quergeist
Seine satirischen Betrachtungen der Politszene in der Sendung quer haben den Münchner Fernsehmoderator Christoph Süß zu einem Star gemacht. Seine Fangemeinde reicht heute weit über die Grenzen des Freistaats hinaus. Und das, obwohl sein Leben vorher alles andere als lustig war. Besuch bei einem Querkopf,von dem sich die ORF-Oberen einiges abschauen können.
Text und Fotografie: Florian Niederndorfer
„Ich bin bis heute begrenzt begeistert von dem Ding“, sagt Christoph Süß und deutet auf sein Gesicht. Die Beine zum Schneidersitz ineinander verschränkt, sitzt er in einem schwarzen Ledersofa in der „Kostbar“, beugt sich vor und streichelt kurz den großen weißen Hund, der sich an ihm vorbei den Weg in die Küche bahnt. Es ist ein ruhiger Abend in dem kleinen Café an der Augustenstraße in der Münchner Maxvorstadt, einem quirligen Viertel, das sich junge Türken mit Yuppies, die auf den Hipnessfaktor Wert legen, teilen. „Und? Wie tuts?“ ruft der 39-Jährige, den seine blauen Adidas-Steeples-Turnschuhe und das dunkelgraue Sakko deutlich jünger aussehen lassen, dem Wirten zu.Man kennt Christoph Süß hier. Nicht nur, weil er im Nebenhaus wohnt. Ein Wink genügt und eine Kellnerin bringt ihm einen „Doppio“. Es ist sein dritter doppelter Espresso innerhalb einer Stunde: „Ich spüre in mir die Tendenz zur Übertreibung“, sagt er. Schon immer. „Als Jugendlicher wollte ich Popstar werden.“ Warum? „Wegen der Wahnsinnskohle und der pharaonischen Verehrung.“ Er greift in die Brusttasche seiner Jacke, zieht ein rotes Softpack filterloser Roth-Händle heraus und zündet sich eine an. 40 bis 60 Zigaretten raucht Christoph Süß pro Tag. Immer schon.
Seitdem der gebürtige Münchner, der zuvor als Kabarettist durch die bayerische Provinz getingelt war, im Frühsommer vor zehn Jahren vom Bayerischen Rundfunk (BR) als Moderator des politischen Wochenmagazins „quer“ ausgewählt wurde, kennen nicht bloß die Kellner in der Kostbar sein kantiges Antlitz. Seine Fans sitzen, dem bayerischen Zungenschlag des Moderators zum Trotz, längst nicht mehr bloß im Freistaat jeden Donnerstag vor dem Fernseher. Laut der BR-internen Medienforschung erreichte „quer“ von Jänner bis März 2007 deutschlandweit durchschnittlich 740.000 Zuseher. Zusätzlich schalten jede Woche im Schnitt 32.000 Österreicher am Donnerstag und weitere 15.000 am Samstag ein, wenn die Sendung im Satellitensender 3sat zu Mittag wiederholt wird.
Auch deshalb, meint Süß, weil „quer“ zwar in Bayern gemacht wird, aber keineswegs nur auf bayerische Themen ausgerichtet ist. Das Magazin gilt heute als eines der Flaggschiffe des kritischen Fernsehjournalismus in Deutschland. Münchner Türkinnen, die von ihren Familien bedroht werden, kommen genauso zu Wort wie der Oberfranke, dem sie die umweltschonende Solaranlage vom Dach gestohlen haben. Den Machenschaften der bayerischen SPD, deren Politiker nach Süß’ Worten „einfach zu wenig kriminelle Energie haben, um bei den Leuten anzukommen“, wird ebenso nachgegangen wie jenen der seit Jahrzehnten absolut regierenden Christlich-Sozialen Union (CSU) von Noch-Ministerpräsident und Ex-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.

Beschwerden über allzu bissige „quer“-Beiträge kämen selten vor, sagt Redaktionsleiter Wolfgang Mezger. „Höchstens manche Dorfbürgermeister oder Kirchengemeinden fühlen sich schon mal zu hart angefasst. Aber damit kann ich leben, solange ich unsere Haltung argumentieren kann.“
Versuche politischer Parteien, auf die Sendungsmacher Einfluss zu nehmen, habe es bisher kaum gegeben. Was auch daran liegen könnte, wie Süß vermutet, dass die CSU „so felsenfest im Sattel sitzt, dass man uns einfach machen lässt“. Vor zwei Jahren avancierte „quer“ erstmals zur meistgesehenen Sendung im BR-Hauptabendprogramm. Wohl auch deshalb, wie Mezger behauptet, weil politische Themen in „quer“ „mit der ganzen Breite an journalistischen Methoden“ in teilweise stark satirischen Beiträgen und Interviews behandelt werden. „Der Christoph Süß verleiht den Beiträgen durch seinen humoristischen Ansatz zusätzliche Schärfe“, sagt Mezger. Diese „speziell bayerische Mischung“ mache den Erfolg der Sendung aus.
„In der CSU mögen sie uns inzwischen recht gerne, die lachen über uns“, meint Christoph Süß, der Woche für Woche Politiker zum Interview auf die grasgrüne „quer“-Studiocouch bittet. „Wir sind ja auch sehr zahm“, sagt er und grinst. In ein Links-Rechts-Schema will er sich nicht pressen lassen. Ihm komme es darauf an, „ob ein Politiker seinen Kopf zum Denken benutzt oder nicht. Ich habe schon bei Leuten aus allen Parteien mit Bestürzung festgestellt, dass die sich auch nicht substanziell besser auskennen als ich. Nur treffen diese Leute dann Entscheidungen, die auch mich angehen. Das finde ich gruselig. Da frag ich lieber zweimal nach.“ Ein Arbeitsansatz, der intensive Recherche verlangt. Deshalb steigt Christoph Süß manchmal auch wochenends in der Früh in seinen pfefferminzgrünen Toyota-Geländewagen und düst Richtung BR-Studio in Unterföhring.
Den Großteil seines „eigentlich beängstigenden Grundmisstrauens“ verdanke er seiner Kindheit in der Arbeitervorstadt Sendling im Münchner Süden, sagt Süß. Gemeinsam mit seinem Vater, einem Lastwagenfahrer, seiner Mutter und seinen beiden älteren Geschwistern wohnte er die ersten zehn Jahre seines Lebens in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung nahe der Großmarkthalle an der Isar. Die Gegend hatte damals einen schlechten Ruf: „Um uns herum haben so viele kaputte Menschen gelebt. Viele hatten keine Arbeit und haben ihren Frust an den Nachbarn ausgelassen.“Und an den Kindern, fügt er ohne Zögern hinzu. Die seien dort höchstens in den umzäunten, betonierten „Knasthöfen“ geduldet worden: „Wenn ich pfeifend von der Schule nach Hause gegangen bin, hat mich ein Nachbar jedes Mal angeschrien, ich solle nicht so einen Lärm machen, sonst brächte er mich um.“ Christoph Süß’ Eltern ließen sich kurz vor seiner Geburt scheiden. Der Vater, den Süß als „gefährlichen, gewalttätigen Trinker“ beschreibt, wohnte trotzdem „von Zeit zu Zeit“ in der gemeinsamen Wohnung. Er starb, als Christoph Süß neun Jahre alt war: „Für meine Mutter war sein Tod eine Erleichterung. Bei aller Sehnsucht nach einem Vater – wie die Beziehung meiner Eltern gelaufen ist, habe ich als Kind als ziemliches Debakel empfunden“, sagt Süß heute.
Das Faible für filterlose Zigaretten gehöre zu dem wenigen Erbe, das sein Vater ihm hinterlassen habe. 1977 übersiedelte die Familie dank einer bescheidenen Witwen- und Waisenpension nach Moosach, einem Viertel nahe des Mittleren Rings im Nordwesten der Stadt, wo nach dem Zweiten Weltkrieg zehntausende Quadratmeter Wohnraum geschaffen wurden.
Nachdem Süß, der neben „quer“ auch eine wöchentliche Radiokolumne namens „Süßstoff“ auf Bayern 2 moderiert, auf der Suche nach passender Musik erfolglos die Skip-Taste seines Autoradios bedient hat, legt er eine Kassette ein. Er sei ja eigentlich nicht besonders wählerisch, was Musik betrifft, behauptet er und drückt die Fast-Forward-Taste. Die isländische Popsängerin Björk ist die Erste, bei der das Laufwerk stehen bleibt: „State of Emergency, is where I want to be“. „Vielleicht ist es ja das, was Menschen wollen, wenn sie zu trinken beginnen“, interpretiert Süß die Textzeile. „Vielleicht suchen sie nur den Ausnahmezustand.“ Als er Mitte zwanzig war, sei er „auf dem besten Wege gewesen, Alkoholiker zu werden. Da war ich am Boden, eine echte Lebenskrise.“ Seither trinke er nur mehr hin und wieder ein Bier oder zwei, „aber das wars.“
„So schlimm das klingt, aber ein tödlicher Arbeitsunfall war für meinen Vater die einzige Möglichkeit, uns Kindern ein gutes Auskommen zu ermöglichen“, sagt Süß, während er seinen Geländewagen, dessen Allradgetriebe, „höchstens bei den gelegentlichen Ausfahrten in die oberbayerische Heimat meiner Freundin zum Einsatz kommt“, in eine Parklücke vor dem „quer“-Studio lenkt. Aus der Stadt wegzuziehen, kommt für ihn nicht in Frage: „Höchstens auf den Bauernhof, den meine Süße einmal erben wird.“
Für die Aufzeichnung der nächsten Sendung ist er zu früh dran. Süß nutzt die Gelegenheit, sich auf dem Parkplatz noch eine Roth-Händle anzuzünden. „Servus Christoph!“, ruft ihm ein untersetzter Mann um die fünfzig mit schwarzem Rauschebart von weitem zu. Die Fernsehzuschauer kennen ihn als „den Charly“. Eigentlich führe er jetzt ein Sicherheitsunternehmen und sitze nur mehr aushilfsweise in der Portierloge, sagt er. Aber es hilft nichts. Seitdem sein kurzer Smalltalk mit Süß in jeder Sendung als Anfangssequenz dient, nimmt er einmal in der Woche den Weg nach Unterföhring in Kauf und spielt den Pförtner des BR. Schnell tauscht er sein ausgewaschenes schwarzes T-Shirt gegen ein weißes Hemd mit blauen Streifen, zieht einen dunkelgrauen Pullover und eine rote Krawatte über und setzt sich hinter die Glasscheibe des Pförtnerhäuschens. „Servus Christoph!“ sagt Charly noch einmal. Diesmal läuft die Kamera und Süß tut so, als sähe er den falschen Pförtner zum ersten Mal an diesem Tag.
In einer rund 5.000 Quadratmeter großen ehemaligen Lagerhalle, die der BR vom Privatsender Pro7 anmietet, wird „quer“ aufgezeichnet. „Im blauen Studiolicht wirkt er halt leicht ein bisserl blass“, sagt die Visagistin Brigitte Pavlicek, die mit einem Wattebausch das Gesicht des Moderators trocken wischt. Der schließt, länger als es für die Maske nötig wäre, die Augen. „Ich hol’ inzwischen das Messer, das du im Rücken stecken hast“, unterbricht der Requisiteur die Stille und läuft aus dem Maskenraum, den sich „quer“ mit der Gerichtsshow „Richter Alexander Hold“ teilt. Die 24-köpfige Redaktion gibt Süß in jeder Sendung die Möglichkeit, wie auf einer Kabarettbühne in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Querschläger heißt das in der Sprache der Sendungsmacher.
Heute steht noch ein Auftritt im „George W. Bush“-Outfit auf dem Plan. Als persönlicher Berater hat Bernward Brokamp das „Finetuning“ in Süß’ Interviewführung über – er hilft dem Moderator bei der Vorbereitung seiner Texte. Wie ein Boxer vor dem Kampf „redet er sich ein bisschen warm“, beschreibt Brokamp, der den Sparringpartner gibt, das scheinbar ziellose Gespräch. In der Sendung wird Süß später mit seinem Gast, dem bayerischen Kabarettisten Bruno Jonas, über die Oberammergauer Passionsspiele sprechen, die alle zehn Jahre in dem kleinen oberbayerischen Ort den Leidensweg Christi nachzeichnen. Wirklich vorbereiten müsse sich Süß, der alle Moderationstexte selbst schreibt, nicht, sagt Brokamp: „Der Christoph ist ein Intellektueller. Mit ihm arbeitet man ganz anders als mit anderen Moderatoren, denen man beim Schreiben mehr helfen muss.“ Vor seinem Engagement beim BR Anfang des Jahres hat Brokamp unter anderem mit Arabella Kiesbauer und Sabine Christiansen gearbeitet. Süß’ „große Helden“, die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder, hätten ihn als Jugendlichen politisch sozialisiert, sagt er. Vor allem die ‚Notizen aus der Provinz‘, eine Politsatire, die Hildebrandt Ende der Siebzigerjahre im ZDF präsentierte, hatten es dem jungen Christoph Süß angetan. „Aber in Wirklichkeit“, sagt er und lacht, „waren es wohl die Hormone, die Politik für mich in der Pubertät interessant gemacht haben. Ich dachte mir, je mehr ich weiß, desto interessanter finden mich die Menschen. Und dann gibt’s was zu poppen.“
Politisches Kabarett zu machen, wie es seine Vorbilder getan haben, sei aber nie seine Sache gewesen:„Ich war auch zu faul dafür, jede Woche ein neues Programm zu schreiben. So etwas wie Liebe gibt es schließlich auch noch in einem Jahr, aber wer weiß schon, wer dann Kanzler ist.“ Die Pubertät bescherte Christoph Süß aber noch eine Leidenschaft: „Ich fing damals an, die Bühne zu bemerken. Und die Bühne bemerkte mich. Seitdem bin ich nicht mehr davon losgekommen.“ Mehr als 3.000 Besucher kamen im Laufe zweier Semester in den kleinen Festsaal der Moosacher Realschule, um sich die Shakespeare-Interpretationen der Jugendlichen anzusehen. Überraschend viel Publikum für ein Schülertheater, findet Süß noch heute: „Damit hatten wir nicht gerechnet, für uns war das vor allem ein großes, gemeinsames Abenteuer.“
Mit 16 legte er eine Atempause ein: „Dann hab ich ein Jahr lang herum überlegt, was ich machen soll. Ein paar Monate lang hab ich am Bau gearbeitet, ansonsten irgendwelche Jobs, die gerade anfielen.“ Keine verlorene Zeit, findet Süß heute: „Ich hab wenigstens rechtzeitig den Sprung zurück in die Schule geschafft und einen ganzen Sommer lang Französisch nachgelernt, damit ich ans Gymnasium komme.“
Nach dem Abitur am Rupprecht-Gymnasium in der Albrechtstraße, keine fünf Gehminuten von seiner heutigen Wohnung in der Maxvorstadt entfernt, wurde Süß 1988 zum Zivildienst eingezogen. In der Stiftung Pfennigparade, einem Rehabilitations- zentrum für Körperbehinderte in Schwabing, half Süß ein Jahr lang als Assistent in der integrativen Realschule behinderten Schülern beim Lernen. Für den damals 21-Jährigen war der Umgang mit behinderten Menschen kein Neuland – seine um drei Jahre ältere Schwester ist spastisch gelähmt und lebt heute in einem Pflegeheim: „In einem von diesen Orten, die Namen wie ‚Horizont‘ oder ‚Perspektive‘ tragen, obwohl ihnen genau das fehlt. ‚Endlagerstätte‘ würde es eher treffen.“

Ganz vergessen hatte Christoph Süß die Faszination, die das Theater und die Bühne als Teenager auf ihn ausgeübt hatten nicht, als er 1989 an der Ludwig-Maximilians- Universität immatrikulierte. Erst schrieb er sich für Politologie ein („Weil ich nicht wusste, was ich sonst studieren soll“), nach drei Semestern sattelte er auf Philosophie um: „Ich dachte mir, dass die Philosophie ja lange Zeit so etwas wie die Basis war, um über die Welt nachzudenken. Außerdem kann man überall mitreden, was ja auch auf der Bühne nützlich ist.“
Während des Studiums begann Süß, erste Kabarettprogramme zu schreiben und auf kleinen Bühnen aufzutreten. Vor allem deshalb, „weil in der zu Recht vergessenen Rockband Mudshark, wo ich vorher Sänger war, niemand meine kleinen, bösen Lieder hören wollte. Also hab ich mir gedacht, ich stell’ mich alleine auf die Bühne.“ Außerdem sei Kabarett das Einzige gewesen, „wovon ich zu behaupten wagte, es wirklich zu können“, sagt Süß, der sich während des Studiums als Pizzalieferant, Teppich- verkäufer und Barkeeper ein Zubrot zu seiner Halbweisenrente verdiente und sich danach als Schauspieler in Werbeclips und als Putzkraft verdingte.
Von der „Grundausbildung zum Mitlabern“, wie er sein nach acht Semestern „mangels ernsthafter Zukunftsaussichten“ abgebrochenes Philosophiestudium beschreibt, zehrt er noch heute. „Das gibt für Kabarett schon sehr viel her, vor allem, wenn man den humoristischen Ansatz entdeckt, der zum Beispiel in den Werken von Platon steckt.“ Der habe es geschafft, „seine Leser auf komische Art brutal ins Messer laufen zu lassen und ihnen dann auch noch zu sagen, wie wenig Ahnung sie von der Welt eigentlich haben. Herrlich, wie abgehoben das ist.“
Seinen Aufstieg zum Fernsehstar verdankt Christoph Süß Florian Neubauer, der eine Castingagentur für Schauspieler am Stiglmaierplatz leitet und Süß in den Neunzigern gelegentlich für Werbespots vermittelt hatte. „Ich habe ihm viel zu verdanken. Ich war damals 29 und sehr nachdenklich, im Grunde bin ich vor dem Nichts gestanden. Keine Ausbildung, kein sozialer Status, kein Geld“, sagt Süß heute. Neubauer muss lachen, wenn er an den Tag im Frühsommer vor zehn Jahren denkt, als er Süß einen improvisierten Werbespot spielen ließ, in dem der einen Sonntagsprediger mimte, der sein altes Auto an den Mann bringt. Neubauer war von dem subtilen Humor, den Süß im Rahmen seines Auftritts an den Tag legte, begeistert: „Wir haben wirklich Tränen gelacht!“
Süß, dessen Fernseherfahrung sich bis dahin auf Reklamefilme beschränkt hatte, machte seine Sache so gut, dass das Videoband in den Händen von Wolfgang Mezger landete. Der heute 50-Jährige war auf der Suche nach einem Moderator für eine neue Art von politischem Wochenmagazin im BR. Kurz darauf saß eine Abordnung der frisch gegründeten „quer“-Redaktion in einer Kellerbühne in der Schickeria- und Studentenhochburg Schwabing und lauschte gebannt Süß’ Kabarettprogramm „Kristofs kleiner Kosmos“.
Für uns ein Zeichen des Himmels“, sagt Mezger: „Er war damals schon eine richtige Rampensau.“ Nicht nur seine „unglaubliche Bühnenpräsenz“ ließ Neubauer und Mezger aufhorchen; auch Süß’ prononciert bayerische Sprachfärbung unterschied ihn von den meisten seiner Kollegen. „Vor zehn Jahren war er da noch eine absolute Ausnahme“, meint Entdecker Florian Neubauer. Damals sei es ein Makel gewesen, im Fernsehen Bayerisch zu sprechen. „Entweder man gewöhnte es sich ab oder man landete im Komödienstadel.“
Auch wenn die Umgangssprache in Interviews bisweilen etwas „zu kumpanenhaft“ klingen würde, wie Redaktionsleiter Mezger moniert: „Manche Sachen sprechen sich einfach besser auf Bayerisch“, findet Süß. Außerdem: „Mit der bayerischen Umgangssprache kann man aus den Moderationen Geschwindigkeit rausnehmen.“ Als Beispiel strapaziert der 39-Jährige die Ansage „I warat do“. „Das stellt ja schon in Frage, ob man wirklich da ist. Das finde ich herrlich, weil es ein Bewusstsein für die Rätselhaftigkeit der Welt schafft.“
Nervös sei er vor einer Sendung heute nicht mehr, sagt Christoph Süß. „Bei mir ist noch immer ein gerüttelt Maß an Adrenalinsucht vorhanden.“ Wolfgang Mezger findet nur Lob für seinen Moderator: „Ohne Christoph würde unser Konzept nicht funktionieren.“ Angst, dass das viele Lob Süß zu Kopf steigen könnte, hat der studierte Jurist, der eine Zeitlang als Kriegsberichterstatter in Kaschmir an der indisch-pakistanischen Grenze und ab 1984 als Redakteur bei der „quer“- Vorgängersendung „Live aus dem Schlachthof“ gearbeitet hat, nicht: „Er ist der mit Abstand uneitelste Moderator, den ich kenne.“ Bis er zur Diva werde, lacht Christoph Süß, sei es noch ein weiter Weg: „Das bringt ja nichts und wäre für alle nur anstrengend. Und ich bin gegen Anstrengung.“
















Mein Kommentar
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