Ortsbeschau

Haus der Industrie, 14.9.2005: Wer glaubt, der wächst
Stefan Apfl
Die Darmstädter haben eines, die Kommunisten sowieso, die Feministinnen erst recht, und die Christen nennen es nur anders. Die Industriellen sind zu lange ohne ausgekommen. Das ist vorbei. In Zusammenarbeit mit vier internationalen Partnerverbänden hat die Österreichische Industriellenvereinigung (IV) eines verfasst. Gemeinsam präsentieren sie es heute: das Zentral- und Osteuropäische Industriemanifest.
Eine Hand voll Journalisten samt Fotografen ist in das „Haus der Industrie“ am Wiener Schwarzenbergplatz gekommen. Von der Straße dringt Verkehrslärm herein. Der Arthur-Krupp-Saal ist ein hoher Raum. Weit oben hängen zwei schwere Luster. Auf dem hellbraunen Teppichboden fußt ein massiver, fünf Meter langer Holztisch. Das 31 Seiten starke Grundsatzpapier liegt in mehrfacher Übersetzung, Hochglanz gedruckt, auf. Es enthält fünf Kapitel: Wachstums- und Beschäftigungsstrategie, EU-Budget 2007–2013, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Binnenmarkt für Dienstleistungen und Infrastruktur. Präambel und Conclusio inklusive. „Heute ist ein sehr wichtiger Moment für uns alle“, sagt Veit Sorger, IV-Präsident, auf Englisch. Er hat grauweißes Haar und trägt ganz vorn auf der Nase eine Lesebrille. Seine Bewegungen sind gesetzt, sein Blick ist verbindlich. „Gemeinsam wollen wir Herz und Motor von Europa sein“, sagt Sorger.
In der Präambel verständigen sich die fünf Partner auf Wirtschaftswachstum als essenzielle Vorbedingung für quasi alles. In den Tiefen des Manifests formulieren sie konkrete Forderungen: Für Landwirtschaft soll es von der Union weniger Geld geben. Die Übergangsregelungen für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten sollen 2006 aufgehoben und die viel diskutierte Dienstleistungsrichtlinie möglichst gleich umgesetzt werden. Die Forderungen werden unter der Bezeichnung „dringende Empfehlungen“ nach Brüssel reisen. Kanzler Wolfgang Schüssel bekommt das Grundsatzpapier ebenfalls. Die Ansichten sind nicht neu. Aber es kann nicht schaden, wenn man sie niederschreibt und das ganze dann Manifest nennt.
Wie es auch nicht schadet, wenn man es vor Wirtschaftsjournalisten noch einmal erläutert. Jeder der Mitverfasser hat ein Kapitel und rund fünf Minuten Zeit. Markus Beyrer, IV-Generalsekretär, moderiert die Runde. Seine rosa Krawatte sticht heraus. Spricht im einen Moment noch Istvan Wimmer mit heftigem ungarischem Akzent schlagwortartig über die „Wichtigkeit von Infrastruktur“ und „harter Lobbyingarbeit“, ist im nächsten bereits Marta Blizkova am Wort. Zwischendurch das Aufblitzen eines Fotoapparats, das Heulen einer Polizeisirene. Blizkova ist die einzige Dame in der Runde und nur Vertretung. Sie wirkt nervös, legt jedoch sofort los. Es geht schnell und weniger um Details als um den die Symbolik des gemeinsamen Auftritts. Ansichten und Forderungen stehen ohnehin im „Industriemanifest“.
Und die zitablen Sprüche der Anwesenden lassen sich auf der bereit liegenden Aussendung finden. „Glauben“ lautet die Losung: „Wir glauben an Europa. Wir glauben an die Osterweiterung. Wir glauben an den Markt. Wir glauben an Zusammenarbeit.“ So oder so ähnlich sagt das jeder der Teilnehmer mindestens einmal. In der Bibel versetzt der Glaube Berge. Und am Markt eben Aktien.
Die IV, eine freiwillig organisierte Interessenvertretung, hat rund 4.000 Mitglieder. Genug für eine Forderung hier, eine Förderung dort und ein Lobbyingbüro in Brüssel. Veit Sorger selbst, für den sämtliche Privatisierungen der Vergangenheit „unglaubliche Erfolgsgeschichten“ darstellen, ist stellvertretender Aufsichtsratspräsident der Staatsholding ÖIAG. Dort sitzt er auch im Privatisierungsausschuss.
Jetzt sitzt er am langen, braunen Tisch im Krupp-Saal und setzt seine Brille ab und wieder auf. Ihm gegenüber die Journalisten. Mal schauen sie streng, mal verständnisvoll.
An den Wänden hängen acht Porträts ehemaliger IV-Präsidenten. Sie alle hatten Visionen. Veit Sorger wird hier auch einmal hängen. Schon jetzt pflegt er das Gehabe des alten, erfahrenen Kapitäns, wenn er in solidem Englisch vertrauenserweckend über die Zukunft spricht: „Wenn du jungen Leuten zuhörst, die sind offen für ein neues System“, sagt er. Eines Tages werden auch sie daran glauben müssen.
Eine Hand voll Journalisten samt Fotografen ist in das „Haus der Industrie“ am Wiener Schwarzenbergplatz gekommen. Von der Straße dringt Verkehrslärm herein. Der Arthur-Krupp-Saal ist ein hoher Raum. Weit oben hängen zwei schwere Luster. Auf dem hellbraunen Teppichboden fußt ein massiver, fünf Meter langer Holztisch. Das 31 Seiten starke Grundsatzpapier liegt in mehrfacher Übersetzung, Hochglanz gedruckt, auf. Es enthält fünf Kapitel: Wachstums- und Beschäftigungsstrategie, EU-Budget 2007–2013, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Binnenmarkt für Dienstleistungen und Infrastruktur. Präambel und Conclusio inklusive. „Heute ist ein sehr wichtiger Moment für uns alle“, sagt Veit Sorger, IV-Präsident, auf Englisch. Er hat grauweißes Haar und trägt ganz vorn auf der Nase eine Lesebrille. Seine Bewegungen sind gesetzt, sein Blick ist verbindlich. „Gemeinsam wollen wir Herz und Motor von Europa sein“, sagt Sorger.
In der Präambel verständigen sich die fünf Partner auf Wirtschaftswachstum als essenzielle Vorbedingung für quasi alles. In den Tiefen des Manifests formulieren sie konkrete Forderungen: Für Landwirtschaft soll es von der Union weniger Geld geben. Die Übergangsregelungen für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten sollen 2006 aufgehoben und die viel diskutierte Dienstleistungsrichtlinie möglichst gleich umgesetzt werden. Die Forderungen werden unter der Bezeichnung „dringende Empfehlungen“ nach Brüssel reisen. Kanzler Wolfgang Schüssel bekommt das Grundsatzpapier ebenfalls. Die Ansichten sind nicht neu. Aber es kann nicht schaden, wenn man sie niederschreibt und das ganze dann Manifest nennt.
Wie es auch nicht schadet, wenn man es vor Wirtschaftsjournalisten noch einmal erläutert. Jeder der Mitverfasser hat ein Kapitel und rund fünf Minuten Zeit. Markus Beyrer, IV-Generalsekretär, moderiert die Runde. Seine rosa Krawatte sticht heraus. Spricht im einen Moment noch Istvan Wimmer mit heftigem ungarischem Akzent schlagwortartig über die „Wichtigkeit von Infrastruktur“ und „harter Lobbyingarbeit“, ist im nächsten bereits Marta Blizkova am Wort. Zwischendurch das Aufblitzen eines Fotoapparats, das Heulen einer Polizeisirene. Blizkova ist die einzige Dame in der Runde und nur Vertretung. Sie wirkt nervös, legt jedoch sofort los. Es geht schnell und weniger um Details als um den die Symbolik des gemeinsamen Auftritts. Ansichten und Forderungen stehen ohnehin im „Industriemanifest“.
Und die zitablen Sprüche der Anwesenden lassen sich auf der bereit liegenden Aussendung finden. „Glauben“ lautet die Losung: „Wir glauben an Europa. Wir glauben an die Osterweiterung. Wir glauben an den Markt. Wir glauben an Zusammenarbeit.“ So oder so ähnlich sagt das jeder der Teilnehmer mindestens einmal. In der Bibel versetzt der Glaube Berge. Und am Markt eben Aktien.
Die IV, eine freiwillig organisierte Interessenvertretung, hat rund 4.000 Mitglieder. Genug für eine Forderung hier, eine Förderung dort und ein Lobbyingbüro in Brüssel. Veit Sorger selbst, für den sämtliche Privatisierungen der Vergangenheit „unglaubliche Erfolgsgeschichten“ darstellen, ist stellvertretender Aufsichtsratspräsident der Staatsholding ÖIAG. Dort sitzt er auch im Privatisierungsausschuss.
Jetzt sitzt er am langen, braunen Tisch im Krupp-Saal und setzt seine Brille ab und wieder auf. Ihm gegenüber die Journalisten. Mal schauen sie streng, mal verständnisvoll.
An den Wänden hängen acht Porträts ehemaliger IV-Präsidenten. Sie alle hatten Visionen. Veit Sorger wird hier auch einmal hängen. Schon jetzt pflegt er das Gehabe des alten, erfahrenen Kapitäns, wenn er in solidem Englisch vertrauenserweckend über die Zukunft spricht: „Wenn du jungen Leuten zuhörst, die sind offen für ein neues System“, sagt er. Eines Tages werden auch sie daran glauben müssen.
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