Hajek bloggt: Mehr privat, weniger Staat
Der Kärntner Landeshauptmann segelte in der Öffentlichkeit schon immer hart am Wind. Sein Auftritt bei einer 99 Cent-Party war gewagt. Wann ist aber ein Politiker tatsächlich privat unterwegs?

Jörg Haider ist ein Politiker, der den Kontakt zur Bevölkerung braucht. Es war und ist eines seiner Erfolgsrezepte. Er ist ein Politiker zum Angreifen. Warum also irritiert der Ausflug in die Welt der Kärntner Jugend so, dass diese durch alle Medien geht? Einzig der Kronen Zeitung war das keine Meldung wert, was auch für sich spricht.
Die Wählerinnen und Wähler haben zumeist ein klares Bild von Landesvater- oder mutter. Sie sollten dementsprechend der Bevölkerung ein Vorbild sein, wobei es regionale Unterschiede gibt. Der Tiroler Landeshauptmann darf durchaus kernig und ein bisschen aufbrausend sein, dem Wiener Bürgermeister verzeiht man schon das eine oder andere Achterl.
Jörg Haider hat aber nicht nur eine, sondern zwei Grenzen überschritten. Grundsätzlich hat ein Landeshauptmann nur dann auf einer „99 Cent-Party " etwas verloren, wenn er den Jungen ins Gewissen reden will. Zweitens geziemt sich zu enger Köperkontakt für einen Landeshauptmann nicht. Verschärft wird das ganze noch dadurch, dass es sich um sehr junges Publikum handelt.
Privat ist man als führender Politiker nahezu nie, vielleicht in den eigenen vier Wänden. Das gehört einfach zur Job description. Die österreichischen Medien gehen zudem sehr behutsam mit dem Privatleben der Politiker um.
Jörg Haider sollte sich also fragen, warum das bei ihm jetzt thematisiert wird. Vielleicht gibt es die Privatperson Jörg Haider gar nicht mehr?
Peter Hajek ist Geschäftsführer der Peter Hajek Public Opinion Strategies und schreibt exklusiv auf www.datum.at jeden Dienstag und Donnerstag Kommentare zum innenpolitischen Geschehen.
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