buben war das schon hart. Dieses Gekünstelte, wenn sie jedem gleich um den Hals fallen. Damit bin ich überhaupt nicht klargekommen.“
Zurück in Innsbruck gründete er 1977 unter anderem mit dem Schriftsteller Hans Haid und dem Südtiroler Publizisten Gunther Waibl die kulturpolitische Zeitschrift Der Föhn. Bekannte und unbekannte Leute aus der Nord- und Südtiroler Kulturszene veröffentlichten dort ihre Texte: vom schon damals prominenten Dramaturgen Felix Mitterer über den Südtiroler Dichter Norbert C. Kaser bis zum Kabarettisten Gerhard Sexl und Norbert Pleifer, heute Besitzer des Innsbrucker Kulturcafés Treibhaus. Für „hervorragende journalistische Leistungen“ bekam die Redaktion 1979 gemeinsam mit der Wiener Stadtzeitung Falter den Dr.-Karl-Renner-Förderungspreis für Publizistik verliehen. Doch vor allem zwischen Hans Haid und Markus Wilhelm flogen schon bald die Fetzen. So heftig, dass sie sich bis heute nichts mehr zu sagen haben.
Es sei ihm ein „Gräuel, überhaupt an Wilhelm erinnert zu werden“, sagt der ebenfalls in Sölden lebende Haid. Auch Norbert Pleifer verweigert jeden Kommentar zu Wilhelm: „Zu einem Porträt kann und will ich nichts beitragen.“ Obwohl die Initiative zum Föhn von ihm gekommen sei, „hat er mich bereits nach der zweiten Ausgabe aus der Redaktion beseitigt, um die Zeitschrift nach seinen Vorstellungen weiterzu- führen“, sagt Hans Haid. Wilhelm seinerseits hat ebenfalls wenig Gutes über seinen einstigen Partner zu sagen: „Haid ist ein Egomane mit einem starken Selbstinsze- nierungstrieb. Er ist keiner, bei dem es letzten Endes um die Sache geht.“
Dass sich die ehemaligen Weggefährten so zerstritten haben, kann sich Gunther Waibl nicht erklären. Der Südtiroler denkt gerne an die Zeit beim Föhn zurück. Die Konflikte seien für ihn schon damals nicht durchschaubar gewesen: „Es hat in Innsbruck Dynamiken innerhalb der Gruppe gegeben, die für uns in Südtirol nicht mehr nachvollziehbar waren.“ Markus Wilhelm hat er als „sehr zielstrebig“ in Erinnerung: „Er hat sich wahnsinnig in die Sache hineingekniet. Überhaupt war er in allen Dingen, die er angepackt hat, immer sehr konsequent.“
Der Föhn erschien unregelmäßig, maximal viermal im Jahr, bis 1982. Ein Jahr zuvor stieg Wilhelm aus und konzentrierte sich auf seine schriftstellerische Arbeit. Er schrieb viel, veröffentlichte aber wenig; lebte von Förderungen und Preisen wie dem Stipendium für dramatische Autoren des Unterrichts- und Kunstministeriums (1982) und dem Staatsstipendium für Literatur (1983). Was er seinerzeit geschrieben hat, was nie jemand zu Gesicht bekam? „Dichte, ineinander verwobene, private und politische Sprachbilder“, sagt Wilhelm.
„Ich bin nicht selten vier Stunden an nur vier Zeilen gesessen.“ Der gewöhnliche Leser aber hätte das Ergebnis dann „einfach so schnell heruntergelesen. Es klingt vielleicht blöd, aber eine Veröffentlichung der Geschichten wäre für mich gewesen, wie Perlen vor die Säue zu werfen.“ Was er aber sehr wohl unters Volk bringen wollte, war seine Sicht der Tiroler Landespolitik. Dafür ließ er 1984 den Föhn im Alleingang wieder auferstehen. Angaben über die Auflage will Wilhelm heute keine machen. Nur so viel: „Allein in der Wagner!schen Buchhandlung in der Innsbrucker Innenstadt wurden von jeder Ausgabe um die 400 Stück verkauft.“
Mehr als der Name verbindet die neue Zeitschrift nicht mit ihrem Vorgänger. Der neue Föhn versteht sich als „Aufklärungsmedium über Vorgänge in der Tiroler Politik und Wirtschaft“. Grundlegende Richtung der neuen Zeitschrift: „Zuspitzung“. Erscheinungsweise: „ziemlich regelmäßig unregelmäßig“. Neben penibel recherchierten Fakten war es die harte Polemik, die das Blatt bekannt machte.
„Die Entrüstung über den von 100.000 Skikanten abgeschabten Wiesenrücken ist so lächerlich, als beklagte man bei einem am Krebs Krepierenden die Beeinträchtigung seiner Haartracht“, schrieb Wilhelm 1994 in einer Ausgabe über den „Exzess Massentourismus“. Bereits 1988 standen er und die Tiwag einander erstmals vor Gericht gegenüber. Im Föhn hatte Wilhelm den Einfluss deutscher Stromkonzerne auf den Vorarlberger und Tiroler Energiemarkt kritisiert. Der Stromriese klagte auf Kreditschädigung – und verlor in zwei Instanzen. „Der damalige Vorstandsdirektor Helmut Mayr musste sich dann schriftlich bei mir entschuldigen“, erzählt Wilhelm stolz. Von diesem Zeitpunkt an hat ihn die Tiwag nicht mehr losgelassen. Auch nachdem 1998 die letzte Ausgabe des neuen Föhn erschien und sich Wilhelm auf den von seinen Eltern übernommenen Bauernhof konzentrierte, sammelte er weiter Material über den Stromversorger.
Alles, was ihm dazu in die Finger kam, von Kraftwerksplänen bis zu kleinen Zeitungsartikeln, archivierte er in Bananenschachteln auf seinem Dachboden. „Ich möchte die Zusammenhänge erklären, den Filz aufzeigen. Ich mache im Grunde nichts anderes als Grabungen in der Gegenwart, und das macht Spaß“, erklärt Wilhelm seine Motivation. Geld wollte er damit nie verdienen: „Ich brauche nicht viel. Und das bisschen, was ich brauche, habe ich.“
Sein Einkommen bezieht Markus Wilhelm aus der Landwirtschaft, ihm gehören zwei Hektar Felder – 20.000 Quadratmeter – und je ein Dutzend Schafe und Ziegen. Daneben teilt er sich mit 25 anderen Bauern ein paar Felder hoch oben im Gebirge. Zusätzlich vermietet er noch drei Appartements in seinem Haus an Touristen. Ein Gegner des Massentourismus, der selbst vom Tourismus lebt und den Protest damit finanziert? Darauf angesprochen, schweigt Wilhelm lange und vergräbt das Gesicht in den klobigen Händen: „Nein, das ist es nicht. Das sind Appartements oben in meinem Haus, die nur ganz wenig Arbeit machen. Das ist halt so. Das geht aber an mir vorbei. Die sind da, berühren mich aber nicht weiter und belasten mich auch nicht.“
Was er bei der Landtagswahl im Herbst wählen wird, verrät Markus Wilhelm nicht. Einzig: „Es ist besser, hinzugehen und ungültig zu wählen, als gar nicht zur Wahl zu gehen.“ Sollte der Landeshauptmann diesmal verlieren, werde er eine „kurze Freude spüren, aber nur sehr verhalten, wenn ich sehe, was nachkommt. Es wird sich nichts ändern.“ Am liebsten wäre ihm ein Wahlergebnis, bei dem „alle Parteien kräftig verlieren. Dann würde ich eine Flasche Sekt aufmachen.“
Frage an die Maus: Wie steht es um die Tiroler Medienlandschaft?
Die Pfründe auf dem Tiroler Medienmarkt sind klar verteilt. Im Printbereich dominiert die Moser Holding mit dem Flaggschiff „Tiroler Tageszeitung“ und deren Boulevard- ableger„Die Neue“. Laut Media-Analyse (MA) 2006 erreichen die Zeitungen zusammen fast 60 Prozent der 440.000 Tiroler Tageszeitungsleser. Allein die „TT“ lesen 316.000 Menschen im 700.000-Einwohner-Land. Relativ abgeschlagen ist dagegen die „Krone“ mit einer Reichweite von 33 Prozent. Andere Zeitungen spielen de facto kaum eine Rolle. Seit Oktober 2007 gibt die Moser Holding auch die Gratiswochenzeitung „Tirol am Sonntag“ heraus. Sie zielt auf ein weiteres Gratiswochenblatt namens „Echo am Freitag“ der Tempo Verlags GmbH, zu deren Einflussbereich auch das Tiroler Nachrichtenmagazin „Echo“ zählt, das im November vergangenen Jahres mit einer Druckauflage von 242.000 Exemplaren startete.
Auch beim Radio hat die Moser Holding durch Life Radio, mit fünf Prozent Marktanteil im Jahr 2007 der meistgehörte Privatsender Tirols, einen Fuß in der Tür. Im Vergleich zu 2006 verlor der Sender zwar drei Prozent, liegt aber weiter vor dem zweiten landesweit empfangbaren Privatradio KroneHit (drei Prozent). Die vier ORF-Radios konnten ihren Marktanteil im vergangenen Halbjahr auf nun 77 Prozent steigern. Dabei liegt Radio Tirol mit 35 Prozent Gesamtmarktanteil vor Ö3, das auf 32 Prozent kommt: Mehr als die Hälfte der Tiroler zwischen 14 und 49 Jahren hört täglich Ö3. Die in Osttirol und rund um Kufstein nicht empfangbaren Welle Radios Tirol kommen in ihrem Verbreitungsgebiet auf einen Marktanteil von fünf Prozent. Daneben gibt es noch mehrere regionale Privatsender, von denen Radio Osttirol auf einen Markanteil von 19 Prozent im Sendegebiet kommt. Radio Unterland und die nur zwischen Innsbruck und Kufstein sendende Antenne Tirol kommen auf elf bzw. drei Prozent Marktanteil.
Das Nachrichten- und Serviceportal tirol.com ist das beliebteste Online-Angebot des Landes: Im Jänner 2008 nutzten laut der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) über 250.000 einzelne Surfer das Angebot, die Internetseite verzeichnet monatlich mehr als 1,2 Millionen Besuche. Inhaber von tirol.com: die Moser Holding.
Schuld daran ist einer der im heiligen Land üblichen Verdächtigen: der Landwirt und Publizist Markus Wilhelm, seit nunmehr 30 Jahren Schreckgespenst für Tiroler Politiker und Wirtschaftsbosse. Mit seinen Enthüllungen sorgt der Ötztaler bei den Betroffenen regelmäßig für schlaflose Nächte: zu Unrecht getragene Magistertitel, legale, aber illegitime Verwicklungen zwischen Politik und Wirtschaft, undurchsichtige Geldflüsse und jüngst der amtlich bestätigte Vorwurf an Landeshauptmann Herwig van Staa, den ehemaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer ein Schwein genannt zu haben.
Obwohl sein Name in Tirol dieser Tage wieder einmal in aller Munde ist, ist über Markus Wilhelm nur wenig bekannt. Nach Fotos, auf denen das Gesicht des 52-Jährigen klar zu erkennen ist, suchte man bis vor kurzem vergeblich. Ebenso nach Details aus seinem Privatleben. „Das Fotografiertwerden ist mir zuwider“, sagt er, grinst den Fotografen an und versucht hartnäckig, dessen Objektiv auszuweichen. Trotz seines breiten Ötztaler Dialekts sind seine Sätze meistens druckreif. Groß gewachsen und breitschultrig, frisch rasiert und ordentlich gekämmt sitzt er im hintersten Eck des Café Central in der Innsbrucker Innenstadt, blättert sein vollgeschriebenes Notizbuch durch und würde eigentlich „viel lieber über Thomas Mann oder Bertolt Brecht reden anstatt von mir selbst“.

Dem kommenden Prozess, dessen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen von seinen Recherchen, die er auf seiner Homepage www.dietiwag.org veröffentlicht hatte, angestoßen wurden, sieht er gelassen entgegen. „Lediglich als Beobachter“ werde er vor Gericht anwesend sein. „Nicht ich schade der Tiwag, sondern ihre Mitarbeiter haben sich selbst ganz massiven Schaden zugefügt. Ich bin ja nur der, der die Sachen öffentlich macht, der Überbringer ist aber nicht der Täter. Ich möchte ja Schaden von der Tiwag abhalten.“
Der den Markt dominierende Stromversorger, der sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes befindet, gehört schon seit langem zu den Lieblingsgegnern Wilhelms. Vorzu- werfen hat er ihm viel: Zerstörung der Umwelt durch Kraftwerksbauten, undurch- sichtige Geschäfte mit amerikanischen Firmen – sogenannte Cross-Border-Leasing- geschäfte – und Misswirtschaft.
Mit den Enthüllungen auf seiner Homepage bringt er das Unternehmen regelmäßig ins Schwitzen: Vor drei Jahren begann er damit, Auszüge aus vertraulichen Geschäfts- verträgen der Tiwag mit amerikanischen Firmenkonsortien zu veröffentlichen. Zwischen 2001 und 2003 waren 14 der 15 größten Kraftwerke der Tiwag an US-Konsortien verkauft worden. Seitdem zahlt die Tiwag für deren Nutzung Leasingraten. Wenn der Vertrag ausläuft, können die Tiroler die Kraftwerke zum dann noch verbleibenden Restwert zurückkaufen. Zweck der Übung: steuerrechtliche Vorteile auf beiden Seiten, weil – unter anderem – ein höherer Betriebsaufwand geltend gemacht werden kann. Ein Coup, dessen Sinnhaftigkeit sogar der Rechnungs- hof anzweifelte: 2004 stellte dieser fest, dass nicht abschätzbar sei, ob der Tiwag nach Ende der Laufzeit durch den Deal auch wirklich finanzielle Vorteile entstehen.
Bis heute ist es ein Rätsel, wie die Dokumente in Wilhelms Besitz gekommen sind. Seit über zwei Jahren läuft wegen der Veröffentlichung eine Unterlassungsklage gegen ihn. „Absichtlich und sittenwidrig“ füge er dem Stromkonzern Schaden zu, heißt es in der Klagsschrift. Streitwert: 500.000 Euro. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Wilhelm stört das nicht weiter. Denn: „Das ist ganz einfach. Wenn es so weit ist, werde ich nicht verlieren. Und selbst wenn: Du kannst mir alles nehmen, mein Haus, meine Felder. Was ich aber nie ertragen könnte, wäre, in der Sache nachzu- geben.“
Mit der Tiwag allein hält sich Wilhelm nicht auf. Erst Ende Jänner deckte er auf, dass Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumordnung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins (OeAV), seinen akademischen Titel zu Unrecht führt. Über das Motiv der Enthüllung lässt er keinen Zweifel: „Nach außen gibt sich der OeAV als Naturschutzorganisation, in Wahrheit ist es aber seine Aufgabe, Proteste abzufangen und durch die Aufführung von üppigen Eiertänzen die angestrebten Projekte der Tiwag zu ermöglichen“, sagt Wilhelm. Konsequenz der Enthüllung: Haßlacher musste nach über 30-jähriger Tätigkeit für den OeAV den Hut nehmen.
Für bundesweite Aufregung sorgte Wilhelm aber mit der „Schwein-Affäre“. Er hatte einen Mitschnitt des Tonbands, auf dem Herwig van Staa Joschka Fischer ein Schwein nennt, auf seiner Homepage veröffentlicht. Die Tiroler ÖVP warf ihm daraufhin eine „Manipulation des Bandes“ vor. Zur Anzeige kam es nicht, die Innsbrucker Staats- anwaltschaft nahm allerdings Vorerhebungen auf: gegen Wilhelm, wegen angeblicher übler Nachrede, Täuschung und Beweismittelfälschung. Auf „Bitte“ der Tiroler Polizei übernahm das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) die Ermittlungen. „Ich wurde zur Einvernahme vorgeladen, habe aber aus Protest gegen die BIA-Schikanen nicht ausgesagt. Das Treffen war kurz und frostig“, erzählt Wilhelm heute. Wie jüngst bekanntwurde, konnte das BIA keinerlei Manipulation am Tonband feststellen – van Staa hat tatsächlich „Schwein“ gesagt.
Doch auch Wilhelm teilt kräftig aus: Den Tiwag-Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen stellvertretenden Landeshauptmann Ferdinand Eberle (ÖVP) nennt er „alles eher als Tirols anonymsten Alkoholiker“. Der streitbare Bergbauer sieht keinen Grund, sich für seine Wortwahl zu entschuldigen. „Die Ausdrücke, die ich verwende, sind durch die Geschichten mehr als gedeckt“, sagt er und krempelt die Ärmel seines rot-weiß karierten Holzfällerhemds hoch. „Bei diesen Sauereien ist jedes Wort, das einem einfällt, gerechtfertigt. Jemanden als Kotzbrocken zu bezeichnen ist nichts gegen das, was diese Herren getan haben. Man könnte aber sagen, dass das vielleicht eine Schwäche von mir ist, diese flegelhaften Wörter. Aber das ist so ein übermächtiger Gegner, und dann haust du halt einmal zu.“
Wilhelm sieht sich gern in der Rolle des sturschädeligen Tiroler David, der einsam gegen Goliath kämpft. So einsam ist Markus Wilhelm aber gar nicht. Eine, die seit 30 Jahren nicht von seiner Seite weicht, ist Lebensgefährtin Annemarie. „Sie ist meine Komplizin und unterstützt mich ohne Ende. Auch dadurch, dass sie alles so kritisch sieht wie ich“, erzählt Wilhelm. Eine Heirat stand nie zur Debatte. „Das ist so ein bürgerliches Pflichttor, das wir nicht durchlaufen wollten“, sagt er. Gemeinsam lebt das kinderlose Paar in Sölden, wo Markus Wilhelm 1956 geboren wurde.
Es war die Zeit des großen Tourismusbooms, und seine Eltern waren neben der Landwirtschaft noch im Fremdenverkehr tätig: Die Mutter hatte ein kleines Lebensmittelgeschäft, der Vater einen Skiverleih. Vor allem der Vater habe bis zum Umfallen gearbeitet: „Spätnachts hat er noch Kanten geschliffen und Ski lackiert, und oft ist er dann schon um vier Uhr morgens wieder in der Werkstatt gestanden.“ Er wisse also, wovon er rede, wenn er gegen den Massentourismus wettert.
Den Betrieb später einmal zu übernehmen kam für Markus Wilhelm nie infrage. Nach der Grundschule wurde er in ein bischöfliches Internat in Schwaz im Tiroler Unterland geschickt, wo ihn „die Einsamkeit“ zum Schreiben brachte. Ganze Schulhefte kritzelte er mit Kurzgeschichten und Gedichten voll. Die Themen waren schon damals politisch. „Und immer kämpferisch“, sagt Wilhelm heute. „Ich habe mir schon damals nicht alles gefallen lassen. Wenn der Lehrer gesagt hat ‚Wilhelm, hinaus vor die Tür‘, habe ich das nicht gemacht. Dann wusste er nicht, wie er reagieren soll. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Gegner aufgeschmissen ist, wenn du in dem System nicht so funktionierst, wie es erwartet wird.“

Nach der Matura und dem Präsenzdienst inskribierte er an der Uni Innsbruck Geschichte und Philosophie. „Ernsthaft studiert habe ich aber nicht. Im Grunde war es nur ein Vorwand, um Zeit zum Schreiben zu haben.“ Konsequenz: Das Studium in Tirols Landeshauptstadt brach er ab – und wechselte ans Mozarteum in Salzburg, um Schauspiel und Regie zu studieren. Das Gastspiel endete nach wenigen Monaten. „Die Allüren der Leute dort waren mir einfach zuwider. Für den Ötztaler Buben war das schon hart. Dieses Gekünstelte, wenn sie jedem gleich um den Hals fallen. Damit bin ich überhaupt nicht klargekommen.“
Zurück in Innsbruck gründete er 1977 unter anderem mit dem Schriftsteller Hans Haid und dem Südtiroler Publizisten Gunther Waibl die kulturpolitische Zeitschrift Der Föhn. Bekannte und unbekannte Leute aus der Nord- und Südtiroler Kulturszene veröffentlichten dort ihre Texte: vom schon damals prominenten Dramaturgen Felix Mitterer über den Südtiroler Dichter Norbert C. Kaser bis zum Kabarettisten Gerhard Sexl und Norbert Pleifer, heute Besitzer des Innsbrucker Kulturcafés Treibhaus. Für „hervorragende journalistische Leistungen“ bekam die Redaktion 1979 gemeinsam mit der Wiener Stadtzeitung Falter den Dr.-Karl-Renner-Förderungspreis für Publizistik verliehen. Doch vor allem zwischen Hans Haid und Markus Wilhelm flogen schon bald die Fetzen. So heftig, dass sie sich bis heute nichts mehr zu sagen haben.
Es sei ihm ein „Gräuel, überhaupt an Wilhelm erinnert zu werden“, sagt der ebenfalls in Sölden lebende Haid. Auch Norbert Pleifer verweigert jeden Kommentar zu Wilhelm: „Zu einem Porträt kann und will ich nichts beitragen.“ Obwohl die Initiative zum Föhn von ihm gekommen sei, „hat er mich bereits nach der zweiten Ausgabe aus der Redaktion beseitigt, um die Zeitschrift nach seinen Vorstellungen weiterzu- führen“, sagt Hans Haid. Wilhelm seinerseits hat ebenfalls wenig Gutes über seinen einstigen Partner zu sagen: „Haid ist ein Egomane mit einem starken Selbstinsze- nierungstrieb. Er ist keiner, bei dem es letzten Endes um die Sache geht.“
Dass sich die ehemaligen Weggefährten so zerstritten haben, kann sich Gunther Waibl nicht erklären. Der Südtiroler denkt gerne an die Zeit beim Föhn zurück. Die Konflikte seien für ihn schon damals nicht durchschaubar gewesen: „Es hat in Innsbruck Dynamiken innerhalb der Gruppe gegeben, die für uns in Südtirol nicht mehr nachvollziehbar waren.“ Markus Wilhelm hat er als „sehr zielstrebig“ in Erinnerung: „Er hat sich wahnsinnig in die Sache hineingekniet. Überhaupt war er in allen Dingen, die er angepackt hat, immer sehr konsequent.“
Der Föhn erschien unregelmäßig, maximal viermal im Jahr, bis 1982. Ein Jahr zuvor stieg Wilhelm aus und konzentrierte sich auf seine schriftstellerische Arbeit. Er schrieb viel, veröffentlichte aber wenig; lebte von Förderungen und Preisen wie dem Stipendium für dramatische Autoren des Unterrichts- und Kunstministeriums (1982) und dem Staatsstipendium für Literatur (1983). Was er seinerzeit geschrieben hat, was nie jemand zu Gesicht bekam? „Dichte, ineinander verwobene, private und politische Sprachbilder“, sagt Wilhelm.
„Ich bin nicht selten vier Stunden an nur vier Zeilen gesessen.“ Der gewöhnliche Leser aber hätte das Ergebnis dann „einfach so schnell heruntergelesen. Es klingt vielleicht blöd, aber eine Veröffentlichung der Geschichten wäre für mich gewesen, wie Perlen vor die Säue zu werfen.“ Was er aber sehr wohl unters Volk bringen wollte, war seine Sicht der Tiroler Landespolitik. Dafür ließ er 1984 den Föhn im Alleingang wieder auferstehen. Angaben über die Auflage will Wilhelm heute keine machen. Nur so viel: „Allein in der Wagner!schen Buchhandlung in der Innsbrucker Innenstadt wurden von jeder Ausgabe um die 400 Stück verkauft.“
Mehr als der Name verbindet die neue Zeitschrift nicht mit ihrem Vorgänger. Der neue Föhn versteht sich als „Aufklärungsmedium über Vorgänge in der Tiroler Politik und Wirtschaft“. Grundlegende Richtung der neuen Zeitschrift: „Zuspitzung“. Erscheinungsweise: „ziemlich regelmäßig unregelmäßig“. Neben penibel recherchierten Fakten war es die harte Polemik, die das Blatt bekannt machte.
„Die Entrüstung über den von 100.000 Skikanten abgeschabten Wiesenrücken ist so lächerlich, als beklagte man bei einem am Krebs Krepierenden die Beeinträchtigung seiner Haartracht“, schrieb Wilhelm 1994 in einer Ausgabe über den „Exzess Massentourismus“. Bereits 1988 standen er und die Tiwag einander erstmals vor Gericht gegenüber. Im Föhn hatte Wilhelm den Einfluss deutscher Stromkonzerne auf den Vorarlberger und Tiroler Energiemarkt kritisiert. Der Stromriese klagte auf Kreditschädigung – und verlor in zwei Instanzen. „Der damalige Vorstandsdirektor Helmut Mayr musste sich dann schriftlich bei mir entschuldigen“, erzählt Wilhelm stolz. Von diesem Zeitpunkt an hat ihn die Tiwag nicht mehr losgelassen. Auch nachdem 1998 die letzte Ausgabe des neuen Föhn erschien und sich Wilhelm auf den von seinen Eltern übernommenen Bauernhof konzentrierte, sammelte er weiter Material über den Stromversorger.
Alles, was ihm dazu in die Finger kam, von Kraftwerksplänen bis zu kleinen Zeitungsartikeln, archivierte er in Bananenschachteln auf seinem Dachboden. „Ich möchte die Zusammenhänge erklären, den Filz aufzeigen. Ich mache im Grunde nichts anderes als Grabungen in der Gegenwart, und das macht Spaß“, erklärt Wilhelm seine Motivation. Geld wollte er damit nie verdienen: „Ich brauche nicht viel. Und das bisschen, was ich brauche, habe ich.“
Sein Einkommen bezieht Markus Wilhelm aus der Landwirtschaft, ihm gehören zwei Hektar Felder – 20.000 Quadratmeter – und je ein Dutzend Schafe und Ziegen. Daneben teilt er sich mit 25 anderen Bauern ein paar Felder hoch oben im Gebirge. Zusätzlich vermietet er noch drei Appartements in seinem Haus an Touristen. Ein Gegner des Massentourismus, der selbst vom Tourismus lebt und den Protest damit finanziert? Darauf angesprochen, schweigt Wilhelm lange und vergräbt das Gesicht in den klobigen Händen: „Nein, das ist es nicht. Das sind Appartements oben in meinem Haus, die nur ganz wenig Arbeit machen. Das ist halt so. Das geht aber an mir vorbei. Die sind da, berühren mich aber nicht weiter und belasten mich auch nicht.“
Was er bei der Landtagswahl im Herbst wählen wird, verrät Markus Wilhelm nicht. Einzig: „Es ist besser, hinzugehen und ungültig zu wählen, als gar nicht zur Wahl zu gehen.“ Sollte der Landeshauptmann diesmal verlieren, werde er eine „kurze Freude spüren, aber nur sehr verhalten, wenn ich sehe, was nachkommt. Es wird sich nichts ändern.“ Am liebsten wäre ihm ein Wahlergebnis, bei dem „alle Parteien kräftig verlieren. Dann würde ich eine Flasche Sekt aufmachen.“
Frage an die Maus: Wie steht es um die Tiroler Medienlandschaft?Die Pfründe auf dem Tiroler Medienmarkt sind klar verteilt. Im Printbereich dominiert die Moser Holding mit dem Flaggschiff „Tiroler Tageszeitung“ und deren Boulevard- ableger„Die Neue“. Laut Media-Analyse (MA) 2006 erreichen die Zeitungen zusammen fast 60 Prozent der 440.000 Tiroler Tageszeitungsleser. Allein die „TT“ lesen 316.000 Menschen im 700.000-Einwohner-Land. Relativ abgeschlagen ist dagegen die „Krone“ mit einer Reichweite von 33 Prozent. Andere Zeitungen spielen de facto kaum eine Rolle. Seit Oktober 2007 gibt die Moser Holding auch die Gratiswochenzeitung „Tirol am Sonntag“ heraus. Sie zielt auf ein weiteres Gratiswochenblatt namens „Echo am Freitag“ der Tempo Verlags GmbH, zu deren Einflussbereich auch das Tiroler Nachrichtenmagazin „Echo“ zählt, das im November vergangenen Jahres mit einer Druckauflage von 242.000 Exemplaren startete.
Auch beim Radio hat die Moser Holding durch Life Radio, mit fünf Prozent Marktanteil im Jahr 2007 der meistgehörte Privatsender Tirols, einen Fuß in der Tür. Im Vergleich zu 2006 verlor der Sender zwar drei Prozent, liegt aber weiter vor dem zweiten landesweit empfangbaren Privatradio KroneHit (drei Prozent). Die vier ORF-Radios konnten ihren Marktanteil im vergangenen Halbjahr auf nun 77 Prozent steigern. Dabei liegt Radio Tirol mit 35 Prozent Gesamtmarktanteil vor Ö3, das auf 32 Prozent kommt: Mehr als die Hälfte der Tiroler zwischen 14 und 49 Jahren hört täglich Ö3. Die in Osttirol und rund um Kufstein nicht empfangbaren Welle Radios Tirol kommen in ihrem Verbreitungsgebiet auf einen Marktanteil von fünf Prozent. Daneben gibt es noch mehrere regionale Privatsender, von denen Radio Osttirol auf einen Markanteil von 19 Prozent im Sendegebiet kommt. Radio Unterland und die nur zwischen Innsbruck und Kufstein sendende Antenne Tirol kommen auf elf bzw. drei Prozent Marktanteil.
Das Nachrichten- und Serviceportal tirol.com ist das beliebteste Online-Angebot des Landes: Im Jänner 2008 nutzten laut der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) über 250.000 einzelne Surfer das Angebot, die Internetseite verzeichnet monatlich mehr als 1,2 Millionen Besuche. Inhaber von tirol.com: die Moser Holding.
















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