Musik aus Österreich
Tribut für Robert Wyatt

von Gerhard Stöger
In kommerzieller Hinsicht ist Robert Wyatt nicht mehr als eine winzige Fußnote im dicken Buch der One-Hit-Wonder, wobei „Hit“ in diesem Fall fast zu dick aufgetragen ist: Seine Coverversion des Neil-Diamond-Haderns „I’m A Believer“ kratzte 1974 gerade einmal an den britischen Top 25, und das war’s dann auch schon wieder mit Wyatts Auftritten in den internationalen Verkaufsbestenlisten. In künstlerischer Hinsicht aber ist dieser Ausnahmesänger und Multiinstrumentalist, der im Rollstuhl sitzt, seit er in den frühen Siebzigern eine Party stark alkoholisiert über die Regenrinne verlassen wollte, nicht weniger als ein hell leuchtender eigener Planet, der seit rund vier Dekaden durch eine Zwischenwelt aus anspruchsvollem Pop und menschenfreundlichem Jazz geistert und dabei einige der schönsten Stücke Musik produzierte, die man für Geld auf Tonträger kaufen kann.
Damit ist der zurückgezogen in der britischen Provinz lebende Musiker zwar in all den Jahren ein Geheimtipp geblieben, alleine in Österreich existieren aber zweieinhalb dezidierte Tribute-Alben für ihn. 1992 veröffentlichten The More Extended Versions um den Wiener Wyatt-Fan Christof Kurzmann mit „Dedicated To You, But You Weren’t Listening. The Music Of Robert Wyatt“ eine leider längst vergriffene Sammlung von elf Wyatt-Interpretationen, die damals zu Recht einiges an Aufsehen erregte. Noch erhältlich ist die ein gutes Jahr später veröffentlichte CD „Round About Wyatt“, die The More Extended Versions in Kooperation mit der Hamburger Band Cpt. Kirk & beim deutschen Label What’s So Funny About herausbrachten.
Mit dem Jazzalbum „Market Rasen“ ist soeben eine weitere Musik gewordene Verbeugung vor dem Künstler erschienen, der Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger bei den Progressive-Rock-Bands Soft Machine und Matching Mole sang und Schlagzeug spielte, seitdem alle fünf, sechs Jahre als Solokünstler in Erscheinung tritt und zwischendurch immer wieder einmal für Kooperationen und Gastauftritte zu haben ist – zuletzt tauchte Wyatt etwa auf Björks Körperklangalbum „Medulla“ und dem aktuellen Solowerk des Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour auf.
„Market Rasen“ entstand als Kooperation des international renommierten oberösterreichischen Saxofonisten und Klarinettisten Max Nagl mit Clemens Wenger (Synthesizer) und Herbert Pirker (Schlagzeug), zwei jungen Musikern aus dem Kreativpool der Wiener Jazzwerkstatt. Initiiert wurde das Projekt von Klaus Nüchtern, dem Kulturchef der Wiener Stadtzeitung Falter, der „Market Rasen“ als großer Wyatt-Fan auch gleich selbst auf seinem eigenen Label Handsemmel Records herausbringt.
Rein instrumental gehalten, fehlen mit den poetisch-politischen Texten und Wyatts schier schwebendem, in seiner Sanftheit ungemein markantem Gesang die charakteristischsten Elemente der Originale, wobei das um einige Eigenkompositionen Nagls ergänzte Album gerade durch diese produktiv genutzte Distanz überzeugt.
Wyatts Songs werden hier nicht einfach nur nachgespielt und gefällig verjazzt, sie nehmen durch die respektvolle, aber doch freie Deutung vielmehr eine neue Form an – ohne das Ausgangsmaterial je gänzlich aus den Augen zu verlieren.
Nagl selbst wurde übrigens erst durch dieses Projekt zum Wyatt-Kenner. Ob er sich dessen Platten inzwischen nachgekauft hat? „Ich habe sie für die Arbeit an ‚Market Rasen‘ vom Vertrieb bekommen und nehme an, dass sie jetzt mir gehören. Ich habe zumindest nicht gefragt, ob ich sie zurückgeben muss – ich würde es nicht tun.“
Bisher erschienene Kolumnen von Gerhard Stöger finden Sie hier.
Damit ist der zurückgezogen in der britischen Provinz lebende Musiker zwar in all den Jahren ein Geheimtipp geblieben, alleine in Österreich existieren aber zweieinhalb dezidierte Tribute-Alben für ihn. 1992 veröffentlichten The More Extended Versions um den Wiener Wyatt-Fan Christof Kurzmann mit „Dedicated To You, But You Weren’t Listening. The Music Of Robert Wyatt“ eine leider längst vergriffene Sammlung von elf Wyatt-Interpretationen, die damals zu Recht einiges an Aufsehen erregte. Noch erhältlich ist die ein gutes Jahr später veröffentlichte CD „Round About Wyatt“, die The More Extended Versions in Kooperation mit der Hamburger Band Cpt. Kirk & beim deutschen Label What’s So Funny About herausbrachten.
Mit dem Jazzalbum „Market Rasen“ ist soeben eine weitere Musik gewordene Verbeugung vor dem Künstler erschienen, der Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger bei den Progressive-Rock-Bands Soft Machine und Matching Mole sang und Schlagzeug spielte, seitdem alle fünf, sechs Jahre als Solokünstler in Erscheinung tritt und zwischendurch immer wieder einmal für Kooperationen und Gastauftritte zu haben ist – zuletzt tauchte Wyatt etwa auf Björks Körperklangalbum „Medulla“ und dem aktuellen Solowerk des Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour auf.
„Market Rasen“ entstand als Kooperation des international renommierten oberösterreichischen Saxofonisten und Klarinettisten Max Nagl mit Clemens Wenger (Synthesizer) und Herbert Pirker (Schlagzeug), zwei jungen Musikern aus dem Kreativpool der Wiener Jazzwerkstatt. Initiiert wurde das Projekt von Klaus Nüchtern, dem Kulturchef der Wiener Stadtzeitung Falter, der „Market Rasen“ als großer Wyatt-Fan auch gleich selbst auf seinem eigenen Label Handsemmel Records herausbringt.
Rein instrumental gehalten, fehlen mit den poetisch-politischen Texten und Wyatts schier schwebendem, in seiner Sanftheit ungemein markantem Gesang die charakteristischsten Elemente der Originale, wobei das um einige Eigenkompositionen Nagls ergänzte Album gerade durch diese produktiv genutzte Distanz überzeugt.
Wyatts Songs werden hier nicht einfach nur nachgespielt und gefällig verjazzt, sie nehmen durch die respektvolle, aber doch freie Deutung vielmehr eine neue Form an – ohne das Ausgangsmaterial je gänzlich aus den Augen zu verlieren.
Nagl selbst wurde übrigens erst durch dieses Projekt zum Wyatt-Kenner. Ob er sich dessen Platten inzwischen nachgekauft hat? „Ich habe sie für die Arbeit an ‚Market Rasen‘ vom Vertrieb bekommen und nehme an, dass sie jetzt mir gehören. Ich habe zumindest nicht gefragt, ob ich sie zurückgeben muss – ich würde es nicht tun.“
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