Leserbriefe
Post: DATUM, c/o VFQÖ – Verein zur Förderung des Qualitätsjournalismus in Österreich, Ungargasse 28/2/Hof, 1030 Wien. E-Mail: office@datum.at. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe im Bedarfsfall zu kürzen.
dichand und schaum
Zum Hans-Dichand-Porträt In a sentimental mood(Ausgabe 6–7/06, Seite 20): Wenn Hans Dichand dereinst sterben wird (wird er das irgendwann?) und sich die professionellen Schreiberlinge dieses Landes über einen Nachruf den Kopf zerbrechen, wird Ihre Geschichte wohl das Maß aller Dinge bilden. In hohem Maße angenehm, einmal ein Dichand-Porträt ohne Schaum vorm Mund und ohne jegliche Polemik (zu der es weiß Gott Grund gäbe, aber um das geht es eben nicht) zu lesen.
Nüchtern, sachlich, analytisch – Qualitäten, die DATUM immer schon ausgezeichnet haben, sind hier buchstäblich umgesetzt. Und als Nächstes würde ich mich über ein Interview mit dem anderen wahren Kaiser Österreichs freuen: Raiffeisen-Boss Christian Konrad.
Harald Wiesenberger, per E-Mail
linke und rechte
Zu Freier Radikaler (Porträt des Linksextremisten Willi Langthaler, Ausgabe 6–7/06, Seite 30): Links-rechte Querfront? Ist es rechts, wenn man den israelischen Aggressionskrieg gegen das libanesische Volk attackiert? Das wird nur all zu gerne aus der Tatsache abgeleitet, dass es aus dem österreichischen Polit-Establishment nur Jörg Haider & Co. sind, die es wagen, Israel zu kritisieren. Angebracht ist jedoch der genau umgekehrte Schluss: Eine Linke, die ihren Mund angesichts der systematischen Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser nicht aufbekommt, kann nicht mehr als links bezeichnet werden.
Die Unterschiede zwischen der historischen Rechten und Linken verschwimmen, denn in einem sind sie sich alle einig: Das kapitalistische Weltsystem unter der Herrschaft der USA muss aufrecht bleiben. Unser Ruf ergeht an alle Menschen, an das gesamte politische Spektrum, sich gegen das American Empire zur Wehr zu setzen. Dabei arbeiten wir mit allen zusammen, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen, insbesondere für die Milliarden Entrechteten in der Dritten Welt, eintreten – Werte, die im Übrigen die Wurzel der Linken bilden. Mit ewiggestrigen Spinnern, die sich statt des US-Reiches wieder ein deutsches Reich zurückwünschen, haben wir indes nichts zu tun. Wir nennen uns Antiimperialisten, weil wir gegen jedes Imperium sind.
Willi Langthaler, per E-Mail
burgenland und bordelle
Die im Artikel beschriebene harte Arbeit, die sich stetig verschärfende Konkurrenz und das Preisdumping verleiten Leserinnen und Leser des Artikels fast dazu, ein wenig Mitleid mit allen Bordellbetreibenden draußen in der rauen Welt des Burgendlands zu haben. Das aufkommende Mitleid wird durchwegs von einer Welle der Sympathie für Bordellbetreibende als ganz normale Nachbarn getragen.
Die wachsende Sympathie, gepaart mit einer schier unglaublichen und verwunderlichen Offenheit unter der burgenländischen Einwohnerschaft, kann aber auch nicht die Frage des plötzlichen Bordellbooms im Burgenland klären. Ein kurzer Blick abseits der amüsierenden und durch das Verbotene noch faszinierenderen Anekdoten hätte dem Artikel wahrscheinlich nicht geschadet.
Die Nennung des Vereins LEFÖ zeigt, dass sich dieser Artikel nicht unbedingt klar von der in Österreich bestehenden erhöhten und oftmals fragwürdigen Medienpräsenz des Themas Menschenhandel abgrenzen wollte. LEFÖ betreibt die in Österreich einzige bestehende Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel, in der im Jahr 2005 insgesamt 151 Opfer des Frauenhandels betreut wurden. Eine legistische Grauzone in diesem Bereich birgt nicht nur die Gefahr eines Missbrauchs, sondern führt ohne Umschweife zu Missbrauch. Die in Österreich am häufigsten vorkommende Form des Menschenhandels ist der Frauenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung.
Konkrete Zahlen über die Opfer sind schwer zu nennen. Allein die Schätzungen zeigen aber, dass nicht jede Frau freiwillig in einem Bordell arbeitet. Ein Großteil der Frauen wird auf brutalste Art und Weise verkauft, ausgebeutet, vergewaltigt und zu dieser Arbeit gezwungen. Rechte, die jede Frau besitzt, werden verletzt und gebrochen. Frauenhandel ist kein Phänomen, das in irgendwelchen weit entfernten Ländern auftritt, sondern kommt im unterschiedlichen Ausmaß ebenso in Österreich vor.
Im organisierten Verbrechen ist Menschenhandel nach Waffenschmuggel und Drogenhandel inzwischen die drittgrößte Einnahmequelle. Artikel wie dieser wären eine gute Chance, um abseits der Alltagsgeschichten über die Bordellbetreibenden auch Bewusstsein für Frauenhandel und dessen Opfer zu schaffen.
Julia Planitzer, per E-Mail
besser und besser
Meinen letzten Leserbrief habe ich, glaube ich, zum einjährigen DATUM-Jubiläum verfasst. Sinngemäß habe ich damals gratuliert und mich für das bislang beste DATUM aller Zeiten bedankt. Ein Jahr später komme ich nicht umhin, dasselbe zu tun. Was nicht weniger heißt als: DATUM wird immer besser. Und mich dazu zwingt (denn die Lektüre von DATUM ist meines Erachtens eine zwingende geworden), die logische Konsequenz zu ziehen. Ich bestelle hiermit ein Abo. Denn ich möchte keine Ausgabe mehr versäumen.
Thomas Weber, 1140 Wien
alzheimer und rechte
Zu DATUM Wissenswelten: Alzheimer – geistig tot!? Dem muss ich widersprechen. Wir haben nur verlernt, eine der einfachsten Form der Kommunikation zu verstehen und zu betreiben: die Berührung! Die Wertschätzung des Menschen an sich. In welcher Wirklichkeit der Betroffene jahrelang lebt, ist für uns nicht leicht ersichtlich. Es zeigt auch nicht von Suizidgedanken, wenn jemand zu essen oder zu trinken aufhört.
Das Vergessen im Vergessen ist die Ursache. Lachen, weinen, zornig sein, Unlust zu verspüren, wer kennt das nicht? Doch bei Demenzerkrankten spricht man vom Selbstverlust. Stehen ihm Gefühle nicht zu? Wir zeigen unseren Zorn oft nur in Intrigen verpackt, der Abbaugeschädigte pur, ohne Verschnörkelungen und Verkrampfungen. Deshalb tun sie uns weh. Weh in der Seele und manchmal auch körperlich. Oft umspielt ein seliges Lächeln das Gesicht, lässt es erblühen einer Herbstrose gleich, das sind die wahren Momente, die mich in und an meiner Arbeit nicht zweifeln lassen.
Von einer zwanghaften Lebensverlängerung kann man nicht sprechen, es tut mir Leid, aber hier wird es einem leicht gemacht. Wie passt denn Selbstverlust zu Selbstbestimmung? Wie kann ich etwas für mich bestimmen, wenn ich mich doch schon selbst verloren habe?
Möchten sie entscheiden, wann es für einen alten Menschen genug ist?! Das steht uns nicht zu!!! Dass Angehörige oft in dieser Situation überfordert sind, weiß ich, denn eine Betreuung über 24 Stunden hindurch ist unerlässlich. Es gibt aber genug Anlaufstellen und auch außerinstitutionelle Gruppierungen, die mit Rat und Tat helfen. Die Scheu der Betreuer macht das Problem. Sagen zu müssen, ICH kann nicht mehr!
Das schmerzt in der Seele, ist aber ehrlicher und psychisch gesünder. Wir sind alle nur Menschen und haben unsere Grenzen. Mir als Professionistin geht es auch nicht besser. Nur im Rahmen eines Teams bespricht man sich eben und lässt die Betreuung einem anderen über. Es hilft, Abstand zu gewinnen und sich psychisch zu entlasten und wieder seine eigenen Batterien aufzuladen. Von Abschiebung zu sprechen, Schuldzuweisungen im Unvermächtnis, da der Punkt der körperlichen als auch psychischen Grenze erreicht ist, sollte man tunlichst unterlassen. Es hilft dem Kranken als auch dem Betreuer nicht weiter.
Der Demente geht in der Zeit retour, in jene Tage, in denen er für sich am besten gelebt hat. Meistens sprach er darüber nicht, daher ist es sehr schwierig, in seine Ebene hinab- (oder sogar hinauf)zugleiten. Dass dabei Leichen im Keller entblößt und verarbeitet werden müssen, ist vielen nicht bekannt. Die Generation der Nachkriegs- und Besatzungszeit hatte keine Zeit für Traumaarbeit, es musste doch wieder aufgebaut werden. Das half über vieles hinweg, verschüttete die Seelenpein.
Heute ist er während des Abbaus, der seelischen Stürme der Vergangenheit, die ihm zur Gegenwart wird, schutzlos ausgeliefert. Daher ist sehr viel Angst hinter den gesetzten Aggressionen, die wir nicht verstehen können. Es ist daher unerlässlich für jeden, der mit dementen Menschen arbeitet, Biografien zu erstellen, erforschen, erfragen. Dann wird manches leichter greifbar und die Akzeptanz der Wut, der Not, der Angst ertragbar. Man kann sich dann auch die Biografie bei der Betreuung zunutze machen.
Christine Genc, 1150 Wien
motorstorys und dank
Es geht nicht an, dass ich auf dieser Ihrer Leserbriefseite nur äußerst selten etwas zu den Motorstorys lese. Also, bitteschön: Als ich ich DATUM irgendwann vor eineinhalb Jahren das erste Mal in die Hand bekam, war ich noch skeptisch. Was haben Autogeschichten in einem Qualitätsblatt verloren? Nach der zwanzigsten hervorragenden Geschichte haben Sie mich nunmehr nicht nur überzeugt: Heute wundere ich mich sogar über die schlechten Autoextras im profil. Danke!
Zum Hans-Dichand-Porträt In a sentimental mood(Ausgabe 6–7/06, Seite 20): Wenn Hans Dichand dereinst sterben wird (wird er das irgendwann?) und sich die professionellen Schreiberlinge dieses Landes über einen Nachruf den Kopf zerbrechen, wird Ihre Geschichte wohl das Maß aller Dinge bilden. In hohem Maße angenehm, einmal ein Dichand-Porträt ohne Schaum vorm Mund und ohne jegliche Polemik (zu der es weiß Gott Grund gäbe, aber um das geht es eben nicht) zu lesen.
Nüchtern, sachlich, analytisch – Qualitäten, die DATUM immer schon ausgezeichnet haben, sind hier buchstäblich umgesetzt. Und als Nächstes würde ich mich über ein Interview mit dem anderen wahren Kaiser Österreichs freuen: Raiffeisen-Boss Christian Konrad.
Harald Wiesenberger, per E-Mail
linke und rechte
Zu Freier Radikaler (Porträt des Linksextremisten Willi Langthaler, Ausgabe 6–7/06, Seite 30): Links-rechte Querfront? Ist es rechts, wenn man den israelischen Aggressionskrieg gegen das libanesische Volk attackiert? Das wird nur all zu gerne aus der Tatsache abgeleitet, dass es aus dem österreichischen Polit-Establishment nur Jörg Haider & Co. sind, die es wagen, Israel zu kritisieren. Angebracht ist jedoch der genau umgekehrte Schluss: Eine Linke, die ihren Mund angesichts der systematischen Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser nicht aufbekommt, kann nicht mehr als links bezeichnet werden.
Die Unterschiede zwischen der historischen Rechten und Linken verschwimmen, denn in einem sind sie sich alle einig: Das kapitalistische Weltsystem unter der Herrschaft der USA muss aufrecht bleiben. Unser Ruf ergeht an alle Menschen, an das gesamte politische Spektrum, sich gegen das American Empire zur Wehr zu setzen. Dabei arbeiten wir mit allen zusammen, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen, insbesondere für die Milliarden Entrechteten in der Dritten Welt, eintreten – Werte, die im Übrigen die Wurzel der Linken bilden. Mit ewiggestrigen Spinnern, die sich statt des US-Reiches wieder ein deutsches Reich zurückwünschen, haben wir indes nichts zu tun. Wir nennen uns Antiimperialisten, weil wir gegen jedes Imperium sind.
Willi Langthaler, per E-Mail
burgenland und bordelle
Die im Artikel beschriebene harte Arbeit, die sich stetig verschärfende Konkurrenz und das Preisdumping verleiten Leserinnen und Leser des Artikels fast dazu, ein wenig Mitleid mit allen Bordellbetreibenden draußen in der rauen Welt des Burgendlands zu haben. Das aufkommende Mitleid wird durchwegs von einer Welle der Sympathie für Bordellbetreibende als ganz normale Nachbarn getragen.
Die wachsende Sympathie, gepaart mit einer schier unglaublichen und verwunderlichen Offenheit unter der burgenländischen Einwohnerschaft, kann aber auch nicht die Frage des plötzlichen Bordellbooms im Burgenland klären. Ein kurzer Blick abseits der amüsierenden und durch das Verbotene noch faszinierenderen Anekdoten hätte dem Artikel wahrscheinlich nicht geschadet.
Die Nennung des Vereins LEFÖ zeigt, dass sich dieser Artikel nicht unbedingt klar von der in Österreich bestehenden erhöhten und oftmals fragwürdigen Medienpräsenz des Themas Menschenhandel abgrenzen wollte. LEFÖ betreibt die in Österreich einzige bestehende Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel, in der im Jahr 2005 insgesamt 151 Opfer des Frauenhandels betreut wurden. Eine legistische Grauzone in diesem Bereich birgt nicht nur die Gefahr eines Missbrauchs, sondern führt ohne Umschweife zu Missbrauch. Die in Österreich am häufigsten vorkommende Form des Menschenhandels ist der Frauenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung.
Konkrete Zahlen über die Opfer sind schwer zu nennen. Allein die Schätzungen zeigen aber, dass nicht jede Frau freiwillig in einem Bordell arbeitet. Ein Großteil der Frauen wird auf brutalste Art und Weise verkauft, ausgebeutet, vergewaltigt und zu dieser Arbeit gezwungen. Rechte, die jede Frau besitzt, werden verletzt und gebrochen. Frauenhandel ist kein Phänomen, das in irgendwelchen weit entfernten Ländern auftritt, sondern kommt im unterschiedlichen Ausmaß ebenso in Österreich vor.
Im organisierten Verbrechen ist Menschenhandel nach Waffenschmuggel und Drogenhandel inzwischen die drittgrößte Einnahmequelle. Artikel wie dieser wären eine gute Chance, um abseits der Alltagsgeschichten über die Bordellbetreibenden auch Bewusstsein für Frauenhandel und dessen Opfer zu schaffen.
Julia Planitzer, per E-Mail
besser und besser
Meinen letzten Leserbrief habe ich, glaube ich, zum einjährigen DATUM-Jubiläum verfasst. Sinngemäß habe ich damals gratuliert und mich für das bislang beste DATUM aller Zeiten bedankt. Ein Jahr später komme ich nicht umhin, dasselbe zu tun. Was nicht weniger heißt als: DATUM wird immer besser. Und mich dazu zwingt (denn die Lektüre von DATUM ist meines Erachtens eine zwingende geworden), die logische Konsequenz zu ziehen. Ich bestelle hiermit ein Abo. Denn ich möchte keine Ausgabe mehr versäumen.
Thomas Weber, 1140 Wien
alzheimer und rechte
Zu DATUM Wissenswelten: Alzheimer – geistig tot!? Dem muss ich widersprechen. Wir haben nur verlernt, eine der einfachsten Form der Kommunikation zu verstehen und zu betreiben: die Berührung! Die Wertschätzung des Menschen an sich. In welcher Wirklichkeit der Betroffene jahrelang lebt, ist für uns nicht leicht ersichtlich. Es zeigt auch nicht von Suizidgedanken, wenn jemand zu essen oder zu trinken aufhört.
Das Vergessen im Vergessen ist die Ursache. Lachen, weinen, zornig sein, Unlust zu verspüren, wer kennt das nicht? Doch bei Demenzerkrankten spricht man vom Selbstverlust. Stehen ihm Gefühle nicht zu? Wir zeigen unseren Zorn oft nur in Intrigen verpackt, der Abbaugeschädigte pur, ohne Verschnörkelungen und Verkrampfungen. Deshalb tun sie uns weh. Weh in der Seele und manchmal auch körperlich. Oft umspielt ein seliges Lächeln das Gesicht, lässt es erblühen einer Herbstrose gleich, das sind die wahren Momente, die mich in und an meiner Arbeit nicht zweifeln lassen.
Von einer zwanghaften Lebensverlängerung kann man nicht sprechen, es tut mir Leid, aber hier wird es einem leicht gemacht. Wie passt denn Selbstverlust zu Selbstbestimmung? Wie kann ich etwas für mich bestimmen, wenn ich mich doch schon selbst verloren habe?
Möchten sie entscheiden, wann es für einen alten Menschen genug ist?! Das steht uns nicht zu!!! Dass Angehörige oft in dieser Situation überfordert sind, weiß ich, denn eine Betreuung über 24 Stunden hindurch ist unerlässlich. Es gibt aber genug Anlaufstellen und auch außerinstitutionelle Gruppierungen, die mit Rat und Tat helfen. Die Scheu der Betreuer macht das Problem. Sagen zu müssen, ICH kann nicht mehr!
Das schmerzt in der Seele, ist aber ehrlicher und psychisch gesünder. Wir sind alle nur Menschen und haben unsere Grenzen. Mir als Professionistin geht es auch nicht besser. Nur im Rahmen eines Teams bespricht man sich eben und lässt die Betreuung einem anderen über. Es hilft, Abstand zu gewinnen und sich psychisch zu entlasten und wieder seine eigenen Batterien aufzuladen. Von Abschiebung zu sprechen, Schuldzuweisungen im Unvermächtnis, da der Punkt der körperlichen als auch psychischen Grenze erreicht ist, sollte man tunlichst unterlassen. Es hilft dem Kranken als auch dem Betreuer nicht weiter.
Der Demente geht in der Zeit retour, in jene Tage, in denen er für sich am besten gelebt hat. Meistens sprach er darüber nicht, daher ist es sehr schwierig, in seine Ebene hinab- (oder sogar hinauf)zugleiten. Dass dabei Leichen im Keller entblößt und verarbeitet werden müssen, ist vielen nicht bekannt. Die Generation der Nachkriegs- und Besatzungszeit hatte keine Zeit für Traumaarbeit, es musste doch wieder aufgebaut werden. Das half über vieles hinweg, verschüttete die Seelenpein.
Heute ist er während des Abbaus, der seelischen Stürme der Vergangenheit, die ihm zur Gegenwart wird, schutzlos ausgeliefert. Daher ist sehr viel Angst hinter den gesetzten Aggressionen, die wir nicht verstehen können. Es ist daher unerlässlich für jeden, der mit dementen Menschen arbeitet, Biografien zu erstellen, erforschen, erfragen. Dann wird manches leichter greifbar und die Akzeptanz der Wut, der Not, der Angst ertragbar. Man kann sich dann auch die Biografie bei der Betreuung zunutze machen.
Christine Genc, 1150 Wien
motorstorys und dank
Es geht nicht an, dass ich auf dieser Ihrer Leserbriefseite nur äußerst selten etwas zu den Motorstorys lese. Also, bitteschön: Als ich ich DATUM irgendwann vor eineinhalb Jahren das erste Mal in die Hand bekam, war ich noch skeptisch. Was haben Autogeschichten in einem Qualitätsblatt verloren? Nach der zwanzigsten hervorragenden Geschichte haben Sie mich nunmehr nicht nur überzeugt: Heute wundere ich mich sogar über die schlechten Autoextras im profil. Danke!
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