Letzte Fragen an … Hans Peter Falkner
„Über Christl Stürmer muss man ja noch froh sein“
Interview: Klaus Stimeder
Foto: Markus Kaiser-Mühlecker
Hans Peter Falkner (40) bildet gemeinsam mit Markus Binder das 1990 gegründete Duo Attwenger, eine der erfolgreichsten und eigenwilligsten Popgruppen Österreichs, die mit ihrer Verschmelzung von Volksmusik und Punkrock, HipHop oder Drum’n’Bass einen unverwechselbaren Klang geschaffen hat. Auf dem Linzer Filmfestival „crossing europe“ wird dieser Tage der Konzertfilm „Attwenger Adventure“ des Regisseurs Markus Kaiser-Mühlecker vorgestellt, der die beiden ausgiebig auf Tour begleitet hat.Der gebürtige Linzer Falkner arbeitet neben Attwenger auch an verschiedenen Soloprojekten, unter anderem tritt er mit seinen Eltern Pauline und Erich Falkner als 3 Falkner regelmäßig bei Geburtstagsfeiern und Hochzeiten auf und spielt authentische Volksmusik. Außerdem ist er Herausgeber der Anthologien „567 Gstanzln“ und „1234 Gstanzln“, beide erschienen in der Bibliothek der Provinz.
Der Name der Band Attwenger bezieht sich auf einen Tischler namens Franz Attwenger, der in einem oberösterreichischen Volkslied vorkommt. Vor Attwenger spielte Falkner bei den Gruppen Urfahraner Durchbruch und die goas. Seit 1995 betreibt er zusätzlich das Label Fischrecords für traditionelle österreichische Volksmusik. Mehr Infos unter www.attwenger.at.
Herr Falkner, dieser Tage feiert „Attwenger Adventure“ auf dem Linzer „crossing europe“-Festival Premiere – eine Doku über Ihre Band auf Konzerttour. Was hat Sie und Markus Binder dazu gebracht, sich 17 Jahre nach Wolfgang Murnbergers „attwengerfilm“ wieder vor die Kamera zu stellen?
Das Projekt ist ganz langsam gewachsen. Der Regisseur Markus Kaiser-Mühlecker wollte uns Anfang vergangenen Jahres bei einem Konzert mit der Kamera begleiten, für einen Kurzfilm. Dann ist er immer öfter auf Konzerte mitgefahren und irgendwann hatte er so viel Material beisammen, dass er gesagt hat: „Ich glaub, ich will da einen richtigen Film draus machen, jetzt such ich um eine Filmförderung an.“ Die hat er zwar nicht gekriegt, gemacht hat er ihn trotzdem.
Irgendwie war es eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie beim „attwengerfilm“. Damals wollte der Wolfgang Murnberger zuerst auch nur einen 15 Minuten langen Kurzfilm machen, und am Ende kam ein abendfüllendes Werk heraus.
Der Regisseur ist bei „Attwenger Adventure“ sehr nah an Ihnen und Markus Binder dran. Wie war das Gefühl, bei der Arbeit ständig von der Kamera beobachtet zu werden?
Prinzipiell nicht sehr angenehm. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo du vergisst, dass sie da ist. Das kommt, glaube ich, auch ganz gut rüber. Besonders in den Momenten, wo sich der Markus und ich gegenseitig nerven, was auf Tour ganz normal ist, war es nicht immer leicht. Aber genau das macht den Film ja aus, von solchen Momenten lebt er.
Seit Ihrem Debüt „Di Kia“ von 1990 sind 17 Jahre vergangen. Wie hat sich die heimische Musikszene in dieser Zeit Ihrer Meinung nach verändert?
Schwer zu sagen, weil man sich ja selber verändert. Ich habe heute in Wahrheit keine Ahnung, wie die Jugendlichen heute unterwegs sind. Vielleicht hat man sich bei den Jugendkulturen früher besser ausgekannt. Da gab es klar voneinander getrennte Gruppen – die einen waren die Punks, die anderen die HipHopper, die anderen wiederum die Death Metaller und so weiter. Heute haben sich diese Grenzen verschoben, es gibt diese klaren Grenzen nicht mehr, jedenfalls meiner Beobachtung nach.
Haben Sie schon einmal „Starmania“ gesehen?
Ja. Ich finde, mit solchen Phänomenen braucht man sich aber nicht großartig intellektuell auseinander setzen. „Starmania“ ist einfach das, was es ist: eine seichte Unterhaltungsshow mit seichter Musik. Die Mehrheit der Leute wollen das halt. Mir ist es wurscht. Was solche Acts wie die Christl Stürmer betrifft, muss man darüber sogar noch froh sein: weil man weiß, es geht noch tiefer, siehe DJ Ötzi.
Ist Ihnen Manuel Normal ein Begriff, der jüngst den FM4-„Soundpark“-Contest gewonnen hat?
Nein.
Der Mann singt auf Mühlviertlerisch, unterlegt von lässiger Elektronik.
Klingt interessant, werde ich mir mal anhören.
Seit der Veröffentlichung Ihrer bislang letzten Platte „Dog“ sind – mit Ausnahme eines Remixes – schon zwei Jahre ins Land gezogen. Wann dürfen wir die neue Attwenger erwarten?
Ich schätze, dass wir ein bis eineinhalb Jahre brauchen werden, bis wir was Neues fertig haben. Bei uns braucht es eine gewisse Zeit, bis wir das im Kasten haben, das uns passt. Wir sind viel auf Tour und stehen diesbezüglich quasi erst am Anfang der Entwicklung.
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