Rosenkranz und Güldenstern
Oder: Etwas ist faul in der Republik Österreich.
Text: Charles E. Ritterband
Illustration: Tom Mackinger

Rosenkranz heißt nicht gerade jeder – ein Name, der haften bleibt und vor allem: ein Name, der Assoziationen weckt. Insbesondere dann, wenn davor der Name einer Heiligen steht: Barbara. Rosenkranz könne man beten, brauche man aber nicht zu wählen, sagte kürzlich Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Ein frommer Name – jedenfalls für eine Katholikin, die schon vor Jahren aus der Kirche austrat und sich jetzt als konfessionslos bezeichnet. Barbara (griechisch) heißt „die Fremde“ – ebenfalls ein passender Name für eine Politikerin, die mit Fremdenfeindlichkeit, mit Heimat, Blut und Boden auf Stimmenfang geht. Auch war die Heilige Barbara von Nikomedien, die im dritten Jahrhundert gelebt haben soll, der Überlieferung nach eine Jungfrau (ein Übersetzungsfehler? junge Frau?) war. Für die zehnfache Mutter Barbara Rosenkranz jedenfalls kein Vorbild.
Nein, meine erste Assoziation mit dem Namen dieser Dame ist weder der Rosenkranz noch die Barbara, die heilige, sondern ein Theaterstück, das ich vor Jahren in London gesehen habe – und das mit Gewinn. Sir Tom Stoppard, der eigentlich Tomáš Straussler hieß und 1937 in Zlín, in der damaligen Tschechoslowakei, geboren wurde, hatte es geschrieben – ein Dramatiker, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren in der Theatermetropole an der Themse Furore machte und von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen wurde. Er galt, sicherlich zu Recht, als der philosophischste und geistreichste Theaterautor seiner Zeit. Eines seiner erfolgreichsten Stücke brachte er im Jahr 1967 auf die Bühne, im Londoner West End: „Rosencrantz and Guildenstern are dead“ (1966) – in der deutschen Fassung „Rosenkranz und Güldenstern“.
In dieser Komödie (verfilmt im Jahr 1990) geht es um zwei Nebenfiguren aus Shakespeares „Hamlet“, Rosenkranz und Güldenstern. Man erinnert sich: Die beiden Jugendfreunde des dänischen Prinzen wurden von dessen Onkel – Mörder des Vaters, Usurpator des Königsthrons und Liebhaber der Mutter – an den dänischen Königshof gerufen, um Hamlet auszuforschen und dann nach England zu bringen, ausgestattet mit einem Brief, der die Ermordung Hamlets verlangt. Doch Hamlet durchschaut den Plan, flieht im Tumult eines Piratenüberfalls vom Schiff, das ihn und seine Freunde nach England bringen sollen. Zuvor hatte er den Brief insgeheim ausgetauscht und seine verräterischen Freunde mit einem gefälschten Schreiben des dänischen Königs ausgestattet. In diesem steht, dass die Überbringer, Rosenkranz und Güldenstern, sofort nach ihrer Ankunft umzubringen seien. Was denn auch geschieht. Zuvor, und das ist für den Dramatiker-Philosophen das Entscheidende, hatten die beiden etwas naiven Burschen jedoch verbotenerweise den Brief geöffnet – und diesem ihr Todesurteil entnommen. Dennoch waren sie unfähig, ihr darin festgeschriebenes Schicksal abzuwenden.
Das Geniale an Stoppards Stück ist die Umkehrung der Perspektive: Der Zuschauer erlebt Shakespeares wohl berühmtestes Drama aus der Kulisse. Wichtigtuerisch und stets gestresst eilen die Hauptakteure – Hamlet und Horatio, Ophelia und Laertes, Claudius und Gertrude, Polonius und Fortinbras sowie der Geist von Hamlets Vater – über die Bühne und spulen ihre Monologe ab, ohne die beiden ewig antichambrierenden, zunehmend gelangweilten Freunde Rosenkranz und Güldenstern auch nur eines Blicks zu würdigen, geschweige denn über ihre Aufgabe ins Bild zu setzen.
So viel zu Tom Stoppards geistreicher „Hamlet“-Parodie. Name ist, wie das deutsche Gegenstück zu Shakespeare sagte, Schall und Rauch. „Rosenkranz und Güldenstern“ also nur eine sinnlose Assoziation? Die Nebendarstellerin Barbara Rosenkranz wurde in den letzten Wochen zur Hauptfigur im österreichischen Dauerdrama – als hätte ein Tom Stoppard die Szene um 180 Grad gedreht und dem Zuschauer, dem österreichischen Medienkonsumenten, gleichsam die Kulissenperspektive dargeboten.

Doch Rosenkranz wird, bei all dem Brimborium, das sie verursacht, wieder zur Nebenfigur werden. Die Hauptfiguren des österreichischen Dramas sind, nicht anders als bei Shakespeare – zwei Könige: der echte und der falsche. Der wahre König ist eigentlich der Kaiser, demokratisch gewählter Kaiser der Republik. Er residiert, hält Hof in der Hofburg, gibt einmal im Jahr („Tag der offenen Tür“) eine Audienz für alle seine Untertanen, klein und groß, arm und reich, im prunkvollen Kaiserpalast der Monarchie, die seit 1918 tot ist und doch fröhlich weiterlebt – für die Touristen, aber auch in den Köpfen der Staatsbürger. Doch die Krone trägt der falsche König. Er residiert draußen in Döbling, Muthgasse 2, nicht in einem Palast, in einem ganz gewöhnlichen Haus. Dennoch hat er die Macht in diesem Staate – nicht der Kaiser, der das Amt des Präsidenten verwaltet. Ihm unterwerfen sich die Vasallen mit großen, demütigen Gesten: bedingungslos. Rosenkranz macht da keine Ausnahme.
Und natürlich will der falsche König, gestützt auf die Macht seiner Krone – an die Millionen seiner Untertanen ebenso bedingungslos glauben, wie sich die Mächtigen ihr unterwerfen – vor allem eines: den Kaiser beiseiteschaffen. Genau wie der Bösewicht in „Hamlet“, Claudius, hat „Cato“, der Usurpator der Macht in diesem Öster-Reich, einen Plan ausgeheckt, um den legitimen Träger der Krone zu beseitigen. „Cato“ bedient sich dafür, ganz genau wie Claudius bei „Hamlet“, einer Nebenfigur: Rosenkranz. Dem Beobachter aus dem Nachbarland kommt dies alles reichlich seltsam, ja suspekt vor. Er kann kaum der Versuchung widerstehen, auszurufen: „Something is rotten in the state of Denmark!“ – „Etwas ist faul im Staate Dänemark!“
Ungläubig schüttelt der Beobachter, der ja schon alle Kontinente bereist, allerlei erstaunliche Dinge gesehen und in seinen Berichten geschildert hat, den Kopf: Ein knappes Vierteljahrhundert nach „Waldheim“, weit mehr als ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit all seinen unsäglichen Gräueln, den schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, wird in Österreich immer noch um das Bekenntnis zu den Tatsachen des Massenmordes und der Gaskammern diskutiert. Wahrheit, grässliche Wahrheit, als „Meinung“. Fast 25 Jahre nach der „Waldheim-Affäre“, die das Tabu der Rolle dieser Nation in der NS-Zeit erstmals erschütterte, bildet dieses Thema wieder den Mittelpunkt eines Präsidentschaftswahlkampfes.
Offenbar gibt es nichts anderes zu bereden – in diesem ungleichen Kampf zwischen einem Staatsoberhaupt, das seine Sache gut gemacht hat und einer Politikerin, die sich schamlos im Dunstkreis der Leugner und Verharmloser jener beispiellosen Verbrechen bewegt. Die, ohne die Dinge wirklich beim Namen zu nennen, einschlägige Anspielungen macht, eindeutige Codes aussendet, die in jenen Kreisen verstanden werden. Und diese Frau kandidiert jetzt also für das höchste Amt in diesem Staat. Genau 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
Einem Staat, der doch mit dem Anspruch eines Neubeginns angetreten war: „Tabula Rasa“. Wie man weiß, hat der Skandal der Rosenkranz-Kandidatur eine Vorgeschichte mit ihren kleinen Wegmarken: Siegfried Kampl, Bürgermeister der Kärntner Gemeinde Gurk und FPÖ-Bundesrat, der am 14. April 2005 – mitten in dem von Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) ausgerufenen Gedenk-Gedanken(!)-Jahr – im Bundesrat Wehrmachts-Deserteure als „zum Teil Kameradenmörder“ bezeichnet und damit gegen deren Rehabilitierung argumentiert. John Gudenus, Oberst des Bundesheers im Ruhestand und ehemaliger FPÖ-Bundesrat, wurde am 26. April 2006 wegen NS-Wiederbetätigung – Leugnung bzw. gröbliche Verharmlosung des Holocausts – gerichtlich verurteilt.
Ein Klima, das zahlreiche übelriechende Blüten trieb: Im Februar 2009 wurde die Außenmauer des Konzentrationslagers Mauthausen mit 70 Zentimeter großen Lettern beschmiert: Parolen, die dazu aufforderten, mit „der Moslembrut“ genau das zu tun, was „unsere Väter“ mit „dem Jud“ getan haben. Am 9. Mai 2009 attackierten fünf Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren ehemalige Insassen des oberösterreichischen KZs Ebensee bei einer Gedenkfeier.
Auf einer Schülerfahrt nach Auschwitz fiel der Satz „die Juden gehören ganz einfach vergast“. Das Apart-Hotel „Sonnenhof “ im schönen Tiroler Ferienort Serfaus hatte einem (nichtjüdischen) Interessenten schriftlich mitgeteilt, dass man nach „schlechten Erfahrungen“ in der letzten Saison „keine jüdischen Gäste mehr beherbergen“ wolle. Martin Graf treibt nach wie vor als Dritter Nationalratspräsident sein Unwesen – unter anderem in den rechtsextremen Zirkeln der schlagenden Studentenverbindung „Olympia“, die den berühmt-berüchtigten Holocaust-Leugner David Irving als Referenten eingeladen hatte.
Apropos Irving: Irving wurde, noch zu Schüssels Zeiten, im Herbst 2005 durch Beamte der steirischen Autobahnpolizei dingfest gemacht. Ein international vorzeigbarer Coup, auf den die immer noch mit dem Makel des schwarzblauen Bündnisses behaftete Schüssel-Regierung sichtlich stolz war: Der größte Fang seit Richard Löwenherz, so wurde damals verkündet. Immerhin wurden ja damals, Ende des zwölften Jahrhunderts, mit dem stattlichen Lösegeld, das für die Freilassung der illustren Geisel bezahlt wurde, nicht nur die Stadtbefestigungen von Wien finanziert, sondern auch der Bau von Wiener Neustadt. Die Verhaftung von David Irving fand allerdings eine eher unrühmliche Fortsetzung. In der Gefängnisbibliothek der Grazer Justizanstalt stieß er nämlich auf seine eigenen Werke – und signierte diese eigenhändig zuhanden künftiger Interessenten seiner Version der Wahrheit über Holocaust und Gaskammern. Irving wurde ordnungsgemäß aufgrund des NS-Verbotsgesetzes verurteilt – doch nach Abbüßen eines kleinen Teils seiner Strafe auf freien Fuß gesetzt, nach England abgeschoben, von wo aus er weiterhin seine schändlichen Lügen verbreiten darf. Der Richter, der ihm dies ermöglichte, soll nicht gerade ein Anhänger liberal-demokratischen Gedankenguts gewesen sein, heißt es.
Dass Rosenkranz das NS-Verbotsgesetz kippen will – auch wenn sie dies, unter Druck und Diktat Hans Dichands, inzwischen „eidesstattlich“ zurückgenommen hat, ist bezeichnend. Extrem rechtsgerichteten Kreisen geht es hier nicht, wie Rosenkranz in unendlich komplizierten, labyrinthartig gewundenen Sätzen argumentiert, um Meinungsfreiheit (denn schließlich gehöre sie ja einer „frei-heitlichen“ Partei an), sondern um unverhohlene Propaganda: Es geht um die Verharmlosung der Naziverbrechen, um eine Relativierung der Gefährlichkeit des Nationalsozialismus – und damit letztlich um eine Rehabilitierung des Nazitums. Und um eine Verhöhnung der Opfer, um die Herabwürdigung ihrer Leiden. Wenn es, vielleicht, gar keine Gaskammern gab, dann war das alles gar nicht so schlimm. Denn immerhin gab es Autobahnen, Arbeitsbeschaffung, nationale Größe. Mutterschaft. Heldentum. Man kennt diesen Diskurs zur Genüge.
Dass selbst honorige Chefredakteure angesehener Qualitätszeitungen das NS-Verbotsgesetz unter dem Titel „Meinungsfreiheit“ gerne abschaffen würden, erschüttert den Beobachter aus dem Nachbarland. Dass dieser Chefredakteur sich dabei – wie während eines gemeinsamen Podiumsgesprächs im entferntesten Winkel des winterlichen Waldviertels geschehen – auf England mit seinen demokratischen Traditionen beruft, ringt dem ausländischen Beobachter ein Schmunzeln ab. Genau – Österreich stand im Zweiten Weltkrieg, ebenso wie England, auf der „richtigen“ Seite und hat viel für die Rettung der verfolgten Juden getan. Kein Wunder, schwurbelt jener Chefredakteur im Sog der Rosenkranz-Affäre in seinem Leitartikel daher: „Das Verbotsgesetz ist Ausdruck eines breiten Konsenses über den Unreifegrad unserer demokratischen Kultur“ – jene, die es abschaffen wollten, „verfolgen wir weiterhin als Ketzer“.
Verfolgen? Neonazis und deren Sympathisanten also als „Opfer“? Schon der erwähnte Kampl, der um ein Haar Präsident der Länderkammer Bundesrat geworden wäre, hat die Täter zu Opfern, die Mörder zu Märtyrern gemacht: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei es zu einer „brutalen Naziverfolgung“ gekommen. Kurz bevor ich von meinem letzten Posten als NZZ-Auslandskorrespondent, Buenos Aires, nach Wien übersiedelte, schärfte mir der damalige österreichische Botschafter in Argentinien ein: „Halten Sie sich stets vor Augen – Österreich war das erste Opfer Hitlerdeutschlands!“
Opfer: Als ich am Todestag Jörg Haiders die Haider-Gedächtnisausstellung im Stollen des Kärntner Bergbaumuseums besuchte, waren da zwei Einheimische – in Kärntner Festtagstracht, denn es war ja der 10. Oktober, gleichsam der Nationalfeiertag Kärntens, in Erinnerung an die Volksabstimmung von 1920. Ich traf das alte Ehepaar im letzten Raum, in dem es um Haiders Todesfahrt ging: In einer gigantischen Dauer-Videoprojektion in Zeitlupe, untermalt von grenzenlos traurigen Kärntner Gesängen, wurde das Autowrack gezeigt.
Die beiden waren sichtlich empört. Der Mann stellte sich als Gerichtssachverständiger im Ruhestand vor. Das könne nicht sein, das sei doch eindeutig, murrten die beiden: Das sei gewiss kein Unfall gewesen. Und auf die naive Frage des Schweizers, wie denn Jörg Haider in jener Schicksalsnacht zu Tode gekommen sei, flüsterten sie wie aus einem Mund: „Ein Mord. Ein politischer Mord. Und das in Friedenszeiten.“ Und als ich, mich weiterhin dumm stellend, nachbohrte, wer denn hinter diesem Mordanschlag gestanden haben mochte, seufzten beide bemerkenswert synchron. Dann im Ton der Verschwörung: „Das waren die Mächtigen von der Ostküste.“
Haider, der Täter – was seine antisemitischen Anspielungen, seine Provokationen im Zusammenhang mit der NS-Zeit, seine Anbiederung an „Alte Kämpfer“ betraf, – als Opfer. Die beiden älteren Herrschaften stehen in Kärnten mit ihrer Vermutung offenbar nicht allein.
Der Fall Rosenkranz hat viele Facetten – und eine lange Vorgeschichte: Geschichtslüge, Niedertracht und vielfache Bereicherung auf Kosten von NS-Opfern in zahlreichen Restitutionsfällen (nicht wenige Opfer oder deren Erben verübten Selbstmord aus Verzweiflung) – und dies nicht etwa anno 1938 unter dem Diktat der „Deutschen“, sondern bis weit in die Nachkriegszeit, in die wirtschaftlichen Boomjahre hinein, in der souveränen, freien Zweiten Republik.
Wenn Rosenkranz kryptisch-ausweichend erklärt, sie wisse über die NS-Zeit nur, was sie in der Schule gelernt habe, ist dies nicht nur die sorgsame Umgehung der Wahrheit über die NS-Zeit, sondern durchaus zutreffend: Über die NS-Verbrechen sei, wie mir viele österreichische Freunde berichten, damals (im Gegensatz zu heute) an österreichischen Schulen tatsächlich wenig zu vernehmen gewesen – dafür habe es nicht an antisemitischen Vorfällen gefehlt, bei denen Schüler und Lehrer aktiv beteiligt gewesen seien.
Und Güldenstern? Es gibt, gerade jetzt, inmitten der Affäre Rosenkranz, den metaphorischen „Güldenstern“ am Horizont. Dies lässt in der Tat hoffen. Eine große Zahl von Entscheidungsträgern hat sich in der Sache Rosenkranz mit untadeliger Klarheit zu Wort gemeldet: Vom Kardinal über den Bundespräsidenten, viele Politiker haben unzweideutig Stellung bezogen, Medienkommentatoren haben ihrer Empörung über Frau Rosenkranz und ihre Kandidatur mit aller Deutlichkeit Ausdruck verliehen. Selbst der Thron Dichands wackelt: Zahlreiche Leser, so heißt es, hätten ihre Abonnements gekündigt und Inserenten Bedenken angemeldet, ihre Anzeigen in diesem kampagne-journalistischen Umfeld zugunsten der Kandidatin Rosenkranz erscheinen zu lassen. In Umfragen äußern viele Österreicher die Befürchtung, die Rosenkranz-Kandidatur verschlechtere das Image Österreichs im Ausland und spalte die Nation. Selbst ein großer Teil der potenziellen FPÖ-Wähler lehnt offenbar Rosenkranz und das, was sie verkörpert, ab.
Verhängnisvolle strategische Fehler wurden gemacht: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der als „cooler“ Kandidat die junge Generation im Visier hat und nicht die aussterbenden Ewiggestrigen, muss sich eingestehen, dass die Nominierung der Frau Rosenkranz ein Fehler war. Sie könnte seine Chancen bei der wirklich wichtigen Wien-Wahl mindern – denn dort gäbe es, im Gegensatz zur Bundespräsidentenwahl, für ihn und seine Freiheitlichen tatsächlich etwas zu holen.
Und die Bürgerlichen – von den Grünen ganz abgesehen? Auf eine Kandidatur zu verzichten war ein demokratiepolitischer Fehler, der den „Fall Rosenkranz“ erst zu dem machte, was er heute ist. Die ÖVP hätte Rosenkranz einen akzeptablen Kandidaten, noch besser: eine Kandidatin (beispielsweise Christine Marek) entgegenstellen können. Die Grünen hätten mit dem großartigen Alexander Van der Bellen zweifellos einen Achtungserfolg erzielt – und vor allem ein Zeichen gesetzt: Dem österreichischen Wähler wäre damit am 25. April eine echte, demokratische Alternative zum chancenreichen Heinz Fischer offeriert worden. Und man wäre vom ebenso anachronistischen wie peinlichen NS-Thema losgekommen, das den Wahlkampf dominiert hat.
Frage an die Maus: Wer kandidierte ohne große Chancen für die Präsidentenwahlen?
Alle Bundespräsidenten der Zweiten Republik wurden beim ersten Antreten entweder von SPÖ oder ÖVP aufgestellt. Elf Mal wurde in der Zweiten Republik der Bundespräsident gewählt, drei Mal – als keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang eine Mehrheit erreichte – musste ein zweiter Wahlgang abgehalten werden: 1951, 1986 und 1992. 1951 fand in Österreich zum ersten Mal eine direkte Wahl für den Bundespräsidenten statt. Sechs Kandidaten stellten sich zur Wahl, Burghard Breitner von der FPÖ-Vorgängerpartei VdU erreichte im ersten Wahlgang 15,4 Prozent, der KPÖ-Kandidat Gottlieb Fiala konnte 5,1 Prozent erringen. Theodor Körner (SPÖ) setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den ÖVP-Kandidaten Heinrich Gleißner durch. In den folgenden Wahlgängen stellten von den etablierten Parteien nur SPÖ und ÖVP Kandidaten auf. Erst 1980 schickte die FPÖ mit Willfried Gredler einen Kandidaten ins Rennen. Der Amtsinhaber Rudolf Kirchschläger wurde mit 79,9 Prozent gewählt, Gredler erreichte 17 Prozent. Im selben Wahlkampf trat der Rechtsradike Norbert Burger für die NDP an und erlangte 3,1 Prozent. 1986, als der Wahlkampf von der Affäre um die Kriegsvergangenheit des späteren Wahlsiegers Kurt Waldheim geprägt war, gab es erstmals eine grüne Kandidatin: Freda Meissner-Blau erreichte im ersten Wahlgang 5,5 Prozent, der FPÖ-Kandidat Otto Scrinzi kam auf 1,2 Prozent. Sechs Jahre später, als Thomas Klestil zum Präsidenten gewählt wurde, erreichte Heide Schmidt im ersten Wahlgang 16,4 Prozent für die FPÖ, der grüne Kandidat Jungk kam auf 5,7 Prozent. Sechs Jahre später kandidierten mehrere Kandidaten gegen Thomas Klestil, der von beiden Großparteien unterstützt wurde und auf 63,4 Prozent kam. Gertraud Knoll erreichte als Unabhängige 13,6 Prozent, Heide Schmidt auf der Liste des Liberalen Forums 11,1 Prozent. Richard Lugner, der für seine eigens gegründete Partei „Die Unabhängigen“ antrat, kam auf 9,9 Prozent.
















Assoziationen können sehr unterschiedlich sein
http://www.judentum.net/geschichte/konvertiten.htm
Codes von Zitterwolf
Wer sich aber mit der Familiengeschichte der Kandidatin und ihres Ehemannes beschäftigt hat, weiß, dass Namen tatsächlich Schall und Rauch sind.
ausgerechnet beim datum und mit hagalil versucht ein zitterwolf codes an antisemiten zu senden