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Letzte Fragen an… Thomas Hofer

Spin-Doktoren-Forscher

Interview: Klaus Stimeder
„Authentisch sein kann man trainieren“

Thomas HoferThomas Hofer (32) ist seit einem Jahr als Politikberater für Kovar&Köppl in der Wiener Innenstadt tätig. Jüngst erschien sein neues Buch „Spin Doktoren in Österreich. Die Praxis amerikanischer Wahlkampfberater. Was sie können, wen sie beraten, wie sie arbeiten“ (LIT Verlag, 264 Seiten, 25,60 Euro), in dem der gebürtige Judenburger die Rolle von US-Spindoktoren in den hiesigen Wahlkämpfen erforschte. Zuvor arbeitete der Magister der Kommunikationswissenschaften sieben Jahre lang als Innenpolitikredakteur bei profil und als Buchautor („Gottes rechte Kirche“, „Abgesetzt von Schönborn“,Ueberreuter). In den Jahren 2003 und 2004 machte Hofer seinen Master-Abschluss an der Graduate School of Political Management in Washington, DC.

Infos zum Buch unter www.spindoc.info


In Ihrem neuen Buch sagt ein US-amerikanischer Wahlkampfberater, der am letzten SPÖ-Nationalratswahlkampf mitgearbeitet hat, dass Alfred Gusenbauer verloren habe, „weil gescheit sein allein der Politik nichts bringt“ und Gusenbauer im Übrigen beratungsresistent sei. Die heutige SPÖ-Führung reagierte auf die Aussagen entrüstet. Scheitern Spindoktoren in Österreich an den Politikern?

Sie scheitern an den Parteiapparaten. Die Amerikaner sind es gewöhnt, dass ein Kandidaten anschafft und sonst keiner. Mit einem Herrn Nürnberger oder anderen mächtigen Parteileuten rechnen sie nicht. Und wenn die etwas gegen ihre Strategie haben, dann scheitern sie. In Amerika sind die Parteien Fundraising-Operationen und sonst nichts. In Österreich scheitern sie aber auch an einzelnen Politikern – wie Gusenbauer.

Auch Wolfgang Schüssel gilt mitunter als beratungsresistent. Warum ist der Bundeskanzler damit relativ erfolgreich?

Weil Schüssel weitgehend auf die Partei pfeift und einen Parteimanager hat, den er in Amerika Wahlkämpfe hat anschauen lassen. Schüssel interessiert sich selbst irrsinnig für Wahlkämpfe.

Wir haben gerade die ORF-Sommergespräche hinter uns. Inwiefern war bei diesen Gesprächen zu bemerken, was Spindoktorei war und was nicht?

Armin Wolf hat sich merklich selbst mit dem Thema Inszenierung in der Politik beschäftigt und versucht, die Politiker mit ihren eigenen Waffen zu schlagen – die Flasche Wein für Gusenbauer, das Taferl für Haider, die Frage nach der Abfertigung und der „richtigen Sau“ für Schüssel. Allerdings hat man bei jedem Gespräch gemerkt – Alexander Van der Bellen ausgenommen –, dass die Politiker den Fragen mehr oder weniger geschickt ausgewichen sind. Man darf sich aber keinen Illusionen hingeben. Van der Bellen hat auch seine Spindoktoren.

Welche Politiker haben derzeit einen Spindoktor am nötigsten und warum?

Jörg Haider. Der wäre am liebsten in Opposition und hätte einen Spindoktor bitter nötig. Er braucht eine Positionierung, ein Thema für die nächsten Wahlen. Beides hat er bislang nicht. Und Elisabeth Gehrer, die von einem Schlamassel in den nächsten gerät. Immer nur zu sagen: „Wir werden das Loch schon irgendwie abdichten, das entstanden ist“, das kann’s nicht sein.

Sie kennen beide Seiten, haben als Journalist gearbeitet und sind jetzt als Politikberater tätig. Was sagen Sie ihren Klienten?

Meine These lautet: Authentisch sein kann man trainieren. Das ist ein Widerspruch, aber das ist die Aufgabe eines guten Spindoktors: dass man dem Kandidaten hilft, dass er gescheit rüberkommt.

Inwieweit beeinflussen Spindoktoren auch die Sachpolitik?

Sie können sie beeinflussen, weil sie entscheiden, welche Botschaften kommuniziert werden und welche nicht. Eines der wichtigsten Werkzeuge eines Spindoktoren ist die ausgefeilte Umfragentechnik. Wenn man draufkommt, dass dieses oder jenes Thema zieht und Resonanz findet, dann wird dieses Thema auch in die Politik eingebracht. Weil man nur mehr auf Themen setzt, die etwas bringen. Insofern bestimmen sie absolut die Agenda.

Wird die Bedeutung der Spindoktoren eher zunehmen oder zurückgehen?

Ihre Rolle wird immer wichtiger – denken Sie an Josef Kalina oder Reinhold Lopatka. Je mehr Geld in die Wahlkämpfe investiert wird, desto professioneller werden sie. Von denen, die es gut machen, gibt es derzeit aber nur zwei: die Bundes-ÖVP und die Wiener SPÖ.



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