Freundschaftsspiel
In Wien steht zumindest ein Sieger der Fußball-Euro jetzt schon fest: ein SPÖ-nahes Firmennetzwerk, das sich – nicht zuletzt aufgrund guter Kontakte zum Rathaus – für seine Veranstaltungen die besten Plätze beim Fußballfest bereits gesichert hat.

Text: Florian Skrabal, Thomas Trescher
Mitarbeit: Klaus Stimeder
Abbildung: Thomas Kahlau
„Erleben Sie das Ereignis des Jahrzehnts gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern und Kunden in einer dieser exklusiven Räumlichkeiten. Reservieren Sie Tische oder gleich die komplette Location. Entweder tageweise oder auch über den kompletten EM-Zeitraum.“ So preist der schmucke Werbefolder die Vorzüge des Festsaals im Wiener Rathaus an. Unter dem Motto „VIP Viewing“ wird dem potenziellen Kunden in vier Prunksälen während der Fußball-Europameisterschaft im Juni allerlei geboten – Rahmenprogramm und Catering stehen auf Wunsch bereit.
Für die, die es sich leisten können oder wichtig genug sind, um eingeladen zu werden, kochen Starköche wie Reinhard Gehrer oder Sohyi Kim auf. Für die Cocktails sorgen die Leute von der Nobelbar Planter’s Club im ersten Wiener Gemeindebezirk. Das kommt nicht billig: 25.000 Euro schlagen für fünf Stunden im Rathausfestsaal zu Buche – Technik, Bestuhlung und Garderobe inbegriffen.
Wer dazu noch die beiden angrenzenden Steinernen Säle mieten will, zahlt insgesamt 30.000 Euro. Den Wappensaal oder einen der beiden Steinernen Säle einzeln zu mieten, kostet rund 5.000 Euro. Ein gutes Geschäft für jene Firma, die alle diese Säle während der Euro gemietet hat und betreut – und derzeit versucht, diese gewinnträchtig anderen Unternehmen als Eventlocation anzubieten. An sechs Tagen im Juni – nicht, wie im Werbefolder steht, „für den ganzen EM-Zeitraum“ – ist das Echo Medienhaus Herr über die vier attraktivsten von insgesamt 1.770 Räumen im Rathaus. Der prunkvollste und mit rund 1.500 Quadratmetern Grundfläche größte davon ist der Festsaal. Für sein „VIP Viewing“ hat das Unternehmen die attraktivsten Termine anzubieten: das Eröffnungsspiel am 7. Juni; die Viertel- und Halbfinali am 20. und 21. beziehungsweise am 25. und 26. Juni; und auch zum Finale am 29. Juni steht der Festsaal Echo zur Verfügung.
Die Vermietung des Rathauses an diese Firma verstößt in keinster Weise gegen rechtliche Bestimmungen. Doch darüber, ob es „in jeder Hinsicht ein sauberes Geschäft ist“, wie es Christian Pöttler, der Geschäftsführer des Echo Medienhauses, nennt, gehen die Meinungen auseinander: Blickt man nämlich hinter die Kulissen der exklusiven Events, sieht man – rot. Vom Millionengeschäft Euro dürfte in der Hauptstadt vor allen anderen ein SPÖ-nahes Firmennetzwerk profitieren, in dem die handelnden Akteure deutlich erfolgreicher aufgestellt sind als das heimische Nationalteam.
„Fußball findet Stadt“ – so lautet der Slogan der Wiener Stadtregierung in Sachen Euro. 1,1 Millionen Besucher werden ihrer Schätzung nach im Juni den Weg nach Wien finden. Rund 100.000 Menschen pro Spieltag werden sich dann auf der Fanmeile zwischen Rathausplatz und Heldenplatz drängen. Für die Wirtschaft ein Segen: Die Hotels sind ausgebucht, Gastronomen hoffen auf gewaltige Umsatzsteigerungen, und all jene, die nahe der Fanmeile Lokale oder Räume besitzen – oder diese gemietet haben –, sitzen ohnehin direkt an der Quelle. Nirgendwo in Österreich werden die Besucher der Euro 2008 mehr Geld ausgeben als rund um die 800 Meter lange Straße des Jubels. Neben der Innenstadt arbeitet die Stadt Wien gemeinsam mit privaten Firmen an der Umsetzung weiterer „Public Viewing“-Bereiche auf der Donauinsel und im Gasometer.
Wer zur Zeit der Euro Veranstaltungen an diesen Orten oder auf der Fanmeile abhalten will, muss sich mit der Stadt Wien arrangieren – beziehungsweise mit einem oder mehreren der 70 Unternehmen der Wien Holding, die zur Gänze Eigentum der Stadt ist und zu deren Töchtern etwa die Stadthalle, die Wiener Messe und die Stadtentwicklungs GmbH gehören. Diese und die Stadtbehörden erteilen nicht nur Genehmigungen für Gastrostände an der Fanmeile: Sie vermieten auch Räume, Säle und Hallen. So weit, so legitim. Würde dabei nicht, wenn es um ein paar der größten und attraktivsten Locations geht, auffallend oft dasselbe Unternehmen zum Zug kommen: das Echo Medienhaus.
Bereits vor zwei Jahren haben laut Echo-Chef Pöttler in seiner Firma die ersten Planungen für Veranstaltungen während des Großereignisses begonnen. Heute sieht das Konzept, das auf zwei Zielgruppen ausgerichtet ist, so aus: „Die Ersten sind die Fans. Für die machen wir den ‚Fandome‘ im Gasometer. Das ist nichts anderes als ein großer Danceclub für Fans, die nach dem Spiel Party machen wollen. Die zweite große Gruppe sind die VIPs.“
„Zwischen Tür und Angel“ habe ihm der ÖFB-Präsident Friedrich Stickler erzählt, dass man bei einem Spiel rund 4.000 „Mega-VIPs“ erwarte. Diese „mega“-wichtigen Leute, zu denen unter anderen die Vertreter der Hauptsponsoren des Turniers zählen, will das Medienhaus an pompösen Orten empfangen. Zu Redaktionsschluss waren das: das Rathaus, das Mozarthaus, das Burgtheater, das Café Landtmann, die ehemaligen Hofstallungen im Museum Moderner Kunst (MUMOK), die Rote Bar im Volkstheater, das Restaurant Hansen in der Wiener Börse sowie das Vestibül des Burgtheaters.
Angesichts dieser stolzen Sammlung stehen so bei der Euro schon heute zwei Sieger fest: das Echo Medienhaus – und mit ihm die SPÖ. Mit seinen elf Tochterfirmen, rund 250 Mitarbeitern und einem kolportierten Jahresumsatz von rund 40 Millionen Euro ist das Echo Medienhaus in Wien heute weder unbekannt noch unumstritten. Zum Portfolio der Firma zählen mehr als 30 Zeitschriften und Magazine, ein Buchverlag, TV- und Multimediaproduktionen sowie eine Reihe von Eventmarken wie zum Beispiel das Erste Bank Vienna Sports Festival.
Eines der größten Geschäftsfelder von Echo bildet das Wiener Bezirksblatt – eine monatliche Gratiszeitung, die mit 655.000 Stück Druckauflage nahezu jeden Wiener Haushalt erreicht. Der Aktionsradius des 1957 gegründeten Unternehmens reiche, so die Echo-Homepage, „über das gesamte Bundesgebiet und teilweise über Österreichs Grenzen hinaus“; tatsächlich liegt der Fokus aber auf Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Der Gewinn, den das Medienhaus nicht nur während der Euro macht, kommt aber einem Verein zu: dem Verband Wiener Arbeiterheime (VWA).
Und das geht so: Das Echo Medienhaus gehört laut Firmenbuch zu 100 Prozent der AWH (Allgemeine Wirtschaftsholding) Beteiligungsgesellschaft m.b.H.; diese wiederum steht zur Gänze im Besitz des VWA. Geschäftsführer des Verbandes Wiener Arbeiterheime und der AWH ist ein und derselbe Mann: Helmut Laska – der Ehemann von Grete Laska, der Vizebürgermeisterin der Stadt Wien. Obwohl der 50-Jährige nebenher noch Rechnungsprüfer des Kuratoriums Fortuna, Aufsichtsratsmitglied der Sozialbau AG und der Urbanbau Ges.m.b.H. sowie Mitglied des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes ist, ist in der Öffentlichkeit wenig über ihn bekannt. Das mag weniger am schüchternen Naturell des korpulenten Mannes als an seiner Frau liegen. Im Wiener Landtag sitzt Grete Laska rechts neben Michael Häupl.
Eine klassische Parteikarriere hat die heute 56-Jährige auf diesen Platz geführt: Als Vorsitzende der Landstraßer Kinderfreunde kam die Hauptschullehrerin 1984 erstmals in den Landtag, 1991 stieg sie zur Landesparteisekretärin auf. Seit 1994 hat sie das Amt der Stellvertreterin von Michael Häupl inne und führt heute als Stadträtin das Ressort für Bildung, Jugend, Information und Sport. In der Frage der Vermietung der Säle im Rathaus war Grete Laska, unter deren Verantwortlichkeit als Stadträtin für Sport die Euro 2008 fällt, zu keiner Stellungnahme bereit. „Das ist nicht ihre Aufgabe. Sie kennt die Vertragsdetails sicher nicht“, sagt Laskas Mediensprecher Mark Kaser.
Ihr Mann sieht in der schiefen Optik kein Problem: „Aus unserer Ehe erwachsen keine Vorteile. Jeder ist besonders vorsichtig. Und meine Rolle beschränkt sich auf die des Eigentümervertreters der Echo.“ Was die Miete der Rathaussäle durch Echo angeht, sagt Laska, dass „ich nicht einmal weiß, dass da etwas geplant ist. Aber sollte das so sein, gehe ich davon aus, dass alles passt und marktübliche Konditionen bestehen.“
Helmut und Grete Laska sind seit 1994 verheiratet. Ende desselben Jahres legte Helmut Laska seine damalige Funktion als Geschäftsführer des Vereins Wiener Jugendzentren nieder – um kurz darauf seinen neuen Posten als Geschäftsführer der AWH anzutreten. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin trend im September vor vier Jahren beschrieb Helmut Laska den Zweck des Verbandes Wiener Arbeiterheime so: „Der Verband hat die Aufgabe, die Partei zu unterstützen.“ Und weiter: „Eigentümer ist letztendlich die Partei.“
Wendet man diese Logik im Kontext des aktuellen Falles an, würde das nichts anderes bedeuten als: Vom Gewinn, den die Echo während der EM lukriert, profitiert am Ende – die SPÖ. Wer den Festsaal des Rathauses normalerweise mieten möchte, muss sich an den Bürgermeister höchstpersönlich wenden. Immerhin hat der oberste Stadtver- walter sein Büro gleich neben dem Festsaal, im südseitigen „Buffetsaal“.
„Das Rathaus ist kein kommerzieller Veranstaltungsort. Zuerst muss man eine Anfrage schicken, dann wird erhoben, ob die Veranstaltung im Sinne der Stadt Wien ist“, sagt Gerhard Weishaupt, der im Rathaus das Referat „Empfänge und Feierlichkeiten“ leitet. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn internationale Gäste geladen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt man dann billiger davon, als wenn man den Saal über die Echo um 25.000 Euro für fünf Stunden mietet. „Die Kosten für die Miete sind sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass man den Festsaal kostenlos bekommt, wenn die Veranstaltung im Sinne der Stadt Wien ist“, sagt Angela Degold, Sekretärin von Oberamtsrat Weishaupt.
Der Verband Wiener Arbeiterheime bildet den politischen Überbau, unter dem sich nicht nur das Echo Medienhaus befindet, sondern noch ein Netz an weiteren Firmen, die ein Naheverhältnis zur SPÖ aufweisen (siehe „Frage an die Maus“). So sind auch die personellen Verbindungen zwischen der Wiener SPÖ und dem Echo Medienhaus mit dem Ehepaar Laska längst nicht ausgeschöpft: Harry Kopietz, SPÖ-Landespartei- sekretär und Wiener Gemeinderat, ist stellvertretender Vorsitzender im VWA. Den Vorsitz hat ein ehemaliger SPÖ-Gemeinderat inne: Karl Hengelmüller, heute Vorstands- mitglied der Wiener Kinderdörfer. Im Aufsichtsrat der AWH, die laut Geschäftsbericht im Jahr 2006 zwei Angestellte hatte, sitzen Hengelmüller und Kopietz ebenfalls.
Weitere Aufsichtsratsmitglieder der AWH sind der Direktor der Arbeiterkammer (AK) Wien, Werner Muhm, ORF-Stiftungsrat Klaus Stadler, der Bundesrat und leitende Sekretär der Wiener SPÖ, Reinhard Todt, der Vorsitzende des Kuratoriums Fortuna und stellvertretende Vorsitzende der Volkshilfe Wien, Karl Svoboda,und Rudolf Wandl, Bundesgeschäftsführer des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Österreich.
Ein Blick in die Statuten des VWA gibt Aufschluss über den 100-prozentigen Anteil an Sozialdemokraten im Verein: Nach Paragraf 4 können „ordentliche Mitglieder des Verbandes nur die Bezirksorganisationen der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, Landesorganisation Wien, sein“. Der einzige Zweck des Vereins besteht laut Statuten in der „Förderung aller Bestrebungen zur Errichtung, Erhaltung und zum Betrieb von Arbeiterheimen oder sonstigen zur Unterbringung von Arbeiterorganisa- tionen oder zur Pflege der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen bestimmten Heimen und Lokalen jener Organisationen und Körperschaften in Wien, die sich zur Sozialdemokratischen Partei Österreichs bekennen“.
Dass das Echo Medienhaus nicht wirklich unmittelbar zur Erfüllung dieses Vereinszwecks beiträgt, stellt für Christian Pöttler kein Problem dar. „Ich habe kein Problem mit der Optik. Eine schiefe Optik gibt es immer nur dann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich jedenfalls habe, seit ich vor acht Jahren den Job angetreten bin, immer versucht, korrekte Verträge zu machen.“ Wohin der Gewinn geht, den die Echo während der Euro lukrieren wird? „Voraussetzung, dass Gewinn fließt, ist, einen zu machen.Wir sind ein wachsendes Unternehmen, das einen Großteil seines Gewinns investiert. Ob ein Verein wie der VWA der SPÖ nahesteht, liegt außerhalb meines Verantwortungsbereichs“, sagt Pöttler.
Ein gutes Geschäft ist bekanntlich eines, das beide Seiten besserstellt. Was das Ganze noch erleichtert, ist die Tatsache, dass außer den Beteiligten bis heute niemand Einsicht in die Verträge zwischen dem Rathaus und Echo hat. Beim Burgtheater ist es nicht anders. Christian Pöttler will keine Auskunft über Vertragsdetails geben, „weil es nicht üblich ist. Ich garantiere aber, dass alles korrekt abläuft.“ Thomas Drozda, kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, erklärt dazu: „Während der Euro hat die Telekom das Burgthater über die Agentur Echo gemietet. Über den Betrag möchte ich nichts sagen. Er steht zur Gänze dem Burgtheater zur Verfügung.“ In der Presse wurde Anfang Dezember vergangenen Jahres die Summe von einer Million Euro Miete kolportiert.
Die Pläne der Telekom Austria sind derzeit noch geheim: „Das Programm wird im April bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben“, sagt Telekom-Sprecher Wolfgang Grabuschnig. Nur so viel will er verraten: „Wir übertragen von 7. bis 28. Juni alle Spiele für Opinion-Leader und unsere VIP-Kunden live. Danach wird es ein entsprechendes Rahmenprogramm geben.“ Die Idee zur Anmietung des Burgtheaters sei mit dem Partner Echo gemeinsam entwickelt worden.
Eine jüngst im Standard kolportierte Regierungsloge, in der Kanzler Alfred Gusenbauer thronen soll – sein Sprecher Stefan Pöttler war langjähriger Sprecher des SPÖ-Parlamentsklubs und Echo-Mitarbeiter und ist zudem der Bruder von Christian Pöttler –, sei jedenfalls nicht geplant. „Wir haben keinerlei Verträge mit politischen Interessenvertretungen. Die Medienberichte dahingehend sind falsch“, sagt Grabuschnig.
Im Mozarthaus habe sich Echo schon im Herbst des vergangenen Jahres um zwei bis drei Veranstaltungen bemüht, sagt Sandra Gollmann, ebendort zuständig für Reservierungen und Buchungen. Das Haus in der Domgasse 5 hinterm Stephansdom war eine der letzten Residenzen des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Heute ist es ein Museum und kann um 980 Euro pro Tag auch für Veranstaltungen gemietet werden. Die Wien Holding GmbH hält 51 Prozent am Betreiber Mozarthaus Vienna Errichtungs- und Betriebs GmbH, den Rest die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Welche Konditionen Echo für die Miete erhalten habe – weil Christian Pöttler zum Beispiel Mitglied im Verein der Freunde des Mozarthauses Vienna ist –, will Gollmann nicht sagen: „Kein Kommentar.“
Laut einem Mitarbeiter im Rathaus, der anonym bleiben will, zahlt Echo für den Festsaal 2.000 Euro pro Stunde. Von Privilegien der Echo möchte der im Rathaus für die Vermietung der Säle verantwortliche Oberamtsrat Gerhard Weishaupt aber nichts wissen: „Da gibt es keine Bevorzugung, wir haben auch andere Mieter. Am 28. Juni haben wir etwa eine UEFA-Veranstaltung.“ Das ist so nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig. „Das Event am 28. Juni wird von der Stadt Wien organisiert“, sagt Agnes Vadde, Pressesprecherin der UEFA im schweizerischen Nyon.
Frage an die Maus: Wie sieht das rote Firmennetzwerk aus?
In der Lindengasse 55 im siebenten Wiener Gemeindebezirk laufen die wirtschaftlichen Aktivitäten vor allem der Wiener SPÖ zusammen. Sowohl der Verband Wiener Arbeiterheime (VWA) als auch die AWH (Allgemeine Wirtschaftsholding) Beteiligungs- gesellschaft m.b.H. haben hier ihren Firmensitz. Der VWA ist der Dachverein, unter dem sich das Netz des sozialdemokratischen Wirtschaftsimperiums ausbreitet: Zu 50 Prozent ist der VWA laut Homepage an der Aphrodite Bauträger AG beteiligt (die restlichen 50 Prozent gehören der Erste-Bank-Tochter S-Wohnbaubank), zu 100 Prozent gehört dem VWA die AWH, der wiederum das Echo Medienhaus zur Gänze gehört.
Dazu kommt laut Geschäftsbericht 2006 eine Beteiligung der AWH an der Veranstaltungsagentur Scheibmaier Ges.m.b.H. (50 Prozent): Seit 1984 richtet Scheibmaier Promotions die Hauptbühne des von der Wiener SPÖ – federführend von Landesparteisekretär Harry Kopietz – veranstalteten Donauinselfestes aus und hat Künstler wie STS und Stefanie Werger unter Vertrag. Damit nicht genug: Auch 40 Prozent an der Progress Beteiligungs Ges.m.b.H. gehören der AWH. Die restlichen 60 Prozent besitzt die LVP Holding, eine 100-Prozent-Tochter der Wiener Städtischen Versicherung. Der Progress wiederum gehört zu einem Drittel das Plakatunternehmen Gewista.
Die Verflechtungen zwischen Gewista und der Wiener SPÖ wurden erst vergangenes Jahr deutlich: Im Oktober 2007 schloss das Verkehrsunternehmen der Bundeshaupt- stadt, die Wiener Linien, einen Vertrag mit der Gewista ab, der das Plakatunter- nehmen exklusiv berechtigt, U-Bahn-Stationen und U-Bahn-Züge mit Werbung zuzukleistern. Die AWH hält darüber hinaus 27,2 Prozent an Österreichs größtem gemeinnützigem Wohnhausverwalter, der Sozialbau AG. Auch die SPÖ Wien ist an der Sozialbau mit 2,9 Prozent beteiligt, die Bundes-SPÖ hält 0,1 Prozent. Seinen Sitz hat das Unternehmen, das 2006 rund 45.000 Wohungen verwaltete, in der Lindengasse 55.
Für die, die es sich leisten können oder wichtig genug sind, um eingeladen zu werden, kochen Starköche wie Reinhard Gehrer oder Sohyi Kim auf. Für die Cocktails sorgen die Leute von der Nobelbar Planter’s Club im ersten Wiener Gemeindebezirk. Das kommt nicht billig: 25.000 Euro schlagen für fünf Stunden im Rathausfestsaal zu Buche – Technik, Bestuhlung und Garderobe inbegriffen.
Wer dazu noch die beiden angrenzenden Steinernen Säle mieten will, zahlt insgesamt 30.000 Euro. Den Wappensaal oder einen der beiden Steinernen Säle einzeln zu mieten, kostet rund 5.000 Euro. Ein gutes Geschäft für jene Firma, die alle diese Säle während der Euro gemietet hat und betreut – und derzeit versucht, diese gewinnträchtig anderen Unternehmen als Eventlocation anzubieten. An sechs Tagen im Juni – nicht, wie im Werbefolder steht, „für den ganzen EM-Zeitraum“ – ist das Echo Medienhaus Herr über die vier attraktivsten von insgesamt 1.770 Räumen im Rathaus. Der prunkvollste und mit rund 1.500 Quadratmetern Grundfläche größte davon ist der Festsaal. Für sein „VIP Viewing“ hat das Unternehmen die attraktivsten Termine anzubieten: das Eröffnungsspiel am 7. Juni; die Viertel- und Halbfinali am 20. und 21. beziehungsweise am 25. und 26. Juni; und auch zum Finale am 29. Juni steht der Festsaal Echo zur Verfügung.
Die Vermietung des Rathauses an diese Firma verstößt in keinster Weise gegen rechtliche Bestimmungen. Doch darüber, ob es „in jeder Hinsicht ein sauberes Geschäft ist“, wie es Christian Pöttler, der Geschäftsführer des Echo Medienhauses, nennt, gehen die Meinungen auseinander: Blickt man nämlich hinter die Kulissen der exklusiven Events, sieht man – rot. Vom Millionengeschäft Euro dürfte in der Hauptstadt vor allen anderen ein SPÖ-nahes Firmennetzwerk profitieren, in dem die handelnden Akteure deutlich erfolgreicher aufgestellt sind als das heimische Nationalteam.
„Fußball findet Stadt“ – so lautet der Slogan der Wiener Stadtregierung in Sachen Euro. 1,1 Millionen Besucher werden ihrer Schätzung nach im Juni den Weg nach Wien finden. Rund 100.000 Menschen pro Spieltag werden sich dann auf der Fanmeile zwischen Rathausplatz und Heldenplatz drängen. Für die Wirtschaft ein Segen: Die Hotels sind ausgebucht, Gastronomen hoffen auf gewaltige Umsatzsteigerungen, und all jene, die nahe der Fanmeile Lokale oder Räume besitzen – oder diese gemietet haben –, sitzen ohnehin direkt an der Quelle. Nirgendwo in Österreich werden die Besucher der Euro 2008 mehr Geld ausgeben als rund um die 800 Meter lange Straße des Jubels. Neben der Innenstadt arbeitet die Stadt Wien gemeinsam mit privaten Firmen an der Umsetzung weiterer „Public Viewing“-Bereiche auf der Donauinsel und im Gasometer.
Wer zur Zeit der Euro Veranstaltungen an diesen Orten oder auf der Fanmeile abhalten will, muss sich mit der Stadt Wien arrangieren – beziehungsweise mit einem oder mehreren der 70 Unternehmen der Wien Holding, die zur Gänze Eigentum der Stadt ist und zu deren Töchtern etwa die Stadthalle, die Wiener Messe und die Stadtentwicklungs GmbH gehören. Diese und die Stadtbehörden erteilen nicht nur Genehmigungen für Gastrostände an der Fanmeile: Sie vermieten auch Räume, Säle und Hallen. So weit, so legitim. Würde dabei nicht, wenn es um ein paar der größten und attraktivsten Locations geht, auffallend oft dasselbe Unternehmen zum Zug kommen: das Echo Medienhaus.
Bereits vor zwei Jahren haben laut Echo-Chef Pöttler in seiner Firma die ersten Planungen für Veranstaltungen während des Großereignisses begonnen. Heute sieht das Konzept, das auf zwei Zielgruppen ausgerichtet ist, so aus: „Die Ersten sind die Fans. Für die machen wir den ‚Fandome‘ im Gasometer. Das ist nichts anderes als ein großer Danceclub für Fans, die nach dem Spiel Party machen wollen. Die zweite große Gruppe sind die VIPs.“
„Zwischen Tür und Angel“ habe ihm der ÖFB-Präsident Friedrich Stickler erzählt, dass man bei einem Spiel rund 4.000 „Mega-VIPs“ erwarte. Diese „mega“-wichtigen Leute, zu denen unter anderen die Vertreter der Hauptsponsoren des Turniers zählen, will das Medienhaus an pompösen Orten empfangen. Zu Redaktionsschluss waren das: das Rathaus, das Mozarthaus, das Burgtheater, das Café Landtmann, die ehemaligen Hofstallungen im Museum Moderner Kunst (MUMOK), die Rote Bar im Volkstheater, das Restaurant Hansen in der Wiener Börse sowie das Vestibül des Burgtheaters.
Angesichts dieser stolzen Sammlung stehen so bei der Euro schon heute zwei Sieger fest: das Echo Medienhaus – und mit ihm die SPÖ. Mit seinen elf Tochterfirmen, rund 250 Mitarbeitern und einem kolportierten Jahresumsatz von rund 40 Millionen Euro ist das Echo Medienhaus in Wien heute weder unbekannt noch unumstritten. Zum Portfolio der Firma zählen mehr als 30 Zeitschriften und Magazine, ein Buchverlag, TV- und Multimediaproduktionen sowie eine Reihe von Eventmarken wie zum Beispiel das Erste Bank Vienna Sports Festival.
Eines der größten Geschäftsfelder von Echo bildet das Wiener Bezirksblatt – eine monatliche Gratiszeitung, die mit 655.000 Stück Druckauflage nahezu jeden Wiener Haushalt erreicht. Der Aktionsradius des 1957 gegründeten Unternehmens reiche, so die Echo-Homepage, „über das gesamte Bundesgebiet und teilweise über Österreichs Grenzen hinaus“; tatsächlich liegt der Fokus aber auf Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Der Gewinn, den das Medienhaus nicht nur während der Euro macht, kommt aber einem Verein zu: dem Verband Wiener Arbeiterheime (VWA).
Und das geht so: Das Echo Medienhaus gehört laut Firmenbuch zu 100 Prozent der AWH (Allgemeine Wirtschaftsholding) Beteiligungsgesellschaft m.b.H.; diese wiederum steht zur Gänze im Besitz des VWA. Geschäftsführer des Verbandes Wiener Arbeiterheime und der AWH ist ein und derselbe Mann: Helmut Laska – der Ehemann von Grete Laska, der Vizebürgermeisterin der Stadt Wien. Obwohl der 50-Jährige nebenher noch Rechnungsprüfer des Kuratoriums Fortuna, Aufsichtsratsmitglied der Sozialbau AG und der Urbanbau Ges.m.b.H. sowie Mitglied des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes ist, ist in der Öffentlichkeit wenig über ihn bekannt. Das mag weniger am schüchternen Naturell des korpulenten Mannes als an seiner Frau liegen. Im Wiener Landtag sitzt Grete Laska rechts neben Michael Häupl.
Eine klassische Parteikarriere hat die heute 56-Jährige auf diesen Platz geführt: Als Vorsitzende der Landstraßer Kinderfreunde kam die Hauptschullehrerin 1984 erstmals in den Landtag, 1991 stieg sie zur Landesparteisekretärin auf. Seit 1994 hat sie das Amt der Stellvertreterin von Michael Häupl inne und führt heute als Stadträtin das Ressort für Bildung, Jugend, Information und Sport. In der Frage der Vermietung der Säle im Rathaus war Grete Laska, unter deren Verantwortlichkeit als Stadträtin für Sport die Euro 2008 fällt, zu keiner Stellungnahme bereit. „Das ist nicht ihre Aufgabe. Sie kennt die Vertragsdetails sicher nicht“, sagt Laskas Mediensprecher Mark Kaser.
Ihr Mann sieht in der schiefen Optik kein Problem: „Aus unserer Ehe erwachsen keine Vorteile. Jeder ist besonders vorsichtig. Und meine Rolle beschränkt sich auf die des Eigentümervertreters der Echo.“ Was die Miete der Rathaussäle durch Echo angeht, sagt Laska, dass „ich nicht einmal weiß, dass da etwas geplant ist. Aber sollte das so sein, gehe ich davon aus, dass alles passt und marktübliche Konditionen bestehen.“
Helmut und Grete Laska sind seit 1994 verheiratet. Ende desselben Jahres legte Helmut Laska seine damalige Funktion als Geschäftsführer des Vereins Wiener Jugendzentren nieder – um kurz darauf seinen neuen Posten als Geschäftsführer der AWH anzutreten. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin trend im September vor vier Jahren beschrieb Helmut Laska den Zweck des Verbandes Wiener Arbeiterheime so: „Der Verband hat die Aufgabe, die Partei zu unterstützen.“ Und weiter: „Eigentümer ist letztendlich die Partei.“
Wendet man diese Logik im Kontext des aktuellen Falles an, würde das nichts anderes bedeuten als: Vom Gewinn, den die Echo während der EM lukriert, profitiert am Ende – die SPÖ. Wer den Festsaal des Rathauses normalerweise mieten möchte, muss sich an den Bürgermeister höchstpersönlich wenden. Immerhin hat der oberste Stadtver- walter sein Büro gleich neben dem Festsaal, im südseitigen „Buffetsaal“.
„Das Rathaus ist kein kommerzieller Veranstaltungsort. Zuerst muss man eine Anfrage schicken, dann wird erhoben, ob die Veranstaltung im Sinne der Stadt Wien ist“, sagt Gerhard Weishaupt, der im Rathaus das Referat „Empfänge und Feierlichkeiten“ leitet. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn internationale Gäste geladen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt man dann billiger davon, als wenn man den Saal über die Echo um 25.000 Euro für fünf Stunden mietet. „Die Kosten für die Miete sind sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass man den Festsaal kostenlos bekommt, wenn die Veranstaltung im Sinne der Stadt Wien ist“, sagt Angela Degold, Sekretärin von Oberamtsrat Weishaupt.
Der Verband Wiener Arbeiterheime bildet den politischen Überbau, unter dem sich nicht nur das Echo Medienhaus befindet, sondern noch ein Netz an weiteren Firmen, die ein Naheverhältnis zur SPÖ aufweisen (siehe „Frage an die Maus“). So sind auch die personellen Verbindungen zwischen der Wiener SPÖ und dem Echo Medienhaus mit dem Ehepaar Laska längst nicht ausgeschöpft: Harry Kopietz, SPÖ-Landespartei- sekretär und Wiener Gemeinderat, ist stellvertretender Vorsitzender im VWA. Den Vorsitz hat ein ehemaliger SPÖ-Gemeinderat inne: Karl Hengelmüller, heute Vorstands- mitglied der Wiener Kinderdörfer. Im Aufsichtsrat der AWH, die laut Geschäftsbericht im Jahr 2006 zwei Angestellte hatte, sitzen Hengelmüller und Kopietz ebenfalls.
Weitere Aufsichtsratsmitglieder der AWH sind der Direktor der Arbeiterkammer (AK) Wien, Werner Muhm, ORF-Stiftungsrat Klaus Stadler, der Bundesrat und leitende Sekretär der Wiener SPÖ, Reinhard Todt, der Vorsitzende des Kuratoriums Fortuna und stellvertretende Vorsitzende der Volkshilfe Wien, Karl Svoboda,und Rudolf Wandl, Bundesgeschäftsführer des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Österreich.
Ein Blick in die Statuten des VWA gibt Aufschluss über den 100-prozentigen Anteil an Sozialdemokraten im Verein: Nach Paragraf 4 können „ordentliche Mitglieder des Verbandes nur die Bezirksorganisationen der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, Landesorganisation Wien, sein“. Der einzige Zweck des Vereins besteht laut Statuten in der „Förderung aller Bestrebungen zur Errichtung, Erhaltung und zum Betrieb von Arbeiterheimen oder sonstigen zur Unterbringung von Arbeiterorganisa- tionen oder zur Pflege der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen bestimmten Heimen und Lokalen jener Organisationen und Körperschaften in Wien, die sich zur Sozialdemokratischen Partei Österreichs bekennen“.
Dass das Echo Medienhaus nicht wirklich unmittelbar zur Erfüllung dieses Vereinszwecks beiträgt, stellt für Christian Pöttler kein Problem dar. „Ich habe kein Problem mit der Optik. Eine schiefe Optik gibt es immer nur dann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich jedenfalls habe, seit ich vor acht Jahren den Job angetreten bin, immer versucht, korrekte Verträge zu machen.“ Wohin der Gewinn geht, den die Echo während der Euro lukrieren wird? „Voraussetzung, dass Gewinn fließt, ist, einen zu machen.Wir sind ein wachsendes Unternehmen, das einen Großteil seines Gewinns investiert. Ob ein Verein wie der VWA der SPÖ nahesteht, liegt außerhalb meines Verantwortungsbereichs“, sagt Pöttler.
Ein gutes Geschäft ist bekanntlich eines, das beide Seiten besserstellt. Was das Ganze noch erleichtert, ist die Tatsache, dass außer den Beteiligten bis heute niemand Einsicht in die Verträge zwischen dem Rathaus und Echo hat. Beim Burgtheater ist es nicht anders. Christian Pöttler will keine Auskunft über Vertragsdetails geben, „weil es nicht üblich ist. Ich garantiere aber, dass alles korrekt abläuft.“ Thomas Drozda, kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, erklärt dazu: „Während der Euro hat die Telekom das Burgthater über die Agentur Echo gemietet. Über den Betrag möchte ich nichts sagen. Er steht zur Gänze dem Burgtheater zur Verfügung.“ In der Presse wurde Anfang Dezember vergangenen Jahres die Summe von einer Million Euro Miete kolportiert.
Die Pläne der Telekom Austria sind derzeit noch geheim: „Das Programm wird im April bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben“, sagt Telekom-Sprecher Wolfgang Grabuschnig. Nur so viel will er verraten: „Wir übertragen von 7. bis 28. Juni alle Spiele für Opinion-Leader und unsere VIP-Kunden live. Danach wird es ein entsprechendes Rahmenprogramm geben.“ Die Idee zur Anmietung des Burgtheaters sei mit dem Partner Echo gemeinsam entwickelt worden.
Eine jüngst im Standard kolportierte Regierungsloge, in der Kanzler Alfred Gusenbauer thronen soll – sein Sprecher Stefan Pöttler war langjähriger Sprecher des SPÖ-Parlamentsklubs und Echo-Mitarbeiter und ist zudem der Bruder von Christian Pöttler –, sei jedenfalls nicht geplant. „Wir haben keinerlei Verträge mit politischen Interessenvertretungen. Die Medienberichte dahingehend sind falsch“, sagt Grabuschnig.
Im Mozarthaus habe sich Echo schon im Herbst des vergangenen Jahres um zwei bis drei Veranstaltungen bemüht, sagt Sandra Gollmann, ebendort zuständig für Reservierungen und Buchungen. Das Haus in der Domgasse 5 hinterm Stephansdom war eine der letzten Residenzen des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Heute ist es ein Museum und kann um 980 Euro pro Tag auch für Veranstaltungen gemietet werden. Die Wien Holding GmbH hält 51 Prozent am Betreiber Mozarthaus Vienna Errichtungs- und Betriebs GmbH, den Rest die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Welche Konditionen Echo für die Miete erhalten habe – weil Christian Pöttler zum Beispiel Mitglied im Verein der Freunde des Mozarthauses Vienna ist –, will Gollmann nicht sagen: „Kein Kommentar.“
Laut einem Mitarbeiter im Rathaus, der anonym bleiben will, zahlt Echo für den Festsaal 2.000 Euro pro Stunde. Von Privilegien der Echo möchte der im Rathaus für die Vermietung der Säle verantwortliche Oberamtsrat Gerhard Weishaupt aber nichts wissen: „Da gibt es keine Bevorzugung, wir haben auch andere Mieter. Am 28. Juni haben wir etwa eine UEFA-Veranstaltung.“ Das ist so nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig. „Das Event am 28. Juni wird von der Stadt Wien organisiert“, sagt Agnes Vadde, Pressesprecherin der UEFA im schweizerischen Nyon.
Frage an die Maus: Wie sieht das rote Firmennetzwerk aus?In der Lindengasse 55 im siebenten Wiener Gemeindebezirk laufen die wirtschaftlichen Aktivitäten vor allem der Wiener SPÖ zusammen. Sowohl der Verband Wiener Arbeiterheime (VWA) als auch die AWH (Allgemeine Wirtschaftsholding) Beteiligungs- gesellschaft m.b.H. haben hier ihren Firmensitz. Der VWA ist der Dachverein, unter dem sich das Netz des sozialdemokratischen Wirtschaftsimperiums ausbreitet: Zu 50 Prozent ist der VWA laut Homepage an der Aphrodite Bauträger AG beteiligt (die restlichen 50 Prozent gehören der Erste-Bank-Tochter S-Wohnbaubank), zu 100 Prozent gehört dem VWA die AWH, der wiederum das Echo Medienhaus zur Gänze gehört.
Dazu kommt laut Geschäftsbericht 2006 eine Beteiligung der AWH an der Veranstaltungsagentur Scheibmaier Ges.m.b.H. (50 Prozent): Seit 1984 richtet Scheibmaier Promotions die Hauptbühne des von der Wiener SPÖ – federführend von Landesparteisekretär Harry Kopietz – veranstalteten Donauinselfestes aus und hat Künstler wie STS und Stefanie Werger unter Vertrag. Damit nicht genug: Auch 40 Prozent an der Progress Beteiligungs Ges.m.b.H. gehören der AWH. Die restlichen 60 Prozent besitzt die LVP Holding, eine 100-Prozent-Tochter der Wiener Städtischen Versicherung. Der Progress wiederum gehört zu einem Drittel das Plakatunternehmen Gewista.
Die Verflechtungen zwischen Gewista und der Wiener SPÖ wurden erst vergangenes Jahr deutlich: Im Oktober 2007 schloss das Verkehrsunternehmen der Bundeshaupt- stadt, die Wiener Linien, einen Vertrag mit der Gewista ab, der das Plakatunter- nehmen exklusiv berechtigt, U-Bahn-Stationen und U-Bahn-Züge mit Werbung zuzukleistern. Die AWH hält darüber hinaus 27,2 Prozent an Österreichs größtem gemeinnützigem Wohnhausverwalter, der Sozialbau AG. Auch die SPÖ Wien ist an der Sozialbau mit 2,9 Prozent beteiligt, die Bundes-SPÖ hält 0,1 Prozent. Seinen Sitz hat das Unternehmen, das 2006 rund 45.000 Wohungen verwaltete, in der Lindengasse 55.
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