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Ökonometer

Ein Sommelier in Oberösterreich

Interview: Markus Pühringer
karl lettnerKarl Lettner (35) ist seit 1986 im Weinservice tätig. Lettner lebt in Gramastetten, 17 Kilometer nordwestlich von Linz. Er ist Präsident des Sommeliervereins Oberösterreich. Lettner ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von acht, sechs und fünf Jahren.

Wie hoch ist Ihr monatliches Einkommen?

Weil ich selbstständig bin, ist mein Einkommen sehr schwankend. Es gibt Monate, in denen ich zwischen 2.000 und 3.000 Euro verdiene. Dann gibt es Monate, in denen ich nur 1.500 verdiene.

Aus welchen Einkünften setzt sich Ihr Einkommen zusammen?

Entweder ich halte Weinvorträge am WIFI oder Sommelierkurse am LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut), oder ich werde von Gastronomen für Verkostungen engagiert. Die dritte Schiene sind Personalschulungen in der Gastronomie, wo ich die Gebiete „Wein und Verkauf“, „Allgemeine Getränkekunde“ und „Beschwerdemanagement“ unterrichte.

Wie hoch sind die Honorare, die Sie in der Regel verrechnen?

Das beginnt bei 300 Euro und geht bis 600 Euro, je nach dem Umfang der Arbeit.

Welche Weine werden verkostet?

Einerseits präsentiere ich Weine aus dem Keller des jeweiligen Gastronomen. In diesem Fall verdiene ich nichts an den Weinen. Anders ist es, wenn ich Weine aus meinem Keller mitnehme, um Schulungs- oder Lehrbeispiele zu zeigen.

Wie hoch sind Ihre monatlichen Fixkosten?

Rund 2.000 Euro. Meine Fixkosten sind relativ hoch, weil ich im Vorfeld die Gastronomen besuchen und meine Arbeit vorstellen muss. Ich habe Kosten für das Haus, das Auto und den Lebensunterhalt für die Familie. Als wesentlicher Faktor kommen noch die Benzinkosten hinzu.

Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich habe die Gastronomiefachschule in Bad Leonfelden besucht, weil meine Eltern einen Gastronomiebetrieb hatten und mir die Arbeit Spaß gemacht hat. Mein erstes „Weinerwachen“ war im Schlosshotel Fuschl 1986. Dort haben die Gäste flaschenweise sehr guten Wein zu den Speisen bestellt. In Fuschl war es üblich, dass das Personal den Gästen Wein empfiehlt. So wurde mir klar, dass Wein ein Kommunikationsmittel ist. Später habe ich – mit 22 Jahren als Jüngster – den Diplomsommelierkurs abgeschlossen. Danach war ich Betriebsführer in der Gastwirtschaft meiner Eltern.

Was ist das Faszinierende an Ihrem Beruf?

Wenn die Kombination zwischen Speise und Wein glückt, kann ich den Gästen eine Freude machen. Als Sommelier setzt man sehr stark seine Sinne ein. Das kann auch eine andere Wirklichkeit im Alltag schaffen.

Was sind die negativen Seiten?

Es ist kein familienfreundlicher Beruf. Mit jemandem eine Beziehung zu führen, der nicht in der Gastronomie tätig ist, ist sehr schwierig. Man arbeitet leider immer gerade dann, wenn die anderen frei haben.

Wann und wo machen Sie Urlaub?

Urlaub mache ich so zwei bis drei Wochen im Jahr, immer dann, wenn Zeit dafür ist. Manchmal vermischen sich auch Beruf und Freizeit. Ich fahre nur in Länder, wo es guten Wein und gutes Essen gibt, zum Beispiel nach Italien und Frankreich. In Länder, in denen es keine Weinkultur gibt, reise ich prinzipiell nicht.


Zahlen und Fakten

In Ländern wie Frankreich und Italien ist Sommelier ein Lehrberuf wie Koch oder Kellner. In Österreich nicht. Insofern liegen keine verlässlichen Zahlen über die in Österreich als Sommeliers tätigen Personen vor. Nur sehr wenige Lokale in Österreich leisten sich einen Angestellten für diese Leistung am Gast.

In der Regel wird diese Position von allen Servicemitarbeitern im Rahmen ihrer Möglichkeiten ausgeübt. Um den Beruf trotzdem zu erlernen, ist eine abgeschlossene Lehre als Koch beziehungsweise als Restaurantfachmann oder eine HGA-Lehre (Hotellerie, Gastronomie, Animation) erforderlich. Im Anschluss daran können Aspiranten den Diplom-Sommelierkurs, der in allen Bundesländern vom Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) in Verbindung mit dem Österreichischen Sommelierverein angeboten wird, absolvieren.

Laut den Angaben von Siegfried Brudermann, dem Präsidenten des Österreichischen Sommeliervereins – dem Dachverband der Sommeliervereine in den Bundesländern –, verfügt der Verein über 1.200 Mitgliederadressen.

Rund die Hälfte davon beschäftigt sich professionell mit dem Thema Wein, etwa als Gastronom oder Weinhändler. Bei den anderen 50 Prozent handelt es sich um reine Weinliebhaber. Den mitgliederstärksten Landesverein hat Tirol mit etwas mehr als 400 Mitgliedern, Vorarlberg den strengsten: Die knapp 50 Mitglieder, die der dortige Verband zählt, müssen als Aufnahmevoraussetzung den Beruf des Sommeliers auch wirklich ausüben.

Bisher erschienen:

Eine Köchin in Wien

Eine Schulwartin in Niederösterreich

Eine Flugbegleiterin bei der AUA

Ein Bademeister in Wien

Ein Elitepolizist in Wien

Eine Detektivin in Wien

Eine Ärztin im Burgenland

Ein Pistenretter in Tirol

Eine Kosmetikerin in Wien

Ein Liftwart in Salzburg

Eine Zeitsoldatin in der Steiermark

Ein Bergführer in Oberösterreich

Ein freischaffender Opernsänger in Wien (und dem Rest der Welt)

Ein Tierpräparator in Niederösterreich

Ein Fluglotse in Schwechat

Ein Filmszenenbildner in Wien

Eine Biobäuerin in Niederösterreich

Eine Friseurin in Wien

Ein Tischlerlehrling im Burgenland

Eine Ergotherapeutin in Niederösterreich

Eine Feuerwehrfrau in Wien

Eine Übersetzerin in Wien

Ein Zivildiener in Niederösterreich

Eine AHS-Lehrerin in Wien

Eine Apothekerin in Wien

Eine Supermarktkassierin in Wien

Ein Hubschrauberpilot in Wien

Eine Kammerjägerin in Purkersdorf, Niederösterreich

Eine Pfarrerin in Gols, Burgenland

Ein Prosekturgehilfe in Wien

Eine (pensionierte) Sennerin in Sankt Gallen, Steiermark

Ein Musiker in Salzburg

Eine Hebamme in Wien

Eine Biobäuerin in Hohenberg, Niederösterreich

Ein Autobahngendarm in Wels, Oberösterreich

Ein Rauchfangkehrer in Wien



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