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Vier Jahre nachdem Carrie Bradshaw in die Arme ihres Mr. Big fand, kommen sie und ihre Freundinnen nun ins Kino. „Sex and the City“: Was als innovative Serie begann, hat nicht nur die US-Fernseh- landschaft verändert.Die Geschichte eines Ausverkaufs.

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Text: Alexandra Bozanic
Fotografie: New Line Cinema
Die Charaktere älter und erwachsener, die Outfits eleganter und vor allem teurer: An „Sex and the City“, als Film Ende vergangenen Monats weltweit in den Kinos angelau- fen, sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Mirandas kleiner Sohn Brady ist inzwischen ins Vorschulalter gekommen, und auch Charlotte und Harry haben ihr lang- ersehntes Adoptivkind. Carrie und Mr. Big leben in trauter Zweisamkeit in New York. Das Glück wäre vollkommen, wenn Carrie ihren Prince Charming endlich vor Zeugen nd der ganzen Stadt New York festnageln könnte, damit er sich auch ja nicht wieder verdrückt. Eine opulente Hochzeitszeremonie wird geplant, schließlich soll Carries großer Tag mit Pauken und Trompeten gefeiert werden. Designerkleider, 200 Gäste, Limousinen und drei wunderschöne Brautjungfern sollen den Tag perfekt machen. Das einzige Hindernis dabei: Big. Der Bräutigam verschwindet am entscheidenden Tag.

Bei all der schicken Oberfläche droht der Inhalt,wie schon in den letzten Staffeln der Serie, zunehmend zu verflachen. Der Film kann dem Zuschauer bei weitem nicht die Bandbreite der Serie liefern: keine Freakshow, keine Lästereien über Männer, keine extravaganten sexuellen Entgleisungen.„Sex and the City – The Movie“ konzentriert sich überwiegend auf die Herzensangelegen- heiten der Protagonistinnen und somit auf die Alltagsprobleme von verheirateten New Yorkerinnen – und denen, die es noch werden wollen.

Was als provokante, interessante und inhaltlich fortschrittliche Serie begann, endet als Hollywood-Romanze. In die deutschsprachige Fernsehlandschaft kamen Sex, Girl- Talk, Designerlabels und vier beste Freundinnen aus New York City erstmals 2001. Carrie (Sarah Jessica Parker), Charlotte (Kirstin Davis), Miranda (Cynthia Nixon) und Samantha (Kim Cattrall) waren die Gesichter des erfolgreichen Primetime-Hits aus den USA. Die Gespräche über intime Details aus dem Sexleben der Protagonistinnen erhitzten auch hierzulande die Gemüter. Schon bald gehörte „Sex and the City“ fix zum wöchentlichen Bestandteil eines jeden Girls’-Night-Out-Treffens. Carrie und Co. trafen den Zeitgeist einer Gesellschaft, die bereit war, frei und offen über Mastur- bation, Analverkehr oder Abtreibung zu sprechen. In Cafés, Restaurants oder Bars wurde über die „Freakshow“, wie die Freundinnen die Männer in Manhattan nannten, hergezogen – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, aber doch mit Stil, humorvoll und eloquent.

Zu Beginn der Serie lag der Fokus auf inhaltlichen Themen. Die Outfits der Girls waren zu dem Zeitpunkt noch nicht so ausgefallen und teuer. Das änderte sich schnell, als die Serie an Popularität gewann. Chic und Glamour sowie den Touch von Exklusivität verdankte die Show nicht zuletzt den unzähligen Designerlabels, die rasch die Haus- und Hofausstatter der vier Figuren wurden. Von Dolce & Gabbana über Louis Vuitton, Fendi, Dior, Prada oder Burberry bis hin zu Chanel war alles dabei. Heißester Stylefaktor seit Anbeginn: Carries unzählige Schuhe. So gut wie jedes Outfit trug sie mit Manolo-Blahnik-Stilettos. Fashion wurde nicht nur ein Aushängeschild, mit dem sich „Sex and the City“ schmückte, es wurde in jeder Folge zelebriert.

In den Medien wurde die Produktion des amerikanischen Pay-TV-Senders HBO als der Beginn einer neuen Generation von Fernsehserien gehuldigt. Nie zuvor war so offen über Sex gesprochen worden, was als innovativ galt, aber auch provokant war. Die Lässigkeit schockierte, und es gab Stimmen, die die inhaltlich fortschrittliche Serie als Schlampenrunde abstempelten. Jedoch thematisierte „Sex and the City“ zunehmend auch ernstere Inhalte.

So kommen alle vier Frauen in eine Situation, in der sich ihr Lebensweg ändert. Die sexuellen Errungenschaften und Erlebnisse der ersten Staffeln geraten zunehmend in den Hintergrund, und alltägliche Probleme von Beziehungen und Ehen dominieren die Serie inhaltlich. Miranda wird unverhofft schwanger, Samantha trennt sich von der einzigen großen Liebe ihres Lebens und erkrankt später an Brustkrebs, Charlottes langersehnte Ehe mit Tray McDougal scheitert, und Carrie hofft bis zum Ende der Serie auf ein Happy End mit Mr.Big.

So verkörpert sie in den sechs Staffeln der Serie den permanenten Zwiespalt einer emanzipierten, unabhängigen Frau, die ihr Leben eigenständig und selbstbewusst regelt, aber andererseits ihr persönliches Glück und ihre Identität von diesem einen Mann abhängig macht; wodurch sie keine festen und emotional tiefgehenden Beziehungen zu anderen Männern eingehen kann. Sie empfindet alles, außer der Beziehung zu Big, als letztendlich nicht erfüllend. Aber ein Dasein ohne einen Mann an ihrer Seite möchte sie auch nicht führen.

So war es nicht verwunderlich, dass die finale Folge das endlose Hin und Her zwischen Carrie und ihrem Mr. Big als Aufhänger hatte. Was in der ersten Staffel als schicksalhafte Begegnung begann, endete als Großstadtmärchen. Thematisiert wurde Carries verzweifelter Kampf und die Suche nach dem Mann ihres Lebens. Wenig überraschend, dass am Schluss ein Happy End der Liebenden stand. Die Serie war ein bahnbrechender Erfolg, der Topquoten bescherte. Nachfolgende Serien, die den Erfolg von „Sex and the City“ kopieren wollten, ließen nicht lange auf sich warten. Ein neuer Maßstab war gesetzt.

Entstanden ist „Sex and the City“ auf der Grundlage der Kolumnen von Candace Bushnell. Für den New York Observer schrieb sie über das Paarungsverhalten erwachsener Großstädter in Manhattan. Sowohl ihre eigenen Erlebnisse als auch Erfahrungen ihrer Freundinnen mit dem Dating-Verhalten in New York gingen in die populäre Kolumne ein. Bushnells Geschichten aus dem Leben von berufstätigen New Yorkerinnen wurden zum Geheimtipp der Stadt. Unter den Fans der Kolumne fand sich auch Darren Star, als Produzent von „Beverly Hills 90210“ oder „Melrose Place“ ein Garant für Serienhits.

Star war begeistert von „der Idee einer Singlefrau in ihren Dreißigern, die über Beziehungen in einer Kolumne schreibt und diese als Werkzeug benutzt, um sich und ihr eigenes Leben selbst zu entdecken, auch die Bereiche, von denen sie vorher nichts geahnt hat“, wie er Amy Sohn, einem Kolumnisten des New York Magazine erzählte. Dessen Buch „Kiss and Tell“ (Pocket 2002) ist aufgrund seiner umfangreichen Hintergrundgeschichten über die Serie längst zum Standardwerk für „Sex and the City“-Fans geworden (alle Zitate der hier angeführten Personen stammen aus diesem Buch, Anm.).

So wurde Star Produzent und Drehbuchautor der Serie. Er gab jedoch der Hauptfigur der Serie, Carrie, die ebenso wie Bushnell eine Sexkolumne für eine fiktive Zeitung, den „New York Star“, schreibt, drei beste Freundinnen: „Einen Moment lang dachte ich, dass es eine Anthologie-Serie werden würde, (…) nur Carrie und jede Woche eine andere Geschichte. Aber als ‚Sex and the City‘ ein Buch wurde, beschloss ich ihr diese Freundinnen zu geben, und sie sollte die Themen mit ihnen gemeinsam entdecken.“

Damit war das Serienkonzept geboren: eine Comedy über das Thema Sex aus der weiblichen Sicht. Jetzt galt es nur noch, einen entsprechenden Sender zu finden, der sich bereitwillig einem Thema stellte, das es so noch nie im prüden Amerika gegeben hatte. 1996 fragte Star zuerst bei ABC an, da der Sender ein ähnliches Format in de späten Sechzigern herausgebracht hatte. In „That Girl“, so der Titel der Serie, war die Protagonistin eine Singlefrau, alleine in einer Großstadt. Jedoch war Stars Idee von einer Frau, die aus ihren sexuellen Erfahrungen kein Geheimnis macht, für ABC zu heikel. Der Kabelsender wies die Serie ab.

Star suchte weiter nach einem Sender, der seine Idee einer reinen Frauenserie mit pikanten Themeninhalten unterstützte und dem Team genug künstlerische Freiheiten ließ. Als beste Adresse für unkonventionelle Programminhalte und innovative Serien galt im Sommer 1996 Home Box Office, kurz HBO. Das dachte sich auch Darren Star: „Ich wollte, dass die Leute die Möglichkeit haben, eine Show zu gucken und sich nicht denken, dass sie Fernsehen schauen. Ich wollte eine Brücke schaffen, die die Kluft zwischen einer Fernsehserie und einem Film aufhebt.“

Der Unterschied zwischen HBO und ABC ist, dass sich HBO nicht an gesetzlich vorgegebene Auflagen bezüglich sexueller- oder gewalttätiger Inhalte halten muss, weil jeder Abonnent für das Programm zusätzlich zu den anfallenden Kabelgebühren einen monatlichen Fixbetrag bezahlt. Der Vorstand des Pay-TV-Senders, der sich bis dato eher auf urbane männliche Zuschauer konzentriert hatte, fand das Konzept auf Anhieb interessant. Ohne große Debatten sicherte HBO Star zu, die Serie ohne Eingriffe in seine künstlerische Freiheit zu übernehmen. So machte erst der bahnbrechende Erfolg von „Sex and the City“ HBO zu dem, was es heute ist – der weltweit erfolgreichste Fernsehsender aller Zeiten mit Empfang in mehr als 70 Ländern.

1971 hatte Charles Dolan, der Besitzer eines aufsteigenden Kabelkonzerns in New York, The Green Channel gegründet, der wenig später in Home Box Office umbenannt wurde. HBO sollte eine Anspielung darauf sein, dass der STV (Subscription Television)-Sender, wie er in den Siebzigern noch bezeichnet wurde, dem Zuschauer „das Kino ins Wohnzimmer“ bringt. Am 8. November 1972 ging HBO zum ersten Mal auf Sendung. Zu diesem Zeitpunkt war es noch ein kleiner regionaler Sender mit 365 Abonnenten. Das änderte sich am 1. Oktober 1975, als HBO erstmals über den Satelliten Satcom 1 mit einem Hit auf Sendung ging: der Übertragung des Boxkampfes von Muhammed Ali gegen Joe Frazier.

Die Satellitenverbindung ermöglichte es nun, auch national zu senden, was zur Folge hatte, dass die Abonnentenzahlen von 15.000 im Jahr 1975 auf 600.000 im Jahr 1977 anstiegen. Innerhalb weniger Jahre kletterte die Abonnentenanzahl weiter auf 13 Millionen im Jahr 1983 – rund 40 Prozent aller Fernsehhaushalte in den USA. Heute umfasst HBO ein Abonnentenkontingent von rund 29 Millionen – doppelt so viele wie durchschnittlich bei anderen US-Pay-TV-Sendern.

Zwischen 1995 und 2004 veränderte HBO die US-Fernsehlandschaft nachhaltig, indem es den Etat für die Produktion und die Entwicklung neuer Formate von zwei auf vier Millionen US-Dollar pro Prime-Time-Stunde anhob. Zudem fördert der Sender seinen Talentpool mit den kreativsten Köpfen der Branche, wie Tom Fontana („Life on the Street“, HBO:„Oz“), Alan Ball („American Beauty“, HBO: Six Feet Under), David Milch („Hill Street Blues“, „NYPD Blue“, „HBO: Deadwood“), Larry David (Erfinder von „Seinfeld“, HBO: „Curb Your Enthusiasm“) und Darren Star („Beverly Hills“, „Melrose Place“, HBO: „Sex and the City“), indem er den Künstlern nicht nur finanziell ausreichende Mittel für die Produktionen zur Verfügung stellt, sondern sie zudem nicht in ihrer kreativen Arbeit einschränken, wie es meistens bei den großen Networks, wie ABC, NBC oder CBS der Fall ist.

Mit dieser Methode erspielte sich HBO durch den Erfolg seiner Serien und Filme den ersten Platz in der Oberliga der US-Sender. Der Sender gewinnt durch die Qualität seines Programms immer mehr Abonnenten, die sich bei dem Pay-TV-Sender mit ihren Fernsehgewohnheiten und -bedürfnissen besser aufgehoben fühlen als bei den Networks. Serien sind jene Programmformate, die die höchste Quote erzielen und damit auch die für die Sender wichtigsten sind. Eine Serie hat bei allen Sendern, egal ob bei den Cable Networks oder Pay-TV, eine Vormachtstellung – was auch den harten Konkurrenzkampf erklärt.

Immer mehr erfolgreiche Serien, wie eben „Sex and the City“ oder „The Sopranos“, werden bei HBO produziert. Die Beliebtheit der Serien schlägt sich auch im Weiterverkaufspreis an die Networks, auch „Syndication“ genannt, nieder. „Sex and the City“ wurde für 750.000 USDollar pro Folge an TBS verkauft, „The Sopranos“ für 2,5 Millionen pro Folge an A&E. Der Gewinn von HBO wächst seit dem großen Erfolg der Eigenproduktionen unaufhörlich. 2002 verzeichnete der Sender noch ein Plus von 725 Millionen, 2005 waren es ganze 1,1 Milliarden Dollar – der höchste Gewinn, den ein Fernsehsender jemals gemacht hat.

Ebenso wie im finanziellen Bereich schrieb HBO 2004 Fernsehgeschichte, als es mit 32 gewonnenen Emmys und 124 Nominierungen einen Rekord aufstellte. Für die Networks ist das ein großes Problem, weil sie Zuschauer, Geld und somit ihre Dominanz auf dem Markt verlieren. Folglich müssen sich heute die Networks immer mehr an den Programminhalten von HBO orientieren, da dessen Serien Rekordsummen erzielen, von denen die Networks nur träumen können.

Was „Sex and the City“ letztlich so erfolgreich machte, war die Thematik – Frauen, die offen und ehrlich über Sex sprachen, ohne dass das Ganze schmutzig oder primitiv wirkte. Sexthemen im Fernsehen, und dann noch in einer wöchentlichen Serie, das hätte man eher in einer typischen Männerserie vermutet. Dass es nicht so war, hat viele Leute aufhorchen, diskutieren und neugierig werden lassen. Besonders Frauen. Endlich gab es ein Format, das alles vereinte: Sex, Mode, Romanzen, Lifestyle, süße Typen – und Freundinnen, die darüber reden.

Nicht verwunderlich ist, dass die Zielgruppe der Serie, ebenso wie deren Charaktere, junge berufstätige Frauen sind, die ihr Leben so leben, wie sie es wollen – frei und unabhängig –, und sich gut dabei fühlen. „Sex and the City“ ist kein Zufallsprodukt: Die Serie wurde gezielt auf eine bestimmte Zuschauergruppe hin konzipiert – sonst hätte sie nie so erfolgreich werden können. Alle Interessen, denen Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha nachgehen, ob Dating, Yoga, Tantrastunden, Shoppingtouren oder Mädels-Sleep-Overs, sind Interessen der Zielgruppe. Nur wenn sich die Zuschauer mit den Charakteren und der Geschichte identifizieren können und sich wiedererkennen, schalten sie auch wieder ein – so lautet eine der Grundregeln im Fernsehgeschäft. Bei „Sex and the City“ ist der Plan hundertprozentig aufgegangen. Die Nebenwirkungen des Erfolgs wurden nicht von allen goutiert.

Je erfolgreicher die Serie war, desto mehr verlor sie inhaltlich an Originalität – die Geschichten wurden flacher und eintöniger. Was jedoch kontinuierlich zunahm, war die Komponente „Glamour“. Modisch wurde kompensiert, was an Kreativität verloren ging. Frei nach dem Motto: „Ein bisschen mehr kann ja nicht schaden.“ Stylingfans wird die Neugewichtung kein Dorn im Auge gewesen sein. Immerhin hatte „Sex and the City“ einen gigantischen Einfluss auf die Welt der Mode. Plötzlich wurde in den Medien, an Bushaltestellen oder im Büro über die Designerkleidung diskutiert, die Carrie in der letzten Folge getragen hatte. Es gab keinen namhaften Designer, der nicht durch seine Kleider oder Accessoires vertreten war.

Patricia Field, die Kostümbildnerin der Serie, wollte jedem einzelnen Charakter einen eigenen Look verleihen, wodurch er noch individueller wurde und sich auchäußerlich von den anderen abgrenzte. Dies ist ihr perfekt gelungen. Carrie Bradshaw wurde für viele junge Frauen zur Audrey Hepburn des 21. Jahrhunderts. Plötzlich war es hip und angesagt, Designerfummel mit Vintage-Klamotten zu kombinieren. Das, was alle Stilberater und Mode-Gurus stets als absolutes „No-No“ bezeichnet hatten, war plötzlich kein Thema mehr. Der Mode-Hype war nicht zu stoppen.

Bestes Beispiel für den Einfluss von „Sex and the City“ auf die Modewelt ist der Schuhdesigner Manolo Blahnik. In der Serie waren „die Manolos“ Carries absolute Lieblingsschuhe. Kaum ein Outfit Carries wurde ohne die Stilettos getragen. Bevor es „Sex and the City“ gab, kannte den spanischen Designer kaum jemand. Nachdem Carrie ihn so erfolgreich vermarktet hatte, widmete das Londoner Design Museum Blahnik eine eigene Ausstellung. Die Nachfrage nach Manolo Blahniks und jedem einzelnen Kleidungsstück oder Accessoire, das in der Serie vorkam, stieg schlagartig. Eine einfache Handtasche, die Patricia Field für ein paar Dollar irgendwo in Manhattan gekauft hatte, wurde plötzlich für hunderte von Dollar im Internet versteigert.

Fast alle Kostüme und Accessoires von Miranda, Charlotte, Samantha und Carrie fanden auf der HBO-Homepage für horrende Summen Käufer. Jeder noch so billige Fummel oder Modeschmuck, wie die „Carrie-Kette“, stieg um ein Vielfaches im Wert. Der Kinofilm „Sex and the City“ bietet dem modeinteressierten Zuschauer, mehr noch als es die Serie schon tat, eine Fashionshow. Zusätzlich werden die Girls mit dem teuersten Schmuck ausgestattet, sodass der Glamourfaktor der Serie noch einmal übertroffen wird. Das war auch das Hauptbestreben von Kostümbildnerin Patricia Field: Sie wollte den Film zu einem modischen Meisterwerk machen, indem sie die Bandbreite und Vielfältigkeit der Serie noch exklusiver und individueller gestaltete. Dafür hat die Chefdesignerin gesorgt.

„Wenn du einen Look für eine Show kreierst, ist eine der Aufgaben, den Look für den Schauspieler so zu gestalten, dass sich er oder sie wohlfühlt und dass der Look authentisch wirkt. Die Methode, nach der ich arbeite, ist der eines gleichseitigen Dreiecks ähnlich. Ein Punkt des Dreiecks ist der Schauspieler,ein anderer der Charakter und ein dritter ist die Garderobe. Jeder dieser Punkte ist ausgerichtet auf das Drehbuch. Es dreht sich alles um die Details, die man trägt, die einem eine Geschichte erzählen.“

2001 schwappte das „Sex and the City“-Fieber nach Europa über. In Österreich und Deutschland lief die Serie gleichermaßen erfolgreich. Plötzlich war HBO auch in den deutschsprachigen Ländern ein Begriff, mit dem man Fernsehen in Kinoqualität verband. In Deutschland war „Sex and the City“ so populär, dass der Privatsender Pro7 die Idee zu einem deutschen Pendant hatte. „Alles außer Sex“ hieß die eher kurzlebige Serie, die 2006 nach der zweiten Staffel abgesetzt wurde.

Darren Star hat mit seiner Produktion neue Maßstäbe für Fernsehserien geschaffen, thematisch und formal. Eine Serie zu kreieren, deren Thema es noch nicht gegeben hat, ist fast unmöglich. Der Trick dabei ist, es so zu machen, dass die Show einen hohen Wiedererkennungswert hat und sich abgrenzt von der Masse der Fernsehunterhaltung. ABC hat einen erfolgreichen Versuch mit der Serie „Desperate Housewives“ gestartet. Auch hier werden primär Frauen angesprochen, wenn auch nicht einzig junge, berufstätige Singles, sondern auch selbstbewusste Hausfrauen. Der Einfluss von „Sex and the City“ ist klar erkennbar.

Nach einem formal innovativen und inhaltlich fortschrittlichen Start ist auch „Sex and the City“ ein Opfer des Erfolgs geworden und letztendlich zu einer ganz normalen Fernsehserie verkommen. Der Kinofilm ist eine Reminiszenz an das ursprünglich große Potential und den erheblichen Einfluss, den die Serie gehabt hat. Ein Schwanengesang auf eine Serie, die die Fernsehlandschaft verändert hat.



mausFrage an die Maus: Was sind die erfolgreichsten TV-Serien?

Fernsehen begann in den USA mit einem goldenen Zeitalter.Von 1949 bis 1960 dauerte die Phase, in der das Medium neu und äußerst erfolgreich war. Zu den größten Erfolgen zählte etwa die Serie „I Love Lucy“ (1951) mit Lucille Ball. 1966 ging ein weiterer bahnbrechender Erfolg auf Sendung: „Star Trek“. Nach dem Erfolg der Originalserie wurden sechs weitere Ableger mit insgesamt 726 Folgen produziert. 1970 bis 1977 sendete CBS „The Mary Tyler Moore Show“, eine Sitcom, die erstmals eine unabhängige, berufstätige und vor allem alleinstehende Frau in den Mittelpunkt stellte.

Die Siebzigerjahre zeichneten sich auch durch Krimiserien wie „The Streets of San Francisco“ (1972 – 1977) mit Michael Douglas aus. In der Serie traten erstmals auch Stars wie Arnold Schwarzenegger, Don Johnson, James Woods oder Leslie Nielsen in Gastrollen auf. Später im Jahrzehnt machten „Dallas“ (1978 – 1991) und der „Denver Clan“ (1981 – 1989) den Begriff „Soap“ weltbekannt. „Dallas“ brachte es auf 14 Staffeln und 357 Episoden, ein Kinofilm ist in Planung.

In den Neunzigerjahren boomte die US-Fernsehlandschaft durch das Aufkommen weiterer Kabelsender und die dadurch entstehende riesige Programmauswahl. Die bekanntesten Serien dieses Jahrzehnts sind „Beverly Hills 90210“, „Melrose Place“, „Seinfeld“, „Friends“, „The X-Files“ und „Emergency Room“ („ER“). Besonders „ER“, „Friends“ und „The X-Files“ waren so erfolgreich, dass sie ihre Protagonisten zu Hollywood-Stars machten. Seit Jon Cassar, Regisseur unter anderem von „24“, bei der Emmy-Verleihung 2004 von einem neuen goldenen Zeitalter sprach, gilt der aktuelle Erfolg von US-Serien als drittes goldenes Zeitalter (das zweite bezeichnet die Phase des „Qualitätsfernsehens“ der Achtziger und Neunziger, von „Hill Street Blues“ bis „Emergency Room“).

Neben „24“ sind vor allem Serien wie „The Sopranos“, „CSI“, „Law and Order“, „The Shield“, „Dr. House“, „Desperate Housewives“ und eben „Sex and the City“ für diesen anhaltenden Erfolg verantwortlich. In den USA werden heute anspruchsvolle Geschichten eher im Fernsehen als im Kino erzählt.



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