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Der Retter der Provinz

Sepp Forcher ist der populärste Repräsentant der Volkskultur in Österreich. Ein Gespräch über Unabhängigkeit, Nationalsozialismus, Hans Dichand und den ORF.

Interview: Klaus Stimeder, Nina Weissensteiner
Sepp ForcherDie Geschichte des Sepp Forcher ist so etwas wie die österreichische Version des amerikanischen Traums: Als Kind von armen Auswanderern aus Südtirol schaffte es der ehemalige Lastenträger, Bergführer und Hüttenwirt mit der Fernsehsendung „Klingendes Österreich“ zum bundesweit gefeierten Fernsehstar.

Von der Sendung, einer mit Landschaftspanoramen („I mog Österreich, es ist des schönste Land“) unterfütterten Volkskulturschau mit Soft-Bildungsanspruch („Do hätt’ I jetzt nu a liabe G’schicht’ aus dem Innviertel …“), die immer an den Abenden vor einem Feiertag ausgestrahlt wird, gibt es mittlerweile weit über 100 Folgen, und noch immer erzielen Forcher und sein Team damit Traumquoten. „Ich zeig’ den Leuten schöne Sachen, das mach’ ich am liebsten. Die haben sonst eh nicht viel zu lachen“, sagt Forcher über seine Arbeit.

Für den ORF arbeitet der in Rom geborene Südtiroler („Römer bin ich nur zufällig, weil meine Mutter damals gerade ihre Schwester besucht hat“), der mit seiner Frau Helena („Helli“) in Salzburg lebt, seit 1971. Seit 1986 schreibt der heute 74-Jährige auch eine wöchentliche Kolumne in der Salzburg Krone.

Herr Forcher, Sie zeigen uns seit dreißig Jahren die schönen Seiten des Landes. Gibt es in Österreich überhaupt Dinge, die sie nicht klasse finden?

Ich rede lieber über das, was mir im Land gefällt. Es gibt wenig, was mir in Österreich nicht gefällt. Ich benütze keine öffentlichen Verkehrsmittel, jetzt kann ich auch nicht drüber schimpfen, dass die Fahrpläne nicht eingehalten werden. Was mir nicht passt, ist, dass die Kinder in der Schule so schlecht informiert werden, was die Geschichte und die Geografie betrifft. Ich treffe immer wieder junge Leute, denen ich eine Landkarte zeige, und dann sagen die, da kannst du mir zeigen, was du willst, das ist für mich so wie das Muster eines Tischtuchs.

Geschichte fängt in der Schule bestenfalls in den Zwanzigerjahren an. Weiter zurück reicht es schon nicht mehr. Und man geht auch unheimlich kritisch, oder sagen wir besser vorsichtig, mit dieser Zeit zwischen 1920 und 1934 um, wo ja auch nicht alles Butter war. Das ist nicht ehrlich. Und wenn man, was das eigene Herkommen, die eigene Tradition betrifft, nicht ehrlich ist, wie soll man es dann in anderen Bereichen sein?

Neulich waren Europawahlen. Wen haben Sie gewählt? Und wie haben Sie als bekennender Pro-Europäer den Wahlkampf empfunden? Es war viel von Vaterlandsverrat und Pogromstimmung die Rede …

Was ich wähle, sag’ ich nie. Obwohl es leicht zu vermuten ist. Ich bin ein konservativer Mensch und ein Traditionalist. Allerdings mit einem starken liberalen Drall. Aber das heißt nicht rechtsliberal, da möchte ich nicht missverstanden werden. Das, was im Wahlkampf los war, gehört alles auf den Misthaufen des parlamentarischen Alltags.

Diese Sachen sind kindisch, ganz gleich, von welcher Seite sie kommen. An diesen Dummheiten hat schon der alte österreichische Reichstag gelitten. Bis der Kaiser auf den Tisch g’haut und zugesperrt hat.

Stars aus dem Fernsehen streben in letzter Zeit immer mehr in die Politik, die letzten Beispiele waren Karin Resetarits (HPM) und Josef Broukal (SPÖ). Sie selbst haben alle Angebote, in die Politik zu gehen, ausgeschlagen. Warum?

Ich finde prinzipiell, dass jeder Mensch irgendwann in seinem Leben etwas für die Allgemeinheit tun sollte. Ich bin damals in eine führende Position im Alpenverein geflüchtet. Da war ich im Gegensatz zu einer politischen Partei niemandem außer meinem guten Gewissen verpflichtet. Ich gebe zu, da war ein bisschen Berechnung von mir dahinter, damit ich dieser Krux ausweiche.

Es ist ein Irrtum, dass man Gesichter, die man vom Fernsehen kennt, in die Politik holen muss, nur weil sie populär sind. Ich muss das ja durchtesten, ob der das Gewicht auch wirklich hat. Ich weiß nicht, ob man das immer so tut.

„Wir zeigen den Menschen das Schöne, weil vom Schiachen haben sie eh genug“, haben Sie einmal über Ihre Sendung „Klingendes Österreich“ gesagt. Hat das nicht etwas ganz und gar Biedermeierliches?

Naja, das Biedermeier war ja auch kein Schlechtes. Die Epoche hat dem Österreicher eine Behäbigkeit und Behaglichkeit vorgegaukelt, die in Wirklichkeit vielleicht gar nicht da gewesen ist. Aber sie hat sich von der Kleidung, von der Wohnung, von allen Äußerlichkeiten so gezeigt, und was war der Hintergrund vom Biedermeier? Halt die Gosch’n und lass es dir gut gehen. Misch dich ja nicht ein in das Staatsgetriebe. Und was ist es heute? Auch eine biedermeierliche Epoche. Das ist immer so, wenn es den Leuten relativ gut geht. Früher haben wir gerne Krieg geführt, weil die Habsburger so bescheuert waren. Josef II., dieser wirklich großartige, gescheite Mensch, war ein leidenschaftlicher Kriegführer. Wenn der nicht vom zweiten Friedrich eine aufs Dach bekommen hätte, hätte er ja nie aufgehört.

Und das Volk hat das alles ertragen müssen. Aber jetzt geht es uns passabel. Was ich bediene, das ist das, was der Österreicher gerne mag. Der hat es nicht gerne, wenn man ihm sagt, in welchem Scheiß sitzt du denn drinnen? Der hat es gerne, wenn man ihm sagt, wie schön er es hat. Das beweisen auch die Zahlen und vor allem die Bewertungen unserer Sendung. Ich hab’ neulich ein Erlebnis gehabt, das hat mich berührt. Ich bin einer, der das nie vor sich herträgt, dass ich liberal bin, dass ich jeden gelten lasse. Aber da gibt es diesen heiklen Punkt mit den Kärntner Slowenen.

Ich hab’ dort vor ein paar Jahren eine Sendung gemacht, und ich bin keiner, der dann die slowenischen Namen sagt. Und neulich redet mich ein Universitätsprofessor aus Klagenfurt an und sagt: „Herr Forcher, Ihre Sendung schaue ich mir gerne an, obwohl ich bis zu meinem siebenten Lebensjahr kein Wort Deutsch gesprochen habe, weil ich rein mit Slowenisch aufgewachsen bin.“

Verstehen Sie, warum die Slowenen in Kärnten zweisprachige Ortstafeln haben wollen?

Naja, das ist wieder so ein Zwischenruf des Parlamentarismus. Die Slowenen wollten das nie in dieser Härte und Brutalität, und es war interessanterweise die Regierung von Bruno Kreisky, die das verhindert hat.

Aber die zweite Regierung Kreisky wollte die Aufstellung der Ortstafeln durchsetzen …

Ich habe nicht gemeint verhindern, sondern dass sie es mit Biegen und Brechen machen wollten. Letztendlich war der Bruno aber ein pragmatischer Mensch, und das ist dann unter den Tisch gefallen. Heute denkt sich kein Mensch mehr was. Wenn ich in Slowenien bin und einen Wegweiser nach Celovec sehe, dann weiß ich, dass Klagenfurt damit gemeint ist. Ich mag es nur nicht, wenn auch in Klagenfurt ein Kärntner Slowene sagt, er ist in Celovec, das ist einfach nicht richtig.

Ich rede ja mit den Leuten dort, darum kann ich so großkotzig über größere Entscheidungen reden, weil die selten von den kleinen Leuten mitgetragen werden.

Inwiefern haben sich Ihre Herkunft und Ihr Werdegang in ihren politischen Überzeugungen niedergeschlagen?

Ich bin nicht ganz zehn Jahre alt gewesen, als wir aus Südtirol weggezogen sind. Wir waren arme Leute. Nicht immer, aber die Eltern waren teilweise glücklos. Ich bin dann im Schülerheim in Salzburg abgeliefert worden. Im Heim war ich mit meinem Südtiroler Dialekt natürlich die Zielscheibe des Spotts. Ich konnte mich aber relativ schnell anpassen, das geht mit zehn Jahren noch gut. Und dann ist das Deutsche Jungvolk gekommen. Da hast du eine Uniform bekommen, und da habe ich strammstehen gelernt. Aber ich habe das furchtbar gefunden.

Von dort kommt höchstwahrscheinlich mein Unabhängigkeitsstreben: dass ich es einmal so weit bringe, dass ich nicht mit der Trillerpfeife geweckt werde, dass mir niemand etwas anschaffen kann.

Sepp Forcher

Wie ist das weitergegangen im Nationalsozialismus? Waren Sie dann nicht schon oben in den Bergen in der Hütte Ihrer Eltern, die Hüttenwirte waren?

Nein, ich bin 1944, nach dem Deutschen Jungvolk, ein Hitlerjunge geworden. Das war mit der Pflicht verbunden, zwei Mal pro Woche beim Heimabend anwesend zu sein. Ich bin einmal drei Mal hintereinander nicht hingegangen, da ist der Polizist zum Heim gekommen mit einer Mahnung. Wir haben damals eine Wirtschaftshilfe gehabt, die war Französin. Und die hat mich in ihr Herz geschlossen, weil ich Briefmarkensammler war. Ich hatte eine französische Marke, da war der Jean Jaures drauf, und ich hab’ sie gefragt, wer das ist. Jaures, hat sie gesagt, das war der Sozialistenmensch. Die war ganz begeistert, weil ich das wissen wollte. Die hat dann den Polizisten abgewimmelt.

Das Kriegsende habe ich mit knapp 15 Jahren erlebt. Natürlich war ich ein fanatischer Nazibua. Da kannst du dich nicht befreien. Im Heim ist man damals aufgestanden, hat das Deutschlandlied mitgesungen und das Horst-Wessel-Lied. Das waren feierliche Augenblicke. Man kam ja aus einer Welt, in der Krieg führen nichts Besonderes war. Nur Kriege und Schlachten gewinnen war die Seltenheit. Und auf einmal hat Deutschland sehr viele Schlachten gewonnen, und damit konntest du junge Leute wahnsinnig begeistern. Und dann war da halt die Goebbels’sche Propaganda, die war hinreißend gut. Wenn die Amis das drauf hätten, da gäbe es heute keinen Irak mehr, weil kein Mensch mehr davon reden würde. Es war sehr beeindruckend, und viele, sehr viele, die es heute nicht mehr wissen wollen, waren beeindruckt. Was man halt lange nicht hat glauben können, war, was damals mit den Juden passiert ist.

Das tut heute noch weh. Furchtbar. Ich bin erst munter geworden am 8. oder 9. Mai, da sind ein Haufen SS-Offiziere auf die Hütte gekommen, die ich gekannt habe. Auf einmal waren sie in Zivil. Und dann hab’ ich mir gedacht, schau, was sind das eigentlich für Würschteln, die ich da als Helden bewundert habe, in ihren Uniformen und mit ihren Auszeichnungen? Die kommen heute in einem Gewand daher, das ihnen nicht einmal richtig passt. Aber die Erkenntnis kam natürlich sehr langsam.

Wie haben Sie damals die Amerikaner erlebt? Erschienen sie als Befreier, oder hat man sich gefürchtet vor denen?

Als Befreier haben wir die nie empfunden. Aber sie waren nie unangenehm. Unangenehm war der militärische Geheimdienst, aber das hat man auch nur so gehört. Es gibt diese schöne Anekdote, die angeblich in Salzburg entstanden sein soll. Da ist so ein Vernehmungsbeamter gefragt worden, welche Eindrücke er von Österreich hat. Und er hat gesagt: „Naja, in Norddeutschland ist es so: Wenn du jemanden fragst, ob er bei der Partei war, sagt der ja. Wenn du in Bayern wen fragst, sagt der nein. Und wenn du in Salzburg wen fragst, sagt der: Ich nicht, aber der da.“

Das trifft leider zu. Das tut weh, aber es ist so.

Woran liegt das? Ist das die spezifische österreichische Mentalität?

Offenbar sind wir ein Volk von Denunzianten. Das hat man ja beim Film „Der Bockerer“ vom Franz Antel sehr gut umgesetzt gesehen.

Wie bewerten Sie die Rolle der Vereinigten Staaten heute?

Was in diesem Land geschieht, wird für uns nie ganz begreifbar sein. Diese ungeheuere Beharrlichkeit, wenn es darum geht, das Recht zu finden. Da sind sie vorbildlich und einmalig. Sie haben sehr viele gute Seiten. Aber sie haben auch viele schlechte Präsidenten gehabt in ihrer Geschichte. Aber haben wir denn lauter gute Kaiser gehabt?

Soll Österreich der NATO beitreten?

Wir sind momentan in einer sehr glücklichen Phase, weil Polen, die Slowakei, die Tschechei, Ungarn, Slowenien jetzt zu Europa gehören. Wir sehen auf der anderen Seite, welche Probleme es mit Zypern gibt, dass die Türken und die Griechen unversöhnlich sind. Ich weiß nicht, ob man das jetzt so unterstreichen soll, indem man ein Kriegsschiff der NATO mitfinanziert.

Sie haben eine wöchentliche Kolumne in der Salzburger „Kronenzeitung“. Stimmt es, dass Ihre Texte nicht redigiert werden dürfen? Sie halten sich nicht immer an die Blattlinie …

Ja, bei mir ist das so. Das ist die Bedingung gewesen. Ich bin, das muss ich ganz ehrlich sagen, kein begeisterter Schreiber. Das Einzige, was ich vielleicht zu Wege bringe, ist, dass ich dem einen oder anderen eine Freude mache.

Ich glaube grundsätzlich daran, dass die Krone die Summe der Meinungen ihrer Redakteure wiedergibt. Obwohl ich mittlerweile doch schon starke Zweifel habe.

Haben Sie Hans Dichand einmal persönlich getroffen? Sie schreiben in Ihrer Autobiografie „I mog die Leut“, dass er Ihnen sehr imponiert …

Der Hans Dichand imponiert mir deshalb, weil er praktisch uralt ist, zehn Jahre älter als ich. Er ist ein guter Zeitungsmacher, da kann man sagen, was man will. Die Krone verkauft sich sensationell. Und er alleine ist der Chef. Ich kenne niemanden, von dem ich sagen könnte, der kann dem Dichand was sagen.

Ich kenne den Erich Schumann auch gut, und das ist ein ganz ein Harter. Aber der Schumann kann dem Dichand nicht dreinreden. Der Alte sitzt da und lässt sich nicht dreinreden.

Wie, glauben Sie, wird das Match zwischen Schumann und Dichand ausgehen?

Der Werner Mück hat einmal ein fatales Wort gebraucht: Es gibt für viele Probleme eine biologische Lösung. Der Dichand hat im Krieg unheimlich viel mitgemacht. Da haben sie sein Schiff torpediert, und das Schiff war im Untergehen, und der Sog hat ihn wieder in den Schiffskörper hineingezogen. Das sind Dinge, wenn du die erlebt hast, schreckt dich im Leben nichts mehr.

Sepp Forcher

Gibt es vielleicht etwas, was Ihnen nicht so gut gefällt an der „Krone“?

Ich bin ein sehr lässiger Zeitungsleser. In der Krone schau’ ich nur auf die Todesnachrichten. Damit mir das nicht mehr passiert, was mir vor vielen Jahren einmal passiert ist. Da frage ich, wie geht es denn der Frau Gemahlin, sagt er, die ist seit fünf Jahren tot. Das soll mir nicht mehr passieren. Über die Macht der Krone zerbreche ich mir nicht den Kopf. Den Telemax, den genieße ich jedes Mal, der schreibt wirklich brillant. Den Nimmerrichter habe ich nie gelesen. Ich habe für diese Art der Wadlbeißerei nichts übrig. Eine Zeitung ist ja nicht dazu da, dass man sie von A bis Z liest.

Ein Wochenmagazin ist etwas anderes. Ich habe früher immer den Spiegel gekauft, wenn ich nach Wien gefahren bin. Das hat genau drei Stunden gedauert, so lange hab’ ich gebraucht, um ihn auszulesen. Nur ist der mittlerweile auch nicht mehr das, was er war. Ich habe drei Tageszeitungsabos. Einmal die schwarze Salzburger Volkszeitung, die ist, was die Information betrifft, gleichwertig mit den anderen. Das Weltgeschehen, das kommt eh alles von den Agenturen. Dann hab’ ich die Krone und die Salzburger Nachrichten, bei der lese ich ab und zu einen Leitartikel.

Aber ich bin da verwöhnt, ich habe mit Begeisterung Rene Marcic gelesen. Und ganz besonders war Alfons Dalma, der hat einen Stil gehabt!

Eine andere österreichische Besonderheit ist es, prominenten Menschen Titel zu verleihen. Das haben Sie immer ausgeschlagen. Warum?

Weil ich Gott sei Dank vor dreißig Jahren schon entschlossen war, keine Titel und Orden anzunehmen. Ich habe gefunden, mein Großvater, der im Ersten Weltkrieg einer der am höchsten dekorierten Stammschützen an der Tiroler Front gewesen ist, hat alles, was man in einer Familie an Auszeichnungen braucht. Das reicht für Generationen.

Unsere Titelsucht ist ja unstillbar. Aber da spielt höchstwahrscheinlich eine große Rolle, dass ich Bergsteiger war, und zwar ziemlich intensiv. Da siehst du, wie jeder klein wird und eingeht.

In „Klingendes Österreich“ stellen sie ein bestimmtes Bild der Provinz dar. Dabei ist die Landflucht eine Tatsache. Die Leute ziehen weg, entweder in die Stadt oder in die Speckgürtel rund um die Städte. Welche Rolle kann die Provinz im 21. Jahrhundert spielen?

Das ist ein weltweites Problem. Wir werden, wenn uns der Frieden erhalten bleibt, immer mehr eine Dienstleistungsgesellschaft. Bei uns haben die Bauern keine Probleme. Wenn man schaut, was es da für Pensionen gibt, Zimmervermietung und Nebenerwerb, die leben in einer sehr glücklichen Situation. Wir sind landschaftlich unheimlich gesegnet. Ich war neulich unten im Steinfeld.

Das ist so ziemlich das Letzte, wo man wohnen möchte. Meint man. Denn wenn ich dann schaue, wie schnell man von Wiener Neustadt oder Neunkirchen aus in der Buckligen Welt, am Wechsel, auf der Rax oder auf der Hohen Wand ist … Es ist unglaublich, wie schön das Land ist, wie vielfältig. Vor fünfzig Jahren war das alles erschreckend. Heute ist das eine blühende Landschaft.

Funktioniert der österreichische Föderalismus?

Also ich finde das schon lustig, dass wir neun Landtage haben. Aber die Schweiz hat 26 Kantone, und das geht auch gut.

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ist ein Freund von Ihnen. Was sagt der denn dazu, wenn Sie sagen, wir brauchen nicht so viele Landtage?

Ich sage nicht, dass wir sie nicht brauchen. Es bringt mich nur zum Schmunzeln. Tatsache ist, dass man die Effizienz der Landesparlamente sehr wohl in Zweifel stellen kann. Ein tüchtiger Landeshauptmann kann viel für sein Land bewegen, und es ist die Frage, ob er dazu unbedingt den Landtag braucht.

Pröll war sichtlich geehrt, als er erfuhr, dass Sie als langjährige ORF-Berühmtheit ihn kennen lernen wollten. Woran denken Sie, wenn Sie auf Ihre dreißig Jahre beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen zurückblicken?

Wenn man das auf die Generalintendanten fokussiert, war der wirkungsvollste der Gerd Bacher. Auch für mich persönlich ein sehr wichtiger Mensch. Der feinste war der Otto Oberhammer, mit Abstand. Der hat sehr viel für die Angestellten getan. Der Teddy Podgorski war immer kollegial, hat nie den Chef raushängen lassen.

Der Gerhard Zeiler hat eine feste Vorstellung gehabt, die hat er beinhart durchgezogen, aber alles in allem war er ein sehr höflicher Mensch. Der Gerhard Weis, das hat der Bacher zwar nie verstanden, aber auch mit dem Weis bin ich immer gut ausgekommen. Und die Monika Lindner, da hat man sich, finde ich, einfach zu freuen, dass endlich einmal ein Weib beim ORF das Ruder in der Hand hat.

Der ORF besteht allerdings nicht nur aus den Generalintendanten …

Ich habe immer machen können, was ich wollte. Ich war nie eingeengt. Ob das, was ich gemacht habe, mit der Meinung des Chefredakteurs übereingestimmt hat oder nicht, war immer egal. Richtige Krisen hat es nie gegeben. Außer, dass sie mir immer zu wenig gezahlt haben.

Alle haben sie ein Schweinegeld verdient, ich meine, im Verhältnis zu mir gesehen. Aber das weiß ich auch erst heute. Und ich war schließlich trotzdem immer zufrieden.

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