„Lovely Ugly“
Republikbilder: Die DATUM-Fotoreportage
Fotos: Kay von Aspern
Text: Elisabeth Schuh

In Hamburg, kurz vor Weihnachten, hatte der Fotograf seine ganz persönliche Begegnung mit der Faszination des Unvollkommenen. Jemand schenkte ihm eine rote Kamera, komplett aus Plastik, ein Spielzeug, am Gehäuse die Versalien HOLGA. Zurück in Österreich, wurde die Holga im Freundeskreis herumgereicht und belächelt.
Da aber dem Fotografen die Neugierde angeboren ist und die Holga kaum Gewicht ausmacht, durfte sie fortan – neben der „richtigen“ Kamera – auf seinen Streifzügen durch Wien dabei sein. Der Fotograf und die Holga mussten einige Filmrollen lang zueinanderfinden. Sich auf die Holga einlassen bedeutet nämlich loslassen.

Die Holga erlaubt keine technisch kontrollierte Fotografie. Der Holga-Fotograf konzentriert sich daher umso mehr auf das Sehen. Er erkennt ein Motiv und drückt auf den Auslöser. Alles Weitere kann er nicht beeinflussen, Voreinstellungen an der Kamera sind kaum möglich. Die Holga macht sich ihre eigenen Wien-Bilder: Von einem Eisläufer auf der Alten Donau, von einem Fußballspiel im Augarten, von einem kahlen Baum an der linken Wienzeile. Falsch belichtet und unscharf, aber auch unwiderstehlich traumwandlerisch und nicht von dieser Welt. Ugly. Lovely.



















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