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    <title>Datum 08/06 - Seiten der Zeit</title>
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    <dc:publisher>ronald</dc:publisher>
    <dc:creator>ronald</dc:creator>
    <dc:date>2009-09-06T10:00:31Z</dc:date>
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    <title>Datum 08/06 - Seiten der Zeit</title>
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  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2665134/">
    <title>Liebe Leserin, lieber Leser,</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2665134/</link>
    <description>&lt;b&gt;Zu den Inhalten der aktuellen Ausgabe:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle reden von den Nationalratswahlen, wir auch. Am 1. Oktober dürfen die Österreicherinnen und Österreicher die Zusammensetzung des Parlaments neu entscheiden. Selten zuvor haben ihnen die &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603943/&quot;&gt;Parteien&lt;/a&gt; die Wahl schwerer gemacht. Scheinbar gibt es in diesem Land keinen Menschen mehr, der aufrichtig begeistert für eine Partei stimmt (nicht einmal mehr die Treuesten der Treuen, siehe unseren &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603359&quot;&gt;Stammwählerreport&lt;/a&gt; von&lt;br /&gt;
Solmaz Khorsand).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Leute mit Visionen und einem guten Arzt scheinen der Politik auf mysteriöse Weise abhanden gekommen zu sein. Man wird das Gefühl nicht los, dass  unabhängig vom Ausgang  auch im nächsten Nationalrat nur die sitzen werden, die einen zwar einladen, ein Stück des Weges mit ihnen zu gehen, sich dann aber bei der ersten Kreuzung verabschieden, um kurz mal Zigaretten zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Miggl&quot; width=&quot;267&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Miggl.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;DATUM am Strand von Ostia bei Rom, entdeckt von unserem Leser &lt;a href=&quot;http://www.migglpictures.com/&quot;&gt;Hans Jürgen Miggl&lt;/a&gt; (siehe auch unsere &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6705/stories/827029/&quot;&gt;Lesergalerie&lt;/a&gt;)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Opposition und viele Intellektuelle sagen: Die Schwarzen und die orange Regionalpartei sind schuld. Sie haben die Leute mit ihren in NLP-Sprache vorgetragenen Weisen eingeschläfert und ein Klima der allgemeinen Wurschtigkeit geschaffen, das machthabenden Parteien am Ende des Tages immer zugute kommt. Unrecht haben sie damit nicht. Aber ist die Sache nicht komplizierter? Oder am Ende doch ganz einfach?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsache ist: Die ÖVP hat das Management der Macht in den vergangenen sechs Jahren perfektioniert; weil sie genau das gemacht hat, worauf es in Österreich ankommt. Wenn Robert Misik in seinem aktuellen Essay anprangert, man habe in den letzten sechs Jahren vom letzten Rundfunkredakteur bis zum hintersten Gendamerieposten alles umgefärbt, ist das keine These, sondern eine objektive Bestandsaufnahme. Nur: In der Wahl der Waffen war noch keiner zimperlich, der am Ballhausplatz saß. In Österreich geht es immer nur um Personen und Posten, auf die diese Personen dann gesetzt werden. Aus, Maus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Wunder in einem Land voller Menschen, denen Tag für Tag von Politik und Medien erklärt wird, die Welt drehe sich nicht um die eigene Achse, sondern um Österreich. Inhaltlich lässt sich hierzulande eben nur dann etwas umsetzen, wenn man in den Ministerien, Infoillustrierten, Kulturinstitutionen, Gemeindeämtern und Polizeiposten eine loyale Gefolgschaft hinter sich weiß. Die letzte ORF-Wahl bildete da keine Ausnahme. Der Unterschied liegt immer nur im Atmosphärischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In letzterem Fall nicht das Schlechteste. Seit der Wahl des neuen Generalintendanten macht sich am Küniglberg ein Hauch von Aufbruchsstimmung breit. Wir wünschen den Kollegen, dass daraus spätestens mit Anfang 2007 ein frischer Wind erwächst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis es soweit ist, dürfen wir Sie mit folgenden Geschichten erfreuen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM hilft Ihnen beim Wählen: &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt; plädiert für die &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt; will die &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ&lt;/a&gt; regieren sehen. &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt; wirft sich für das &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ&lt;/a&gt; in die Bresche, &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt; für die &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;Grünen&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt; bekennt sich zur &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ&lt;/a&gt; und &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt; wird &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM&lt;/a&gt; wählen und sagt auch warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wolfgang Koch&lt;/b&gt; legt die rosarote Brille ab und und entdeckt &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601966&quot;&gt;blinde Flecken&lt;/a&gt; bei den Grünen. &lt;b&gt;Nicole Bojar&lt;/b&gt; und &lt;b&gt;Michaela Kampl&lt;/b&gt; besichtigen &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601994&quot;&gt;steirische Kolchosen&lt;/a&gt;.  &lt;b&gt;Mirjam Bromundt&lt;/b&gt; lässt sich von &lt;b&gt;Christian Fiala&lt;/b&gt; in die &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601949&quot;&gt;Kunst der Verhütung&lt;/a&gt; einweisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Florian Niederndorfer&lt;/b&gt; wirft einen &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601896&quot;&gt;Blick in die Mülltonne&lt;/a&gt; und trifft dabei eine ganz besondere Spezies von Leuten. &lt;b&gt;Karl Schlögl findet&lt;/b&gt;, dass die SPÖ ruhig mit &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601246&quot;&gt;Blauen und Orangen&lt;/a&gt; koalieren soll. &lt;b&gt;Stefan Apfl&lt;/b&gt; lässt sich in Westanatolien &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2602334&quot;&gt;steinigen&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Luca Faccio&lt;/b&gt; fotografiert &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2602315&quot;&gt;Nordkoreaner&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Joseph Gepp&lt;/b&gt; liest &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2602263&quot;&gt;Dreigroschenromane&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Wolfgang Waldner&lt;/b&gt; entspannt sich bei &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2602218&quot;&gt;John Denver&lt;/a&gt;. Und &lt;b&gt;Ani Reng&lt;/b&gt; feiert &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2602302&quot;&gt;100 Jahre Lancia&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das alles und noch viel mehr gibts ab heute in ganz Österreich für 4,50 Euro zu erwerben. Wenn Sie wissen wollen wo, klicken Sie einfach &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/743877/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verbleiben hochachtungsvoll und wünschen Ihnen eine gute Wahl,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Klaus Stimeder&lt;/b&gt; und &lt;b&gt;Johannes Weyringer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;mailto:office@datum.at&quot;&gt;office@datum.at&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie wissen wollen, wer wir sind, klicken Sie bitte hier: &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/2665151&quot;&gt;Über DATUM&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie ein Abo bestellen wollen, klicken Sie bitte hier: &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/tdyDatumAbo&quot;&gt;Abobestellung&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PS: Unter dieser Adresse können Sie auch unseren monatlichen Newsletter bestellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;PPS. Ab dieser Ausgabe bieten wir Ihnen auf unserer Website Podcasts ausgewählter DATUM-Geschichten an. Abrufbar unter &lt;a href=&quot;http://www.podcast.datum.at&quot;&gt;www.podcast.datum.at&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-09-13T18:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2661780/">
    <title>Jeder sehfähige Mensch erkennt den Fake</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2661780/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;Halbmond&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Halbmond.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Halbmond am Gipfel, Foto eingeschickt von unserem Leser &lt;b&gt;Gerhard Radinger&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wien - In der ORF-TV-Konfrontation zur Nationalratswahl zitierte BZÖ-Chef Peter Westenthaler aus einem angeblichen Briefwechsel zwischen Omar Al-Rawi, dem Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und SPÖ-Gemeinderat, und dem Alpenverein. Demnach habe Al-Rawi die Gipfelkreuze auf österreichischen Bergen als ein Herrschaftszeichen des Christentums bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al-Rawi hatte umgehend dementiert, das je behauptet zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das von Westenthaler zitierte Schreiben liegt DATUM vor. Ein Mann, der sich als Mitglied einer Künstlergruppe bezeichnet, die sich Haben wir denn keine anderen Sorgen nennt, bekennt sich gegenüber DATUM dazu, den Brief gefälscht und an Westenthaler geschickt zu haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
How low can you go sei das Motto der Aktion gewesen, mit der der Mann nach eigenen Angaben testen wollte, wie weit populistische Politiker gehen, heißt es in einem DATUM ebenfalls vorliegenden Kommunique der Gruppe (siehe weiter unten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann  der sich gegenüber DATUM nur unter Zusicherung von Anonymität äußern wollte  gibt an, dass mehrere Politiker ähnliche gefälschte Schreiben bekommen haben. Das konkrete Alpenvereinschreiben sei etwa auch an FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ergangen (siehe PDF zum Download ebenfalls weiter unten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;allakogel&quot; width=&quot;267&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/allakogel.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Allakogel im Hochschwabmassiv (Obersteiermark, nahe der Häuslalm), aufgenommen von unserem Leser Roland Reiter&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Weder stimmt das Datum noch der Briefkopf, heißt es im Kommunique der Gruppe. Tatsächlich befindet sich im Datum des Briefes ein Tippfehler und die Adresse des angeblichen Absenders des Briefes steht  sehr unüblich  unter jener des Empfängers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kommunique heißt es weiter: Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht. Im Übrigen wünscht die Künstlergruppe Herrn Westenthaler, dass er beim Joggen im Winter aufs Knie fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der angebliche Unterzeichner des Briefes, Andreas Ermacora, hatte die Urheberschaft des Briefes gegenüber der APA umgehend dementiert. Das hätte er nach eigenen Angaben auch gegenüber Peter Westenthaler getan, wenn er nur angerufen worden wäre. Heinz-Christian Strache, der den gefälschten Brief ebenfalls vorliegen hat, hatte sich die Mühe gemacht, Ermacora danach zu fragen. Und zwar bereits im Juni dieses Jahres. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ermacora hatte damals wahrheitsgemäß geantwortet, dass er über einen solchen Brief nichts wisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BZÖ-Chef Westenthaler zog es indes vor, vor hunderttausenden ORF-Zuschauern eine Brandrede gegen einen hohen Vertreter der muslimischen Gemeinde zu halten (Stellen Sie sich vor, Sie sehen einen Halbmond statt einem Gipfelkreuz), ohne die Authentizität des Briefes zu überprüfen. (red)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden das Kommunique im O-Ton: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;+++Haben wir denn keine anderen Sorgen+++&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das in der ORF-TV-Konfrontation von Herrn Westenthaler präsentierte angebliche Schreiben des Alpenvereins an Omar Al-Rawi ist ein Fake der Künstlergruppe ,Haben wir denn keine anderen Sorgen&apos;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der Aktion zur Auslotung populistischer Gemein- und Blödheiten  How low can you go?  wurde von uns im Laufe des Sommers eine Reihe populistischer Politiker und Promis mit gefakten anonymen Schreiben beglückt. (u.a. H.C. Strache). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollten sehen, wie weit populistische Politiker gehen. Westenthaler war von Beginn an ein heißer Tipp. Er wurde deshalb gewählt, weil er durch seine Frisur bereits ausdrückt, dass er keine Grenzen der Scham und das Anstands kennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Westenthaler hat gehalten, was wir uns von ihm versprochen haben. Er hat damit beste Chancen am 1. Oktober die Auszeichnung Kellerassel des Wahlkampfs  sie wurde eigens für den Nationalratswahlkampf von der Künstlergruppe ins Leben gerufen -  zu erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Weder stimmt das Datum noch der Briefkopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übrigen wünscht die Künstlergruppe Herrn Westenthaler, dass er beim Joggen im Winter aufs Knie fällt.&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Als PDF zum Download:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gefälschte Brief an Omar Al-Rawi &lt;br /&gt;
Download unter &lt;a title=&quot;&quot; href=&quot;http://www.datum.at/0806/files/BriefanAlRawi/&quot;&gt;BriefanAlRawi&lt;/a&gt; (pdf, 300 KB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Brief an die FPÖ&lt;br /&gt;
Download unter &lt;a title=&quot;&quot; href=&quot;http://www.datum.at/0806/files/BriefanFPO-/&quot;&gt;BriefanFPO-&lt;/a&gt; (pdf, 313 KB)</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-09-12T22:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2641826/">
    <title>Jeder sehfähige Mensch erkennt den Fake&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM enthüllt...</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2641826/</link>
    <description>Jeder sehfähige Mensch erkennt den Fake&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM enthüllt Autoren des Westenthaler-Briefes  Künstlergruppe steckt dahinter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wien&lt;/b&gt; - In der gestrigen ORF-TV-Konfrontation zur Nationalratswahl zitierte BZÖ-Chef Peter Westenthaler aus einem angeblichen Briefwechsel zwischen Omar Al-Rawi, dem Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und SPÖ-Abgeordneten im Wiener Gemeinderat, und dem Alpenverein. Demnach habe Al-Rawi gefordert, die Gipfelkreuze auf österreichischen Bergen seien ein Herrschaftszeichen des Christentums. Al-Rawi hatte umgehend dementiert, das je behauptet zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das von Westenthaler zitierte Schreiben liegt dem Monatsmagazin DATUM exklusiv vor. Eine Künstlergruppe, die sich Haben wir den keine anderen Sorgen nennt, bekennt sich gegenüber DATUM dazu, den Brief gefälscht und an Westenthaler geschickt zu haben. How low can you go sei das Motto der Aktion gewesen, mit der nach eigenen Angaben testen wollte, wie weit populistische Politiker gehen, heißt es in einem DATUM ebenfalls vorliegenden Kommunique der Gruppe, das auf der Website des Monatsmagazins nachzulesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Initiatoren  der sich nur unter Zusicherung von Anonymität äußern wollte  sagt gegenüber DATUM, dass mehrere Politiker ähnliche gefälschte Schreiben kommen haben. Das konkrete Alpenvereinschreiben sei etwa auch an FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ergangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Weder stimmt das Datum noch der Briefkopf, heißt es im Kommunique der Gruppe. Tatsächlich befindet sich im Datum des Briefes ein Tippfehler und die Adresse des angeblichen Absenders des Briefes steht  sehr unüblich unter jener des Empfängers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kommunique heißt es weiter: Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht. Im Übrigen wünscht die Künstlergruppe Herrn Westenthaler, dass er beim Joggen im Winter aufs Knie fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der angebliche Unterzeichner des Briefes, Andreas Ermacora, hatte die Urheberschaft des Briefes sofort dementiert. Das hätte er nach eigenen Angaben auch gegenüber Peter Westenthaler getan, wenn er nur angerufen worden wäre. Heinz-Christian Strache, der den gefälschten Brief ebenfalls vorliegen hat, hatte sich die Mühe gemacht, Ermacora danach zu fragen. Und zwar im Juni dieses Jahres. Ermacora hatte damals wahrheitsgemäß geantwortet, dass er über einen solchen Brief nichts wisse. BZÖ-Chef Westenthaler zog es indes vor, vor hunderttausenden ORF-Zuschauern eine Brandrede zu halten (Stellen Sie sich vor, Sie sehen einen Halbmond statt einem Gipfelkreuz), ohne die Authentizität des Briefes zu überprüfen.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-09-08T10:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603943/">
    <title>BITTE HIER ANKREUZEN!</title>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T21:53:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603359/">
    <title>Die Ladenhüter</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603359/</link>
    <description>Für die grüne Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny ist er ein sensibler Elefant. Er habe eine enorme Stoßkraft, weiche aber hin und wieder zurück, wenn ihm etwas nicht gefällt. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sieht in ihm einen robusten Widder: Widerstandsfähig, stark und einheimisch. ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka vergleicht ihn am liebsten mit einem knurrenden Hund, von dem er hofft, dass er ihm nicht in die Hand beißt. Und für SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos ist er ein treuer Schäferhund, der auf sein Herrchen aufpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist der Traum jeder Partei: der Stammwähler. Seinesgleichen oder ihresgleichen  über die Geschlechterverteilung unter Stammwählern gibt es keine verifizierbaren Daten  verzeiht der Partei alles. Das tagespolitische Hickhack interessiert den Stammwähler nicht. Er nimmt seine Partei prinzipiell in Schutz. Rügen tut er sie nur dann, wenn es wirklich sein muss. Politische Experimente irritieren ihn; dafür drückt er bei Skandalen und Notlügen beide Augen zu. Ohne den Stammwähler geht nichts in der Innenpolitik: Man muss zwar nicht aktiv um ihn kämpfen  höchstens darum, dass er überhaupt zur Wahl geht , aber wehe, es kommt so weit, dass man ihn vergrätzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Menschen, die entgleisen, nicht das Programm, sagt Axel Schaich. Die Causa Bawag ist für ihn erledigt. Sein rotes Weltbild kam dadurch nicht ins Wanken. Für den 53-jährigen AMS-Angestellten sind Solidarität und gleiche Rechte für alle keine hohlen Phrasen. Als treuer Parteianhänger fühlt er sich trotzdem nicht. Auf einer Wahlveranstaltung war er noch nie, den Maiaufmarsch sieht er sich höchstens im Fernsehen an. Ich bin kein Betonkopf, der sagt, alles, was rot, ist gut, sagt Schaich. Ich wäge vor jeder Wahl neu ab. Gewählt hat er trotzdem immer nur die SPÖ. Anfangs aus Rebellion gegen das konservative Elternhaus, später aus Überzeugung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Axel Schaich&quot; height=&quot;310&quot; alt=&quot;Axel Schaich&quot; width=&quot;270&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Spoe.jpg&quot; /&gt;Nur dass sie das neue Asylgesetz mitbeschlossen haben, stört ihn ein wenig. Da hätten wir einige Dinge besser machen können, gesteht er, als ob er für das Kleinbeigeben der Partei in dieser Frage mitverantwortlich wäre. Manchmal ist eben doch mehr Identifikation dabei, als er zugeben will. Bedingung an die Partei hat er nur eine: Sie solle bloß nicht zur Mitte abdriften wie unter Strahlemann Viktor Klima. Wenn er den Namen des heutigen VW-Managers ausspricht, imitiert er dessen zahnbleckenden Grinser. Die Sozialdemokraten sollen sich seiner Meinung nach auf das konzentrieren, was er als ihre Kernkompetenzen ansieht: Arbeitsplätze, Gesundheit und Pensionen. Ich darf nicht versuchen, so streichelweich zu werden, um noch mehr Wähler zu kriegen. Treue hat ihren Preis. Prinzipien wollen eingehalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammwähler sind in ihren Alternativen eingeschränkt, sagt der Politologe Peter Ulram. Jemand, der zeit seines Lebens nur die SPÖ gewählt habe, würde niemals die ÖVP wählen. Sollte er sich wirklich diesmal anders entscheiden, landet er vielleicht bei Hans-Peter Martin  oder bleibt gleich zuhause. Von knapp sechs Millionen Wahlberechtigten halten laut den aktuellen Daten des Meinungsforschungsinstitutes Fessel-GfK 25 Prozent einer Partei die Treue. Sie sind über Jahrzehnte hinweg bereit, über alle Fehler, Skandale und Peinlichkeiten, die ihre Partei aufführt, hinwegzusehen. So kann man schon einmal die Parteien in ein politisches Korsett pressen, aus dem sich diese nur ungern hinaustrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das beste Beispiel sind die Sozialdemokraten der Neunziger, denen man gesagt hat: Wenn ihr das Pensionssystem nicht reformiert, wird euch das irgendwann auf den Kopf fallen. Das ist passiert, aber die haben nur auf ihre Stammwähler und ihre Basis geschielt, analysiert OGM-Meinungsforscher Peter Hajek. Sukkus: der Stammwähler als Hindernis, Reformen anzupacken, Entscheidungen von der langen auf die kurze Bank zu schieben und sich in konstruktiver Gesetzgebung statt in inhaltsleerer Rhetorik zu ergehen. Einer gibt das sogar offen zu: Die Stammwähler tragen sicher nicht zu einer Öffnung bei. Bei uns gehören dazu die Bauern, daher nehmen wir auch besondere Rücksicht auf diese Gruppe. Und das ist sicherlich in manchen Bereichen reformhemmend, sagt ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal kann aber auch das Gegenteil zum Abfall der sonst treu Ergebenen führen  das allzu lasche Anpacken von Reformen. Zweimal war Andrea Ladstätter untreu. Jugendsünden nennt die 46-jährige Mutter von vier Kindern und langjährige ÖVP-Stammwählerin das heute. Einmal ist sie bei Jörg Haider schwach geworden, damals in den Achtzigern, als er noch ein Revoluzzer war. Der hat mir als Gegensatz zu diesen alten, etablierten Leuten gut gefallen. In der Wahl darauf war sie ihrer Partei wieder untreu. Diesmal fiel ihre Entscheidung auf die Grünen: Die ÖVP war mir damals einfach zu alt. Ich war nicht so alt und ich wollte es einfach ein wenig spritziger und jünger haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;279&quot; alt=&quot;Oevpfrau&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Oevpfrau.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wirtschaftlich hatten die Grünen der Tochter eines Steuerberaterpärchens zu wenig zu bieten. Wirtschaft steht auf ihrer Prioritätenliste nach wie vor ganz oben. Als Buchhalterin in der Wirtschaftskanzlei ihres Mannes interessieren sie die Anliegen ihrer Klienten: Klein- und Mittelunternehmer, die sich von der Volkspartei am besten vertreten wähnen. Außerdem sieht Ladstätter von der ÖVP gewisse Grundwerte am besten vertreten: Familie, Kirche und Traditionen. Was, wenn sich die ÖVP vehement für Homosexuellenrechte stark machen würde? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Problem, sagt Ladstätter. Unverzeihlich wäre dagegen eine weitere Auflage von ÖVP und BZÖ, in der das BZÖ eine stärkere Rolle spielen würde. Wenn sie das BZÖ so unter Verschluss halten wie jetzt, ist es nicht so schlimm. Wenn sie stärker werden, kann es sein, dass ich die ÖVP nicht mehr wähle. Die Alternative? Wahrscheinlich die Grünen. Mit Alexander Van der Bellen und Eva Glawischnig stehen für sie Leute an der Spitze, die mehr draufhaben als nur Friede und Grün.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Großparteien hängen von ihrem guten Willen ab. Sogar die Grünen, die Partei mit dem weitaus niedrigsten Stammwähleranteil  magere zehn Prozent ihrer Parteigänger stimmen bei jeder Wahl garantiert für Van der Bellen und Co. , müssen heftig darauf bedacht sein, ihre Basis nicht zu vergraulen. Die Grünen haben eine sehr schwierige Ausgangslage, weil sie eine junge, mobile Wählerschicht ansprechen. Die müssen sie jedes Mal aufs Neue begeistern, weil die Grünen-Wähler gerne wechseln oder vielleicht auch gar nicht zur Wahl gehen, sagt David Pfarrhofer vom Linzer Meinungsforschungsinstitut market. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Karl Gmeiner nicht mehr die Grünen wählt, müssten sie aber schon so einiges aufführen. Seit er wählen kann, gab es für den 25-jährigen Informatik- und Sprachwissenschaftsstudenten immer nur Grün. Stur, aber immer kritisch, wie der ehemalige Theresianum-Schüler betont. Das Wort Stammwähler hört er nicht so gern. Er finde immer ein Argument, weswegen er sie wählt, sagt er und nippt an einem Darjeeling-Tee, den er in seinem Lieblingscafé bei der Kunsthalle neben der Technischen Universität trinkt. Sie seien nicht so opportunistisch wie die anderen. Dieses Wort nimmt Karl Gmeiner ziemlich häufig in den Mund. Eigentlich andauernd. Er spuckt es fast aus, als höchsten Ausdruck seiner Verachtung. Die Liebe zu den Grünen beruhe im Übrigen auf Gegenseitigkeit. Enttäuscht sei er von ihnen noch nie geworden, sympathisch findet er sie alle. Peter Pilz gehört zu seinen Favoriten. Der ist von den Sachen, die er macht, wirklich überzeugt. Wenn er mal was falsch gemacht hat, wird er das auch zugeben, verteidigt Gmeiner seinen Liebling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;318&quot; alt=&quot;gruener&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/gruener.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gab es immer wieder Dinge, mit denen ihn die Grünen irritiert haben. Verscheuchen können sie ihn aber bis heute nicht. Für das kürzlich präsentierte Punkte-Zuwanderungsprogramm, das darauf abzielt, nur die Qualifiziertesten ins Land zu lassen, gibt es eine kleine Rüge. Und das böse O-Wort. Sie wollten sich bei diesem Thema positionieren. Ich hab da auch ein bisschen Opportunismus gesehen, weil es kein klassisch grünes Thema ist. Das Einzige, womit sie ihn enttäuschen könnten: Wenn sie sagen, gut, wir sind für die Abfangjäger und die Studiengebühren. Dass sie keine unteilbaren Koalitionsbedingungen stellen, hat ihn zwar verwirrt, man müsse das aber im richtigen Kontext sehen. In welchem, kann er nicht näher erläutern; entschuldbar ist es allemal. Fazit: Auch der kritische grüne Stammwähler ist auf beiden Augen blind, wenn es um die eigene Partei geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat er es noch leicht, weil die Grünen wie keine andere Partei an ihren Konzepten festhalten. In einem Wahlkampf, der zu einem Duell hochstilisiert wird, machen sie das einzig Richtige und schaffen sich ein klares Profil, sagt Peter Hajek. Aber der große Sprung nach vorn wird es wahrscheinlich nicht werden. Auch die SPÖ hat guten Grund zur Vorsicht. Sie ist die Partei mit den weitaus meisten Stammwählern. 40 Prozent aller Wähler der Sozialdemokraten sind ihrer Partei treu. Auch wenn sie nicht immer zufrieden mit ihr sind, heißt es in einer aktuellen Studie von Fessel-Gfk. Diese Treuesten der Treuen heißt es bei der Stange zu halten  auch auf Kosten der politischen Substanz. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert. Der SP-Stammwähler ist nicht mehr der einfache Arbeiter, sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine wirklich originäre Erkenntnis. Das Spektrum hat sich stetig erweitert  auch wenn bei der Nationalratswahl 2002 jeweils mehr als 40 Prozent der Arbeiter und Angestellten für die SPÖ gestimmt haben. Das Klassenbewusstsein und das damit einhergehende Lagerdenken haben endgültig ausgedient, darin sind sich Politologen und Parteien seit langem einig. Mit dem Wachsen des Dienstleistungssektors seit den Siebzigern ist eine neue Mittelschicht entstanden, die sich fern von jeglicher Ideologie für eine Partei entschieden hat, dokumentieren die Politikwissenschaftler Fritz Plasser, Peter Ulram und Franz Sommer in ihrem Buch Das österreichische Wahlverhalten (Signum Verlag).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;317&quot; alt=&quot;Oevp&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Oevp.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Aichinger sieht das alles nicht so. Er ist weder Arbeiter noch Bauer oder Unternehmer, sondern Student des Rechts. Und er glaubt zu wissen, was sich für seinen Stand gehört. Der 24-Jährige glaubt noch an den Arbeiter im Blaumann wie an den Unternehmer im Nadelstreifanzug. Und er weiß genau, wo er hingehört. Ich bin halt in einem gutbürgerlichen Haus aufgewachsen und es geht mir gut. Ich finde Geld wichtig. Dass die Schere zwischen Arm und Reich heute immer krasser auseinander geht, ist zwar nicht schön. Aber das ist halt so. Der Vater ist Bankdirektor, die Mutter Ordinationsgehilfin. Für ihn gibt es deshalb keine Alternative zur ÖVP. Die Roten waren für ihn nie ein Thema. Das wäre schon von der Erziehung her gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immerhin ging Aichinger auf dasselbe Gymnasium wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, ins Schottengymnasium, eine katholische Privatschule, die mittlerweile auch von Mädchen besucht werden darf. Einmal hat er dem Altschotten sogar die Hand geschüttelt. Schüssel hält noch immer unregelmäßig Gastvorträge in seiner ehemaligen Schule. Verraten hat Aichinger sich von seiner Partei noch nie gefühlt. Ich bin aber auch kein ÖVP-Pilger, der alles mitverfolgt und ständig am Ball ist. Auf die Wahlfeste geht er hin und wieder gerne, wegen der Stimmung, weniger wegen der Politik. Abgesehen von der Bildungspolitik von Ministerin Elisabeth Gehrer gibt es nichts, was ihn an der Partei stört. Dabei betrifft ihn diese noch gar nicht persönlich. Nur die Medizinstudenten täten ihm Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koalition mit den Freiheitlichen und ihrem orangen Spin-off hat Aichiniger nie gestört, weil alles besser ist als die SPÖ in der Regierung. Seine Aversion gegen alles Rote führt er auf seine konservative Erziehung und das schwarze Elternhaus zurück. Es ist klar, ich studiere Jus, ich will Anwalt werden, dann spielt Geld keine Rolle. Angst, einmal arbeitslos zu sein, hat er nicht. Ich kenne ja genug Anwälte, da werde ich schon irgendwo unterkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sorgen möchte Renate Panic gerne haben. Nur ein einziger Schwarzer hätte es fast geschafft, sie rumzukriegen. Es hat mir gefallen, wie er gesprochen hat. Seine ganze Art war mir sympathisch. Aber am Ende des Tages konnte Renate Panic einfach nicht. ÖVP-Mann Alois Mock hatte bei ihr keine Chance.Weil ich immer eine Rote war, durch und durch, sagt die Pensionistin, als ob es sich um ein vererbtes Körpermerkmal handelt, das man nicht ändern kann. Die ÖVP wählten nur die Reichen, die 60-Jährige hat immer an der Grenze zur Armut gelebt. Mit 14 Jahren hat sie die Schule abgebrochen, um in einer Strumpffabrik zu arbeiten, weil das Geld zuhause fehlte. Der Vater, ein Bergarbeiter, und die Mutter, die sich ein bisschen Geld als Hausmeisterin verdiente, ließen sich scheiden, als Panic noch ein Teenager war. Der Traum von der Tierarztkarriere war rasch begraben. Nach der Fabrik arbeitete sie als Kellnerin und Stubenmädchen in Edelhotels wie dem Imperial oder dem Ambassador.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;301&quot; alt=&quot;Spoe2&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Spoe2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind für unsereiner die beste Partei, sagt sie über die Sozialdemokraten. Jedes Mal pilgert sie zur Wahlkabine, rätselt auf dem Weg dorthin kurz, ob sie das Richtige tut  und macht dann ihr Kreuz an gewohnter Stelle. Das gehöre sich für Leute in ihrer Einkommensklasse einfach, findet sie. Renate Panic lebt von tausend Euro im Monat. Davon bezahlt sie die Gemeindewohnung am Wiener Schöpfwerk, wo auch ihre 21-jährige Enkelin, deren Mann und Sohn wohnen, für die sie größtenteils auch aufkommen muss. Dass die Partei Fehler hat, ist ihr bewusst. Aber die haben die anderen auch. Enttäuscht bin ich, wenn  wie heißt der unsere? Verzetnitsch! Wenn der was gemacht hat. Der hat sich aber sicher nicht selbst bereichert, verteidigt sie den Ex-ÖGB-Chef.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bawag-Skandal hin, ÖGB-Haftung her: So ein Penthouse kann Panics Treue nicht erschüttern. Im Gegenteil. Vielleicht hätte ich mir auch ein schönes Penthouse gegönnt, wenn ich da oben wäre. Wichtig ist ihr einzig und allein, was sie von der Politik hat.Vor allem in monetärer Hinsicht. Ob sie eine anständige Pensionserhöhung kriegt, das interessiert Frau Panic. Wo liegt ihre Schmerzgrenze? Was müssten ihre Roten anstellen, damit sie ihnen untreu wird? Lange Pause, kurzes Aufstöhnen. Ich wähl sie ja eh immer wieder, die Dodeln, sagt sie, zuckt mit den Schultern und schüttelt lachend den Kopf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um zu illustrieren, was eine Partei tun muss, um Stammwähler ernsthaft zu vergraulen, genügt in der neueren österreichischen Politikgeschichtsschreibung ein Wort: Knittelfeld. Der Wähleranteil der Freiheitlichen hat sich nach dem Rücktritt der damaligen Führungsriege 2002 mehr als halbiert. Nur 16 Prozent ihrer alten Wähler sind der FPÖ bis heute treu geblieben, der zweitniedrigste Stammwähleranteil nach den Grünen. Den Kardinalfehler aus Stammwählersicht machten die Blauen aber mit ihrer Spaltung in Blaue und Orange. Wenn sich eine Partei spaltet, haben Stammwähler ein Problem. Was ist ihre Partei? Das ist das Schlimmste, was sie ihnen antun können, sagt Politikwissenschaftler Ulram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Gaugele weiß, wohin er gehört: zum harten Kern der FPÖ-Wähler. Dabei ist er gar nicht so hart. Der 26-jährige Informatiker interessiert sich im Grunde gar nicht für Politik. Mit seinem pechschwarzen T-Shirt mit der Aufschrift Ich darf das könnte er auch als Sofa-Anarcho durchgehen. Von seinem Lebensstil her würde man ihn wahrscheinlich eher den Grünen zuordnen. Er trinkt kein Bier, dafür hat er Cocktails gern. Wie Parteichef Heinz-Christian Strache, der sich auch lieber in den Schicki-Klubs der Wiener Innenstadt einen Mojito gönnt, als in Bierzelten ständig den Schreihals zu geben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;331&quot; alt=&quot;FPOE&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/FPOE.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Wahlveranstaltung war der gebürtige Klagenfurter Gaugele nur einmal  wegen der gratis Frankfurter. Die FPÖ wird er immer wieder wählen. Mit dem blauen Personal hat er allerdings Probleme. Mölzer? Sagt mir nichts. Ich hab den Namen schon mal gehört. Stadler? Sagt mir nix. Mit dem deutschnationalen Umfeld des klassischen FPÖ-Stammwählers kann er nichts anfangen. Dass Jörg Haider nicht mehr bei der FPÖ ist, hat er zwar mitbekommen, aber trotzdem geraten ihm die Köpfe manchmal durcheinander. Ihm geht es um die Wirtschaftskonzepte der Freiheitlichen, dass sie was gegen die Ausländer tun und in Kärnten gute Arbeit leisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei kann er mit der Partei auch hart ins Gericht gehen. Eigentlich haben sie in den letzten vier Jahren nur versagt. Aber wenigstens haben sie keine Milliarde verspielt wie die Roten. Es ist halt nicht so gut gelaufen für sie. Eine Chance kann man ihnen noch geben, aber nicht dem Haider, sondern den Freiheitlichen, sagt er. Der vergangene Wiener Wahlkampf der FPÖ (sie plakatierte Sprüche wie Pummerin statt Muezzin) habe ihm nicht gefallen. Dabei kann er verstehen, weshalb so viele in Wien Strache gewählt haben: Schließlich eskaliert das Ausländerproblem hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag kommt er beim Spielplatz in der Nähe seiner Wohnung in Erdberg vorbei, und noch nie hat er ein Kind drinnen spielen gesehen, das Deutsch gesprochen hätte. Irgendwo stört mich das schon. Auch dass ein Arbeitskollege einen Türkischkurs begonnen hat, sieht er nicht gern. Deshalb möchte er die FPÖ nach der kommenden Wahl gestärkt sehen: Nur noch einmal spalten sollten sie sich nicht. Wenn sie sich noch einmal trennen, wird er die FPÖ nicht mehr wählen. Vielleicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;125&quot; alt=&quot;mauese&quot; width=&quot;166&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/mauese.jpg&quot; /&gt;&lt;b&gt;Frage an die Maus&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;b&gt;Welche Wähler braucht man für den Erfolg?&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr als 50 Parteien und Listen haben seit 1945 in Österreich bei Nationalratswahlen kandidiert, ins Parlament geschafft haben es bisher nur sechs: SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ (anfangs als Wahlverband der Unabhängigen), KPÖ und Liberales Forum. Die Kommunisten hatten Gastspiele zu Beginn der Nachkriegszeit, die Liberalen von 1994 bis 1999. Sieben Parteien stellen sich am ersten Oktober knapp sechs Millionen Österreichern zur Wahl. SPÖ, ÖVP, den Grünen und dem BZÖ reichten drei Abgeordnetenstimmen, um antreten zu können. Für FPÖ, KPÖ und Hans-Peter Martins Liste Demokratie, Kontrolle und Gerechtigkeit waren 2.600 Unterschriften nötig, um sich zu qualifizieren, da sie keine bzw. zu wenige Abgeordnete im Parlament hatten. Ausschlaggebend für das Wahlergebnis wird auch diesmal die Anzahl der late decider, also der Unentschlossenen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rund 20 Prozent aller Österreicher legen sich erst 14 Tage vor der Wahl fest, wem sie ihre Stimme geben werden. Laut einer Umfrage von Fessel-GfK sind nur noch 25 Prozent aller wahlberechtigten Österreicher Stammwähler, damit haben 75 Prozent aller Österreicher schon einmal eine andere Partei gewählt oder gar nicht gewählt. 53 bis 57 Prozent der Österreicher definieren sich laut Fessel-Gfk als Wechselwähler. Nach einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts market gibt es weitaus mehr Stammwähler, nämlich 49 Prozent. Market sieht 35 Prozent Wechselwähler, acht Prozent Spontanwähler und vier Prozent Nichtwähler. Der typische Wechselwähler ist laut Fessel-GfK zwischen 30 und 44 Jahre alt und Angestellter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls überdurchschnittlich vertreten sind Maturanten und Akademiker, die 50 Prozent aller Wechselwähler ausmachen. Von 1986 bis 1999 konnte die FPÖ mit 37 Prozent den höchsten Anteil an Wechselwählern verbuchen, gefolgt von den Grünen mit 17 Prozent. Den bisherigen Wechselwählerrekord gab es bei der Nationalratswahl 2002: Rund 1,7 Millionen Menschen haben damals eine andere Partei gewählt als bei der Wahl 1999. Grund: der große Wechselwählerstrom von FPÖ zu ÖVP. Jeder zweite FP- Wähler stimmte für die ÖVP, die FPÖ verlor 602.000 Stimmen.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:41:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603287/">
    <title>Besseres Morgen mit Nolte</title>
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    <description>Das bestgehütete Geheimnis der heimischen Markt- und Meinungsforschung lautet: Durchschnittliche Kaufkraft und Einkommen von SPÖ-Wählern übersteigen signifikant jenes der ÖVP-Sympathisanten. Damit nicht genug: Glaubt man der Kernthese des Publizisten Thomas Frank in seiner lesenswerten Studie Whats the Matter with Kansas? How Conservatives Won the Heart of America, fühlt sich der der Working Class entstammende Durchschnittsamerikaner von der Linken nicht mehr glaubwürdig repräsentiert. Die Linke verhalte sich dem Elektorat gegenüber versnobt, herablassend und moralisierend und präsentiere sich von den Alltagssorgen des Durchschnittsbürgers völlig entkoppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So essenzialisiert die hedonistische Linke mit Vorliebe das Nebensächliche. Die Grün-Abgeordnete Ulrike Lunacek betrieb unlängst emsiges Gratis-Lobbying für den weltweit viertgrößten Medienkonzern Viacom Inc., indem sie die mainstreamige Vorabendserie The L-Word plötzlich mit einem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag adelte, nur weil dort homosexuelle anstelle von heterosexuellen Paaren Nichtigkeiten des Alltags verhandeln. Outete sich der Dalai Lama, die historische Mission der hedonistischen Linken wäre erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die materialistische Linke zeigt abseits Elsnerscher Parvenuiaden Entfremdungstendenzen vom gemeinen Volk. Bisweilen lesen sich die formal meist brillanten Kommentare des Publizisten Robert Misik in der taz wie ein Faksimile des FPÖ-Wirtschaftsprogramms der Siebzigerjahre. Da ist viel von Reproduktion von Humankapital und Erhöhung der Erwerbsquoten, aber wenig von der Vermittlung von Reflexionsfähigkeit und anderen nichtmaterialistischen Werten als Zielen einer emanzipatorischen Bildungspolitik die Rede. Hatte Bildung nicht einmal das Ziel, den Menschen ästhetisch zu erziehen, anstatt ihn nur auf ökonomische Verwertbarkeit hinzutrimmen? Misik entsorgt jede ökonomisch nicht unmittelbar verwertbare Empfindung wie Liebe und Geborgenheit kurzerhand als Werteklimbim. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;koevp&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/koevp.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andere, die rechte Seite des politischen Spektrums argumentiert ähnlich eindimensional und geschichtsvergessen und damit wider ihre historischen Überzeugungen. Der laut Falter Military-Klamotten tragende Generalsekretär Herbert Kickl darf dann Van der Bellen sexy finden, sozialpolitisch links stehen und dem Großkapital kritisch gegenüberstehen, während sich der Rest der FPÖ in der Trutzburg Hochosterwitz verschanzt und sich in der Jüngerschen Pose des schlafenden Anarchen gefällt. Diese verschobenen Diskurspositionen sind der Hauptgrund, warum es die sich im eigenen Provinzialismus suhlende Rechte und die kosmopolitische Oberflächlichkeit kultivierende Linke gleichermaßen verabsäumen, die für die Wahl 2006 entscheidenden politischen Sachverhalte zu thematisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Rat suchenden und noch unentschlossenen Wähler gibt es aber eine dritte Alternative, die christdemokratische. Jenseits ideologischer Retrozuckungen linker und rechter Provenienz repräsentieren die Christlichsozialen ein Politikverständnis, welches Gemeinwohlorientierung (Vollbeschäftigung, soziales Netz) und individuelle Freiheiten (Streben nach Glück, Leistungsgerechtigkeit) verbindet. Christdemokratische Politik fördert die Gemeinschaft, kennt den Wert des Gemeinsinns und ist gelebte, nicht rhetorisch-abstrakte Solidarität. Deshalb glaubt die ÖVP auch, dass eine Legalisierung von illegalen MigrantInnen das demokratische Gemeinwesen schwächt und lebenslange Haft lebenslang bleiben soll. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Wendeprojekt geht es jetzt um die Implementierung eines politischen Ordnungsmodells, welches Wirtschaftswachstum, Kaufkraft und Arbeitsplätze vermehrt und die soziale Nachhaltigkeit der Gesellschaft ausbaut.&lt;br /&gt;
Ein solches, die Ideen der sozialen Marktwirtschaft weiterentwickelndes Politikverständnis ist das von Paul Nolte entwickelte einer investiven (das heißt investierenden) Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Postfordismus gilt: Nur wer gut wirtschaftet, schafft Arbeit und soziale Sicherheit. Eine investive Gesellschaft rückt aber von den egoistischen und passiven Werten der Anspruchsberechtigung, des Einwegkonsums von Ressourcen und der Selbstverwirklichung ab; stattdessen schafft sie mit Investitionen in Bildung und Infrastruktur die Voraussetzungen für ein progressives Gemeinwesen. Denn wer investiert, erwartet, dass seine Investitionen eines Tages Früchte tragen. Ein über Quartalszahlen hinausdenkender Souverän stellt an sich selbst den Anspruch, am Ende einer Legislaturperiode mehr Ressourcen geschaffen als verbraucht zu haben.Nach der Wende darf der Wähler diesmal also die Frage nach einem besseren Morgen für alle Österreicherinnen und Österreicher beantworten.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Christian Moser, 34, ist Mitarbeiter der Politischen Akademie der ÖVP und Lektor für Öffentlichkeitsarbeit an der Universität Wien. Während seines Publizistik- und Politikwissenschaftsstudiums arbeitete er bei FM4 und Ö3. Im Herbst veröffentlicht Moser das Buch Stichwortgeber, in dem er 24 politische Autoren porträtiert (Verlag der Politischen Akademie).&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603274/">
    <title>Für den guten Realismus!</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603274/</link>
    <description>Man kann die Sache so sehen: Österreich ist ein Land, in dem die Regierung verdient, abgewählt zu werden, in dem die Opposition es aber nicht verdient, gewählt zu werden. Eine vertrackte Situation. Trostlos. Aber natürlich ist das nur eine pointierte Formulierung. Denn selbstverständlich verdient es die Regierung viel mehr, abgewählt zu werden, als es die Opposition nicht verdient, gewählt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, okay, ich weiß schon: Die Sozialdemokratie unter Gusenbauer, Cap und Bures ist von einer schwer erträglichen Unfähigkeit, jedem Auftritt eines ihrer Spitzenrepräsentanten folgt ein sofortiger Einbruch der Umfragewerte, meist reagiert sie falsch, oft glaubt sie, ihr Heil in Populismus suchen zu müssen (EU-Erweiterung, Türkei-Frage ), und der Parteichef schwitzt viel. Ihre Inkompetenz paart sich mit grotesker  Selbstsicherheit, eine ungute Mischung, die sich zu Beratungsresistenz und Trotzverhalten amalgamiert. Und BAWAG. Und das Hin und Her in der Frage der Gewerkschafterrepräsentanz im Parlament. Und, und, und. Dazu die Grünen: Die stellen sich derart aufs Regieren ein, dass sie gelegentlich aufs Opponieren vergessen. Alles sehr ärgerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was zählt das im Vergleich mit dieser Regierung? Im Vergleich zu einer ÖVP im Machtrausch, die alles schwarz einfärbt, bis zum letzten Radioredakteur und zum hintersten Gendarmerieposten? Im Vergleich mit einer Regierungspolitik, die alle produktiven Investitionen, von Infrastruktur bis Universitäten, zurückschraubt und das Land im EU-Vergleich weit nach hinten geführt hat? Was sind all die Schwächen der Opposition gegenüber dieser Chaos- und Narrentruppe in der Regierung, im Vergleich zu Grasser, BZÖ, dem konstruktiven Politiker Jörg Haider und einem Spitzenkandidaten Westenthaler, der die Anti-Ausländer-Trommel rührt, und mit einer Innenministerin, die Ehen zerreißen lässt? Was ist all das Versagen der Opposition am Feld der Symbolpolitik verglichen mit dem Skandal der realen Regierungspolitik? Got it?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay. Wenn wir uns also darauf einigen können, dass es verdammt gut wäre, diese Regierung loszuwerden, können wir die Varianten durchspielen, die möglich sind. Erstens: eine rot-grüne Regierung. Die Voraussetzung dafür ist, dass die SPÖ ziemlich stark und die Grünen ziemlich stark aus den Wahlen hervorgehen  Erstere irgendwo bei vierzig, Zweitere irgendwo bei zehn Prozent. Der Vorteil: eine echte Wende. Nachteil: nach gegenwärtiger Lage der Dinge ziemlich unrealistisch. Zweitens: eine schwarz-rote Regierung. Vorteil: realistisch. Vorteil: Die ÖVP müsste sich mit einem relativ gleich starken Partner einigen und wäre in ihrem Machtdrang stark eingeschränkt. Der Nachteil: geringer Hipnessfaktor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens: eine schwarz-grüne Regierung. Vorteil: realistisch. Vorteil: Die Grünen können das Regieren üben. Vorteil: ein paar ansehnliche Figuren im Kabinett. Nachteil: kein wirklicher Regierungswechsel. Die ÖVP gibt ein paar Zipfel aus der Hand, die wichtigen Hebel der Staatsmaschine würde sie aber sicher nicht loslassen. Es führt also kein Weg darum herum: Damit sich wirklich etwas ändert, muss die SPÖ stark werden  damit sich entweder eine rot-grüne Regierung ausgeht oder zumindest eine große Koalition, die die ÖVP-Macht auf Demokratieverträglichkeit einhegt. Got it? Got it!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;kspoe&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/kspoe.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hört oft, die SPÖ würde sich doch nicht anders verhalten als die ÖVP, wenn sie wieder rankäme. Abgesehen davon, dass dies, wäre es so, nicht so schlecht wäre, denn dann gäbe es immerhin wieder ein Gleichgewicht des Schreckens, so fragt sich doch, ob das überhaupt stimmt. Diejenigen, die diese These vertreten, verweisen dann meist auf die Bilanz von dreißig Jahren SPÖ-Regierung. Aber war in dieser Zeit, selbst in der Zeit der Alleinregierung, die SPÖ jemals so schlimm wie die ÖVP heute? Immerhin hat es die SPÖ doch geschafft, anständige Leute hochkommen zu lassen. Allein in den letzten 15  Jahren SPÖ-Regierung kamen Leute wie Vranitzky, Scholten, Lacina auf verantwortliche Posten. Im Rückblick: Was für eine goldene Ära! Wer prägt die ÖVP dagegen in den letzten 15 Jahren? Mock, Schüssel, Bartenstein. Got it? Got it!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im ORF? Da, so heißt es, habe es einen Rotfunk gegeben, und jetzt gibt es einen Schwarzfunk. Irgendwie muss ich da in einer anderen Welt gelebt haben. War Gerd Bacher nicht während der SPÖ-Alleinregierung Generalintendant? Waren in der SPÖ-Ära nicht unabhängige Köpfe, die ihren Beruf beherrschten, RF-Chefredakteure, wie etwa Franz Kössler? Es ist eine Gemeinheit solchen Leuten gegenüber, sie mit einer Frau Lindner und einem Herrn Mück zu vergleichen. Got it? Got it!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde, sollte ich sie denn wählen, die SPÖ nicht mit Freude wählen. Sollte ich die Grünen wählen, würde ich sie wahrscheinlich sogar mit mehr Freude wählen. Ich würde auch froh sein, wenn eine schwarz-grüne Regierung regiert, dann wäre wenigstens dieser schwarz-blau-orange Spuk zu Ende. Aber bei Lage der Dinge ist eine schwarz-rote Koalition mit einer starken SPÖ doch das realistischerweise Beste, was dem Land passieren kann. Keine Aussicht, die einen vor Freude an die Decke hüpfen lässt, aber doch die beste in einem Land, in dem man unter ziemlich großem Übel Schwierigkeiten hat, sich für das jeweils kleinste zu entscheiden.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.misik.at/&quot;&gt;Robert Misik&lt;/a&gt;, 40, arbeitet als freier Publizist in Wien. Er ist ständiger Autor der taz,  des profil und des Falter. Zuletzt erschien von ihm Genial dagegen. Kritisches Denken von Marx bis Moore im Aufbau Verlag.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603267/">
    <title>Opposition. Aber richtig!</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603267/</link>
    <description>Zu den wichtigsten Bestandteilen eines demokratischen Systems zählt die parlamentarische Opposition: Nur sie gewährleistet  allenfalls  ein Berücksichtigen anderer Meinungen, jedenfalls und vor allem eine Handhabung der Kontrollrechte im Parlament. Die wirksamste Kontrolle dieser Art hat im österreichischen Nationalrat zweifellos die Freiheitliche Partei vor ihrer Regierungsbeteiligung ausgeübt. Dies schon einmal dadurch, dass ihr zufolge ihrer Mandatsstärke alle Kontrollrechte wie insbesondere die so genannte Sondersitzung zustanden, und weiters durch die Tatsache, dass die Oppositionsrolle bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten inhaltlich ausgedehnt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Notwendigkeit einer derartigen politischen Rolle auch außerhalb des Parlaments gingen zweifelsohne die Wahlerfolge der FPÖ zurück. Sinn macht eine derartige Kontrolle aber nur dann, wenn sie nicht allein im Neinsagen verharrt. Die Erfahrungen des Verfassers dieser Zeilen im Gemeinderat und Stadtrat von Baden haben erwiesen, dass zur Ablehnung eigene inhaltliche Vorschläge treten müssen. Nur dies gewährleistet Seriosität und fachliche Anerkennung  vor allem beim Wählerpublikum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ ist eine derart umschriebene Opposition im Nationalrat weggefallen. Die Stärke der Grünen ist nicht ausreichend, die SPÖ offenkundig zu sehr in der Rolle einer ehemaligen und wohl auch, wunschmäßig, einer künftigen Regierungspartei verfangen. Die FPÖ beziehungsweise ihre Abspaltung, das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), ist erst Regierungspartei und sodann nahezu ununterscheidbarer ÖVP-Ableger geworden. Die Defizite für Österreichs Demokratielandschaft sind unübersehbar und unüberhörbar, was in dieser Weise der ORF immer wieder schlagend demonstriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;kfpoe&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/kfpoe.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kommen einfach nicht mehr hinüber, meinte ein SPÖ-Abgeordneter erst unlängst zu mir. Unter dem Eindruck einer derzeit fehlenden, aber für die Demokratie notwendigen Opposition muss man sich die Frage stellen, welche der vermutlich wahlwerbenden Gruppen künftig diese Rolle übernehmen könnte. Wem sie nach den derzeitigen Gegebenheiten nicht zuzutrauen ist, das wurde eben skizziert: eigentlich keiner der im Parlament vertretenen Parteien beziehungsweise in Hinblick auf die seltsame Klub-Situation nicht dem BZÖ-Klub.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun beweisen zwar immer wieder Regierungsparteien, dass sie sich vor einer Nationalratswahl in schizophrener Weise eigentlich stets selbst kritisieren  eher karikieren, indem sie versprechen, demnächst alles viel besser machen zu wollen , obwohl sie dies bereits hätten tun können. Was es damit auf sich hat, weiß man längst. Und ob bisherige Anbiederungen an den großen Regierungsbruder ins Gegenteil umschlagen werden, ist zwar menschlichen Erfahrungen gemäß nicht auszuschließen, aber doch eher unwahrscheinlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So besteht als einzige Oppositionshoffnung die FPÖ. Es gibt genug der Anzeichen, dass sie Willens ist, an ihre Rolle vor der Regierungsbeteiligung anzuknüpfen. Dies zeigt sich einmal im Kontrast zum BZÖ, welches unter diesem Etikett wie schon zuvor noch unter dem der FPÖ freiheitliche Positionen verlassen hat beziehungsweise unter den Fittichen der ÖVP hatte verlassen müssen. Weiters erweisen diesen Willen die im BZÖ-Klub eher versteckten FPÖ-Abgeordneten und in ihrem lokalen Bereich die Wiener FPÖ. Allerdings sind Hoffnungen keine einlösbaren Versprechungen. Dazu mutieren sie erst durch (künftige) Akteure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob man der FPÖ eine Oppositionsrolle konstruktiver Art wird zusinnen können, muss sie durch zweierlei beweisen: Hiezu zählt erstens ein umfassendes, über Wiener Anliegen hinausgehendes Programm mit mehr als allgemein-punktuellen Stellungnahmen, das lokale Modifikationen konkreter Art nach den Wahlkampferfahrungen des Verfassers mit einbeziehen muss: öffentlicher Nahverkehr, Umwelt, Kultur et cetera et cetera. Vor allem bedarf es auch zufolge von Jörg Haiders Ausscheiden aus der FPÖ einer Abgeordnetenmannschaft (nicht in geschlechtlichem Sinne verstanden), die glaubhaft Sachkompetenz ausstrahlt. Wenn so die FPÖ zu einer echten Alternative gegenüber anderen Gruppierungen wird, dann lohnt es sich, sie zu wählen.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Willi Brauneder, 63, ist Universitätsprofessor am Wiener Juridicum und Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für vergleichende Rechtssystemforschung. Von 1994 bis 1999 saß er als Abgeordneter für die Freiheitlichen im Nationalrat. Von 1996 bis 1999 war er dritter Nationalratspräsident.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:24:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603249/">
    <title>Konfliktkultur? ja, bitte!</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603249/</link>
    <description>Für Hans-Peter Martin hätte ich unterschrieben. Wäre es ihm nicht gelungen, genügend andere Unterstützer zu mobilisieren, ich hätte einen Amtsweg auf mich genommen, um seine Spitzelkandidatur zu ermöglichen  in der Hoffnung, er könnte am entscheidenden Sonntag orange-blaue Stimmen abschöpfen. Ihn wählen? Nie und nimmer! Aber besser ein populistischer Querulant und Unsympathler im Parlament (oder seine gerade aktuellen Gutgläubiger ) als ekelhafte radikale Rechtspopulisten.&lt;br /&gt;
So viel Strategie muss sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch genug der Konjunktive! Wohl wie bei vielen bestimmt die Überzeugung, dem geringsten Übel den Rücken zu stärken, mein konkretes Wahlverhalten. Die Republik ist schwarz genug (auch weil sich ihr unfähiger Koalitionspartner in den letzten beiden Legislaturperioden besetzungspolitisch konsequent gezeigt und über den Verhandlungstisch ziehen hat lassen). Zudem verdient ein Kanzler, der zu allem nichts oder Amen sagt, keine Bestätigung, da mag er ein noch so talentierter Stratege sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sozialdemokraten sind  zumindest überregional, den Bund und die Gesamtheit der neun Bundesländer vor Augen  am Sand. Abends, unter Freunden, würde ich sagen: im Arsch  was unter vier Augen übrigens unaufgefordert auch gar nicht wenige SP-Funktionäre genau so zur Sprache bringen. Kein konsequenter Kurs, Anfälligkeit für Populismen und, vor allem, nichts von dem, was routinierte Politbeobachter Personalreserven nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bisherige Fazit aus mehreren Jahren roter Opposition: Die Roten wollen zurück an die Macht, koste es welchen Kompromiss auch immer. Einen Plan haben sie dazu nicht wirklich, Masterplan schon gar keinen. Und das einzig wirklich überzeugende Mastermind denkt nicht im Traum daran, seine reale Macht am Wiener Rathausplatz aufs Spiel zu setzen. Es stärkt sie allerhöchstens, indem es sich  mal öffentlich, mal wieder im halb privaten Kreis  abfällig über die eigene bundespolitische Spitze äußert. Einer solchen Partei ist  spät, aber irgendwann dann hoffentlich doch  eine Konsolidierung zu wünschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;kgruen&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/kgruen.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eine gute Verhandlungsbasis für den schlimmsten, aber wohl wahrscheinlichsten aller möglichen Wahlausgänge, eine große Koalition zwischen den ehemals Christlich-Sozialen und einer es nur so wandelnden Sozialdemokratie, hat sie in keinem Fall. Also: SPÖ? Nein, danke! Kommunisten kommen nicht infrage. Bleibt nicht oder weiß wählen (was ich für ein passables Statement, letztlich aber für Verschwendung hielte). Oder eben die Grünen. Also das geringste Übel, dessen Spitzenkandidaten zudem ein  in politischen Zusammenhängen sonst als Fremdwort geahndetes  Vokabel wie Glaubwürdigkeit verkörpern. Van der Bellen und Glawischnig wollen mitgestalten und Verantwortung übernehmen (Gusenbauer will, hört man, vor allem Außenminister werden ). Dass sie dafür jedoch nicht jeden Preis zu zahlen bereit sind, haben sie bereits in der Vergangenheit bewiesen, als sie nicht den Fehler begingen, ihre Ideale für den einen oder anderen Ministerposten im Schatten der Volkspartei zu verkaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grüne Programm, die Schwerpunkte der Partei: Armutsbekämpfung und Grundsicherung, Energiewende, Frauenförderung, Integration und Bildung, halte ich für grundvernünftig und verfolgenswert. Dass sie sich diesbezüglich, sollte es sich rechnerisch und am Verhandlungstisch überhaupt ausgehen, nicht mit Fundamentalforderungen durchsetzen, garantiert allein der Umstand, dass die Grünen in jeder denkbaren Regierungskonstellation der kleinere Regierungspartner wären.&lt;br /&gt;
Gründe gegen die Grünen gibt es, wie bei jeder anderen wahlwerbenden Fraktion, zur Genüge. Real existierender (wenn auch überbewerterer) Fundi-Flügel et cetera. Sie alle ändern nichts daran, dass ich in den Grünen derzeit die einzige konstruktive politische Kraft außer den gegenwärtigen Machthabern sehe. Von den Grünen erwarte ich mir für die Zukunft deshalb in jedem Fall einiges. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine vernünftige Realpolitik mit leichtem Linksdrall, die sich nicht vor der Zukunft und dem Anderen, Fremden fürchtet, sondern versucht, aus den herrschenden Verhältnissen das Bestmögliche zu machen, sie mit zu beherrschen. Etwas, das den Namen Konfliktkultur verdient, eine Weiterverbreitung des Demokratiebewusstseins, das dringend notwendige Wiedererstarken und Wiederauftauchen von ökologischen Zusammenhängen in der öffentlichen Wahrnehmung. Einen sozial verträglich gestalteten Individualismus. Eine Politik, deren Arbeit sich nicht zuallererst daran zu orientieren hat, den jeweiligen ideologisch nahe stehenden Interessenvertretungen lobbyistisch zuzuarbeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für all das stehen die Grünen nicht nur auf dem Papier, sondern auch mit den bei ihnen agierenden Personen. Und genau deshalb sähe ich diese Partei gerne, wie heißt es so schön, in die Verantwortung genommen. Oder zumindest in ihrer Oppositionsrolle gestärkt.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Thomas Weber, 28, ist Chefredakteur des Popkulturmagazins The gap und der Wiener Stadtzeitung City.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603234/">
    <title>Pflicht zur Heeresfolge!</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603234/</link>
    <description>Um nur ja keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Je ne regrette rien. Blaue Leihstimmen für Schüssel abzugeben war eine gute Idee und hat sich bewährt. Es spräche auch gar nichts dagegen, dasselbe heuer wieder zu tun. Es ist daher auch keineswegs als Kritik an Schüssel gedacht, wenn ich vorschlage, diesmal eine Partei zu wählen, deren Gründung ich nach wie vor für einen Fehler halte, nämlich das BZÖ oder, präziser und besser gesagt: die Liste Westenthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Westenthaler steht zum ersten Mal seit 2002 ein Kandidat zur Wahl, der in Knittelfeld auf der richtigen Seite gestanden hat und sich nicht an all den Spielchen beteiligt hat, zum Gaudium der Linken die Wenderegierung zur Halbzeit in die Luft zu sprengen. Da ergibt sich für einen Anhänger des Trios Königskobra Susanne Riess-Passer, KHG und eben Westenthaler schon einmal aus Gründen der Loyalität eine gewisse Verpflichtung zur Heeresfolge. Was diese angewandte Nostalgie jedoch darüber hinaus zu einem sinnvollen Unterfangen werden lässt, das meines Erachtens durchaus den Versuch wert ist, ergibt sich aus einer kurzfristigen und einer langfristigen Überlegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kurzfristige lautet, dass bei der Endabrechnung nicht  zigtausende bürgerliche Stimmen fehlen sollen, nur weil das BZÖ knapp an der Vierprozenthürde scheitert. Die Möglichkeit einer Listenkombination, die interne Differenzierungen ermöglicht, haben die Großparteien ja noch in den Zwanzigerjahren wohlweislich beseitigt. Doch auch so ergibt sich mit Westenthaler für das BZÖ erstmals eine realistische Chance, diese Hürde zu nehmen  da sollte man ihm helfen, sie auch zu nützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als langfristige Kalkulation hingegen drängt sich auf: Wenn es zur Linken nicht bloß die Alternative der großen Koalition geben soll, braucht die ÖVP auf lange Sicht einen Partner auf der Rechten, zur Mehrheitsbildung ebenso wie als Anstoßgeber. Rechts  das heißt nach außen eine wohlbegründete Skepsis gegenüber dem Versuch, die europäische Einigung damit zu krönen, dass man die Europäer auf ihrem Kontinent zur Minderheit macht (während man kurioserweise zugleich an Kleiderordnungen schneidert, die Neo-Euros verbieten sollen, Kopftücher zu tragen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt nach innen aber auch, das Vaterland vom Staat zu befreien, sprich: die Bürokratie nicht zum allgegenwärtigen gschaftlhuberischen Vormund zu machen, sondern die Bürger in Ruhe zu lassen. Ob man das eine jetzt Rassismus, das andere Neo-Liberalismus nennt (wieso eigentlich Neo- ? Früher nannte man es Paläo- ), die FPÖ in ihrer Glanzzeit hat genau diese Themen besetzt und sich von derlei Worthülsen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Die ÖVP ist für beide Themen nicht unempfänglich, aber schon einmal aufgrund ihrer Struktur rückfallsgefährdet. Sie rechts festzuhalten, das war und ist  über die an sich ziemlich unpolitische Lagersolidarität und Traditionspflege hinaus  die strategische Aufgabe der FPÖ. Nur nimmt sie diese  von der Abspaltung traumatisiert  eben leider nicht wahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;kbzoe&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/kbzoe.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrer gegenwärtigen Gestalt gleicht sie vielmehr einer etwas weniger sauertöpfischen Version des HPM-Virus  und dazu gehört nicht viel. Nur unverschämte Schmeichler machen ihr noch weiter das Kompliment, rechts außen angesiedelt zu sein. Mit den Traditionen des Lagers hat ihr neuer Guru Herbert Kickl ungefähr so viel zu tun wie Herr Elsner mit den Mindestrentnern. In der Praxis beschränken sich ihre Vorschläge vielmehr darauf, Gusenbauer links zu überholen: Die BAWAG darf um Gottes willen nicht verkauft werden, der ÖGB ist das unschuldige Opfer finsterer Mächte usw., so liest man in ihren Blättern. Man mag das für bloßen Populismus halten; es bleibt der Verdacht, dass Kickl &amp; Co. es auch tatsächlich ernst meinen. Um die FPÖ aus der Ecke herauszulocken, in die sie sich zurückgezogen hat, bedarf es eines Anstoßes von außen. Westenthaler war an der Spaltung der Partei nicht beteiligt; ihm würde man eine Wiedervereinigung am ehesten zutrauen. Die wird es freilich nur geben, wenn hinter ihm auch eine gewisse Stärke steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Substrat beider Parteifragmente ist ohnehin weitgehend das gleiche; die Entscheidung, wer da vor zwei Jahren wo landete, war eine zufällig-willkürliche; eine Durchmischung könnte die momentane Blockade durchbrechen und die Knittelfelder auf beiden Seiten ihrem Ausgedinge näher bringen. Garantie dafür gibt es natürlich keine. In solchen Situationen spendet Trost bloß der Gegner. Man soll die Herren ja nicht überbewerten, aber als Indiz erscheint es mir immerhin auffällig, dass Rabl, Rauscher und der Rest ihren Ingrimm viel mehr gegen das BZÖ (und den loyalen Flügel der ÖVP) richten als gegen die Blauen, die gegen Schüssel toben, sich von vornherein aus allen Regierungskoalitionen ausgeschlossen haben und auf Anfragen allenfalls ein Rot-Blau ist möglich hören lassen.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Lothar Höbelt, 50, ist Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Wien und beriet einst die FPÖ in Politik- und Stilfragen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603192/&quot;&gt;HPM. HOHELIED DES WACHHUNDS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Flieger&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2603192/">
    <title>Hohelied des Wachhunds</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2603192/</link>
    <description>Auch wenn es vielen wahrscheinlich nicht gefällt: Hans-Peter Martin ist eine wählbare Alternative. Was der Chef der Partei für Demokratie, Kontrolle und Gerechtigkeit in seinen Jahren als EU-Parlamentsabgeordneter an Aufdeckungsarbeit geleistet hat, verdient Respekt. Und es besteht  ungeachtet dessen, was man von ihm persönlich hält  kein Zweifel daran, dass jene Skandale, die er aufgedeckt hat, ohne seine Arbeit garantiert noch lange Zeit unter dem Teppich geblieben wären. Eine Stimme für HPM ist auf keinen Fall eine verlorene Stimme  denn die Gefahr, dass er zu viele davon bekommt und zum echten Machtfaktor in der Innenpolitik wird, besteht angesichts seines begrenzten Wählerpotenzials ohnehin nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist die HPM-Partei ein Ein-Mann-Unternehmen  das macht aber nichts, solange er nicht in die Regierungsverantwortung genommen wird, ein mehr als unrealistisches Szenario. Die vermeintlich nachteilige Rolle des Einzelkämpfers Martin ist bei näherer Betrachtung sogar ein Vorteil: Allein auf sich gestellt, braucht er keinerlei Rücksichten auf irgendjemanden als seine Wähler nehmen  und vor allem nicht auf die Bedürfnisse der diversen Bünde, Lobbys und Pressure-Groups, denen die Großparteien ausgeliefert sind. Keine Industriellenvereinigung, keine Wirtschaftskammer, keine Gewerkschaft kann HPM vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat: ein angesichts der Ereignisse der jüngsten Zeit unschätzbarer Wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt viele Leute, denen HPMs Methoden, seine Sprache, seine Art nicht passen. Aber sollte es am Ende des Tages nicht gerade in der Politik um Sachliches gehen und nicht um persönliche respektive parteipolitische Animositäten? Die etablierten Parteien sind doch sonst immer die Ersten, die mit diesem Argument kommen, wenn ihr Spitzenkandidat als unpopulär gilt. Außerdem sind Außenseiter prinzipiell sympathisch, vor allem wenn sie aus Vorarlberg kommen, dessen Zugehörigkeit zu Österreich bis heute umstritten ist. Dass sich ausgerechnet ein Alemanne anschickt, die Gabel in die Hand zu nehmen und den Wiener Politikstall auszumisten, ist ein hochgradig sympathisches Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;khpm&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/khpm.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alternativen sind praktisch keine vorhanden. Die Sozialdemokraten leiden an ihrem Personal: Cap, Gusenbauer und Co. wandern von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Man hört ihnen nicht einmal mehr zu, weil die Art, wie sie Politik verkaufen, in hohem Maße unsympathisch ist. An und für sich käme die Volkspartei als Wahl am ehesten in Frage  wer noch das Gebiss als Bundeskanzler erlebt hat, der weiß, was er an Wolfgang Schüssel hat. Wäre da nicht die fehlgeleitete Ankündigungspolitik der Konservativen: Was die Klein- und Mittelbetriebe angeht, haben sie nichts von dem gehalten, was in den nunmehr sechs Jahren, in denen sie den Kanzler stellen, versprochen wurde. Die Bürokratie und die damit einhergehende Belastung insbesondere für Kleinbetriebe ist in den letzten Jahren nicht kleiner, sondern größer geworden. Für den einfachen Gewerbetreibenden hat sich praktisch nichts verändert  und wenn, dann zum Negativen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gesehen ist es ein kleines Wunder, dass so viele kleine und mittlere Unternehmer den Schwarzen noch immer die Treue halten. Gut, von HPM ist wahrscheinlich auch nicht zu erwarten, dass er die nötige Steuer- und Bürokratieentlastung bringt. Aber wenigstens weiß man das schon vor der Wahl. Die Grünen kommen ohnehin nicht infrage   wie konstruktive und aufrechte Opposition in einer Demokratie aussieht, hat HPM in Brüssel vorgemacht. Die Strache-FPÖ ist in ihrer heutigen Verfasstheit ein müder Abklatsch der alten Haider-Partie. Die Ausländerpolitik der Freiheitlichen hielte mich zwar nicht ab, sie zu wählen  aber wenn man eine andere Einwanderungspolitik will, geht man gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl. Und der heißt in diesem Land immer noch Jörg Haider. Aber auch der kommt nicht mehr infrage: Jemand, der über so lange Zeit so sprunghaft agiert hat, ist schlicht und einfach nicht mehr glaubwürdig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz im Gegensatz zu HPM: Er ist der Einzige, der keinen historischen Ballast auf dem Buckel trägt. In Wahrheit weiß man, abgesehen von seiner Vergangenheit als Journalist bei einem deutschen Nachrichtenmagazin, seinen Büchern und der unglücklichen Kandidatur für die Sozialdemokraten bei der ersten EU-Wahl, wenig über ihn  und das ist kein Unglück. Da können Frau Resetarits und die bunte Infoillustrierte sagen, was sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HPM ist ein vielleicht nicht immer sympathischer, aber in jedem Fall engagierter Politiker, der jenen frischen Wind ins Hohe Haus bringen könnte, den es bitter nötig hat. Die Gefahr, dass er, sollte er tatsächlich den Sprung ins Parlament schaffen, in Regierungsverantwortung kommt, ist realistisch gesehen nicht gegeben. Das macht aber ganz und gar nichts: Als oppositioneller Wachhund, der den Mächtigen auf die Finger schaut, wäre er vielleicht Gold wert. Dass er dazu in der Lage ist, hat er hinlänglich bewiesen.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Christian Flieger, 35, ist Buchbindermeister mit eigener Firma im dritten Wiener Gemeindebezirk.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603287/&quot;&gt;ÖVP. BESSERES MORGEN MIT NOLTE&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Christian Moser&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603274/&quot;&gt;SPÖ. FÜR DEN GESUNDEN REALISMUS&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Robert Misik&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603267/&quot;&gt;FPÖ. OPPOSITION: ABER RICHTIG!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Willi Brauneder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603249/&quot;&gt;GRÜNE. KONFLIKTKULTUR? JA, BITTE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Thomas Weber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2603234/&quot;&gt;BZÖ. PFLICHT ZUR HEERESFOLGE!&lt;/a&gt; von &lt;b&gt;Lothar Höbelt&lt;/b&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T19:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2602334/">
    <title>Regenbogennarben</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2602334/</link>
    <description>Als der erste Knall durch den Polizeibus hallt, werfen sich Lesben und Schwule, Transvestiten und Transsexuelle zu Boden. Stille. War es ein Schuss? Ist jemand getroffen? Plötzlich setzt der Steinhagel ein, und mit ihm die Schreie. Draußen schreien sie aus Hass, drinnen aus Angst. Die Fensterscheiben dazwischen scheinen zu halten. Nach wenigen Sekunden lässt der Bus die in grün-weiß gestreiften Fußballtrikots gekleideten Türken hinter sich. Die aufgebrachte Meute läuft noch ein Stück hinterher, bis sie langsamer und langsamer wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Busfahrer setzt sich wieder aufrecht hin, zündet sich eine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug. Er bringt die rund dreißig Personen, die aus Istanbul und Ankara gekommen waren, in Sicherheit. Fort aus Bursa, wo sie an diesem Tag gemeinsam mit ihren gleich gesinnten Freunden eigentlich Geschichte hatten schreiben wollen. Und es womöglich auch getan haben. Wie immer bei historischen Ereignissen begann alles harmlos. Relativ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im türkischen Fernsehen hat man für diesen Sonntag den heißesten Tag des Jahres angekündigt. Am Abend steht für Bursaspor, den lokalen Fußballklub, gegen Ankara das erste Match in der heurigen Meisterschaft an. Und der Bursa Gökkucag¦ (Regenbogen), die örtliche Organisation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen, hatte für heute angekündigt, gegen eines der letzten Tabus in der Türkei auf die Straße zu gehen. Es wäre die erste öffentliche Demonstration ihrer Art außerhalb von Istanbul und Ankara gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor nicht allzu langer Zeit und vor der Aussicht auf einen EU-Beitritt wäre das unvorstellbar gewesen. Bursa ist die Stadt der osmanischen Sultane, die es nicht verdient, von diesen verdammten Menschen lächerlich gemacht zu werden, ließ Fevzinur Dundar die Öffentlichkeit am Tag vor der Demonstration wissen. Der Chef der hiesigen Handelsvereinigung, gleichzeitig Sponsor des Fußballklubs Bursaspor, machte klar, dass wir sie vom Marschieren abhalten werden. Wenn sie nicht gelyncht werden sollten, müssten Politiker und Polizisten sie davon abhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Önem&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;Önem&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Oenem.jpg&quot; /&gt;Keine sechs Jahre ist es her, dass Homosexuelle in der Türkei erstmals trotz solcher Drohungen öffentlich für ihre Rechte demonstrierten. Es findet ein Fortschritt statt. Das merkt jeder, sagt Öner auf der Fahrt nach Anatolien. Er ist gemeinsam mit seinen Freunden aus Istanbul gekommen. Der schlicht gekleidete Mann mit dem Zweitagebart ist 34, unterrichtet an einer öffentlichen Schule und ist schwul. Noch 1995, erzählt er, sei der Fernsehsender Kanal 6 vom zuständigen Hohen Rat für Radio und Fernsehen für einen Tag abgeschaltet worden, nachdem dort erklärt worden war, im Parlament ließen sich Schwule finden. Aber selbst wenn die Menschen hier ihre Augen verschließen: Schwule und Lesben gibt es überall, sagt Öner. Wo sie auch durchkommen, sorgt der Anblick der bunten Truppe für Irritationen. Die Aktivisten tragen Fahnen und Plakate bei sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteren Türken am Straßenrand wissen nicht, wie sie auf Männergestalten, unter deren engen Frauenkleidern sich bare Brüste abzeichnen, reagieren sollen. Also machen sie einfach große Augen. Schüchterne Mädchen schmunzeln, während halbstarke Burschen unverhohlen lachen. Dieselben Reaktionen also wie überall sonst in Europa auch. Allerdings kam es während der vergangenen Monate in Estland, Lettland und Russland auch zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen auf Homosexuelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;289&quot; alt=&quot;Demo1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Demo1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Empfang in Bursa gerät nicht herzlich. Hier kommt ihr nicht raus, ihr werdet sterben!, schreien zwei-, dreihundert Menschen auf den Straßen. Es ist zwei Uhr nachmittags. Eigentlich sollten die Schwulen-Aktivisten jetzt dort stehen, wo sich eine homophobe Masse breit gemacht hat. Manche haben ihren Spaß dabei. Die meisten sind aber stinksauer. Du bist Ausländer, du verstehst das nicht, sagt einer aus der Spaßfraktion höflich, bevor er wieder in den Chor mit einstimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andere Straßenseite belagern mehrere hundert Polizisten. Sie haben den Eingang zu dem Gebäude dichtgemacht, in dem die Gökkucag¦ in Bursa ihr Büro hat. Die Aktivisten von außerhalb werden ins Gebäude geschleust. Wer wieder rauswill, wird festgenommen, lautet der Befehl. Im Erdgeschoss drängen sich rund sechzig Aktivisten. Sie diskutieren mit den Polizisten und untereinander. Die einen wollen ihre Rechte einfordern, die anderen nicht sterben. Nach einer halben Stunde geben sie nach und ziehen sich ins Büro zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gökkucag¦ ist erst seit März eine rechtlich anerkannte Organisation. Geht es nach dem Gouverneur von Bursa, soll die Vereinigung schon bald wieder verboten werden. Ein entsprechender Antrag wird gerade bei Gericht behandelt. Die Organisation sei mit Moral und Werten der Familie nicht vereinbar. Im Gegensatz zu den meisten anderen muslimischen Ländern ist Homosexualität in der Türkei allerdings nicht verboten. Auch weil sie hier eine gewisse Tradition hat. Bereits im osmanischen Reich unterhielten Männer in Frauenkleidern, so genannte Köceks, Gesellschaften. Im Harem der Herrscher gab es mit den Oglanliks gesonderte Bereiche für junge Männer. Eine Tradition, von der man in Bursa nichts wissen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Westanatolien, rund 90 Kilometer südlich von Istanbul gelegene Stadt ist mit 1,6 Millionen Einwohnern die viertgrößte des Landes. An ihrem Hausberg Uludag befindet sich das größte Skigebiet der Türkei, außerdem hat man hier den heute weit über die Grenzen hinaus beliebten Iskender Kebab erfunden. Dass Bursa seit Jahren in weiten Teilen des Landes als Stadt der Schwulen berüchtigt ist, will man nicht hören; wie es dazu kam, nicht wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade dieses pikante Detail aber hat der Gökkucag¦ in einer Vorankündigung zur Demo bemüht und damit, gewollt oder nicht, die Menge zum Gegenbeweis aufgerufen. Heute habe ich wieder die Fratze des Faschismus und des Patriarchats gesehen, sagt Eylem, eine 24-jährige Frau im Körper eines Mannes, mit Bartstoppeln und zögernden Bewegungen, zurück in der stickigen Zweizimmerwohnung von Gökkucag¦. Auf der anderen Seite des Gebäudes warten weiter die Gegendemonstranten, doch hier kann man sie nicht hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sind die Aktivisten in den rosa und grün ausgemalten Räumen aus Nervosität ständig in Bewegung. Vor wenigen Minuten hat jemand einen Stein bis in den siebenten Stock heraufgeworfen. Klopft es an der Tür, versuchen gleich drei gemeinsam, durch den Spion zu lugen. Viele derer, die heute da sind, gehen auf den Strich, manche auf Eliteuniversitäten. Auch Eylem ist durch Eliteschmieden gegangen, dann aber doch nicht so geworden, wie ihre Eltern sich ihren Sohn vorgestellt hatten. Denn sie ist heute eine Frau mit Penis. Und lebt damit in der Türkei in besonders prekären Verhältnissen. Die soziale Ausgrenzung treibt Transvestiten und Transsexuelle zuerst in die Großstädte und dort 99 Prozent von ihnen in die illegale Prostitution. In Istanbul sollen es bis zu zehntausend sein. In der Nacht sind sie Objekte der Begierde, am Tag Aussätzige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;303&quot; alt=&quot;Aktivistinnen&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Aktivistinnen.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder erzählen sie von gewalttätigen Übergriffen der Polizei und der Bevölkerung. Doch in den Medien sind es die Transsexuellen, die als Aggressoren und bisweilen als Unmenschen dargestellt werden. Wir alle stecken in einem sehr, sehr bösen Kampf, sagt Eylem langsam und leise. Deckung in diesem Kampf erhält die Bewegung von außen. Seit Jahrzehnten strebt die Türkei in die Europäische Gemeinschaft, 1999 erhielt sie den Kandidatenstatus. Vergangenen Oktober wurden schließlich die Verhandlungen eröffnet. Die Menschenrechtssituation spielt dabei eine herausragende Rolle. Zwar sind Rechte für Homosexuelle kein Beitrittskriterium, doch eine Gesellschaft definiert sich nicht zuletzt durch ihren Umgang mit Minderheiten. Das gilt besonders, wenn sie auf dem Prüfstand steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es traurig, dass die Veränderung von außen kommt, sagt Yener Bayramoglu. Aber wir müssen die EU für unsere Freiheit benutzen. Der 22-jährige Student in Bluejeans und T-Shirt wirkt wie der Junge von nebenan. Yener ist homosexuell und eines von zwanzig aktiven Mitgliedern bei Lambda Istanbul. Die älteste und größte Vereinigung für Homosexuelle in der Türkei wurde 1993 gegründet, nachdem die Stadt Istanbul die geplante Veranstaltung zum Christopher Street Day, dem traditionellen Feiertag der Lesben- und Schwulenbewegung, verboten hatte. Heute verkehren rund achtzig Personen in den Räumlichkeiten von Lambda. Es gibt eine Bibliothek, ein Filmarchiv und eine Telefon-Hotline.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier rufen verzweifelte Eltern und ihre verzweifelten Söhne und Töchter an, die allesamt die Aufklärung und Beratung suchen, die es von öffentlicher Seite nicht gibt. Lambda Istanbul wurde erst im Mai die Offizialität zugestanden. Gesetzesänderungen im Hinblick auf die Umsetzung des Acquis Communautaire der Union haben dies ermöglicht. Der Gang zum Gericht des Istanbuler Gouvernements, um ein erneutes Verbot der Organisation zu erwirken, ließ nur wenige Tage auf sich warten. Man bemüht wiederum die Unvereinbarkeit mit der Moral. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zuständige Gouverneursbüro hält sich bedeckt. Um eine Stellungnahme zu bekommen, muss man persönlich vorstellig werden, ein Formular mit Fragen ausfüllen und schließlich per Post absenden. Eine Antwort kann dauern. Die Entscheidung soll aber noch im September fallen. Aktivist Yener ist zuversichtlich: Eine Schließung könne sich die Türkei vor der EU nicht leisten. Wir werden gewinnen, sagt er und verweist auf den Präzedenzfall von Kaos GL.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch diese in Ankara stationierte Vereinigung von Homosexuellen sollte vergangenen Herbst aus moralischen Gründen geschlossen werden. Nur wenige Wochen nachdem sie einen offiziellen Status erhalten hatte. Homosexuell zu sein, bedeutet nicht, unmoralisch zu sein, stellte der Staatsanwalt jedoch überraschend fest. Er verwies dabei auf die Europäische Menschenrechtskonvention und verhalf der türkischen Homosexuellenbewegung so zu einem ersten Sieg über den Staat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Eylem&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;Eylem&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Eylem.jpg&quot; /&gt;Die Räume und Freiheiten, die man sich in den Großstädten Istanbul und Ankara erkämpft hat, ziehen mehr und mehr Gleichgesinnte an. Beinahe wöchentlich treibt die gesellschaftliche Akzeptanz neue, bislang unbekannte Blüten wie Schwulenlokale, küssende Pärchen und sogar faire Berichterstattung in den Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Land merkt man davon noch nichts. Einerseits, weil Homo- und Transsexuelle in die Metropolen gehen und somit den Problematisierungsbedarf mit sich nehmen. Andererseits, weil in den ruralen, strenggläubigen Gebieten der Türkei andere Probleme auf der Tagesordnung stehen. Denn wo Mädchen von ihren Brüdern im Namen der Ehre gerichtet werden, weil sie ihren Schulweg mit einem Jungen geteilt haben, beschäftigt sich die erstarkende Zivilgesellschaft zuvorderst mit den spärlich vorhandenen Alltagsrechten der Frauen. Für Schwule aus der Provinz ist oft das Internet die einzige Anlaufstelle, um sexuellen Gelüsten ihren Lauf zu lassen. Die Demonstration in Bursa sollte der erste Schritt hinaus aus den Metropolen sein. War sie dann auch. Auch wenn sie nicht stattgefunden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CNN Türk und mehrere Tageszeitungen haben über die Vorfälle berichtet und ein Nicht-Thema landesweit zum Thema gemacht. Auch die in den Folgetagen abgehaltenen Solidaritätskundgebungen in Istanbul und Ankara schafften es in die Abendnachrichten und so in die Wohnzimmer der Türken. In der Bewegung ist von einem Sieg die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der hat in einem Polizeibus stattgefunden. Am heißesten Tag des türkischen Sommers. Noch bevor Bursaspor mit einem mageren 0:0 in die Fußballsaison startete. Als der Steinhagel vorbei und der erste Schock gewichen ist, umarmen Lesben und Schwule, Transvestiten und Transsexuelle einander im schaukelnden Bus, der sie aus Bursa bringt. Wir haben standgehalten, stimmt eine von ihnen mit tiefer Männerstimme ein türkisches Volkslied an. Einfach war es nie und wird es nie sein. Und die bunte Menge erhebt Arme und Stimmen: Wir werden weiter kämpfen.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>globus</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T16:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2602315/">
    <title>GEGENBILDER</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2602315/</link>
    <description>ie demokratische Volksrepublik Nordkorea ist ein Land, von dem es so gut wie keine Bilder gibt  außer den offiziellen. Sie vermitteln dem Rest der Welt ein Propagandabild eines der letzten Regime stalinistischer Prägung. Ihre Präsenz in Zeitungen, Illustrierten, dem Fernsehen und oder dem Internet versorgen den kollektiven Bilderhaushalt mit der buchstäblich herrschenden Sicht der Dinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Fotografen Luca Faccio war dies Herausforderung, diese Barriere zu durchbrechen. Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea ist für Reisende seit 53 Jahren dicht. Das Land, in dem Faccio nach dreijähriger Insistenz im Herbst letzten Jahres endlich Einlass gewährt wurde, existiert in einem Vakuum, abgeschnitten vom Rest der Welt. Die Hauptstadt Pyongyang zeigt sich als eine überdimensionale kommunistische Version von Hollywood. Die Macht der Inszenierung des Regimes ist allgegenwärtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;298&quot; alt=&quot;korea1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das visuelle Universum Nordkorea besteht aus Uniformität, Homogenität, Repetitivität. Die Inszenierungen sind perfekt, lauern an jeder Ecke der Stadt, die die offiziellen Begleiter dem Besucher geradezu vorführen. Und das Programm ist dicht: Eine Sehenswürdigkeit folgt der anderen, die Bronzestatue des ewigen Präsidenten Kim Il Sung, sein Geburtshaus, der Juche-Turm, der Triumphbogen, der Kinderpalast, der rund 75.000 Quadratmeter umfassende, granitbedeckte Kim-Il-Sung-Platz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Staunen über die martialische Wucht dieser Architektur folgen Beklemmung und Verwirrung  die Herausforderung, anders zu sehen, abseits der Propaganda etwas wahrzunehmen, erweist sich im Moment als unmöglich. Faccios vom Staat abgestellter Begleiter wird nicht müde, ihn durch die gemütvolle Umgebung, so die Bedeutung des Namens der Stadt Pyongyang, zu führen. Außer diesem Reisebegleiter spricht in den weiten Straßen von Pyongyang niemand mit ihm, weder beim Essen noch im Hotel oder anderswo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;298&quot; alt=&quot;korea2&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner schenkt ihm Aufmerksamkeit: Er wird zum Avatar mit bedingter Aufenthaltszeit. Das will Luca Faccio nicht akzeptieren. Woran kann man sich halten, wenn das Artifizielle, die Inszenierung Realität ist und die Realität ein Trugbild? An die Macht der Fotografie? Woran sich halten, wenn einen die Propaganda-Räume wieder und wieder einhüllen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 2006 vereinbart Faccio vor Ort mit dem Komitee für kulturelle Beziehungen mit dem Ausland den Ausstellungstermin. Wir bestehen auf einer freien Zugänglichkeit des Präsentationsraumes, das Komitee verlangt daraufhin, die Auswahl der Arbeiten Faccios nur in gegenseitigem Einverständnis zu treffen. Ab diesem Zeitpunkt korrespondieren wir direkt mit Nordkorea. Luca Faccio bleiben nun weitere zwei Wochen, um am Projekt zu arbeiten. Der Weg, den er in Nordkorea beschreitet, um jene Bilder zu bekommen, die er haben will, ist ein mühsamer. Nicht nur für ihn.&lt;br /&gt;
Faccio ist kein stiller und geduldiger Beobachter, verdeutlicht seinen Begleitern temperamentvoll seinen Programmwunsch: Kontakt mit den Menschen, denen er in den Straßen, in Fabriken oder während der Pausen der Paraden begegnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;201&quot; alt=&quot;korea3&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird auch die Instrumentalisierung der Massen durch das Regime während gigantischer Spektakel nur der Rahmen seines Blickes: Faccio schält das Individuum aus der Massengesellschaft, zeigt Gesichter, nicht das Kollektiv. Zwei Wochen später ist Faccio zurück in Wien. Die Bilder, die er mitbringt, dokumentieren Monumentales, Inszeniertes, das Vakuum, den Menschen organisiert als Masse. Der Ausschnitt, den die Reisebegleiter einem westlichen Fotografen zeigen, ist vorgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch wenn die Wahl der Motive niemals vollkommen frei getroffen werden konnte, ging  der subjektive Blick des Fotografen erheblich weiter als der offizielle: Sie zeigen Menschen aus der Nähe, in der U-Bahn, beim Spaziergang, in der Fabrik, portraithaft. Mitgebracht hat der Italiener aus Pyongyang weiters die Idee, seine Bilder vor Ort zu präsentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;181&quot; alt=&quot;korea4&quot; width=&quot;140&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea4.jpg&quot; /&gt;Ich soll diese Ausstellung inhaltlich und organisatorisch betreuen. Ich bin überfordert. In der Zwischenzeit führt der Fotograf Gespräche mit den Vertretern der nordkoreanischen Botschaft in Wien, die eine Ausstellung offiziell unterstützen wollen. Eine weiterer Aufenthalt ist geplant, die Erfahrungen der ersten Reise sollen/müssen durch weitere Reisen ausgelotet werden. Die Botschaft befürwortet die Idee in Form einer offiziellen Unterstützungserklärung. Diese erweist sich in der Folge nicht nur als Voraussetzung dafür, ein weiteres Visum innerhalb eines Jahres zu erhalten, sondern sich überhaupt vor Ort mit der Kamera freier bewegen zu dürfen. Faccio erkennt die Chance, der Desorientierung, die er bei seinem ersten Besuch erlebt hat, beim nächsten Mal zu entkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uns wird klar, dass ein solches Unternehmen zwangsläufig nur in offiziellen Rahmen durchgeführt werden kann und somit eine Zusammenarbeit mit einem Regime bedeutet. Wie damit umgehen? Schließlich überzeugen mich die scheinbar antiquiertem Floskeln aus dem offiziellen Schreiben: Brücke zur Völkerverständigung empfinde ich als analysewürdig. Haben nicht ein Gros interkultureller Ausstellungsprojekte der Nachkriegszeit und bis weit in die Achtziger hinein ähnliche Formulierungen in den Vordergrund gestellt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;281&quot; alt=&quot;korea6&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea6.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Pyongyang möchten wir diese Arbeiten präsentieren. Bewusst wird beim Ausstellungskonzept das Panoptikum der Macht, der Personen- und Repräsentationskult um den Ewigen Präsidenten Kim Il Sung ausgeblendet, nicht ohne den erwarteten Widerstand. In einer offziellen Stellungnahme heißt es: Was wir aber bedauerlich finden, ist, dass unter den von Ihnen zugesandten Fotos kein Foto als Hauptbild für die Ausstellung zu sehen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir denken, dass die zwei Bilder der Bronzestatue des Präsidenten Kim Il Sung und das Portrait vom Großen Führer Genossen Kim Il Sung und dem geliebten Führer Genossen Kim Jong Il als Hauptbilder der Ausstellung passend sind, das Luca in der Ausstellungshalle der Blumen Kimilsungia und Kimjongilia aufgenommen hat. Was man aber merken soll, ist, dass die Portraits rein von den beiden Staatsführern sein sollen, nicht die Menschen im Vordergrund. Wenn ich mich nicht irre, hat Herr Faccio während seines Aufenthalts bei uns auch sehr viele Fotos von modernen und schönen Sehenswürdigkeiten und architektonischem Schaffen unseres Volkes und seiner Kultur gemacht. Aber die ausgewählten Fotos beinhalten nur unwesentliche. Mit solchen Fotos ist es schwierig für uns, eine Ausstellung zu eröffnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;283&quot; alt=&quot;korea5&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/korea5.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich führe lange E-Mail-Konversationen mit den Verantwortlichen des Kulturkomitees, bleibe hartnäckig, biete neue, ähnliche Arbeiten an. Letztlich wird eine Einigung erzielt: Die Korrespondenz reflektiert Handlungsangebote von beiden Seiten sowie das Ergebnis, die am 19. Juni 2006 eröffnete Ausstellung und die Dialogbereitschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Neben weiteren Arbeiten sind auch die von Pyongyang abgelehnten Fotos Faccios im Rahmen der Fotografie- und Veranstaltungsreihe Monat der Fotografie im November 2006 in Wien zu sehen (U-Bahn-Stationen Wien, Kooperation mit Infoscreen); ab April 2007 wird in einer umfassenden Schau Luca Faccios Blick auf Nordkorea in der Kunsthalle Wien am Karlsplatz (project space) gezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luca Faccio, 1969 in Genua geboren, lebt seit 1995 in Wien. Absolvent der Schule für künstlerische Fotografie und der Akademie der Bildenden Künste. Fotoreportagen u.a. aus Bosnien, Afghanistan, Irak, Syrien, China für La Repubblica, LEspresso, Standard, Der Spiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin Barbara Pichler,&lt;br /&gt;
Jahrgang 1969. ist seit 2001 selbstständige Kulturarbeiterin mit den Schwerpunkten Konzeption und Begleitung von Projekten Kunst- und&lt;br /&gt;
Kulturschaffender. Fotografiert selbst, arbeitet derzeit an einem Fotoprojekt zum Thema Alzheimer. &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>globus</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T16:10:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2602302/">
    <title>Schildbürger</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2602302/</link>
    <description>Vincenzo Lancia hatte es nicht schlecht erwischt: Als jüngstes von vier Kindern eines Konservendosenmagnaten, der in Argentinien zu Reichtum gekommen war, schien seine Zukunft schon bei der Geburt im August 1881 gesichert. Sein Vater, Giuseppe Lancia, legte Wert darauf, dass aus seinen Nachkommen auch was würde, und er dachte Vincenzo eine Karriere als Anwalt zu, kamma imma brauchen. Die Lancias wohnten, wie es sich damals schickte, abwechselnd im Sommerhaus in den Bergen am Lago Maggiore und in Turin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im elterlichen Stadthaus am Corso Vittorio Emanuele haben sich im Hinterhof Bastler eingemietet, die Cerainos. Sie reparieren Fahrräder und Autos. Ihr großer Traum aber ist es, ein eigenes Auto zu konstruieren. Der junge Vincenzo überzeugt seinen Vater davon, von der Anwaltsidee zu lassen und ihm stattdessen zu erlauben, Buchhalter bei den Brüdern Ceraino zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der saubere Beruf, ein Vorwand: Viel lieber verkriecht sich der Millionärssohn bis zu den Ellbogen in den Eingeweiden von Autos. Die Cerainos kriegen ihr erstes Auto dank eines Mäzens tatsächlich auf die Straße. Der Welleye ist so gut, dass die Nachfrage die Kapazitäten der Hinterhofwerkstatt schnell übersteigt. Die Cerainos verkaufen an Fiat. Mit dem Auto geht der vermeintliche Buchhalter Lancia mit zur großen Firma, nunmehr als Rennfahrer: Vincenzo Lancia ist der erste Starpilot der jungen Firma Fiat, er führt den allerersten Grand Prix von Frankreich in der allerersten Runde an, er gewinnt gleich das zweite Rennen, an dem er teilnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben gründet er gemeinsam mit einem anderen Fiat-Testfahrer namens Claudio Fogolin 1906 seine eigene Firma: Lancia &amp; C. Fabbrica Automobili. Es dauert zwei Jahre bis zum ersten selbst gebauten Auto; sie nennen es Alpha. Das ist bereits der Schlüssel zu den künftigen Vornamen von Lancia-Automobilen: In der Regel heißen sie nach Buchstaben des Alphabets. Ausnahme von der Regel: In manchen Zeiten heißen sie wie Römerstraßen. Faustregel: Gilt weder Regel eins noch zwei und tragen Lancias fremde Namen, ist die Firma in der Krise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei den ersten Autos von Lancia schwingt die Herkunft ihres Gründers mit. Lancia, der erfolgreiche Jungunternehmer aus gutem Haus, baut die Autos, die er selber fahren will: groß, luxuriös und sportlich. Genau das gilt bis heute als der Markenkern von Lancia oder als DNA, wie der moderne Markenbeauftragte heute sagt. Das freilich muss man hinterfragen, ist Lancia in seiner Frühzeit doch eher eine Speerspitze der technischen Revolution denn eine Marke für Freunde von Alcantara und Beinfreiheit. Mehrscheiben-Trockenkupplung, elektrische Zündung, Scheinwerfer und Starter (1913), 1918 fantastische Motoren voller Pracht und Verschwendung (ein Reihen-Achtzylinder und ein V12 mit engem Zylinderwinkel!) und schließlich 1922 im Lambda eine Revolution im Autobau, die bis heute Gültigkeit hat: die Erfindung der selbsttragenden Karosserie. Bislang waren Autos nämlich wie Kutschen gebaut worden, beginnend mit einer Plattform, an die das restliche Gefährt angeschraubt wurde. Nun entstanden Autos plötzlich im Ganzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle mussten diese Denkweise von Lancia übernehmen. Man kann sagen, dass Lancia dem Auto in dieser Zeit mehr zutraute als seine Konkurrenten. Wieder als erste Firma wagte man es, den Motor nicht fix mit dem Chassis zu verschrauben, sondern schwimmend zu lagern. Der Komfortgewinn war unerhört, konnten sich die Motorschwingungen so doch nicht mehr ungehindert in den Innenraum fortpflanzen. 1911, ein Jahr nachdem er seinen Fiat-Vertrag gekündigt hatte und sich ganz auf die eigene Firma konzentrieren konnte, hatte Lancia von Carlo Biscaretti di Ruffia, einem gräflichen Industriedesigner, den er anlässlich einer Panne an dessen Benz kennen gelernt hatte, ein prägnantes Logo entwerfen lassen: ein Lenkrad und eine Fahne mit dem Familiennamen in ein Schild eingeschrieben, Letzteres immer wieder (und bis heute) als Form für den Kühlergrill verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vincenzo Lancia heiratete 1922 seine Adele, gemeinsam hatten sie drei Kinder. Lancia war ein erfolgreicher Unternehmer, eine Zierde der Familie, wie er es als Anwalt nicht besser hätte sein können. Doch er hörte nicht auf, an Details zu werken, seine Ingenieure zu fordern. Als nächstes Problem machte Lancia, wohl auch durch seinen regelmäßigen Weg von Turin über die schlechten Wege rauf in die Berge hinterm Lago Maggiore beeinflusst, das Fahrwerk aus. Präziser, komfortabler, neutraler sollte es werden. Lancia sammelte Patent um Patent. Spektakulär auch die so genannte Buch-Karosserie, wo Vorder- und Hintertür gegenläufig öffneten, was vor allem dem bequemen Einstieg entgegenkam. Man darf vermuten, dass seine schwangere Frau den Anstoß zu dieser Entwicklung gegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächstes bestimmendes Thema im Automobilbau erkannte Vincenzo Lancia, beeinflusst wohl auch durch die Ästhetik der Kampffliegerei, die Aerodynamik. Es war die Zeit der Geschwindigkeitsweltrekorde. Vor allem die deutschen Hersteller Mercedes und Audi Union (später in Audi aufgegangen) taten sich hier hervor. Lancia gab den Auftrag zur Entwicklung des kleinen Sportwagens Aprilia, nach einem Tatra erst das zweite Serienauto mit Fließheck. Lancia-typisch sollte der kleine Aprilia ein praktisches Feature haben, das sonst höchstens Luxuslimousinen auszeichnete, nämlich eine Benzinuhr. Auf Knopfdruck leuchtete im Armaturenbrett pro fünf vorrätiger Liter Sprit ein Lämpchen auf. Den Serienstart des Aprilia erlebte Vincenzo Lancia nicht mehr. Überraschend starb er 1937 an einem Herzinfarkt. Sein Sohn Gianni übernahm und brachte die Firma durch den Krieg und die Jahre danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;351&quot; alt=&quot;stratos2&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/stratos2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lancias Vorteil gegenüber der Konkurrenz war, dass der Aprilia auch nach dem Krieg noch immer ein relativ modernes Auto war, man sich teure und zeitintensive Neukonstruktionen fürs Erste also sparen konnte. Mit den Fünfzigern kamen die großen Tage des Rennfahrens, wie wir es heute kennen  und Gianni Lancia, der Sohn des Firmengründers, war eine ihrer großen Figuren am Pistenrand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur, dass er das bis heute übliche Putzen der Rennautos erfand (die charakteristisch dunkelrot lackierten Lancias hatten vor und nach den Rennen stets zu funkeln und zu glänzen); er erarbeitete auch eine unverwechselbare Identität fürs Rennteam: Lancias rannten unter dem Logo eines stilisierten gelben Elefanten, auf italienisch liebevoll elefantino. 1953 fuhr der unbestritten beste Rennfahrer aller Zeiten, der Argentinier Juan Manuel Fangio, Lancias Sportwagen. Der Ruf der Marke und die Technik waren so brillant, dass sich der italienische Starpilot Alberto Ascari als Nachfolger meldete, als sich Fangio gen Mercedes-Benz verabschiedete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prompt gewann Ascari die Mille Miglia auf Sizilien, damals das berühmteste und härteste Rennen der Welt. Lancia ging in die Formel 1, Ascari ging mit und fuhr von Anfang an in der Spitze mit. Es war Ascari in einem Lancia, der beim Grand Prix von Monaco ins Hafenbecken stürzte und beinahe ertrunken wäre, lassen Sie sich da von keinem Fernsehkommentator etwas anderes einreden. Ascari wurde aus dem Mittelmeer gefischt, nur um vier Tage später in einem privaten Ferrari in Monza tödlich zu verunglücken. Geschockt verschenkte Gianni Lancia seinen kompletten F1-Krempel an Enzo Ferrari und kehrte nie wieder zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;337&quot; alt=&quot;flaminia1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/flaminia1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun? Lancia suchte und fand sich selber. 1957 kam der Flaminia auf die Welt, benannt nach der historischen Straße von Rom nach Rimini. Besonders als Coupé war Lancias Flaggschiff eins der schönsten Autos, die die Welt je gesehen hat. Der (die?) Aurelia war, ganz ungepimpt, das Auto, das man haben wollte, war man wer. Ernest Hemingway zum Beispiel. Oder Brigitte Bardot. Oder Sophia Loren. Oder Elizabeth, die englische Königin. Also doch die Marke für das obere Ende der Einladungsliste? Mitnichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lancia konterkarierte den Ausflug ins Establishment mit der Fulvia, in ihrem Grundgedanken heute einer der Hoffnungsträger der Marke. Die Fulvia war ein kompaktes, leichtes Coupé mit modernem Frontantrieb und gutem Fahrwerk. Bei seiner Präsentation zwar doppelt so teuer wie ein vergleichbarer Ford Capri, aber um Klassen eleganter und in den Händen von Könnern aufgrund seines geringen Gewichts trotz der relativ schwachen Motoren eine Waffe. Ein Understatement-Car reinsten Wassers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;329&quot; alt=&quot;Fulvia1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Fulvia1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1973 wurde die Rallye-WM etabliert: ein gefundenes Fressen für die Fulvia. Lancia und dahinter ein ganzes Land delektierten sich daran, wie dieses filigrane, zerbrechliche, zarte Autolein den groben Rübenbombern der Konkurrenz ein ums andere Mal Beton gab. Keine bedeutende Rallye, die die Fulvia nicht gewann. Dennoch: nur ein Vorgeschmack, und trotzdem das Ende einer Epoche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;330&quot; alt=&quot;Fulvia2&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Fulvia2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1969 hatte die Familie Lancia an Fiat verkauft. Alfa Romeo, der dritte große italienische Autohersteller, folgte Lancia 1986 in diese dunkle Gasse. Schon seit den Zwanzigern hatte Lancia immer wieder mit dem italienischen Designstudio Bertone zusammengearbeitet. 1970 stand das Meisterstück dieser Zusammenarbeit am Turiner Automobilsalon: der Stratos. Er brach mit allen Konventionen des bekannten Autodesigns, räumte vor allem mit den harmonischen, fließenden Formen auf, die man italienischen Autos in der Regel zuschrieb. Der Stratos war ein harter, flacher, brutaler Keil, gezeichnet mit dem Lineal, nicht mit dem Zirkel. Man muss es dem neuen Eigentümer Fiat hoch anrechnen, dass Lancia dieses Geschwür, das eigentlich nur als Versuch gedacht war, eine neue Designsprache zu finden, bis zur Serienreife fertig entwickeln durfte. Immerhin konnte man dabei auf Teile von Ferrari zurückgreifen, mittlerweile ebenfalls unter dem Fiat-Dach daheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;318&quot; alt=&quot;stratos1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/stratos1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stratos wurde zum ersten Designer-Rennwagen, gleichzeitig eine kompromisslose Umsetzung von Rallye-Anforderungen: Sie wünschen, wir spielen. Wo die Autos der Konkurrenz adaptiertes Serienmaterial waren, kam der Stratos als reines Rennauto daher, das unter dem kapriziösen Sandro Munari Drama und Victoria in die Rallye brachte. Eigentlich war der Stratos viel zu perfekt und wahnsinnig, um auf wehrlose Ford Escorts und Citroën DS losgelassen zu werden; doch irgendwie brachte Lancia die geforderte Stückzahl unters Volk, um die Homologation als Serienauto zu erlangen. Mit sanftem Druck wurden Händler dazu überredet, einen Stratos im Paket mit verkäuflicher Massenware doch mit zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kleinanzeigenteil von deutschen Automagazinen aus den Siebzigern findet man Inserate nagelneuer Stratos Stradale um deutlich unter 30.000 D-Mark. Heute werden Lancia Stratos nicht unter 100.000 Euro gehandelt, Rennautos mit dokumentierter Geschichte auch gern ums Doppelte. Hier hat die Wirkungsgeschichte den Marktwert bestimmt. Dasselbe gilt in gerader Linie für Beta Montecarlo, 037 rally und Delta Integrale. Zwanzig Jahre lebte die Marke vom Ruhm des Sports und konnte sich deswegen erlauben, relativ biedere und unspektakuläre Massenware zu überhöhtem Preis loszuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;337&quot; alt=&quot;stratos3&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/stratos3.jpg&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis dann irgendein Kopf, geblendet durch den sagenhaften Erfolg des Alfa 156 und die damit verbundene Wiederauferstehung der Marke, eine neue strategische Ausrichtung des italienischen Autokonzerns erfand: Fiat stand für Masse. Alfa für Sport. Lancia für Luxus. Kein Wunder, dass dieses Konstrukt nie aufging. Lancia war nie Mercedes gewesen, ja nicht einmal Citroën. Doch in der verlogenen Atmosphäre der New Economy konnte man sich alles Mögliche schönreden. Hauptsache ein Konzept, Hauptsache eine Honorarnote. Als Folge dieser Business-Lounge-Logik wurde Lancia nicht nobel, sondern belanglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil sich vorgetäuschte Noblesse schlecht verkauft, kamen die Erbsenzähler im Konzern zum Zug und zerzausten die Marke zusätzlich. Hier wurden Eigenentwicklungen gestoppt, dort Allerweltsmotoren zwangsverordnet, anderswo Preise angepasst. Keiner wusste mehr, wofür Lancia stand. Am ehesten funktionierte die Marke noch an ihren Rändern, nämlich bei den schnuckeligen Kleinwagen (Y) oder den Repräsentationslimousinen (Thesis). Der Rest war ein Krampf in Alcantara, das die Schwächen alter Fiats verhüllen sollte, die ein Schild als Wappen trugen. Kaum ein Kunde lässt sich derart verarschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem hatte Konzernmutter Fiat in dieser Zeit selber riesige Probleme, da konnte man sich nicht um den schwächelnden Luxusfratz Lancia kümmern. Das Kompaktsegment, einst mit dem Delta gut besetzt, ließ man völlig aus; um in boomende Nischen einzudringen, fehlte die Kraft. So wurde Lancia zum Todeskandidaten in einer brutaler und globalisierter werdenden Autowelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;338&quot; alt=&quot;deltaintegrale&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/deltaintegrale.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr waren Insider davon überzeugt, dass der Fiat-Konzern Lancia aus schierer Pietät pünktlich nach dem 100. Geburtstag einsargen würde. Den tatsächlichen Tod verhinderten ein paar glückliche Umstände. Erstens: GM musste sich aus der Ehe mit Fiat teuer auskaufen. Das gab den Turinern eine 10-Milliarden-Euro-Nachdenkpause. Zweitens: Die Marken Fiat und Alfa sind derart fix positioniert, dass Nischenmodelle hier kaum Platz haben. Andere Marken haben dasselbe Problem und müssen mit hohem Einsatz Kunstmarken erfinden und mühsam lancieren. Die eingeführte Marke Lancia ist in diesem Kontext ein hoher Wert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens: Die Menschen lieben Lancia. Die Studie einer modernen Fulvia, bereits 2003 vorgestellt, erhitzt bis heute das Herz italophiler Autofreunde. Unabhängige Designstudios machten sich an die Neuinterpretation des Stratos. Prompt reklamierte der mächtige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ein Lancia-Logo drauf. Der Werterhalt historischer Lancias liegt weit über dem Schnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viertens: Die Zeit ist reif für Underdogs. Wenn das technische Know-how im Automobilbau einen derartigen Sättigungsgrad erreicht hat, dass man nirgendwo mehr echte negative Überraschungen erwarten muss, schlägt die Stunde der Individualisten. Aus dieser Position kann man viel leichter neue Themen vorgeben als die großen Tanker der Massenmarken. Fünftens gab und gibt es im Fiat-Konzern noch immer jene Lancia-Heads, die aus Überzeugung zur Marke stehen, für sie kämpfen und ihr so neue Inputs geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Herbst soll Lancia neu erfunden werden. Auf den kommenden Autosalons soll anlässlich des 100. Geburtstags ein neues Kompaktmodell vorgestellt werden, außerdem konkrete Pläne für eine emotionale Wiederaufladung der Marke. Lancia darf fast alles können. Man traut Lancia fast alles zu. Die Strahlkraft ist ungebrochen. Eigentlich ein Wunder.	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher erschienene &lt;b&gt;Motorstorys&lt;/b&gt; finden Sie &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/5896994/&quot;&gt;&lt;b&gt;hier&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>motorstorys</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T16:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/0806/stories/2602280/">
    <title>Auferstehung des Krötenzüchters</title>
    <link>http://www.datum.at/0806/stories/2602280/</link>
    <description>Der Schluss dieser Geschichte geht so: Am Mittwoch, den 22. September 1926, schreibt Paul Kammerer einen Brief. Ich sehe mich außer Stande, diese Vereitelung meiner Lebensarbeit zu ertragen und hoffentlich werde ich Mut und Kraft aufbringen, meinem verfehlten Leben morgen ein Ende zu bereiten. Die Nachricht schickt er an die Russische Akademie der Wissenschaften, dann reist er ab nach Puchberg am Schneeberg. Viel Gepäck wird er nicht dabeigehabt haben, einen Revolver aber schon. Die Nacht verbringt er im Hotel Zur Rose, am nächsten Vormittag spaziert er in Richtung Himberg. Am Theresienfelsen nimmt er die mitgebrachte Waffe in die rechte Hand, richtet sie eigenartigerweise auf seine linke Kopfseite  und erschießt sich. Er ist 46 Jahre alt geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;304&quot; alt=&quot;117873_imagno&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/117873_imagno.jpg&quot; /&gt;Angefangen hat die Geschichte so: Am 17. August 1880 kommt Paul Kammerer in Wien zur Welt, er hat drei viel ältere Halbbrüder und ein ungewöhnliches Geschick im Umgang mit Tieren. Die elterliche Wohnung verwandelt er bald in ein Terrarium, nach der Schule inskribiert der talentierte Pianist zunächst am Konservatorium um Musiker zu werden. Das lässt er jedoch bald wieder bleiben, er sattelt um auf Zoologie. Schon bald beginnt er mit Tierexperimenten, die weltweites Aufsehen erregen, weil sie eine damals weitgehend offene Frage zu beantworten scheinen: Wie konnten auf der Erde so viele Tier- und Pflanzenarten entstehen? Wie funktioniert die Evolution wirklich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kammerers Antwort: Tiere können sich an ihre Umwelt anpassen. Je nachdem, ob es feucht ist oder trocken, adaptieren sie ihre Eigenschaften. Und: Sie können diese Eigenschaften auch an ihren Nachwuchs weitergeben. Kammerer übertrug seine Idee auf den Menschen. In einem Vortrag meinte er einmal: Indem man Kinder gut erzieht, schenken wir ihnen mehr als kurzen Gewinn ihres eigenen Lebens; ein Extrakt davon geht dorthin, wo der Mensch wahrhaft unsterblich ist  in jene wunderbare Substanz, aus der in ununterbrochener Folge die Enkel und Urenkel entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das klingt nach einer einigermaßen unschuldigen These. Doch Kammerer geriet damit zwischen die Fronten eines mit ungewöhnlicher Härte ausgetragenen Expertenstreites  dessen Nachwehen bis heute zu spüren sind. Detailliert beschrieben hat diese Auseinandersetzungen vor 36 Jahren der Biologe Arthur Köstler in seinem längst vergriffenen Buch Der Krötenküsser  Der Fall des Biologen Paul Kammerer. Kammerer selbst gilt bis heute als Betrüger. Wer seinen Namen googelt, kommt bald auf die Seite NNDB, und hier ist über ihn zu lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gender: Male&lt;br /&gt;
Religion: Atheist&lt;br /&gt;
Ethnicity: White&lt;br /&gt;
Sexual orientation: Straight&lt;br /&gt;
Occupation: Biologist, Hoaxer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat es so hoffnungsvoll angefangen: Mit 22 wird Kammerer von Hans Przibram angeheuert. Der Zoologe hatte kurz zuvor ein insolventes Schauaquarium mit angegliedertem Terrarium erworben und machte sich jetzt daran, es in die nachmals weltbekannte Biologische Versuchsanstalt oder kurz in das Vivarium zu verwandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Finanzkraft ihrer idealistischen Gründer wurde die Anstalt großzügig ausgestattet. Neben den notwendigen Arbeitssälen, Zimmern für die Mitarbeiter und Laboratorien wurden Ställe, Freilandterrarien und Glashäuser, Garten- und Hofparzellen, Temperaturkammern, sechs zementierte Becken sowie ein großes Froschbassin auf dem Areal des Vivarium errichtet. Die neuen Temperaturkammern stellten eine Pionierleistung der Regelungstechnik dar und erlaubten Experimente bei Temperaturen zwischen 5 und 40 Grad Celsius sowie bei regelbarer Luftfeuchtigkeit, schreibt der Wissenschaftshistoriker Wolfgang Reiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kammerer mit seinem goldenen Händchen für die Amphibienzucht kam da gerade recht. Im Vivarium konnte er bald auch mit seinen eigenen Experimenten beginnen: Er holte sich Alpensalamander und Flachlandsalamander ins Haus. Die ersten sind angepasst an ein Leben in kühlen, trockenen Gegenden. Sie bringen pro Wurf zwei große, voll ausgebildete Junge zur Welt. Feuersalamander sind dagegen warmes, feuchtes Klima gewohnt, sie legen zur Fortpflanzung zehn bis 50 kiemenbestückte Quappen ins Wasser. Kammerer verpflanzte nun seine Versuchssalamander ins jeweils falsche Klima, und siehe da: Nach einigen Würfen von nicht lebensfähigen Quappen begannen die ins Trockene versetzten Feuersalamander, zwei voll entwickelte Junge zur Welt zu bringen. Die ins Feuchte versetzten Alpensalamander dagegen begannen, Laich zu produzieren. Was aber noch erstaunlicher war: Der so entstandene Nachwuchs war von Beginn an auf die passende Art der Fortpflanzung orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich seine Versuche mit Salamandern, die er sich aus dem Wienerwald geholt hatte. Die haben eine charakteristische Hautfärbung, nämlich orange Flecken auf schwarzem Grund. Kammerer setzte einige Tiere in pechschwarze Terrarien und konnte beobachten, wie sich die Hautfarbe der neuen Umgebung anpasste. Und wiederum das Erstaunliche: Die Nachkommen dieser Tiere hatten von Anfang an nur wenige orange Farben. Eine Kontrollgruppe ließ Kammerer in einer orangen Umwelt aufwachsen, die dritte Generation war bereits einfärbig orange. Das war schon ziemlich sensationell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kammerer wurde für seine mühsamen Zuchtversuche, die sich im Falle der Farbversuche über immerhin elf Jahre erstreckt hatten, ausgezeichnet. Doch er wurde auch angefeindet. Warum das so sein musste, ergibt ein Blick in die Geschichte der Evolutionstheorien. Der zeigt, dass es ein ewiges Hin und Her gegeben hat, das offenbar zu einer Verhärtung der Fronten führen musste. Kammerers Ideen klangen verdächtig retro, sie erinnerten an das Konzept von Jean-Baptiste de Lamarck. Der hatte um 1800 die Theorie aufgestellt, dass sich Arten auf genau diese Weise weiterentwickeln. Ein Schmied, der durch seine Arbeit besonders dicke Muskeln an den Oberarmen bekommt, vererbe diese an seine Söhne weiter, so der französische Naturforscher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;338&quot; alt=&quot;Feuersalamander&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Feuersalamander.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch zu Kammerers Zeit galt Lamarck längst als überholt; schließlich hatte ein gewisser Charles Darwin eine ganz andere Theorie der Evolution entwickelt: Dass nämlich zufällige Mutationen einzelnen Exemplaren einen Vorteil gegenüber ihren Artgenossen verschaffen; der Mensch muss demnach das Resultat einer endlosen Kette von zufälligen positiv wirkenden Mutationen sein. War Lamarck damit vom Tisch? Nein, denn bald schon brachte ein Mathematiker folgenden Einwand gegen Darwins Ideen vor: Wenn ein mutiertes Wesen sich fortpflanzt, dann wird die positive Mutation gleichsam verdünnt  schließlich wäre es ja extrem unwahrscheinlich, dass sich just zwei Wesen mit der exakt gleichen Mutation treffen und Nachwuchs zeugen. Darwin selbst war angesichts dieses Einwandes verunsichert. Zurück zum Start?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1885 versuchte der deutsche Zoologe August Weissmann eine Entlastungsoffensive. Er stellte fest, dass es Zellen gibt, die völlig unverändert von Umwelteinflüssen für die Fortpflanzung aufgehoben werden. Die Trennlinie zwischen normalen Zellen, die sich den Bedingungen der Umwelt anpassen, und diesen speziell reservierten Zellen heißt bis heute Weissmann-Barriere. Zum Beleg seiner These war Weissmann übrigens nicht zimperlich. Er hielt sich 22 Generationen von Mäusen, jedem einzelnen Tier schnitt er den Schwanz ab  nur um nach dem nächsten Wurf triumphierend festzustellen, dass die neu geborenen Tiere wieder einen langen Schwanz hatten, dass also das erworbene Merkmal nicht zu vererben sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rettung der Darwinisten brachte jedoch die Wiederentdeckung der Arbeiten von Gregor Mendel. Der Abt des Augustinerklosters von Brünn hatte in jahrzehntelangen Versuchen mit Pflanzen nachgewiesen, dass Mutationen nicht zu verdünnen sind. Sie werden vererbt, können jedoch unterdrückt bleiben und erst in späteren Generationen wieder auftauchen. Damit schien der Darwinismus wieder die Oberhand zu gewinnen. Und nun kam Kammerer mit seinen bunten Salamandern. Gregory Bateson, ein britischer Zoologe, war not amused. Bateson war, so schreibt Köstler, ein gescheiterter Lamarckist. Und deshalb verfolgte er jeden, der an seiner Lieblingsidee weiter arbeitete, mit biblischem Zorn. 1923 besuchte er Przibram in Wien, ließ sich das Virvarium zeigen, langweilte sich und begann zu überlegen, ob Kammerer seine Salamander-Experimente nicht gefälscht hatte. Und irgendwie blieb der Vorwurf von Stund an an Kammerer kleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
83 Jahre später sitzt die Pflanzengenetikerin Barbara Hohn in ihrem Labor in Basel und tippt den Namen Lamarck in ihren Computer. Sie drückt auf Enter und schickt damit eine Suchanfrage an PubMed, ein Verzeichnis von sämtlichen wissenschaftlichen Publikationen aus dem Bereich der Biologie und Medizin. Das macht sie deshalb, weil sie wissen will, welche Karriere der Name in letzter Zeit wieder erlebt hat. Sie selbst arbeitet nämlich an geradezu Lamarckschen Versuchen. Vergangenen August berichtete sie im Wissenschaftsblatt nature über ihre Resultate: Im Labor hat sie Pflänzchen namens Ackerschmalwand mit hohen UV-Dosen traktiert. Auf diesen Stress reagierte das Grünzeug mit einer verstärkten Neigung, die vorhandenen Gene zu rekombinieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barbara Hohn hat diese Reaktion mit einer eleganten Methode gemessen: Sie hat ein Reporter-Gen eingebaut, das die Anzahl der Rekombinationen sichtbar macht. Dabei entdeckte sie: Die Nachkommen der gestressten Pflanzen zeigten dieselbe Reaktion auf die Bestrahlung. Und das bis in die fünfte Generation, ohne dass sie selbst jemals mit einer UV-Überdosis traktiert worden wären. Paul Kammerer musste da gröbere Methoden anwenden. Als Nächstes begann er, Geburtshelferkröten zu züchten. Die haben eine für Kröten ungewöhnliche Methode der Fortpflanzung entdeckt: Sie paaren sich an Land. Andere Kröten tun es im Wasser, dazu klemmt sich das Männchen mitunter tagelang auf den Rücken des Weibchens  und entwickelt dabei Brunftschwielen an den vorderen Extremitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geburtshelferkröten fehlen diese Schwielen. Kammerer setzte seine Versuchstiere in sehr warme Terrarien, nur in einer kleinen Lacke konnten sich die Tiere kühlen. Tatsächlich brachte er die Tiere so dazu, sich im Wasser zu paaren. Und in der fünften Generation entwickelten die Männchen charakteristische Brunftschwielen  und das ohne dass sich die Kröte jemals tagelang an ein Weibchen geklammert hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;294&quot; alt=&quot;Kroete&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/0806/static/0806datum/images/Kroete.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kammerer fotografierte diese Schwielen, fertigte Schnitte an und reiste 1923 mit einem Präparat nach Cambridge, wo er sie interessierten Kollegen zeigen wollte. Bateson kam nicht zum Vortrag, er habe sich, schreibt er in einem Brief, den Kammerer-Biograf Köstler aufgestöbert hat, nichts Neues von dem Anblick erwartet.&lt;br /&gt;
Die Reise ist ein Erfolg, die Presse boulevardisiert die Forschung, Kammerer gilt laut New York Times als das größte Genie seit Darwin. Doch Bateson lässt nicht locker. Jetzt fordert er, das Präparat noch einmal zu sehen. Kammerer sagt zu, es nach Großbritannien schicken zu lassen, Przibram lehnt jedoch ab, will dem einzig erhaltenen Beweisstück die lange Reise nach Großbritannien ersparen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt dessen lädt er Bateson ins Vivarium ein. Doch der kommt nie. Zu diesem Zeitpunkt hat Kammerer im Vivarium bereits gekündigt. Das Gehalt, das er dort als Angestellter bekommen hatte, war angesichts der galoppierenden Inflation zu niedrig. Große Teile seiner Sammlungen sind in den Kriegswirren, als die Kühlung nicht mehr funktionierte, zerstört worden. Also schlägt er sich als Autor und Vortragender durch. Da bekommt er von der Russischen Akademie der Wissenschaften das Angebot, in Moskau ein eigenes Institut aufzubauen, gleich beim renommierten Iwan Pawlow, dem mit den sabbernden Hunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im revolutionären Russland waren Lamarcks Ideen hoch im Kurs: Schließlich wurde aus ihnen abgeleitet, dass Erziehung und Kultur einen neuen, besseren russischen Menschen formen würden. (Dass sich nur die Fittesten durchsetzen sollten, gefiel dagegen den Nazis sehr gut.) Kammerer sagt also zu. Er hofft auf die Chance, seine aufwendigen Experimente weiterführen zu können, und beginnt damit, die Übersiedelung nach Moskau zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sagt sich Anfang 1926 ein gewisser Mister Noble an, ein Reptilienkurator aus den USA. Er will die Brunftschwiele sehen. Im Vivarium lässt er sich von Przibram das Präparat des berühmten Krötenbeines vorlegen und entdeckt unter dem Mikroskop schon bei geringer Vergrößerung: Die Schwiele ist eine grobe Fälschung. Wahrscheinlich wurde einfach in ein stinknormales Krötenbein Tusche eingespritzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechs Monate später, im August 1926, veröffentlicht Noble seinen Befund in nature. Kammerer beteuert seine Unschuld. Doch seine Reputation als ernst zu nehmender Wissenschaftler ist vollends und endgültig ruiniert. Arthur Köstler hat 1970 einen Forscher gefunden, der versucht hat, ein Krötenbein auf ähnliche Weise zu manipulieren. Dabei zeigte sich, dass die Tusche schon bald von der Konservierungsflüssigkeit verdünnt wird, das Präparat also noch leichter als Fake zu entlarven ist. Für Köstler ist es damit so gut wie bewiesen: Als Kammerer sein Präparat 1923 in Cambridge herumreichte, war es noch echt. Eine sichtbare Fälschung wäre schon dort aufgefallen  auch dort hatten die Experten ja ein Mikroskop benutzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also muss, so Köstler, das Krötenbein kurz vor Nobles Besuch manipuliert worden sein. War die berühmteste Brunftschwiele der Wissenschaftsgeschichte also doch keine Fälschung? Wie könnte sie auf natürlichem Wege zustande gekommen sein? Hat doch Lamarck Recht und nicht Darwin? Es ist nicht einfach, dazu eine Stellungnahme von Forschern zu bekommen. Es sei sehr schwierig, über Schwächen in Darwins Theorien zu reden. Man wird dann sofort von Leuten vereinnahmt, die am liebsten gleich die gesamte Evolutionstheorie über Bord werfen wollen, sagt ein Wiener Evolutionsbiologe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es gibt Dinge unter der Sonne, die mit dem heutigen Wissen nur schwer zu erklären sind. Vor der Küste Nordamerikas kam es vor15 Jahren zu einer Invasion von Krabben, die sich durch besonders kräftige Scheren auszeichnen. Damit konnten sie nach Belieben die heimischen Muscheln knacken. Kürzlich berichteten amerikanische Forscher im Wissenschaftsblatt Science: Die Muscheln haben sich eine dickere Schale zugelegt, sodass sie wieder zuverlässig vor Feinden geschützt sind. Evolution in fast forward? Oder doch Lamarck?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Basler Pflanzengenetikerin Barbara Hohn hat für ihre Beobachtungen an der Ackerschmalwand eine andere Erklärung. Für sie passen ihre Resultate genau in Darwins Modell vom survival of the fittest. Der UV-induzierte Stress würde die Pflanze anregen, gleichsam genetisches Glücksspiel zu betreiben: Die vorhandenen Gene werden neu kombiniert, damit steigen die Chancen auf eine hilfreiche Mutation. Damit hat die Selektion eine größere Auswahl, sagt  Hohn. Bei Pflanzen fällt es noch relativ leicht, die Vererbung von erworbenen Stressreaktionen nachzuvollziehen. Denn immerhin kann aus fast jeder beliebigen Zelle einer Pflanze Nachwuchs geklont werden. Also auch aus Zellen, die sich in irgendeiner Weise an ihre Umwelt angepasst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kompliziert wird es dagegen bei höheren Tieren. Hier gilt nach wie vor die Weissmannsche Barriere. Auf der einen Seite dieser Demarkationslinie sind die Zellen der Keimbahn, die das Erbe weitergeben. Bei weiblichen Wesen werden früh in der Entwicklung Eizellen gleichsam zur Seite gelegt, sie schlummern völlig isoliert von den Geschehnissen im restlichen Körper vor sich hin. Bei Männchen ist es ähnlich, nur dass hier im Verlauf des Lebens ständig Keimzellen für die Spermien nachproduziert werden. Auf der anderen Seite der Barriere sind die somatischen Zellen, eben jene Zellen, die nicht über diesen exklusiven Schutz vor Veränderung verfügen, die aber dafür die Fähigkeit haben, auf Veränderungen der Umwelt zu reagieren. Wenn also das Erbmaterial der Keimzellen so stabil ist, wie lassen sich dann rasche Adaptionen erklären?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht steckt die Antwort in der Epigenetik. Dabei geht es um die Information, die zusätzlich zur bloßen DNA in den Zellen gespeichert ist. Konkret ist es die Information darüber, welches der weitgehend stabilen Gene gerade aktiv sein soll und welches nicht. Das Forschungsfeld wächst seit einigen Jahren rasant, eine der Fragen lautet, ob es vielleicht irgendeinen Weg gibt, ob und wie epigenetische Informationen von den somatischen Zellen in Zellen der Keimbahn übertragen werden könnten. Vielleicht erweist sich zuletzt: Darwin und Lamarck hatten beide auf ihre Weise Recht.&lt;br /&gt;
Hans Przibram glaubte bis zuletzt, dass Kammerer seine Brunftschwiele nicht gefälscht hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biograf Köstler schreibt: Przibram habe den Verdacht gehegt, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Vivariums die offensichtliche Manipulation begangen hatte, um Kammerer zu schaden. Przibram habe diesen Verdacht jedoch aus Mangel an Beweisen nie an die Öffentlichkeit gebracht. Epilog zu Hans Przibram: Sein weltberühmtes Vivarium wurde im Zuge des Anschlusses 1938 geschlossen, er selbst im Jahre 1944 im Alter von 70 Jahren im KZ Theresienstadt wegen seiner Jüdischen Abstammung ermordet. Das Gebäude des Vivariums wurde von den Russen zerbombt, die Ruine von der Akademie der Wissenschaften verkauft. Heute erinnert nur noch die Vivariumstraße im zweiten Wiener Bezirk an das Gebäude, das einst am Beginn der Prater-Hauptallee gestanden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kammerer selbst meinte Zeit seines Lebens, seine Krötenzucht sei gar nicht so besonders gut geeignet, die Vererbung von erworbenen Merkmalen zu belegen  er verwies auf andere Experimente: seine Salamander-Versuche und Versuche mit Seescheiden. Die Authentizität dieser Arbeiten war nie ernsthaft in Zweifel gezogen worden. Dennoch muss Kammerer sein Scheitern klar gewesen sein: Seine Sammlung war durch Kriegs- und Nachkriegswirren zerstört, sein Ruf als Forscher sowieso. Er hätte Jahrzehnte gebraucht, um Forschungen zu wiederholen, deren Resultat ihm  so oder so  ohnehin schon bekannt war. Und dann war da noch die Affäre mit einer Wiener Künstlerin, die sich angeblich weigerte, mit nach Moskau zu übersiedeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 20. September trifft er noch eifrig Reisevorbereitungen für die Übersiedelung nach Moskau. Doch dann entscheidet er sich anders: Am Mittwoch, den 22. September 1926, schreibt Paul Kammerer einen Brief. Ich sehe mich außer Stande, diese Vereitelung meiner Lebensarbeit zu ertragen und hoffentlich werde ich Mut und Kraft aufbringen, meinem verfehlten Leben morgen ein Ende zu bereiten. Die Nachricht schickt er an die Russische Akademie der Wissenschaften, dann reist er ab nach Puchberg am Schneeberg. Viel Gepäck wird er nicht dabeigehabt haben, einen Revolver aber schon. Die Nacht verbringt er im Hotel Zur Rose, am nächsten Vormittag spaziert er in Richtung Himberg. Am Theresienfelsen nimmt er die mitgebrachte Waffe in die rechte Hand, richtet sie eigenartigerweise auf seine linke Kopfseite  und erschießt sich. Er ist 46 Jahre alt geworden.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-30T16:03:00Z</dc:date>
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