Musik aus Österreich

Mysterium ZYX
Von Gerhard Stöger
Der Plattensammler-Virus ist eine Sau. Nicht genug, dass die Heilungschancen bei erfolgter Infektion gering sind, ist der gängige Krankheitsverlauf auch noch durch eine stete Verschlechterung geprägt. Verläuft die Krankheit aber in halbwegs geregelten Bahnen, eignet sich der Patient über die Jahre zumindest die Entspanntheit an zu wissen, dass er jede Platte, die er als essenziellen Baustein zum Sammlerglück erachtet, auch irgendwann finden wird. Es kann halt dauern. Und kosten. Oder aber gerade auch nicht.
Über die LP „Trust No Woman“ des Wiener Duos ZYX wusste ich bis vor kurzem beispielsweise nur, dass sie 1981 erschienen ist und von der Tageszeitung Die Presse damals als „Eine regelrechte Sensation, ein österreichisches Wunder“ beschrieben wurde. Dieses Zitat findet sich im 1982 vom späteren Ostbahn-Kurti-Erfinder Günter Brödl herausgegebenen Reader „Die guten Kräfte. Neue Rockmusik in Österreich“, einer buchgewordenen Dokumentation der heimischen Punk- und New-Wave-Szene. Und ich für meinen Teil glaube ja sehr viele der dort erwähnten Platten zu meinem Sammlerglück zu brauchen – aber ZYX erwies sich als Mysterium.
Im Unterschied zu vielen ihrer Zeitgenossen tauchte der Name nirgends je auf, und während Flohmärkte, Second-Hand-Spezialisten, Plattenbörsen oder Sammlungen von Freunden letztlich alles irgendwann hervorbringen, schien „Trust No Woman“ jahrelang einfach verschollen zu sein. Heuer im Frühjahr tauchte die Platte dann doch noch auf – um fünf Euro stand sie im Neueingangschaos des charmantesten Second-Hand-Plattenladens Wiens. Und unrecht hatte die Presse damals ebenso wenig wie die Wiener Stadtzeitung Falter, in der es 1981 über „Trust No Woman“ hieß: „Diese LP nicht zu erwähnen hieße das Beste zu ignorieren, was seit langem (nicht nur) auf dem österreichischen Schallplattenmarkt erschienen ist.“
Herr und Frau ZYX hatten so rein gar nichts typisch Österreichisches an sich. Während die Neue Österreichische Welle um Minisex, Tom Petting & Co an der alten Tante Austropop letztlich kaum je ganz vorbeikam, schufen ZYX minimalistische elektronische Popmusik, die am ehesten noch an internationale Zeitgenossen wie Cabaret Voltaire, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Human League oder die Industrial-Erfinder Throbbing Gristle in ihren zugänglichen Synthiepop-Momenten erinnert. Heute mögen diese Sounds zum Standardrepertoire jedes Achtziger-Revival- Acts gehören; ZYX klingen aber nach wie vor moderner als viele ihrer ästhetischen Epigonen. Was wohl daran liegt, dass Musik dieser Art heute von einer gewissen Rückbezogenheit geprägt ist, während ihr Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger ein womöglich naiver, aber doch überzeugter Pop-Futurismus als Antrieb diente. Wenige Monate nach meinem Glücksfund ist „Trust No Woman“ überraschenderweise als CD beim Wiener Spezialistenlabel Klanggalerie erschienen.
Der Bandname lautet jetzt graf+zyx, das Cover sieht ganz anders aus, aber es sind tatsächlich diese ZYX; neben einer guten Hand voll teils unveröffentlichter Aufnahmen aus den Jahren 1977 bis 1986 enthält die CD auch einen Großteil der raren LP. Und hätte man das Internet bereits vor der CD-Neuauflage einmal näher zu „Trust No Woman“ befragt, wüsste man womöglich längst schon, dass Inge Graf und Walter Zyx seit den Siebzigern ein interdisziplinär und multimedial agierendes Künstlerpaar bilden und beim deutschen Kleinlabel Vinyl On Demand unter dem Titel „Early Recordings 77–83“ vor nicht allzu langer Zeit auch eine Schallplatte mit altem ZYX-Material veröffentlicht haben.
Bisher erschienene Kolumnen von Gerhard Stöger finden Sie hier.
Über die LP „Trust No Woman“ des Wiener Duos ZYX wusste ich bis vor kurzem beispielsweise nur, dass sie 1981 erschienen ist und von der Tageszeitung Die Presse damals als „Eine regelrechte Sensation, ein österreichisches Wunder“ beschrieben wurde. Dieses Zitat findet sich im 1982 vom späteren Ostbahn-Kurti-Erfinder Günter Brödl herausgegebenen Reader „Die guten Kräfte. Neue Rockmusik in Österreich“, einer buchgewordenen Dokumentation der heimischen Punk- und New-Wave-Szene. Und ich für meinen Teil glaube ja sehr viele der dort erwähnten Platten zu meinem Sammlerglück zu brauchen – aber ZYX erwies sich als Mysterium.
Im Unterschied zu vielen ihrer Zeitgenossen tauchte der Name nirgends je auf, und während Flohmärkte, Second-Hand-Spezialisten, Plattenbörsen oder Sammlungen von Freunden letztlich alles irgendwann hervorbringen, schien „Trust No Woman“ jahrelang einfach verschollen zu sein. Heuer im Frühjahr tauchte die Platte dann doch noch auf – um fünf Euro stand sie im Neueingangschaos des charmantesten Second-Hand-Plattenladens Wiens. Und unrecht hatte die Presse damals ebenso wenig wie die Wiener Stadtzeitung Falter, in der es 1981 über „Trust No Woman“ hieß: „Diese LP nicht zu erwähnen hieße das Beste zu ignorieren, was seit langem (nicht nur) auf dem österreichischen Schallplattenmarkt erschienen ist.“
Herr und Frau ZYX hatten so rein gar nichts typisch Österreichisches an sich. Während die Neue Österreichische Welle um Minisex, Tom Petting & Co an der alten Tante Austropop letztlich kaum je ganz vorbeikam, schufen ZYX minimalistische elektronische Popmusik, die am ehesten noch an internationale Zeitgenossen wie Cabaret Voltaire, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Human League oder die Industrial-Erfinder Throbbing Gristle in ihren zugänglichen Synthiepop-Momenten erinnert. Heute mögen diese Sounds zum Standardrepertoire jedes Achtziger-Revival- Acts gehören; ZYX klingen aber nach wie vor moderner als viele ihrer ästhetischen Epigonen. Was wohl daran liegt, dass Musik dieser Art heute von einer gewissen Rückbezogenheit geprägt ist, während ihr Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger ein womöglich naiver, aber doch überzeugter Pop-Futurismus als Antrieb diente. Wenige Monate nach meinem Glücksfund ist „Trust No Woman“ überraschenderweise als CD beim Wiener Spezialistenlabel Klanggalerie erschienen.
Der Bandname lautet jetzt graf+zyx, das Cover sieht ganz anders aus, aber es sind tatsächlich diese ZYX; neben einer guten Hand voll teils unveröffentlichter Aufnahmen aus den Jahren 1977 bis 1986 enthält die CD auch einen Großteil der raren LP. Und hätte man das Internet bereits vor der CD-Neuauflage einmal näher zu „Trust No Woman“ befragt, wüsste man womöglich längst schon, dass Inge Graf und Walter Zyx seit den Siebzigern ein interdisziplinär und multimedial agierendes Künstlerpaar bilden und beim deutschen Kleinlabel Vinyl On Demand unter dem Titel „Early Recordings 77–83“ vor nicht allzu langer Zeit auch eine Schallplatte mit altem ZYX-Material veröffentlicht haben.
Bisher erschienene Kolumnen von Gerhard Stöger finden Sie hier.
0 Kommentare - Kommentar verfassen -















