Land of Milk and Honey
Republikbilder

Fotos und Text: Paul Kranzler
Auswahl: Martin Fuchs
Im Oktober 2001 war ich auf der Suche nach einer günstigen Wohnung. Ganz im Gegensatz zu den noblen Therapiepraxen im Erdgeschoß gab es im obersten Stockwerk eines Linzer Stadthauses einige Zimmer mit Gemeinschaftstoilette am Gang. Ich wohnte bereits ein Jahr dort, als die Bekanntschaft mit Toni und Aloisia über das bloße Grüßen und Einkaufstaschenhinauftragen hinausging. Meine beiden Zimmernachbarn waren keine Freaks oder so, sie brachten mir von vornherein eine große Herzlichkeit und Offenheit entgegen. Und sie waren völlig normal. So war es auch oft sehr gemütlich, drüben zu sitzen, sich zu unterhalten, fernzusehen, Bier zu trinken. Eine Oase mitten in der feindlichen Wüste des Schlaraffenlandes. Ich durfte an ihrem Leben teilnehmen, ich bin ihnen noch heute dafür dankbar.
Die Bilder zu machen stand nie infrage, sie hatten keine Vorbehalte, ich war einfach der Junge, der Fotos macht. Viele Fotos. Der Zustand des Raumes war jener seines Bewohners. So fand ich Toni im Sommer 2003, von einem Schlaganfall getroffen, in einem grauenhaften Zustand am Boden seines Zimmers. Sein Zimmer wurde daraufhin auch bald geräumt, es war klar, dass er es hier nicht mehr alleine schaffte. Aber er erwies sich Gott sei Dank als harter Knochen. „Unkraut verdirbt nicht“, flüsterte er mir auf der Intensivstation zu. Wie er diese Kurve dann wirklich gekriegt hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Auch ich bin kurz darauf aus diesem Haus weggezogen. Wir treffen uns noch gelegentlich, ich besuche ihn in seinem neuen Zimmer und sie in ihrem alten, manchmal schaut auch er bei ihr vorbei.




Alle Bilder gibt es nur in der Printversion.
Wenn Sie wissen wollen, wo Sie die aktuelle Ausgabe kaufen können, klicken Sie hier.
Die Bilder zu machen stand nie infrage, sie hatten keine Vorbehalte, ich war einfach der Junge, der Fotos macht. Viele Fotos. Der Zustand des Raumes war jener seines Bewohners. So fand ich Toni im Sommer 2003, von einem Schlaganfall getroffen, in einem grauenhaften Zustand am Boden seines Zimmers. Sein Zimmer wurde daraufhin auch bald geräumt, es war klar, dass er es hier nicht mehr alleine schaffte. Aber er erwies sich Gott sei Dank als harter Knochen. „Unkraut verdirbt nicht“, flüsterte er mir auf der Intensivstation zu. Wie er diese Kurve dann wirklich gekriegt hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Auch ich bin kurz darauf aus diesem Haus weggezogen. Wir treffen uns noch gelegentlich, ich besuche ihn in seinem neuen Zimmer und sie in ihrem alten, manchmal schaut auch er bei ihr vorbei.




Alle Bilder gibt es nur in der Printversion.
Wenn Sie wissen wollen, wo Sie die aktuelle Ausgabe kaufen können, klicken Sie hier.
0 Kommentare - Kommentar verfassen -















