<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?>
<?xml-stylesheet href="http://www.datum.at/6706/rss2html.xsl" type="text/xsl"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" 
  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
> 

  <channel rdf:about="http://www.datum.at/6706/">
    <title>Datum 6-7/06 Seiten der Zeit</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/</link>
    <description></description>
    <dc:publisher>ronald</dc:publisher>
    <dc:creator>ronald</dc:creator>
    <dc:date>2009-09-06T10:00:54Z</dc:date>
    <dc:language>en</dc:language>
    <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
    <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
    <sy:updateBase>2000-01-01T00:00:00Z</sy:updateBase>
    
    <image rdf:resource="http://www.datum.at/6706/static/icon.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2428021/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2314116/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2288539/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275573/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275555/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275510/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275481/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275414/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2275367/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272867/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272804/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272753/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272680/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272628/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://www.datum.at/6706/stories/2272567/" />

      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://www.datum.at/6706/static/icon.gif">
    <title>Datum 6-7/06 Seiten der Zeit</title>
    <url>http://www.datum.at/6706/static/icon.gif</url>
    <link>http://www.datum.at/6706/</link>
  </image>

  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2428021/">
    <title>21 Wochen</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2428021/</link>
    <description>&lt;b&gt;14 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe nicht immer Musik zu hören.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute lausche ich einer Sitcom und in 14 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat eine Seifenoper mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Mittwoch läuft auf dem Radiosender meiner Wahl ein wunderbares Hörspiel namens Junk und spätestens am nächsten Tag ist es dann entweder auf &lt;a href=http://fm4.orf.at/junk &gt;fm4.orf.at&lt;/a&gt; oder itunes downloadbar. Ein sehr feine Sache finde ich und nicht nur deshalb weil ich ein Naheverhältnis zu dieser öffentlichen Einrichtung habe. Ich verstehe jetzt z.B. was die beste Freundin von allen an VIB findet. Sie meint immer nur lapidar es wäre ihr Fernsehritual und damit hat sie wohl Recht, denn Junk ist jetzt zu meinem Donnerstag-Laufritual geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;junk&quot; width=&quot;370&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/junk.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mögen manche meinen, dass hat sicher etwas mit Georg Kucera, gespielt von dem mir sehr geschätzten &lt;a href=http://www.divina.at/actor/detail.html?id=27&amp;lang=de &gt;Michael Ostrowski&lt;/a&gt;, zu tun. Und sie haben Recht! Kurz zur Aufklärung: Georg ist Leistungssportler und als solcher natürlich umso interessanter, wenn man sich gerade anschickt einen Marathon zu laufen. Wie auch immer, ich kann nur jedem empfehlen sich Junk herunter zu saugen, denn sie werden es beim nächsten Dauerlauf, einsamen Spaziergang, Gassigehen oder Kinderwagen schieben (mit schlafendem Kind) sehr zu schätzen wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern standen sehr schnelle 10km auf dem Programm. Hier wurden dann dem Hörspiel seine Grenzen aufgezeigt, denn wenn man um jeden Atemzug kämpft ist das letzte auf das man sich konzentrieren kann eine Seifenoper. In habe ich mich darum für &lt;a href=http://www.jurassic5.com &gt;Jurassic 5&lt;/a&gt;  entschieden und das war gut so, um den &lt;a href=http://www.klaus-wowereit.de &gt;regierenden Bürgermeister von Berlin&lt;/a&gt; zu zitieren. (Anmerkung des Autor: Er verwendete Präsens)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musik hat ein paar sehr feine Eigenschaften die beim Laufen bzw. Sport betreiben im Generellen sehr hilfreich sein können: Sie motiviert und lenkt zum richtigen Zeitpunkt ab - um nur zwei zu nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stelle mir nur jetzt die Frage, ob ich in 14 Wochen meinen 30 Gigabyte schweren Freund mitnehmen möchte und wenn ja was ich dann hören soll. Versuche ich eine perfekte 4 Stunden Wiedergabenliste zu erschaffen oder mache ich es wie Jack Nicholson in as good as it gets und stelle für jede nur erdenkliche Situation ein adäquates Programm zusammen? Vielleicht finde ich ja auch im Internet einen audio-Stadtführer von Firenze. Dann würde sich mein Kurzurlaub wirklich auszahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PS: Meine Playlist namens Sport beinhaltet diese Woche:&lt;br /&gt;
Over and Over/Hot Chip/3:38/5,1 MB	&lt;br /&gt;
Classical Gas/Hugo Montenegro And His Orchestra/3:05/3,6 MB	&lt;br /&gt;
It&apos;s Hard Out Here For A Pimp/Terrance Howard feat. Taraji P. Henson/2:53/4 MB&lt;br /&gt;
Mass Destruction (Paul Jackson rmx)/Faithless/7:29/10,3 MB	&lt;br /&gt;
Indian Flute (Instrumental)/Timbaland &amp; Magoo Feat. Sebast/3:23/4,7 MB&lt;br /&gt;
Electrokution (Brennan Green &amp; Daniel Wang Remix)/Block 16/13:30/18,6 MB&lt;br /&gt;
O Calhambeque (DJ Marky rmx)/Roberto Carlos/6:12/5,7 MB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;15 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe keinen Blog zu schreiben.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute fällt mir partout nichts ein und in 15 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben meine geistige Leere mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vor jedem Mitglied der schreibenden Zunft vollste Hochachtung. Es ist mir vollkommen unverständlich wie man auf Knopfdruck Artikel, Romane oder Kurzgeschichten aus dem Ärmel schütteln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer, in meinem letzen Blog habe ich großspurig verkündet ich werde gleich noch einen schreiben, was ich hiermit auch tue. Hätte ich besser nicht tun sollen, aber jetzt zu raunzen ist auch nicht gerade zielführend. Ich sollte vielmehr versuchen diesen Blog so schnell wie möglich zu Ende zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist es einfach besser nichts zu machen, denn das ist nicht zwingend die schlechtere Variante. Viele Managementtheorien beschwören, dass man immer in Bewegung bleiben muss, aber ich lese zu selten: Lassen sie es einfach gut sein. Morgen ist auch noch ein Tag. Ein andermal läuft es besser  heute nicht. Warum machen sie nicht einmal eine Pause?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel zu oft werden wir genötigt etwas zu machen. Rauskommen kann dabei nur etwas und nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau darum ist an dieser Stelle Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;16 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe nicht nachlässig zu werden.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute habe ich mich etwas verspätet und in 15 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben meine Nachlässigkeit mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich mir heute meinen Trainingsplan durchgelesen habe, bemerkte ich, dass es ja eigentlich nur mehr 15 Wochen sind. Ein sich langsam eingeschlichener Verzögerungsmechanismus hat meine Blogs immer später online gehen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation ist ihnen werter Leser sicher auch vertraut. Man hat einen Vorsatz, den man dann für sich sehr detailliert ausformuliert und ihn anschließend mit geschwollener Brust vom Trafikanten bis zur Großtante jedem erzählt. Diese breite Streuung ist auch notwendig, da man nur so von gänzlich Unbekannten fetten Respekt für seinen Vorsatz bekommt. Dies macht einen dann noch um ein vielfaches stolzer als man schon ist und man beginnt das besagte Projekt umso konsequenter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für drei vier Wochen läuft es wie geschmiert. Doch dann, man merkt es kaum, ist sie da: die Nachlässigkeit. Zugegeben, sie macht das sehr geschickt. Sie umschmeichelt dich bzw. lobt dich für deine Konsequenz und gibt dir damit das Gefühl, dass du alles richtig machst. So ganz nebenbei lässt sie dann ein zwei Mal das Wort Ausruhen fallen. Erst bemerkt man es nicht sofort, aber nach einer Weile fragt man sie dann was sie damit wohl meinte? Und sie antwortet einem sehr geschickt, dass es notwendig ist sich hin und wieder auszuruhen und führt weiter an, dass man nur so auf lange Sicht den Vorsatz auch erfolgreich erreichen kann. Das klingt ja alles sehr plausibel und eh man sich versieht lässt man die Zügel etwas lockerer und die Nachlässigkeit hat einen erfasst. Ab diesem Zeitpunkt spricht man immer öfter über den Vorsatz. Ein starkes Indiz dafür, dass der Vorsatz in weite Ferne rückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was tun wenn man so überlistet wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinem Fall einen weiteren Blog schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;17 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe den eigene Schweinehund zu bekämpfen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute habe ich keine Lust trainieren zu gehen und in 17 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben mein Gemütszustand mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern traf ich mit mir die Vereinbarung, dass ich das anstehende Training auf heute verschiebe kann. Heute wollte ich nichts mehr von dieser Vereinbarung wissen. Nur mit sehr viel Mühe konnte ich mich dazu bewegen das ausgemachte Trainingspensum zu absolvieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wartete meine mobile mp3 Abspielstation anstatt der üblichen Motivationsmusik mit einem Hörbuch auf. Eine sehr fade Stimme las mir die Management Theorien von dem mir sehr geschätzten Peter F. Drucker vor. Der gehörte Inhalt war wie erhofft äußerst interessant. Das Training lief ausgezeichnet und sehr bald vergaß ich warum ich eigentlich nicht trainieren gehen wollte. Nach dem zweiten Drittel des Trainings war ich dann auch auf die Tatsache verärgert, dass ich beinahe diese 55 Minuten Sport auslassen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kommt das? Wie kann sich so ein Gemütszustand so schnell ändern? Warum gibt es keine schlaue Bauernregel mit der man diese Veränderung auf Kommando herbeiführen kann? Warum ist es immer erst notwendig, dass man seinen eigenen Schweinehund bis zum letzten Blutstropfen bekämpfen muss? Man sollte doch annehmen, dass dieser Kampf viel zu viel wertvolle Energie verschwendet. Falsch gedacht! Dieser Kampf erzeugt Energie. Ich rede hier nicht über das Endorphin welches der Körper währende des Laufens ausschüttet. Ich meine vielmehr diese tiefe Befriedigung wieder einmal über seinen Schatten gesprungen zu sein und sich nicht selbst mit einer faulen Ausrede abgespeist zu haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich betreibe jetzt schon seit meinem sechsten Lebensjahr Sport und trotzdem bin ich jedes Mal wieder über dessen Wirkung erstaunt.&lt;br /&gt;
Sport ist etwas Wunderbares, denn er funktioniert nach einem genial einfachem Konzept: Move your ass and your mind will follow.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;18 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe für ein Trainingslager.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute weile ich in Kärnten und in 18 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben mein Urlaub mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellen sie sich vor es ist Weihnachten und stellen sie sich weiter vor sie schenken ihrem Sohn eine Carrera Bahn. Die ersten Wochen verbringen sie (sofern sie ein Papa sind) naturgemäß weitaus mehr Zeit damit als ihr Sohn, der sich ja sowie so viel lieber ein Nintendo DS gewünscht hätte um damit virtuell den Hund Gassi zu führen, den sie ihm ja auch nie schenken würden. Denn stünde dieser mit  einer Schleif um den Hals unter dem Christbaum, wären sie für das reale Gassi gehen verantwortlich und  hätten somit wiederum kaum Zeit mit der Carrera Bahn zu spielen. &lt;br /&gt;
Höchstwahrscheinliche wäre das Weihnachtsgeschenk ihres Sohnes länger konfisziert, wäre da nicht die Sache mit der Abwechslung, denn auch die tollste Streckenführung wird irgendwann einmal extrem langweilig. In diesem Fall können sie mit dem Zukauf von weiteren Streckenteilen sehr schnell wieder etwas Abwechslung in ihre neue Beziehung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;128&quot; alt=&quot;carrerabahn&quot; width=&quot;132&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/carrerabahn.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich auch beim Laufen. So etwa nach einem Monat verliert auch die beste Streckenführung ihren Reiz und man ist gut beraten wenn man von Zeit zu Zeit eine weitere Strecke ins Programm aufnimmt. Das kann eine in derselben Stadt sein, aber eben auch ganz wo anders und das nennt man dann Trainingslager.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;180&quot; alt=&quot;weg&quot; width=&quot;240&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/weg.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort macht dann natürlich das Training wieder spaß und man tankt wieder soviel Motivation, auf dass man wieder mit Freude seine alten Strecken läuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es dann auch heute. Es hat geregnet in Strömen und da mein Sohn heute beschloss etwas später schlafen zu gehen auch schon sehr dunkel. Es war wunderbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;19 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe nicht zu trainieren.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute habe ich triftige Ausreden um nicht zu trainieren und in 19 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben meine Launen mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Tage, da läuft alles etwas holprig -  ich bin fast gewillt zu sagen desaströs, aber das klingt dann doch etwas zu theatralisch. Da weiß man schon vor dem Aufwachen, dass ois &lt;a href=http://www.ostarrichi.org/wort-3225-at-Oasch.html &gt;oasch&lt;/a&gt; wird. Diese Tage machen auch dem ausgeklügeltesten &lt;a href=&quot;http://www.adidas.com/campaigns/verticalsrunning/content/at/download/data/training_plans/MTP_3_45-4_15h.pdf&quot; &gt; Trainingsprogramm &lt;/a&gt; einen Strich durch die Rechnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.kishon.info/werk/buecher/unddiebesteEhefrauvonallen.html?chrono=0&amp;alt=0&quot; &gt; Die beste Freundin von allen &lt;/a&gt; meint nicht zu unrecht, dass ich zu schnell esse. Die Gründe für mein hinunterschlingen liegen in meiner Kindheit und sie hier zu erläutern würde  dann doch etwas zu weit führen. Heute Morgen war es dann soweit. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf (in meiner Wohnung kühlt es nachts nur dann ab, wenn ich den Kühlschrank inkl. Gefrierfach offenlasse) wachte ich mit einem kleinen feinen Unbehagen in der Magengegend auf. Möglicherweise ist es also langsam an der Zeit sich einzugestehen, dass man Wok Gemüse etwas länger kauen sollte. Die beste Freundin von allen meinte voller Mitgefühl, dass alles Übel auch etwas Gutes hat und ich nun vielleicht endlich bereit wäre etwas langsamer zu essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem nicht sehr erfreulichen Aufwachen stellten sich dann auch noch mörderische Kopfschmerzen (mit Betonung auf mörderische) ein. Da sich der Tag auch noch anschickte der heißeste in diesem Jahr zu werden, konnte ich davon ausgehen, dass die Kopfschmerzen eher morgen vorbei sein würden als heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;109&quot; alt=&quot;link_oest_hitze_1k_a&quot; width=&quot;141&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/link_oest_hitze_1k_a.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meinem Magen zu liebe verzichtete ich dann auf das Mittagessen und kompensierte es mit 2 trockenen Semmeln und einem Kamillentee, denn die Flores Chamomillae wirken lindernd bei entzündlichen oder krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;104&quot; alt=&quot;chamomile_flowers&quot; width=&quot;141&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/chamomile_flowers.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der restliche Arbeitstag verlief dann etwas ruhiger und mein Magenproblem besserte sich merklich. Was ich aber von meinem Kopfweh nicht behaupten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe einen wunderbaren Sohn namens Emanuel, der so drei bis fünfmal die Woche bei mir schläft. Da er nicht nur bei mir schläft sondern auch spielt, isst bzw. auf die imaginäre Toilette geht ist ein gutes Zeitmanagement ratsam. Dieses erreichte aber heute seine Grenzen, denn die beste Freundin von allen und ich waren zum Abendessen eingeladen und machten damit das 20.00 Training unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;104&quot; alt=&quot;2952&quot; width=&quot;141&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/2952.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es blieb mir also nichts anderes übrig, als das geplante Training auf 17:00 vorzuverlegen um dann um 18:30 Emanuel abzuholen. Um 17:00 war es zwar kühler als um 13:00, aber noch immer viel zu heiß um auch nur einen Meter zu laufen. Mein Programm sah ein Intervalltraining vor  sehr schlechte Vorzeichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auf einmal war es da: das berühmt berüchtigte Selbstgespräch in dem du dir systematisch versuchst das Training auszureden. Ich habe mich gegen mich durchgesetzt und bin laufen gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war das befriedigendste Training der letzten zwei Wochen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;20 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe es Maria Rauch-Kallat nicht gleich zu tun.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wiege ich 89kg und in 20 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat mein Gewicht mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;89kg&quot; width=&quot;200&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/89kg.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntag war im &lt;a href=&quot;http://www.Kurier.at&quot; &gt;Kurier&lt;/a&gt; zu lesen, dass sich unsere Ministerin Rauch-Kallat einer Krautsuppendiät unterzieht und zwar so lange bis sie sich wieder wohlfühle. Klaus Maria Brandauer muss sich schon ziemlich unwohl gefühlt haben, wenn er 20 Tage nur Wasser gegessen hat. Ich persönlich glaube ja, dass es zwischen den beiden Abspeckvarianten nur einen Unterschied gibt und der heißt &lt;a href=&quot;http://www.flatulenz.com&quot; &gt;Flatulenz&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;Rauch-Kallat&quot; width=&quot;200&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/Rauch-Kallat.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum will ich überhaupt abnehmen? Man sollte doch meinen, dass man mit viermal Laufen in der Woche automatisch abnimmt. In meinem Fall ist das leider nicht so, und wenn ich in 20 Wochen noch zwei halbwegs intakte Knie haben möchte, werde ich wohl oder übel Wege und Mittel finden müssen um zumindest neun Kilo abzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile hat das Thema &quot;Abnehmen&quot; bei mir schon eine sehr lange Tradition. Jedes Mal wenn ich bei Freunden zum Essen eingeladen bin, fragt man mich welche Art der Diät ich gerade mache und auf was sie Rücksichtnehmen müssten. So viel kann ich sagen: Ich war schon mal schwerer. Es hat also die eine oder andere Diät so ein bisschen funktioniert, aber eben nur ein bisschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum greife ich jetzt zu härteren Methoden: &lt;a href=&quot;http://wsteleshop.cshop.at:80/detail.asp?itemnr=101080&quot; &gt;VELFORM Sauna Belt&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
Er verspricht entspanntes Abnehmen  das lobe ich mir! Man muss sich das so vorstellen: Ich sitze vor dem Fernsehgerät und sehe mir WS Teleshopping (wahlweise auch ein anderes Programm) an und nach 50 Minuten ist mein Bauchumfang geringer. Nachprüfen kann ich das Ganze dann mit dem beigelegten Maßband. Zugegeben, ohne &lt;a href=&quot;http://www.Horstfuchs.com&quot; &gt;Horst Fuchs&lt;/a&gt; hätte ich nie zu solchen drastischen Praktiken gegriffen. Ihm kommt so leicht niemand aus. Sollte Horst Fuchs jemals in Erwägung ziehen eine eigene Partei zu gründen, ich würde ihm sofort meine Unterstützung anbieten. Stellen sie sich nur diese wunderbaren Belangssendungen vor!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;101&quot; alt=&quot;Sauna-Belt&quot; width=&quot;200&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/Sauna-Belt.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte der Sauna Gürtel wider Erwarten keine Wirkung zeigen, werde ich wohl oder übel auf die altbewährte friss einfach weniger Methode zurückgreifen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;PS:&lt;/i&gt; Die Kombination Dauerlauf, Sonnenuntergang, Park des Schloss Belveders und Was hat dich bloß so runiert im Ohr ist einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;21 Wochen&lt;/b&gt;: &lt;i&gt;Gründe für ein verlängertes Wochenende in Florenz.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute vor einem Jahr starb mein Vater und in 21 Wochen möchte ich 42,195 km laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat der Tod meines Vaters mit der Absicht einen Marathon zu laufen zu tun? Gar nichts und doch sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Sommer 93 meine Sportlerkarriere beendete, dachte ich mir das wars mit dem Sport. Dreizehn Jahre später muss ich feststellen, dass bei mir die Sache mit dem Sport sehr viele Ähnlichkeiten mit der ersten Liebe hat. Mit anderen Worten: ich trauere dem Sport noch immer nach, ich stelle ihn noch immer noch auf einen Podest, ich kann mich an keinen schlechten Moment erinnern und wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte  ich wäre überglücklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottlob gibt es den Freizeitsport! Er schafft es nämlich sich auf eine Stufe mit deinen verklärten Erinnerungen zu stellen. Er lässt dich tatsächlich glauben, dass 1 Stunde Laufen bei maximal 155 Puls dasselbe sind wie 2½ Stunden Schwimmtraining nach dem du keinen Schritt mehr gehen kannst. Gestern habe ich mir ein Trainingsprogramm auf &lt;a href=&quot;http://www.adidas.com/campaigns/verticalsrunning/content/at/download/data/training_plans/MTP_3_45-4_15h.pdf&quot; &gt;adidas.at&lt;/a&gt; heruntergeladen. Beim Studieren des Programms fühlte ich mich dann tatsächlich in meine aktive Zeit zurückversetzt. Nur jetzt geht es darum den Marathon in 4 Stunden zu laufen und nicht sich für eine Europameisterschaft zu qualifizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück zum Tod meines Vaters. Er war ein Mann mit vielen Fähigkeiten. Aber alle Fähigkeiten nützen nichts wenn man es mit der Disziplin nicht so genau nimmt. Ob sein Leben anders verlaufen wäre? Das kann ich nicht beantworten, aber mit Sicherheit wäre es nicht letztes Jahr beendet worden, wenn er das mit der Disziplin etwas ernster genommen hätte. Ich würde lügen wenn ich behaupten würde, alles besser zu machen - darum beginne ich heute mit dem Training. Prophylaxe ist alles!</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-24T20:25:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2314116/">
    <title>DATUM. ZWEI. DAS FEST IN BILDERN</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2314116/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;weiba&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/weiba.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;impr&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/impr.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;holger&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/holger.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alex Schernthaner (Format), Bartenstein-Sprecher Holger Fürst,&lt;br /&gt;
Politikanalyst Thomas Hofer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;haha&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/haha.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;freankfels2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/freankfels2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Illustrator Thomas Hamann, Michael Frank (Süddeutsche Zeitung), &lt;br /&gt;
Schriftsteller Ludwig Fels und Gattin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;bar&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/bar.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;voelker&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/voelker.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM-Anzeigenleiterin Beatrice Kraus, Nina Weissensteiner (Falter), &lt;br /&gt;
Michael Völker (Der Standard), Johannes Weyringer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;sonnleitner&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/sonnleitner.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Sonnleitner, Klaus Stimeder, Walter Sonnleitner (ORF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;traxler&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/traxler.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blattsalatanrichter Günther Traxler und Gattin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;bier2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/bier2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;fidschi&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/fidschi.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva Linsinger (profil), Harald Fidler (Der Standard), Thomas Seifert (Die Presse)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;michi&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/michi.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;graz2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/graz2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunstsammler und Kurator Milo Tesselaar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;markus&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/markus.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markus Pühringer (Format)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;leit5&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/leit5.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;edi&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/edi.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edward Strasser, The Skills Group&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;leit3&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/leit3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;leitich&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/leitich.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HC Leitich (derStandard.at)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;china&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/china.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;ballesterer&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/ballesterer.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfgang Pennwieser, Klaus Federmair (ballesterer FM)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;fleisch&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/fleisch.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markus Huber (Der Tagesspiegel)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;jan&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/jan.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tanja Dobart (Renner-Institut), Darabos-Sprecher Answer Lang, Jan Krims&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;dtaum&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dtaum.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;sophie&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/sophie.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sophie Fielhauer, Der Österreichische Journalist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;verena&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/verena.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verena Ringler, European Stability Institute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;youngsters2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/youngsters2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;patsios&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/patsios.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elisabeth Patsios, Kronenzeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;youngsters&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/youngsters.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM-Volontärin Saskia Jungnikl, Mathias Huter, Solmaz Khorsand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;ost&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/ost.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;prinz&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/prinz.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftsteller Martin Prinz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;nowak&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/nowak.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edward Strasser, Florian Nowak (Lounge FM)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;mueller&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/mueller.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DATUM-Mitarbeiter Gunther Müller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;toth&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/toth.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchautorin und Standard-Redakteurin Barbara Tòth, Stefan Pöttler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;dtaum&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dtaum.jpg&quot; /&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-09T12:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2288539/">
    <title>Liebe Leserin, lieber Leser,</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2288539/</link>
    <description>Am Abend des Dienstag, den 22. August, wurde aus der DATUM-Redaktion in der Ungargasse im dritten Wiener Gemeindebezirk von unbekannten Tätern ein Computer gestohlen, auf dem sich unter anderem 30.000 E-Mail-Adressen, ein Teil der Abonenntendatei, die Kontaktdaten aller unserer Autorinnen und Autoren sowie teils hochsensible andere Kontaktdaten befanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten sind nicht samt und sonders verloren gegangen, können aber jetzt von Dritten eingesehen und missbräuchlich verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte es dadurch zu Problemen bei der Servicierung unserer Leserinnen und Leser oder anderen Kalamitäten kommen, bitten wir um Ihr Verständnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die neue Ausgabe ist von den Schwierigkeiten nicht betroffen und geht heute abend online.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL der aktuellen Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bescheidenheit ist eine Zier, in der wir uns gerne üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu gerne, sagen jene, die während der vergangenen zwei Jahre meinten, so ginge das alles nicht: DATUM müsse lauter werden, aufdringlicher, marktschreierischer. So wie die so genannten Großen der Branche. Und überhaupt: Ohne das große Geld im Hintergrund würden wir sowieso keine zwei Ausgaben lang überleben, hieß es am Anfang. Mehr als zwei Jahre später feiern wir die mittlerweile dritte Sommer-Doppelausgabe von DATUM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Auflage hat sich  einzig und allein dank Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern  in dieser Zeit mehr als verdreifacht, von 3.000 auf 10.000 Stück. Und das nahezu ohne jegliche Werbung, nur durch Mundpropaganda und eine gute Presse im In-, aber vor allem im &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/968756&quot;&gt;Ausland&lt;/a&gt;. Dafür wollen wir uns bei Ihnen erst einmal richtig herzlich bedanken: &lt;b&gt;DANKE&lt;/b&gt;. Und Sie gleichzeitig um etwas bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;editorialfoto&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/editorialfoto.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;DATUM über Obertraun, entdeckt von unserem Leser Georg Koder (siehe auch unsere &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6705/stories/827029/&quot;&gt;Lesergalerie&lt;/a&gt;)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob wir den bisher eingeschlagenen Weg erfolgreich fortsetzen können, hängt wiederum einzig und allein von Ihnen ab. Sie haben es ermöglicht zu beweisen, dass es in der österreichischen Medienlandschaft Platz für ein Blatt gibt, das Wert auf höchste Qualität in der Berichterstattung wie in der optischen Gestaltung legt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Problem besteht aber trotz allem darin, dass wir dem Gros unserer potenziellen Leserinnen und Leser nach wie vor unbekannt sind. Wir können Ihnen DATUM nicht mit einem Gratishandy, einem Internetanschluss oder einem billigen Ticket fürs Robbie-Williams-Konzert schmackhaft machen. Wollen wir auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir wollen, ist, Monat für Monat ein spannendes und seriöses Heft für Sie zu machen, das den höchsten Ansprüchen genügt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Arbeit machen wir  die Grundlagen für diese Arbeit müssen aber Sie schaffen. Deshalb bitten wir Sie, hinauszugehen zu Ihren Freunden, Bekannten und Verwandten und ihnen unser Blatt näher zu bringen. &lt;b&gt;BITTE&lt;/b&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Zeilen verabschieden wir uns in die Sommerpause. Vielen lieben Dank für die zahllosen Glückwünsche zum zweiten Geburtstag. Wir wünschen Ihnen alle Sonne der Welt, verbleiben hochachtungsvoll und wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre der Seiten der Zeit, in der Sie unter anderem folgendes erwartet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Johann Skocek&lt;/b&gt; lässt sich von &lt;b&gt;Hans Dichand&lt;/b&gt; das &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272753&quot;&gt;System Hans Dichand&lt;/a&gt; erklären. Nicole Bojar und Michaela Kampl besuchen junge Österreicher, die nicht von zuhause &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272867&quot;&gt;ausziehen wollen&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Karl Merkatz&lt;/b&gt; sagt, was er mit &lt;b&gt;Frank Stronach&lt;/b&gt; &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2267834/&quot;&gt;gemeinsam hat&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Anneliese Rohrer&lt;/b&gt; erklärt, warum die Australier heute &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2267624&quot;&gt;keine Einwanderer mehr&lt;/a&gt; mögen. &lt;b&gt;Helmut Neundlinger&lt;/b&gt; teilt den Schmerz des Schriftstellers &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2275510&quot;&gt;Ludwig Fels&lt;/a&gt;. Verteidigungsminister &lt;b&gt;Günther Platter&lt;/b&gt; öffnet seine &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2275414&quot;&gt;Jukebox&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Saskia Jungnikl&lt;/b&gt; geht im Südburgenland ins &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2275555&quot;&gt;Puff&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Uschi Fellner&lt;/b&gt; offenbart, was auf ihrem &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2275367&quot;&gt;Nachtkastl&lt;/a&gt; liegt.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Boris Jordan&lt;/b&gt; findet &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2267600&quot;&gt;Charts&lt;/a&gt; heute so was von out-of-date.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Michael Frank&lt;/b&gt; fragt nach der Bedeutung von &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2267518&quot;&gt;Alzheimer&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Rainer Krispel&lt;/b&gt; analysiert die heimische &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272680&quot;&gt;Popkultur&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Mathias Huter&lt;/b&gt; trifft sich mit &lt;b&gt;Willi Langthaler&lt;/b&gt;, dem &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272628&quot;&gt;linksextremsten Österreicher&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Martin Bartenberger&lt;/b&gt; schaut &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272567&quot;&gt;fünfzig Jahre&lt;/a&gt; lang ORF. &lt;b&gt;Boris Marte&lt;/b&gt; fragt sich, was Parteien heute &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2267767&quot;&gt;überhaupt noch sollen&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Andreas Feiertag&lt;/b&gt; und &lt;b&gt;Heinz Schmidt&lt;/b&gt; entdecken auf Friedhöfen das &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2275481&quot;&gt;jüdische Erbe Österreichs&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Ani Reng&lt;/b&gt; setzt sich ins &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6706/stories/2272077/&quot;&gt;Pucherl&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das alles und noch viel mehr gibts ab heute an folgenden Orten in ganz Österreich für 4,50 Euro zu erwerben: &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/743877/&quot;&gt;DATUM-Verkaufsstellen&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichst,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Klaus Stimeder und Johannes Weyringer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;mailto:office@datum.at&quot;&gt;office@datum.at&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PS: Unter dieser Adresse können Sie auch unseren monatlichen Newsletter bestellen</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-04T16:45:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275573/">
    <title>Neue Bärte, alte Werte</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275573/</link>
    <description>TEXT: MATTHIAS KOCH&lt;br /&gt;
FOTOGRAFIE: TOM LINECKER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange, zu lange diskutierte Österreich über die Rückgabe von fünf Klimt-Bildern an die Erben der Altwiener Familie Bloch-Bauer, die der Enkel des emigrierten Komponisten Arnold Schönberg für Maria Altmann in Kalifornien erstritt. Bei einem seiner letzten Wien-Aufenthalte gab Schönberg seiner Verwunderung Ausdruck, dass er hierzulande immer wieder gehört habe, dass man eben zwischen Recht und Gerechtigkeit unterscheiden müsse. Schönberg wandte ein, dass sich das Recht doch möglichst nahe an der Moral zu orientieren habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit griff er  bewusst oder unbewusst  einen tief reichenden Zwiespalt in der österreichischen mentalen Verfasstheit auf. Kaum jemand hat diesen so treffend herausgearbeitet wie der amerikanische Autor William M. Johnston in seinem erstmals 1972 erschienenen Buch The Austrian Mind  An Intellectual and Social History 18481938, welches mit Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte  Gesellschaft und Ideen im Donauraum 18481938 (&lt;a href=&quot;http://www.boehlau.at/&quot;&gt;Böhlau&lt;/a&gt;) artig ins Deutsche übersetzt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fazit des Geschichtsprofessors von der University of Massachusetts: Für die Österreicher zählte die Vergangenheit schon damals mehr als Gegenwart und Zukunft. Schon damals war in diesem Land wichtiger, wer man ist, nicht, was man tut. Schon damals faszinierte der Tod mehr als das Leben. Schon damals hemmte die Trägheit Reformen, unterdrückte der Schein das Sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johnston fasste in seinem Werk alle großen Innovatoren und Kreativen zusammen, die zu jener Zeit im Donauraum lebten. Nicht wenige österreichische Denker jener Zeit wurden zu Leitsternen: Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Franz Kafka, um nur die Bekanntesten zu nennen. Für den Geschichtswissenschaftler Johnston bildete das Absterben des intellektuellen Wien einen der Hauptgründe dafür, dass Europa nach 1945 so wenige originelle und innovative Denker hervorgebracht hat. Seine These: Der Kontinent hatte mit dem Vorkriegswien einen der wenigen Vorposten nominalistischen Denkens östlich des Rheins verloren. Nirgendwo anders wetteiferten statische Gemeinschaften mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Loyalität, Zugehörigkeit und feudalen Strukturen mehr mit dynamischen Zirkeln, deren Werte Recht, Individualität, Nominalismus, Kapitalismus und Leistungsorientierung bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es blieb dem Weitblick eines Ausländers vorbehalten, die Verknotungen und Verstrickungen jenes Innengewebes nachzuzeichnen. Das Besondere am Donauraum jener Zeit war, dass hier im Experimentellen kaum etwas ausgelassen wurde, was später woanders entweder aufgegriffen oder verworfen wurde. So als hätte alles schon einmal seine Probe im alten Österreich gehabt. Es scheint, als hätte man erst kürzlich ein über Jahrzehnte abgestelltes Glas neuerlich angegriffen und geschüttelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute trübt der Ausklang dieser Vibrationen die Sicht auf die Geografie Mitteleuropas. Johnston hatte seinem Buch ein Zitat von Jan Gebser vorangestellt: Etwas Neues kann man nur finden, wenn man das Alte kennt. Der ebenfalls zitierte Walter Brecht bezeichnete es dementsprechend als eine fast unheimliche Fähigkeit des Österreichers, alle Seiten einer Sache auf einmal zu sehen und zu verstehen  aber auch ebenso gut ihr Gegenteil. Lässt man die Jahre nach 1938 Revue passieren, so kann das Gegenteil nur besser als das Erlebte werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die OECD verspricht sich in den nächsten Jahren vom Dreiländereck Wien-Bratislava-Györ die größten wirtschaftlichen Wachstumsimpulse innerhalb der EU. Bezieht man in diesen Radius im geografischen Sinne Prag und Budapest wie auch die Impulsgeber Kultur und Zivilgesellschaft mit ein, könnten diese Erwartungen bald übertroffen werden. Es gibt in Europa keine vergleichbare Schnittstelle zwischen drei bedeutenden so genannten Kulturlandschaften  der germanischen, romanischen und slawischen. Die Geschichte verfügt über genügend Beispiele, was es hervorbringen kann, wenn sich alle drei austauschen und gegenseitig befruchten. Nicht zuletzt galt das für die Zeit zwischen 1848 und 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis vor 1800, so Johnston, hatte die Habsburger-Monarchie historisch drei wichtige Aufgaben erfüllt: die Rückführung des süddeutschen Raums zum Katholizismus, die Abwehr des osmanischen Ansturms und die Verbreitung der westlichen Zivilisation gen Osten. Mit deren Erfüllung wurde der Vielvölkerstaat freilich in zunehmendem Maße vermeintlich anachronistisch erlebt. Mit schwer wiegenden Folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anton Wildgans bezeichnete den Österreicher einst als Menschenkenner, der Toleranz und Höflichkeit gezielt einsetzt, um seine Gesellschaft am Leben zu erhalten. Mit der neuerlichen Begegnung verschiedener Völker ist diese Kunst des Dialogs wieder gefragt. Die reaktivierte Fähigkeit zum integrativen Denken ist die beste Voraussetzung, um im Zeitalter der Globalisierung einen neuen Heimatbezug entwickeln zu können. 1913 sagte Arnold Schönberg im Andenken an den zwei Jahre zuvor verstorbenen Gustav Mahler: Aber wenn wir die Teile auseinander genommen haben, sind wir meist nicht mehr im Stande, sie wieder genau zusammenzusetzen, und haben verloren, was wir vorher schon besessen hatten. Das Ganze mit allen Details und seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Zweifel hilft Johnstons Buch beim Zusammensetzen früherer Details. Heute mehr denn je.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>wissenswelten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T10:53:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275555/">
    <title>Pufflandler</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275555/</link>
    <description>Bordellbesucher sind leiser als Gasthausgeher. Diese Erkenntnis hat Christina Wiesler schnell gemacht. Die 60-Jährige lebt mit ihrem Mann in einem bescheidenen Einfamilienhaus gegenüber der Flying Lady. Die dunkelroten Leuchtketten, die die Fassade des ehemaligen Landgasthauses zieren, ersetzen mir am Abend die Lichter, sagt die Pensionistin. Anfangs hat sie sogar drüben gearbeitet, als Putzfrau. Und war von der seriösen, lockeren Atmosphäre überrascht. Denn man hört ja viel und erwartet einiges, aber es is ganz normal. Auch ihr Mann Ernst sieht das so: I geh öfter rüber auf an Spritzer. Da kommen viele Männer, die einfach nur was trinken wollen und halt a bissl die Hasen anschaun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;299&quot; alt=&quot;oevpwerbung&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/oevpwerbung.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flying Lady liegt in Punitz, einem Ortsteil der südburgenländischen Gemeinde Tobaj, knapp sechs Kilometer von der Bezirkshauptstadt Güssing entfernt. 333 Einwohner, eine Kirche, eine Bushaltestelle, kein einziges Gasthaus. Die Volksschule hat in diesem Jahr nur noch eine einzige Klasse  für alle vier Jahrgänge. Rund 15 Kilometer sind es von hier bis Ungarn. In der südlichsten Ecke des Burgenlandes, wo die Leute mit Uhudler anstoßen und der Sportplatz den Dreh- und Angelpunkt des sozialen Lebens bildet, ist seit kurzem ein Phänomen zu beobachten, das sich direkt vor den Augen der Einwohner abspielt, das aber vorderhand so niemand wirklich erklären kann: Die Zahl der Bordelle explodiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Ursachen gibt es nur Vermutungen: die nahe der Ostgrenze gelegene A2, die zahlreichen Thermen in der Umgebung und, aus Sicht der Bordellkundschaft am wichtigsten, die Dumpingpreise der Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Burgenländer sind immer nach Ungarn rübergefahren. Da hab ich mir gedacht, ich bring das Angebot halt her, sagt Robert Gross, der Pächter des Maxim in Güssing. Seine Geschäfte in der 4.000-Einwohner-Stadt, die im Sommer mit Festspielen auf der mittelalterlichen Burg Touristen lockt, gehen gut. Auch wenn sich die erste Euphorie bereits gelegt hat. Als wir vor zwei Jahren eröffnet haben, haben wir ein Supergeschäft gemacht. Heute merkt man die Konkurrenz aus Punitz. Man muss halt schauen, dass ma die richtigen Mädls hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Burgenland ist das einzige Bundesland, aus dem es keine von der Polizei verlautbarten Zahlen über die Anzahl der Bordelle gibt. Pressesprecher Wolfgang Boglitsch rät, in jedem Bezirk beziehungsweise in jeder Gemeinde anzurufen. Ergebnis: zwischen 35 und 40 Puffs, aufgeteilt auf sieben Bezirke mit rund 280.000 Einwohnern. Macht bei etwa zehn bis 15 Frauen pro Bordell einen Schnitt von etwa 280 burgenländischen Männern pro Prostituierter. Genau weiß es freilich keiner. Und will es auch nicht wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter der auch nachts geöffneten Tankstelle an der Bundesstraße 57, wo Güssing nach Norden hin ausfranst, steht ein verlassenes Gasthaus. Ein Schild verweist auf das daneben liegende, nach dem Evergreen von Johannes Heesters (Heut geh ich ins Maxim, da bin ich sehr intim ) benannte Nachtlokal. Gross Bordell ist das billigste in der Gegend. Eine halbe Stunde kostet 50 Euro, eine ganze 100.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußerlich trägt Robert Gross keine der typischen Insignien seiner Zunft. Die goldene Kette, die um seinen Hals baumelt, ist von bescheidenem Ausmaß. Er hat keine fetten Ringe an den Fingern, kein Flinserl im Ohrloch; die glatten, braunen Haare sind kurz, das blau-weiß gestreifte Polo-Shirt tadellos gebügelt. Das Maxim leitet der 38-Jährige seit zwei Jahren, bis heute führt er auch  gemeinsam mit seiner Frau Brigitta  ein Bordell gleich über der Grenze. Außer ihr haben Frauen keinen Zutritt. Die sind schlecht fürs Geschäft, sagt Gross. Er erzählt von Freundinnenrunden, die anfangs den Laden stürmten, um herauszufinden, wer eigentlich ins Puff geht. Seitdem nur noch Männer zugelassen sind, haben sich die Wogen geglättet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute amüsieren sich die Leute über die Versuche männlicher Güssinger, ihr Treiben geheim zu halten. An den Autos, die auf dem Nummernschild das Kürzel GS tragen, überkleben die ortsansässigen Freier kurzerhand das S  und glauben sich so als Grazer getarnt. Gross weiß auch von Gästen, die ihr Auto bei der Tankstelle parken und dann schnell die Straße in Richtung Maxim hinauflaufen. Die Polizei hat mit ihm kein Problem. Und er nicht mir ihr. Die haben am Anfang jede Woche kontrolliert, jetzt jede zweite, immer unerwartet. Das ist aber eh okay, gibt ja nix zu verstecken, sagt Gross.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Österreich ist das Bordellwesen Landessache, jedes Bundesland hat seine eigenen Richtlinien. Von Amts wegen gibt es den Namen Bordell gar nicht. Die Betreiber melden dem Gewerbeamt das Öffnen einer Bar oder eines Nachtklubs. Ob in solchen Bars auch Sex zu kriegen ist, erfährt die Gemeinde als Erste. Die Daten leitet sie dann an die Polizei weiter, die für eine regelmäßige Kontrolle der Damen zuständig ist. Außerdem ist es Aufgabe des jeweiligen Polizeipostens, die in seinem Rayon eröffneten Bordelle umgehend der Landeskriminalamtsstelle zu melden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im Südburgenland nur in der Ausnahme passiert. Ein Grund: die rasante Fluktuation in dem Gewerbe. Hinter vorgehaltener Hand spricht man allerdings von purer Schlampigkeit  so ein burgenländischer Polizist, der für diese Erkenntnis freilich nicht namentlich genannt werden möchte. Eine Schlampigkeit, die den Frauen leicht zum Verhängnis werden kann. Die Rechtsanwältin Doris Einwallner, die sich im Verband mit dem Verein lateinamerikanischer emigrierter Frauen in Österreich (LEFÖ) der Nöte ausländischer Prostituierter annimmt, sagt: Es gibt im Bereich der Bordellregelung einen großen Graubereich, was erlaubt ist und was nicht. Wo eine Grauzone existiert, ist die Gefahr des Missbrauchs gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;302&quot; alt=&quot;puff2&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/puff2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Maxim besteht das, was Robert Gross das Angebot nennt, ausschließlich aus Ausländerinnen. 16 Frauen aus Ungarn, Polen, der Slowakei und Tschechien. Wie viel den Frauen von dem verdienten Geld bleibt, vereinbaren sie mit dem jeweiligen Besitzer. Als selbstständig Erwerbstätige zahlen sie ihm Miete. Dafür stellt er ihnen die Räume zur Verfügung. Konkrete Beträge nennt niemand. Die Betreiber sprechen von fixen Prozenten. Üblich sind zwischen 20 und 30 Prozent vom Verdienst. Außerdem müssen die Prostituierten oft auch die Werbung der Lokale mitfinanzieren. Im Gegenzug haben sie ein Recht auf eine Beteiligung an den verkauften Getränken. Vor allem am Sekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Sexarbeiterinnen ins Gespräch zu kommen, fällt schwer. Kaum eine von ihnen spricht verständliches Deutsch. Wenn das Bordell um vier Uhr früh schließt, fahren sie in eines der Gasthäuser in den umliegenden Ortschaften, wo sie schlafen. Aus Angst vor Freiern, die die Sperrstunde nicht anerkennen, wechseln sie regelmäßig die Wohnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karolina kommt aus Budapest. Seit drei Jahren arbeitet sie im Südburgenland. Zuerst in Litzelsdorf, aber dort ging es der heute 42-Jährigen, die sich trotz ihres Jobs eine gewisse Jugendlichkeit bewahrt hat, nach eigenem Bekunden sehr schlecht. 40 Kilometer weiter in Jennersdorf wurde es auch nicht besser. Warum es weder da noch dort geklappt hat, will sie nicht genau sagen. Jetzt sitzt sie inmitten eines schwarzen Ledercouch-Ensembles in der Flying Lady in Punitz, in der Nachbarschaft der Wieslers. Hier kann ich mir jeden Tag selber einteilen, sagt Karolina. Außerdem herrsche in Punitz Kondomzwang. Und nicht zuletzt könne sie hier mit dem Franz reden, wenn ich Probleme habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Franz heißt mit vollem Namen Franz Zöhrer und kennt sich aus im Geschäft. Das hier ist einer der schwersten Berufe überhaupt. Viele Mädchen bedeutet viel Stress, sagt er, während ein Kunde  klein, graues Haar, Siebentagebart  an der Theke steht und aufmerksam den Busen seines Gegenübers mustert. Im ganzen Burgenland berühmt wurde Zöhrers Haus durch eine unbeabsichtigte Intervention von höchster Stelle. Die burgenländische ÖVP errichtete Anfang des Jahres genau vor seinem Lokal ein Schild mit der Aufschrift: Wir sind da. Rund um die Uhr. Die SPÖ kam, sah, fotografierte, und plötzlich hat mi jeder im Burgenland kannt  und woanders a, sagt Zöhrer und hält sich beim Lachen den gut ausgeformten Bauch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;puff3&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/puff3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für ihn liegen die Gründe für den enormen Zuwachs an Bordellen in der Gegend auf der Hand: Die Leute glauben, mach ma halt a Puff auf, das is schnell und leicht verdientes Geld. Aber das is harte Arbeit. Einmal nach Russland fahren und dort a Bier trinken, reicht net aus, um a Lokal zu eröffnen. Dafür braucht ma Connections in ganz Europa. Das himmelblaue Hemd trägt Zöhrer bis zu den Ellbogen aufgekrempelt. Die offenen obersten Knöpfe offenbaren eine durchschnittliche Brustbehaarung und eine Goldkette, mit der man einen Kampfhund erwürgen könnte. An den Armgelenken baumeln ebenfalls Hochkaräter. Für eine Marlboro braucht Zöhrer gefühlte 30 Sekunden. Als draußen ein Wagen vorfährt, schreit er: Nicole, geh, mach du das bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Flying Lady hat Zöhrer nach dem angrenzenden kleinen Flugplatz benannt. Vor seinem jetzigen Job führte er ein Lokal in Teneriffa, wo ich mit meinen Blondinen innerhalb kürzester Zeit alle anderen Bordelle in die Ecke verwiesen hab. Vor diesem Auslandsaufenthalt hat er ein paar illegale Dinger gedreht, über die er im Detail nicht sprechen will. Im Flying Lady sind die Frauen selbst verantwortlich, dass die Duschen geputzt und die Mistkübel geleert sind. Im Umgang mit dem Personal pflegt Zöhrer seine eigene Philosophie: Die Mädls brauchen Führung. Die müssen wissen, wo die Grenze ist. Wenn ein Fußballspiel ist oder es regnet, wird auch mal Pause gemacht. Aber dann muss es weitergehen. Der Job, sagt die zierliche Karolina, macht überhaupt keinen Spaß. Sie verbringt maximal vier Tage pro Woche im Burgenland. Den Rest der Zeit lebt sie in ihrer Heimat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Beitritt Ungarns zur EU vor zwei Jahren arbeiten deutlich mehr Frauen aus Osteuropa als Prostituierte in Österreich. Die sieben Jahre währende Übergangsregelung für Arbeitnehmer aus den Neo-EU-Mitgliedstaaten gilt nur für Unselbstständige. Top secret und schnell, schnell, schnell müsse die Arbeit gehen, sagt sie. Das verdiente Geld spart sie. Wenn sie genug hat, will sie ein kleines Geschäft eröffnen. Vielleicht ein Kaffeehaus. Bestimmt nix mit Sex, sagt Karolina und nippt an ihrem Mineralwasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine halbe Stunde Sex in der Flying Lady kostet 55 Euro, eine Stunde 110. Nur mit Gummi und ohne Küssen, sagt Franz Zöhrer. Die Dumpingpreise schreibt er der sich stetig verschärfenden Konkurrenz zu. Fast im Monatstakt eröffnen im Umland neue Bars und Tanzclubs, die jüngsten in Poppendorf, Großpetersdorf und Rust. Am Anfang hat Zöhrer 80 Euro für die halbe Stunde verlangt, aber da kommt kaner. Dabei zahlst in der Steiermark für a halbe Stund 100 Euro.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Talent für diese Branche hat ma mir in die Wiege gelegt. Schon als Bub träumte der gebürtige Feldbacher den Traum vom Bordellchef: Das Gold und die großen Autos  das hat mir scho immer gfallen. Entgegen diesen Vorlieben legt Zöhrer, was sein Lokal angeht, Wert auf einen gewissen Stil: Bei uns etabliert sich langsam a seriöses Publikum. Ned wie im ,Maxim in Güssing, wo nur a paar Bundesheerler kommen, a Bier trinken, die Füß am Tisch legen und dann a halbe Stund nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zöhrers Konkurrent Robert Gross hört derlei gar nicht gern: I glaub, in der Kaserne gibts sogar ein Puffgehverbot. Seit einem Jahr jedenfalls ist kaum mehr einer in Uniform da. Ein Polizist aus der Gegend bestätigt das: Im ,Maxim hats vor einem Jahr eine Schlägerei gegeben. Jetzt dürfen die dort nicht mehr hingehen. Nur bei den derzeitigen Vorlieben der Gäste sind sich die südburgenländischen Bordellbesitzer einig: große Brüste, mollige und ältere Frauen. Vielleicht weil sie dem Gast das Gefühl einer Ehefrau vermitteln, sagt Franz Zöhrer. Weniger gern äußern sich die Puffväter über die Zusammensetzung ihrer Kundschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht Wolfgang Zyka. Der Wiener hat Ende März in Wörterberg, einem 457-Seelen-Dorf an der Grenze zur Oststeiermark, das Inkognito gepachtet. Das Lokal stellt so etwas wie die Luxusjacht unter den burgenländischen Puffs dar. Für Sex im Inkognito zahlt man pro Viertelstunde 58 Euro, für eine halbe 80, für die ganze 110. Dafür ist Naturfranzösisch inbegriffen. Bei den anderen Bordellen ist das nicht so  dadurch sind wir vergleichsweise billig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;298&quot; alt=&quot;puff1&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/puff1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier hat das Bordell sogar den Spitznamen des Dorfes verändert: Die Leute aus der Umgebung sprechen heute nur noch von Bad Wörth  wegen des Swimmingpools im Inkognito. Ein eigener kleiner Feldweg führt zu einem Anwesen, das rund 1.100 Quadratmeter Nutzfläche umfasst. Das Erste, was einem beim Betreten des Hauses entgegenschlägt, sind die drückende Hitze und der beißende Geruch von Chlor, wie in einem kleinen Hallenbad. Leicht bekleidete Mädchen huschen vorbei, alle einen leicht abwesenden Blick im Gesicht und eine Tasse Kaffee in der Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste große Raum hat auf der rechten Seite eine lange Bar, gegenüber davon sind im Halbkreis Sitznischen eingebaut. In der Mitte steht auf einem erhöhten Podium eine Stange für Tanzeinlagen. Die Wände sind voll von handgemalten Bildern, die man hier für erotisch hält: wohlproportionierte Frauen, die sich gegenseitig stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Kundschaft rede ich nicht, sagt Zyka. Die Leute, die hier wohnen, sind da nicht so diskret. Vor allem die Grenzsoldaten sollen die Nachtklubs finanzieren, heißt es. Die sind für ein paar Monate an der Grenze stationiert. Da zahlt sich heimfahren nicht aus, also gehens halt da weg, sagt eine Güssingerin. Auch viele Geschäftsleute, die berufshalber die Südautobahn benutzen, kommen angesichts der Vielfalt und der Niedrigpreispolitik der südburgenländischen Etablissements öfters auf einen Abstecher hierher. Im Internet finden sich gut besuchte Seiten mit Rankings der besten und billigsten Bordelle in der Gegend. Ein weiterer Kundenstock speist sich aus den Besuchern der Thermen in der Umgebung. So sorgen die heilenden Quellen von Loipersdorf, Bad Tatzmannsdorf, Blumau und Stegersbach für regen und stetigen Verkehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Thermenbetreiber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, erzählt von Gästen, die regelmäßig fragen, wo man sich in der Gegend am besten amüsieren kann. Manche bestellen sich eine Frau direkt auf ihr Hotelzimmer. Die Bordellbesitzer tragen dem Rechnung, indem sie seit kurzem auch ein Escort-Service anbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein blühendes Geschäft also? Maxim-Pate Robert Gross relativiert: Die Leute glauben immer noch, dass das Geschäft eine Goldgrube ist. Aber dahinter steckt harte Arbeit. Vor fünf Jahren sei das noch anders gewesen, sagt Zöhrer: Da hat ein Mädchen auf der Straße so viel Geld gebracht wie heute fünf im Lokal. Für Inkognito-Chef Zyka ist der finanzielle Erfolg nicht so wichtig, sagt er: Ich hab das Bordell als Freizeitspaß. In Wien hab ich noch ein Studio, das deckt meine Zahlungen ab. Nach der Übernahme musste der Mann mit der Nickelbrille und dem Dreitagebart umlernen. In einem Studio gibt es keine Bar und kein Schäkern im Separee: Dort geht es nur um Sex, ohne Vorgeplänkel mit Piccolo und Händchenhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem glaubt Zyka an eine rosige Zukunft seines Gewerbes im Burgenland, weil: Ich hab mein eigenes Konzept. Erotische Lesungen und Musikaufführungen soll es geben, für die kunstsinnigeren Kunden. Während der Fußball-WM hat er eine Videoleinwand aufgestellt. Zehn Mädchen arbeiten derzeit im Inkognito, aber bald schon soll auf 15 aufgestockt werden. Seine Frau Dana, eine zierliche, hübsche Mittzwanzigerin mit langen, schwarzen Haaren, steht zeitweise hinter der Bar.Für Zyka sind die Mädchen das Wichtigste, beteuert er. Weil: Die gehen für mich mit jemandem ins Bett. Das muss man honorieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Frage an die Maus&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prostituierte, die in Österreich in einem Bordell arbeiten, sind selbstständig erwerbstätig. &lt;br /&gt;
Sie müssen sich bei der Polizei registrieren, eine Steuernummer haben und eigenständig &lt;br /&gt;
Versicherung zahlen. Wie oft sie zur Gesundenuntersuchung müssen, variiert zwischen den einzelnen Bundesländern. Die Amtsärztin händigt ihnen einen Gesundheitspass, den so geannten Deckel, aus, den die Polizei kontrolliert. In Österreich sind heute laut Angaben des Bundeskriminalamtes rund 3.500 Prostituierte registriert. Die Zahl der illegal Arbeitenden wird auf 2.000 geschätzt. Die vier wichtigsten Einrichtungen, die sich im Land der Prostituierten annehmen, sind Lefö und Sila in Wien sowie Maiz und Lena in Linz. 70 bis 80 Prozent der Frauen sind laut Lefö Ausländerinnen, die meisten von ihnen kommen aus Osteuropa. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anzahl der Bordelle in den Ländern variiert in hohem Maße. In Wien gibt es 200, in Vorarlberg kein einziges. Grund dafür ist das dortige Sittenpolizeigesetz, das die Einrichtung eines legalen Bordells verbietet. In Tirol gibt es fünf, in Kärnten 30, Salzburg verzeichnet 37, die Steiermark hält derzeit bei 145 Freudenhäusern. In Niederösterreich gibt es 70 bordellähnliche Betriebe, in Oberösterreich 77, wie die jeweiligen Landeskriminalämter bzw. Sicherheitsdirektionen mitteilen. Alle verlautbarten Zahlen sind allerdings nur grobe Schätzungen. Für das Burgenland gibt es gar keine Zahlen, der Stand dürfte bei etwa 40 liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Reiter, Leiter der Abteilung Menschenhandel in Salzburg, nennt als Grund: Gerade im Rotlichtmilieu ist es schwer, konkrete Zahlen zu nennen. Ständig sperrt wo wer auf und dafür ein anderer zu. Wo die Bordelle stehen dürfen, ist im jeweiligen Landespolizeigesetz geregelt. Im Burgenland ist die Prostitution im Umkreis von 200 Metern von öffentlichen Orten wie Schulen, Kirchen, Friedhöfen und Krankenanstalten verboten. Von einem Anstieg der Kriminalität durch den Bordellboom der letzten Jahre ist laut Polizei nichts zu merken. Übrigens die einzige konkrete Aussage der amtlichen Stellen.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T10:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275510/">
    <title>Die Kunst des Schmerzes</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275510/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Ludwig Fels&quot; height=&quot;285&quot; alt=&quot;Ludwig Fels&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/fels3.jpg&quot; /&gt;Er habe ein sanftes Buch schreiben wollen, sagt Ludwig Fels über die im Frühjahr erschienene Reise zum Mittelpunkt des Herzens. Nicht noch ein wütendes, in die Leibhaftigkeit menschlicher Abgründe eindringendes. Er habe selber genug von drastischen Beschreibungen und obendrein das Gefühl gehabt, dass er bei einer neuerlichen Ausreizung der Schmerzgrenzen die Leser in ihrer alltäglichen Ausgeliefertheit direkter oder medial vermittelter Leidenserfahrung nicht mehr erreichen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leise, tiefe Stimme des 59-jährigen Autors brächte einen nicht auf den Gedanken, dass Romane wie Bleeding Heart (1993) und Mister Joe (1997) auf Grund ihrer schonungslosen Genauigkeit wilde Ablehnung bei Lesern und Kritikern hervorriefen. Vielleicht sind es gerade die von dieser Stimme getragenen, sanft dahinrollenden fränkischen Laute und die stets fragenden, für alles ihn Umgebende offenen Augen, die einen lebendigen, verletzlichen Widerspruch zu seiner wuchtigen Gestalt und den ihr eingeschriebenen Erfahrungen erlittener wie ausgeteilter Härte bilden. Sein Händedruck scheint die Qualität seiner Sätze noch körperlich zuzuspitzen: packend, lange nachhaltend und die ungeteilte Aufmerksamkeit dessen fordernd, der sich davon berühren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte des Versehrens und Versehrtwerdens durch die Arbeiten von Fels und erzeugt poetische Echos eines Schmerzes, der in tieferen Schichten liegt als in banalen, lebens-umständlichen Kränkungen. Durch all ihre ästhetischen und stofflichen Transformationen hindurch entwickelt seine Literatur eine seismografische Dokumentation psychischer, physischer und sozialer Bedingungen der Grausamkeit, des Leidens und der unwillkürlichen ebenso wie der nackten Gewalt im Lebensraum Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels ist ohne Zweifel einer, der viel erlebt hat. Ebenso tief wie das Erlebte hat sich ihm allerdings die Erkenntnis eingeprägt, dass in den zeitlebens gesammelten Erfahrungen der Stoff, jedoch noch nicht notwendigerweise die Befähigung zum Schreiben liegt. Nicht noch einmal möchte er zum Bürgerschreck gemacht werden, entfährt es ihm, und man erhält ein Gefühl dafür, welche Kränkung darin liegt, immer nur auf die Anekdoten aus dem wilden Leben reduziert zu werden. Entsprechend zurückhaltend ist er, was das Biografische betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer radikal persönlichen Befreiung im Schreiben, das überragende Interesse am Wirklichen, das seine Texte antreibt, der zeitweise völlige Verzicht auf Fiktion: Die Arbeit mit und an der Sprache muss gerade bei einem Autor wie Ludwig Fels als das notwendig Andere der Wirklichkeit ernst genommen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Empfindlichkeit spiegelt sich auch ein kritischer Reflex auf die Art, wie in der Öffentlichkeit mit einem Autor umgegangen wird, der buchstäblich von unten kommt und sich Sprache, Aufmerksamkeit und Anerkennung unter erheblich größeren Mühen erringen musste als andere. Das Etikett vom deutschen Bukowski erhält einer wie Fels bei weitem schneller, als er es wieder loswird. Verdeckte Bedingung für eine solche Zuschreibung ist scheinbar immer noch ein Leben, in dem zunächst gar nichts einfach gegeben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Vater wuchs der 1946 im fränkischen Treuchtlingen geborene Ludwig Fels auf, großgezogen von einer einfachen Magd in einem für ärmlich-kleinbürgerliche Verhältnisse typischen Existenzkampf. Den daraus erwachsenden Demütigungen versucht er durch eine möglichst frühe Flucht in die Selbstständigkeit zu entkommen. Nach der Hauptschule beginnt er eine Lehre als Maler, die er allerdings nicht abschließt. Gelegenheits- und Hilfsarbeiterjobs als Packer, Stanzer und Maschinist folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der allzu frühe Abbruch des Bildungwegs und die Tristesse seiner Arbeits- und Lebensumstände scheinen schon früh jegliche Perspektiven auf einen sozialen Aufstieg zu vernichten. Einzig das wilde, ungerichtete Lesen von Büchern bietet ihm eine Möglichkeit, die Aussichtslosigkeit seiner Existenz hinter sich zu lassen. Wo ich herkam, wie ich aufgewachsen bin, hatte ich keine Möglichkeit, mir eine Form von Legalität zu erwerben, bekennt er einmal in einem Interview. Ich war schwer gefährdet und dachte: Das Einzige, was ich kann, ist lesen, denken und es ausdrücken. Und schreiben. Fels profitiert bei seinem Sprung in die Literatur vom wachsenden Selbstbewusstsein proletarischen Kulturschaffens zu Beginn der Siebzigerjahre. Er wird Mitglied in einem Werkkreis Literatur der Arbeitswelt und entwickelt erste Ansätze einer eigenständigen poetischen Sprache. Von Anfang an überzeugt diese durch eine ungewöhnliche Mischung aus Knappheit und Expressivität: Die Kurzprosa ist in ihrem Bilderreichtum nahe am Gedicht, seine Lyrik hat keine Scheu, Zustände, Räume und Ereignisse zu erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Berührung mit den Werken von Ödön von Horvath und Oskar Maria Graf schärft sich Fels Blick für die ideologisch-sozialen Umstände des Lebens in der fränkischen Provinz in und um Nürnberg, wo er ab 1970 lebt. In zahlreichen Miniaturen und Gedichten schafft er proletarische Kalendergeschichten, die in pointiert-sarkastischen Wendungen die Abgründigkeit der sozialen Räume schildern, in denen er sich bewegt. Er wird zum Chronisten einer Welt, die in der nachkriegszeitlichen Anstrengung des Verdrängens auf fatal selbstvergessene Weise allein mit sich selbst beschäftigt scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren erstaunlicher Produktivität und erster größerer Anerkennung wie etwa durch den 1979 überreichten Leonce-und-Lena-Preis zieht es Fels weg aus der Enge Nürnbergs. Ein Zufall führt ihn 1983 nach Wien. Zunächst war geplant, ein paar Monate bei Freunden zu Gast zu bleiben, erzählt er. Aus diesen Monaten wurden Jahre und, als seine Frau 1986 eine Hospitanz beim gerade neu installierten Burgtheaterdirektor Claus Peymann erhält, beinahe eine Endgültigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang hab ich noch versucht, mich ins literarische Leben zu integrieren, dabei allerdings eine große Reserviertheit bei den hiesigen Schriftstellern gespürt, resümiert Fels seine Versuche einer Kontaktaufnahme zur Wiener Literatenszene. Als mir dann ein Kollege im Rausch mal gestand, dass es die Wiener immer als Kränkung empfänden, wenn ein Deutscher sich hier niederlasse, da sie doch selber eigentlich am liebsten immer nur wegwollten, habe ich begonnen, mich zurückzuziehen. Seinem Schreiben schadet Wien jedoch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;ludwig fels&quot; height=&quot;299&quot; alt=&quot;ludwig fels&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/fels5.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zurückgezogenheit des Stadtlebens entstehen nach dem bislang größten Erfolg mit dem Roman Ein Unding der Liebe Romane wie Rosen für Afrika, Bleeding Heart und vor allem Der Himmel war eine große Gegenwart (1990), sein wohl persönlichstes Buch, handelt es doch vom Krebstod seiner Mutter. Er begann zunächst noch ohne literarische Absichten aufzuschreiben, was er sah und fühlte. Fünf Jahre seien die Aufzeichnungen gelegen, bevor er begonnen habe, sie literarisch zu gestalten. Dabei hat mir meine Erfahrung als Lyriker sehr geholfen, sagt Fels, der mehr als skeptisch bleibt, was die Möglichkeiten einer erfolgreichen Publikation von Gedichten betrifft. Natürlich haben Leute wie Durs Grünbein mit ihren Veröffentlichungen in den Neunzigern erneut einen kurzfristigen Boom der Lyrik verursacht. Generell aber läuft ein Verleger heutzutage Gefahr, bei einem Lyrikband mit Ach und Krach die Produktionskosten einzuspielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn er seine Gedichtproduktion als persönliche Schreib- und Herzensübung verstanden wissen will, die eine Frequenz von zehn Stück pro Jahr kaum überschreitet, gäbe es den Schriftsteller Fels vielleicht gar nicht mehr, hätte er in einem Augenblick tiefster Krise nicht auf die Möglichkeit des Dichtens zurückgreifen können. Nachdem mein ,Mister Joe einen so gewaltigen Flop hingelegt hatte, verbrachte ich ein ganzes Jahr damit, Tag für Tag ein Gedicht zu schreiben, um meinem Alltag und meinem Schreiben einen von aller Öffentlichkeit unabhängigen Halt zu geben, sagt er. 1997 war der Thriller erschienen, beruhend auf einer wahren Geschichte. Ein oberösterreichischer Arzt hatte als Sextourist in Manila eine Minderjährige mit einem Vibrator so stark verletzt, dass sie in der Folge qualvoll zu Grunde gegangen war. Der Mann war unter dubiosen Umständen freigesprochen worden, ein Faktum, das Fels noch heute wütend macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Erscheinen passierte etwas vollkommen Absurdes: Ein Teil der Rezensenten verfasste Hymnen, andere verurteilten mich wegen der drastischen Darstellung der Penetration mit tödlichen Folgen. Nicht der Täter stand da plötzlich vor Gericht, sondern der Bote. Das Buch wurde ein kommerzieller Misserfolg, nicht zuletzt auf Grund eines unausgesprochenen Boykotts durch die Buchhändler. Zum doppelten Schaden für Autor und Leser: Während Ersterer sich noch heute über das Missverständnis ärgert, das Dargestellte mit der Darstellung zu identifizieren, wurde Letzteren die Möglichkeit genommen, buchstäblich unverstellt einem Roman zu begegnen, der für die deutschsprachige Literatur vollkommen neue Formen des Erzählens aufnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mister Joe nähert sich den im Sextourismus virulenten globalen Abhängigkeits- und Gewaltverhältnissen mit den Mitteln des Thrillers und der pulp fiction. Schilderungen und Dialoge nehmen die Sprache von B-Movies auf und offenbaren darin einen Blick auf eine immer seelen- und ortloser werdende Welt. Auf dramaturgischer Ebene bedient sich Fels einer komplexen Montage von mehreren über- und ineinander laufenden Erzählsträngen, die die Geschichten von drei Männern in ihren sichtbaren und unsichtbaren Verknüpfungen zu einem rasanten Finale zusammenführen: Täter, Zeuge und Bulle begegnen sich, ohne es immer zu wissen oder gar zu wollen, in einer albtraumhaften Spirale von Flucht, Verfolgung, Versteck und Kidnapping.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen den düster-schockierenden Bildern gelingt es Fels, von den tiefer liegenden Wurzeln der Gewalt und der Verachtung zu erzählen: Auf allen Seiten, durch alle Milieus hindurch klafft die Wunde einer zerbrochenen Normalität, einer allemal verlorenen Unschuld auf und verbindet die Geschichten von Jägern und Gejagten zu einem aufwühlenden Tableau männlicher Obsession und Schuldverstrickung. Darin blitzt die Hommage an einen Autor auf, den Fels neben Cormac McCarthy zu den wichtigsten Einflüssen auf Mister Joe zählt: James Ellroy.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser lässt in Romanen wie Die schwarze Dahlie, Blutschatten und L.A. Confidential die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld, Täter und Opfer, Polizei und Kriminalität verschwimmen. In der amoralischen Drastik seiner Schilderungen liegt jedoch keine Verherrlichung von Gewalt, sondern eine nüchtern-narrative Diagnose über den Zustand einer Gesellschaft, die buchstäblich in allen ihren Gliedern von Gewalt beherrscht wird. Wie Ellroy kennt Fels das Leben ganz unten aus eigener Anschauung. Beide stehen auf ihre Weise in der Tradition eines Schreibens, das den Formen souveränen Sprechens bürgerlicher Literatur ein Bild vom wirklichen Schrecken des Daseins entgegenhält. Im Zentrum steht dabei der (männliche) Körper, den die Zurichtungen der Disziplinargesellschaft ebenso bedrängen wie die unheilvolle Kraft der eigenen Bedürfnisse und Triebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;ludwig fels&quot; height=&quot;250&quot; alt=&quot;ludwig fels&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/fels1.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein neuer Roman Reise zum Mittelpunkt des Herzens erzählt von der allerletzten Grenze, die dieser Körper je erreichen wird: Tom, die Hauptfigur, leidet an einem Gehirntumor. Seine Frau Linda holt ihn für seine vermutlich letzte Lebenszeit aus dem Spital zu sich nach Hause. Dort taucht auch Jack, Fotograf und bester Freund der beiden, auf und beginnt das Leben mit dem Sterben zu fotografieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toms Gedanken kreisen immer öfter nicht mehr nur um sein Ende, sondern um die Möglichkeit einer Affäre zwischen Jack und Linda. Ludwig Fels entwickelt in den lakonisch-zugespitzten Dialogen eine wunderbar indirekte Sprache für das Unsagbare des Begehrens, der Eifersucht und des Sterbens. Die bedingungslose Vitalität, mit der Tom seine Eifersucht lebt, lässt ihn am Abschied zunächst auf eine beinahe tragikomische Weise verzweifeln. Je näher er aber seinem tatsächlichen Sterben kommt, desto mehr häufen sich die Momente einer fraglosen Hingabe, aus denen auch jegliche Scham verschwunden scheint, die man landläufig mit dem Zustand der Hilflosigkeit im Gepflegtwerden verbindet. In dem Ausmaß, in dem die äußere Kraft abnimmt, entwickelt er eine innere, die ihm das Gefühl des Entmanntseins, in der wohl die Wurzel seiner Eifersucht zu finden ist, überwinden und eine Würde empfinden lässt, die auch die Angst und den Ekel vor dem Kommenden nicht ausspart. Und zuweilen erlangt er in diesem Zustand eine geradezu kosmische Hellhörigkeit, in der sich auch ein letztes Mal seine ganze Sehnsucht nach der sinnlichen Welt spiegelt: Plötzlich hätte er sich am liebsten zur Wand gedreht und von dort aus die Nacht auf der anderen Seite der Welt gehört, hätte ihr Näherkommen durch die Schichten der Erde hindurch wahrgenommen, dieses urmächtige Fauchen der schwarzen Vulkane in der Finsternis gefrorener Asche.&lt;br /&gt;
Am Ende kehrt Tom zurück zum Atem der Geliebten und zu seinem eigenen, in dem sich eine ganze Welt mit wachsender Selbstverständlichkeit der großen Stille nähert, die im Mittelpunkt des Herzens auf ihn wartet. 	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Roman Reise zum Mittelpunkt des Herzens (2006) ist im Verlag Jung und Jung erschienen. Mister Joe (1997) erschien im Luchterhand Verlag, Der Himmel war eine große Gegenwart (1990) bei Piper&lt;br /&gt;
&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T10:33:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275481/">
    <title>Stein auf Stein</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275481/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Andreas Feiertag&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;Andreas Feiertag&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden1.jpg&quot; /&gt;Andreas Feiertag, Jahrgang 1968, Wissenschaftsredakteur beim Standard und Buchautor (zuletzt Das neue bürgerliche Lager, Molden) Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Claus-Gatterer-Preis für sozialkritischen Journalismus und dem European Junior Science Award.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte auch das Ende der größten ideologisch begründeten Massenvernichtungen in der Geschichte der Menschheit: des Holocausts. Dieser bedeutete neben der systematischen Ermordung von sechs Millionen Juden auch den Bruch der Kontinuität der jüdischen Gemeinden und ihrer weit reichenden intellektuellen, soziokulturellen und politischen Bedeutung für die Gesellschaft. Dieser Bruch wurde im österreichischen Geschichtsbild bis heute nicht überwunden. Im Schulunterricht, im öffentlichen Diskurs und in Gedenkveranstaltungen bleibt die jüdische Historie meist auf die Jahre 1938 bis 1945 begrenzt. Was aber war davor, was danach? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Kultusgemeinden und den wiederbelebten jüdischen Gemeinden stellen einige heimische Universitäten und Forschungseinrichtungen seit nunmehr etwa zehn Jahren  seit der Opfermythos nicht mehr aufrechterhalten werden kann  endlich auch Studien über die Zeit vor der Schoah an. Primäre Quellen dafür sind während der Nazi-Herrschaft nicht vernichtete Dokumente im In- und Ausland. Eine ganz andere Quelle und damit gleichsam stumme Zeugen des jahrhundertelangen regen jüdischen Lebens vor dem Holocaust und danach sind Grabsteine auf zahlreichen israelitischen Friedhöfen Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steine erzählen individuelle Schicksale, und nur ihre Gesamtheit kann ein Bild der wechselhaften Geschichte der Juden vermitteln. Einer Geschichte, deren Spuren sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen und die in Österreich wie in den meisten Ländern Europas stark vom christlichen Antisemitismus geprägt war. Und heute?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine von der &lt;a href=&quot;http://www.uibk.ac.at/&quot;&gt;Universität Innsbruck&lt;/a&gt; durchgeführte repräsentative Studie kam zu dem Ergebnis, dass nur knapp die Hälfte der 15- bis 75-jährigen Österreicherinnen und Österreicher nicht oder zumindest nur leicht antisemitisch ist. Ein Drittel aber muss laut der Untersuchung als moderat antisemitisch bezeichnet werden. Und jeder fünfte Österreicher ist den Ergebnissen der Studie zufolge stark (14 Prozent) oder sehr stark (sechs Prozent) antisemitisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Heinz Schmidt&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;Heinz Schmidt&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden2.jpg&quot; /&gt;Die jüdische Historie in Österreich also wie üblich auf das Zeitfenster zwischen 1938 und 1945 zu reduzieren, greift viel zu kurz und wird auch der soziokulturellen Entwicklungsgeschichte dieses Staates nicht gerecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorarlberger Fotograf Heinz Schmidt und der Wiener Journalist Andreas Feiertag versuchen in ihrem derzeit im &lt;a href=&quot;http://www.jmw.at/&quot;&gt;Wiener Jüdischen Museum&lt;/a&gt; ausgestellten Projekt Stein auf Stein Blitzlichter auf eine jahrhundertelange Geschichte zu werfen. In Bildern und Texten von Friedhöfen und ihren Toten skizzieren sie das Leben in jüdischen Gemeinden vom Neusiedler- bis zum Bodensee vom 14. Jahrhundert bis heute. DATUM bringt auf den folgenden Seiten Ausschnitte der Bilder und Kurzfassungen der Texte. Die Ausstellung Stein auf Stein ist bis 22. Oktober im Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;347&quot; alt=&quot;juden3&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wien, Rossau. Samuel Oppenheimer, gestorben 1703&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haus Habsburg hat seine liebe Not. Kriege, Hochzeiten, Misswirtschaft und Lebensstil sind zu teuer. Und die Türken stehen wieder vor der Tür. Des Kaisers Armee braucht Geld. Zu dumm nur, dass Leopold I., die Gebete seiner antisemitischen Gattin Margarita erhörend, 1670 mit der Vertreibung aller Juden auch den Gutteil der Finanzkraft aus dem Land gejagt hat. Doch zum Glück hat der Kaiser Samuel Oppenheimer noch nicht umbringen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1630 geborene Wormser Bankier sitzt im Gefängnis. Wie kann es ein Jude auch wagen, trotz Verbots seinen Fuß auf Wiener Boden zu setzen  noch dazu mit dem Ziel, des Gekrönten Schulden für bisherige Lieferungen an das Heer einzufordern? Egal: Der von den Osmanen bedrängte Hof braucht Mittel, der verhasste Jud soll sie aufbringen. Jeder hat sein Kreuz zu tragen in diesen Zeiten. Samuel Oppenheimer wird enthaftet, Hofjude und kaiserlicher Oberhoffaktor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzgenie muss nach Wien übersiedeln und das Heer mit allem, was dieses gegen die Besatzer braucht, versorgen. Was selbst dem Entsatzer Prinz Eugen Bewunderung abringt, der Oppenheimer 1683 als den eigentlichen Retter aus der Türkennot preist. Bald erhält der zur Geldbeschaffung genötigte Mann Unterstützung: Ein Jahr nach der Befreiung, 1684, kommt Samson Wertheimer aus Deutschland nach Wien, wird Geschäftspartner Oppenheimers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam etabliert sich in Wien wieder eine jüdische Gemeinde. Zweckgebunden, von Kaisers Gnaden. Wer zahlen kann, wird widerwillig geduldet. 1697 kann Oppenheimer nicht mehr. Erneut landet er im Gefängnis. Von dort aus gelingt es ihm, den Geldfluss wieder herzustellen. Er kommt frei. Auch Wien ist frei. Kein fremdes Heer ist mehr da. Dafür aber Juden, die anscheinend Geld haben. Bei antisemitischen Ausschreitungen wird zerstört und geplündert. 1703 stirbt Samuel Oppenheimer, das Haus Habsburg schuldet ihm sechs Millionen Gulden. Seine Familie ist ruiniert. Neuer Oberhoffaktor wird Wertheimer. Der hat noch Geld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;359&quot; alt=&quot;juden4&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden4.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Eisenstadt. Mein ben Isak Eisenstadt, gestorben 1744&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich segne den Ewigen zu jeder Zeit, meine Seele ist voll Dank gegenüber seinem heiligen Namen. Er führte mich in einen Ort von Gelehrsamkeit und setzte mich auf den Lehrstuhl und den Richterstuhl in der heiligen Gemeinde Eisenstadt, wo ich unter vornehmen und edlen Männern sein durfte. Zufrieden blickt Rabbi Meir ben Isak Eisenstadt zurück auf sein Leben in der jüdischen Gemeinde, deren Geschicke der fromme Mann mit eiserner Hand lenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit anderen Gemeinden haben es Juden im Burgenland, besonders in Eisenstadt, recht gut. Das Land gehört schon lange nicht mehr zum antisemitischen Niederösterreich, sondern zu Ungarn. Burgenländische Juden stehen unter dem Schutz der Fürstenfamilie Esterházy. Handel und Handwerk florieren. Und dafür, dass auch das Leben im Glauben nicht zu kurz kommt, sorgt der 1670 in Litauen geborene Meir ben Isak. Der konservative Denker nimmt zum Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit der Gemeinde den Namen Eisenstadt an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1717 als erster Rabbiner in die Gemeinde berufenen Lehrer, Richter und religiösen Leiter verdankt Eisenstadt nun also seinen weit über die Landesgrenzen hinaus klingenden Ruf als religiöses Zentrum. Des Rabbiners Jeschiwa ist eine der bedeutendsten Talmudschulen der Zeit. Aus dem In- und Ausland strömen wissbegierige Schüler nach Klein Jerusalem, wie die jüdische Gemeinde bald anerkennend geheißen wird. Meir ben Isak Eisenstadt unterhält Briefwechsel mit Gelehrten aus der ganzen Welt, verfasst Bibelkommentare und wagt sich an Novellen zum Talmud. Er schreibt Gutachten, und es werden dem Geistlichen von vielen Seiten rituelle und zivilrechtliche Fragen zur Entscheidung vorgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnell leuchtet der gestrenge Mann als rechtliches, sittliches und spirituelles Licht in der jüdischen Gemeinde. Nur eines will sie Meir ben Isak Eisenstadt nicht so recht verzeihen: Über das geliebte Kartenspiel sprach er doch tatsächlich den Bann aus. Mit Ausnahme an Chanukka und Purim, versteht sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;353&quot; alt=&quot;juden5&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden5.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;Hohenems. Jeanette Landauer, gestorben 1867&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohenems ist anders. Ein seltsames Zwielicht aus Tradition und Moderne verleiht der Ortschaft in diesem Land der Bauern, Handwerker und Herrgottschnitzer einen frühen Glanz von Intellektualität und Industrialismus. Und in diesem flackert ein kleines, in seiner Bedeutung aber umso größeres Lichtlein: jenes der Jeanette Landauer. Den Aufstieg zum Handelsstädtchen verdankt Hohenems der Geschäftstüchtigkeit jüdischer Familien. Banken entstehen, die Textilindustrie schafft Arbeitsplätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit auch soziale Probleme. Darüber disputieren Intellektuelle des Literatur-, Kunst- und Wissenschaftsvereins Concordia in der Kaffeeausschank nebst Billard: Dieses 1819 von dem Juden Jakob Kitzinger gegründete Café ist das erste in Vorarlberg überhaupt. Treffpunkt der Arbeiter hingegen ist Landauers Gasthaus zur Frohen Aussicht. Die Landauers gehören wie fast alle Hohenemser Juden zu einem assimilierten liberalen Landbürgertum. Gebete werden in deutscher Sprache gesprochen, Geschäfte halten am Sabbat offen, jüdische Metzger verkaufen Schweinefleisch und die jüdische Schule hat einen derart guten Ruf, dass sich selbst Christen getrauen, ihre Sprösslinge dort unterrichten zu lassen. Die jüdische Gemeinde steht materiell und kulturell in ihrer Hochblüte. Zu sprießen begann sie 1617 mit einem Schutzbrief des Grafen Kaspar von Hohenems. Dort also gedeiht das Leben der Minderheit und der Mehrheit weniger getrennt in Getto und Stadt als vielmehr in einem gemeinsamen Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel in der Schanett, wie Landauers Gasthaus genannt wird. Dort werden Juden und Christen gleichermaßen ausgespeist. Dort spendet Landauer dem einen Trost, dem anderen Mut, diesem sozialen Halt und jenem, wenn es denn sein muss, auch eine Mahlzeit. Leben, ist Landauer mit nachtwandlerischer Sicherheit überzeugt, funktioniert nur gemeinsam. Ausgrenzung gibt es nicht, nicht in der Frohen Aussicht. Da sind der Wirtin Gäste alle gleich. Jude oder Christ. Was sich bald ändern sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;342&quot; alt=&quot;juden6&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden6.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Graz. Antonio Bienenstock, gestorben 1905&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
us einer Wohnung dringen Kinderstimmen auf die Grazer Annenstraße. Die meisten klingen ausgelassen. Ab und zu Rufe Erwachsener. Gütig ermahnende mit jiddischem Akzent, schroff befehlende im Grazer Dialekt. In der Wohnung lebt Antonie Bienenstock mit Familie. Sie ist schwanger. Im Oktober 1885 wird das Kind zur Welt kommen. Ihr elftes. Ihr geliebter Mann Jakob ist zwar fleißig, doch als Graveur verdient er kaum genug. Also gibt Antonie Bienenstock eines der Zimmer in Untermiete weiter. An einen unbekannten Rechtspraktikanten aus Wien, der in Graz sein Gerichtsjahr beenden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Binjamin Zeev stellt sich der junge Mann vor, der seine juristische Karriere nicht fortsetzen, dafür aber als Theodor Herzl Geschichte schreiben wird. Antonie Bienenstocks Kinder müssen enger zusammenrücken. Dann wird es schon gehen mit dem Zimmer für den Herrn. Aber leise müssen sie sein. Wegen der Nachbarn. Die mögen die Kinder nicht. Die Judenkinder. Regina, die Zehnjährige, zieht daraus Schlüsse: Wenn sie groß sei, heirate sie sicher keinen Juden; dann werde sie es besser haben. Das wird sie zehn Jahre später tatsächlich tun. Weitere fünfzig Jahre später wird ihr Sohn aus dieser Ehe zu Tode gebracht. In Buchenwald. Noch müssen Regina und ihre Familie nur den ganz normalen christlichen Antisemitismus ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bienenstocks kommen 1860 aus Galizien nach Graz. Das Elend in ihrer Heimat ist so groß, dass ihnen selbst das Leben in der judenfeindlichen Stadt als geringeres Übel vorkommt. Immerhin ist es Juden seit 1861 wieder erlaubt, sich niederzulassen. 1397 wurden viele von den Judenhauern erschlagen, 1438 erstmals alle vertrieben. Ob der Finanznot wurden zahlungskräftige Juden 1447 wieder zurückgeholt, nach ihrer Ausbeutung 1496 erneut vertrieben. Antonie Bienenstock hat wegen der Jahre der Schwangerschaften und Obsorge kaum Kontakt zur Bevölkerung. Aber ihre Kinder werden es einmal besser haben, ist sie überzeugt. So ist die mütterliche Aufopferung zu ertragen. Sie weiß nicht, was kommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;341&quot; alt=&quot;juden7&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden7.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Linz. Ludwig Hatschek, gestorben 1914&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
892 ist ein verdammt gutes Jahr für Linz und seine Juden. Die Stadt hat die Metamorphose von einem Agrar- zu einem Industriezentrum vollzogen. Arbeitsplätze gibt es zuhauf, viele davon werden von jüdischen Familien angeboten. Textilunternehmen, Lebensmittelhersteller, Seifenproduzenten, Maschinenindustrie und Brauereien prägen das Erscheinungsbild. Das kulturelle und intellektuelle Leben spielt sich in neuen Bibliotheken, Theatern, Konzertsälen, Kaffeehäusern und in den noblen Salons des liberalen Bürgertums ab. Zu diesem zählt auch Ludwig Hatschek.&lt;br /&gt;
Der gelernte Braumeister, Spross einer 1866 aus Mähren eingewanderten Brauereifamilie, hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht. 100.000 Gulden zahlte ihm die Familie für seinen Brauereianteil aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wurden Hunderte Zeitungsinserate durchforstet. Nach irgendetwas Interessantem. Da endlich: Maschinen aus England. Zur Asbestverarbeitung. Was aber war Asbest? Ludwig Hatschek fand bald heraus, dass dieses in Linz noch unbekannte Zeug verwertbare Eigenschaften besitzt: feuerfest und zugfest wie Stahl. Also wurde gekauft. Jetzt endlich ist Hatschek Unternehmer. Mit einer Firma, die aus Asbest Dachplatten erzeugen will. In diesem Gründungsjahr 1892 will es noch nicht so richtig funktionieren. Aber es wird schon werden. Hauptsache, er kann endlich seinen Weg gehen. Und es ist ja auch noch genug Geld vom Brauereianteil da. Er muss eben probieren, zuversichtlich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatschek baut in Vöcklabruck eine Produktions- und Experimentieranstalt. Mit irgendwelchen Bindemitteln will er Asbest härten, um ihn endlich auf die Dächer pappen zu können. Noch ahnt der 33-Jährige nicht, dass er dem Asbest in sieben Jahren Portlandzement beimengen wird: ein Gemisch, das als Eternit Baustoffgeschichte schreiben, Hatschek und seine Eternit-Werke weltberühmt machen wird. Auch ahnt er noch nichts von der gesundheitsschädigenden Wirkung des Asbests. Nach langem, qualvollem Leiden wird Hatschek im Alter von 57 Jahren sterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;348&quot; alt=&quot;juden8&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden8.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Baden. Otto Rausnitz, Gestorben 1937&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aden ist ein guter Platz für Juden. Die bisher letzte Vertreibung 1683 ist schon lange her. Seit 1799 dürfen Juden Gewerbe betreiben und seit 1868 sind vor dem Gesetz alle Badener gleich. Der Kurort läuft Bad Ischl den Rang ab. Aus aller Welt strömen Sommerfrischler nach Baden, darunter viele Juden. Diese schätzen besonders die koschere Kost im Restaurant von Otto Rausnitz. Dort macht das Gekochte die Kurgäste dick und den Wirt wohlhabend. Der aber ist angefressen. Denn ihm gegenüber ist das Schey. Und das tut dasselbe: koscher kochen. Noch dazu ebenso gut, was zwar den Gästen, nicht aber dem Rausnitz schmeckt. Dass darob der Rausnitz den Schey nicht einmal mehr im Tempel grüßt, ist der Beginn des Badener Küchenkriegs koscherer Köche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen mischt sich das Tonello ein, das bekannte jüdische Restaurant in Wien. Es eröffnet in Baden eine Filiale, nur wenige Schritte vom Rausnitz und vom Schey entfernt. Nun möchte man meinen, dass die vielen völlernden Kurgäste alle drei Köche satt machen könnten. Doch sich gegenseitig in die Suppe zu spucken gehört bald zum Badener kulinarischen Alltagsdisput. Der dichtet diesem zu wenig saures Sauerkraut an, diesem stößt die Tischkultur jenes auf und jener hat ebenso wenig wie die anderen die Rechnung mit Theodor Herzl gemacht. Dieser hält nämlich, gastropolitisch völlig blind, die Vorbesprechung zum zionistischen Kongress in Baden ab. Und die Vorbesprecher wollen koscher verköstigt werden. Allein  welche der drei streitenden Küchen ist die bessere? Der Küchenkrieg droht zu eskalieren. Der weise Herzl schlichtet: Das unparteiische Restaurant im Kursalon speist aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar koscher Gekochtes vom Rausnitz, vom Schey und vom Tonello, die gemeinsam derart kulinarisch verwöhnen, wie sie es einzeln nie im Stande gewesen wären. Otto Rausnitz verköstigt Kurgäste noch bis zu seinem natürlichen Tod im Jahr 1937. Mit ihm stirbt auch sein Restaurant. Ein Jahr später stirbt die gesamte jüdische Gemeinde in Baden. Gewaltsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;355&quot; alt=&quot;juden9&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden9.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Innsbruck. Robert Schüller, vergast 1943&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
uden leben keine mehr in Innsbruck. Sie sind geflohen oder deportiert worden. Groß war die jüdische Gemeinde in Tirol nie. Als die Pest wütete, wurden Juden von Christen dafür verantwortlich gemacht und verbrannt. Danach immer wieder vertrieben, geduldet, vertrieben. Die letzte Beisetzung auf dem israelitischen Friedhof ist schon viele Jahre her. Und bis zur nächsten werden noch mehr Jahre vergehen. Auch Robert Schüller wird dort nicht ruhen. Doch in diesem Sommer 1942 denkt der Mittvierziger noch nicht an seinen Tod. Nicht einmal hier, in der erniedrigenden Gestapo-Haft. Ja, schon, seine Mutter und Brüder wurden kürzlich mit 1.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern nach Minsk deportiert und dort erschossen. Aber er doch nicht. Er, ein glühender Nationalsozialist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er, der ehemalige Gärtner von Göring. Er, der treue Innsbrucker Gaupresseamtsleiter. Er, der seine jüdische Herkunft jahrzehntelang so sehr verschwieg und verleugnete, dass er an den Arier in sich glaubt. Und nun zeigt ihn ein Neider aus der eigenen Partei an. Ihn, Robert Schüller. Aber ihm wird der geliebte Führer nichts tun. Zu dumm nur, dass der Staatsanwalt seiner Mutter nicht glauben wollte. Sie sei nicht die Tochter eines Juden, sondern aus einem Seitensprung ihrer Mutter mit einem Arier geboren. Also sei sie selbst Arierin, ihre Söhne mit einem Juden seien demnach keine Volljuden. Nur Halbjuden. Nazi-Ärzte erstellten ein anthropologisches Gutachten. Das kam zu einem anderen Schluss. Die Familie war zum Töten freigegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus seiner Innsbrucker Haft schreibt Robert Israel Schüller einen leidenschaftlichen Brief nach Berlin: Was habe ich nun gefehlt oder verbrochen? Ich habe das entsetzliche Unglück, nicht voll von deutschblütigen Eltern abzustammen. Was das für mich bedeutet, kann der ermessen, der sich genau in der gleichen Lage befindet wie ich. Ich war, bin und bleibe ein Nationalsozialist.&lt;br /&gt;
Auschwitz. Der Rassenwahn macht nicht einmal vor diesem längstgedienten Funktionär der Tiroler NSDAP Halt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;353&quot; alt=&quot;juden10&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden10.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Salzburg. Robert Jungk, gestorben 1994&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n der Wohnung in der Salzburger Steingasse kehrt wieder Ruhe ein. Die Bundespräsidentenwahl ist für Robert Jungk, 1992 Kandidat der Grünen, geschlagen. Auf sechs Prozent kommt der Träger des Alternativen Nobelpreises. Also widmet sich der Intellektuelle wieder seinem Alltag in Salzburg. In jener Stadt, deren Geschichte wie kaum eine andere in Österreich den Antisemitismus spiegelt. 1349 Pestpogrome: Die jüdische Gemeinde wird zum ersten Mal vernichtet. 1404 angebliche Hostienschändung: Die Juden werden verbrannt. 1498 wird am Rathaus jene Tafel angebracht, auf der ein jüdische Kinder säugendes Mutterschwein dargestellt ist  die Judensau. Ausweisung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst ab 1867 dürfen Juden wieder nach Salzburg. Kaum hat sich die jüdische Gemeinde erholt, wird sie von den marschierenden braunen Massen zertreten. Robert Jungk lebt. Doch warum ausgerechnet in Salzburg? Ein starkes Heimatgefühl. 1913 als Sohn österreichischer Eltern in Berlin geboren. Seit seinem 16. Lebensjahr verkehrt er in Künstlerkreisen und intellektuellen Zirkeln des liberalen jüdischen Bürgertums. Flexibilität ergibt sich da von selbst. Die braucht er. 1933 wird der Philosophiestudent verhaftet, weil er Nazi-Plakate von Wänden reißt. Ausweisung. Ab nach Paris, Studium der Psychologie und Soziologie an der Sorbonne. Illegale Rückkehr nach Berlin. Untergrundaktivität. Flucht nach Prag, dann in die Schweiz. Publizist für die Weltwoche und den Londoner Observer. Nach Kriegsende in die USA. Dort erlebt er die ersten Debatten über Atombomben und Kernenergie. Der Kampf gegen die zerstörerische Technik bestimmt sein Handeln. 1957 kommt Jungk nach Wien, gründet sein Institut für Zukunftsfragen, übersiedelt 1970 nach Salzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein allerwichtigster Antrieb ist das Erlebnis der Tyrannei, sagt er auf seine jüdische Herkunft verweisend. Jungk geht an die Wurzeln. So tief, wie nur ein Überlebender der Schoah gehen kann. 1994 wird er sterben. Zuvor hinterlässt er sein Vermächtnis: Weil ich schon so lange lebe, habe ich gesehen, dass sich Dinge verändern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;358&quot; alt=&quot;juden11&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/juden11.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Klagenfurt. Esther, lebt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sther steht auf dem israelitischen Friedhof in Klagenfurt, legt ein Steinchen auf einen Grabstein. Hier, glaubt die Studentin, wird auch sie einmal ihre Ruhe finden. Es ist meine Heimat. Jüdische Spuren in Kärnten lassen sich weit ins Mittelalter zurückverfolgen. Mythen und Lügen schüren den christlichen Antijudaismus. Mit Pesterregern vergiftete Brunnen, Hostienschändungen, rituelle Kindsmorde. Demütigung, Folter, Verbrennung, Vertreibung. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etabliert sich in Klagenfurt wieder eine jüdische Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Konkursmasse der Habsburger übernimmt die Erste Republik einen Antisemitismus, der um rassisch-ideologische Facetten verschärft ist. Weil Deutsche nicht mehr um Vormachtstellung in der Monarchie kämpfen müssen, konzentrieren sich die nationalen Kräfte auf Angriffe gegen die übrig gebliebene Minderheit: die Juden. Nur das deutschnationale Kärnten macht eine kleine Ausnahme. Dort überlagert der Hass auf die Slowenen jenen auf die Juden. Zumindest bis 1938. Schon Esthers Mutter wurde in Klagenfurt geboren, kurz nachdem ihre Großeltern aus der Emigration zurückgekehrt waren. Dass Esther Jüdin ist, wusste sie lange nicht. Warum sollte sie auch? Oma und Opa starben früh, Mama und Papa sprachen nicht darüber. Esther wuchs unbekümmert mit anderen Kindern auf. In der Schule war sie vom Religionsunterricht befreit. Andere auch. Esthers Eltern sind ohne Bekenntnis. Andere auch. Und dass es Juden geben könnte, die den mosaischen Glauben nicht leben, passte nicht zu dem, was man in Klagenfurt laut dachte. Falsch gedacht, wie Esther erst spät erfuhr. Was aber sollen dann die Unterschiede zwischen Juden und Christen sein? Gibt es Menschen unter Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Matura ging Esther nach Israel. In einen Kibbuz. Ein Jahr lang arbeitete sie dort, lernte Leben, Glauben und Kultur kennen. Schön und aufschlussreich, erinnert sich Esther. Aber ihren Wissensdrang nicht befriedigend. Also studiert sie heute Geschichte und Soziologie. Sie will verstehen.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T10:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275414/">
    <title>Lebenslieder</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275414/</link>
    <description>&lt;b&gt;Proud Mary&lt;/b&gt; von Creedence Clearwater Revival&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Proud Mary, der Evergreen von Creedence Clearwater Revival, muss ins Programm jedes Rhythmusgitarristen. Den optimistischen Song über einen stolzen Mississippi-Raddampfer hat John Fogerty nach Ende seiner Armeezeit geschrieben. Fahr weiter, meine stolze Mary, nur immer weiter!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Klavierkonzert 21 (KV 467)&lt;/b&gt; von Wolfgang Amadeus Mozart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Jubilar des Jahres komponierte dieses Meisterwerk in C-Dur 1785 in Wien. Im Vergleich zu anderen Komponisten hören sich Mozarts Klavierkonzerte melodiebetonter und unterhaltsamer. Das macht sie bis heute so beliebt und erlaubt es auch einem Verteidigungsminister, sich genussvoller Leichtigkeit hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;322&quot; alt=&quot;platterstape&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/platterstape.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;oh du mein österreich &lt;/b&gt; von F.E.E.C. Suppé-Demelli&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavagliere Suppé-Demelli war ein echtes Kind der Monarchie. Als Kapellmeister in Wien komponierte er zahlreiche Musikstücke. Da seine Libretti aber wenig anspruchsvoll waren, wird seine Musik heute kaum mehr aufgeführt. Sein Marsch aber ist ein Klassiker, eine Liebeserklärung an unsere Heimat &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;The star-spangled banner&lt;/b&gt; von Jimi Hendrix&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gitarrist kommt man an Jimi Hendrix nicht vorbei. Seine Spieltechnik ist bis zum heutigen Tage verblüffend. Nachdenklich, bewegend  wie auch immer man dazu stehen mag  war für mich sein Auftritt in Woodstock: Hendrix spielte die wohl umstrittenste Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;ich lebe &lt;/b&gt; von Christl Stürmer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Christl Stürmer konnte ich im Camp Casablanca im Kosovo vor Hunderten österreichischen KFOR-Soldaten wieder einmal ein paar Riffs spielen. Spätestens seit diesem Duett zu Ich lebe ist mir klar: Der Austropop hat nicht nur eine starke Vergangenheit, er hat noch viel mehr lebendige Stimmkraft für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;smoke on the water&lt;/b&gt; von Deep Purple&lt;br /&gt;
Das erste Lied, das man auf seiner Gitarre beherrscht. Einfach ein unglaublicher Song von Deep Purple. Das Lied beschreibt den Rauch auf dem Genfer See bei einem Brand des Genfer Casinos, in dem Frank Zappa gerade ein Konzert gab. Deep Purple auf der anderen Seite des Sees wurden Augenzeugen dieses Unglücks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;I han di gera&lt;/b&gt; von Bluatschink&lt;br /&gt;
Das Duo Bluatschink schafft es mit seiner Musik, gute Laune zu verbreiten. Dabei sind die Texte der beiden Lechtaler nicht immer leicht verdaulich: Drogenproblematik, Behindertenintegration, Umweltprobleme. Vielleicht werden Bluatschink gerade deshalb als die Tiroler Antwort auf Simon and Garfunkel bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ode an die Freude (op. 125)&lt;/b&gt; von Ludwig van Beethoven&lt;br /&gt;
Friedrich Schiller und Beethoven. Dem Zauber dieser von Vertrauen in Freundschaft und Versöhnung getragenen Melodie vermag sich niemand zu entziehen. Doch auch der Text ist ein Kraftwerk: Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein. Wem das gelingt, der hat ein Geschenk fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Tears from heaven&lt;/b&gt; von Eric Clapton&lt;br /&gt;
Für mich eines der ergreifendsten Lieder von Mister Slowhand. Verdient hat Clapton für diesen Song, den er seinem verunglückten Sohn gewidmet hat, einen Grammy erhalten. Neueste Musikgeschichte schreibt er mit der Aufnahme des Cream Reunion Concert vom vergangenen Jahr in der Londoner Royal Albert Hall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisherige Autoren der Reihe &lt;b&gt;Lebenslieder&lt;/b&gt; finden Sie &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/5896946/&quot;&gt;&lt;b&gt;hier&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T10:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2275367/">
    <title>Was ich lese und was nicht</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2275367/</link>
    <description>&lt;b&gt;was ich lese ...&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin eine konsequente Vielleserin und Querleserin, vor allem, was Zeitschriften betrifft. Täglich im Schnitt zehn Tageszeitungen, davon drei bis vier internationale, oben drauf dann der ganze Magazinsektor von Fit bis Fun. Da ich eine Art Staatsmeisterin im Querlesen bin, schaffe ich Produkte wie News in exakt zwei Minuten. Wirklich Zeit nehme ich mir für das Magazin der Süddeutschen, für die Wochenendbeilage der Financial Times und für das Sonntagsmagazin der New York Times, allesamt ein Lesegenuss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es meine Bücher; seit ich lesen kann, kann ich ohne Bücher nicht mehr leben. Ganz am Anfang, da war ich sieben, stand der Trotzkopf von Emmy von Rhoden, die Geschichte eines aufmüpfigen Mädchens namens Ilse im Pensionat. Ich fühlte wie Ilse, ich dachte wie Ilse: Ich war Ilse. Ich las den Trotzkopf über 20 Mal, so fasziniert war ich von Ilse, also eigentlich von mir. Die erste Seite kann ich immer noch auswendig. Nach der Trotzkopf-Phase stieg ich nahtlos auf Erwachsenenliteratur um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Henry Millers Sexus stach mir in der Bibliothek meines Vaters wegen des nicht uninteressanten Titels ins Auge, obwohl er das Buch ganz hinten versteckt hatte. Damals war ich neun. Ich begriff nach der zweiten Seite, dass ich dieses Buch besser unter Ausschluss der Öffentlichkeit konsumieren sollte. Um Millers Epochalwerk heimlich fertig zu lesen, brauchte ich zirka zwei Jahre, da mir der Lesegenuss nur minutenlang, und das unter höchster Gefahr, vergönnt war. Natürlich verstand ich Bahnhof, was das Buch umso unentbehrlicher machte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Allgemeinen lese ich am liebsten Bücher von Autorinnen, die mit feiner Ironie unverwechselbare Geschichten erzählen  was nicht zu verwechseln ist mit so genannten Frauenbüchern. Typische Frauenbücher muss ich von Berufs wegen quer lesen, und ich bin froh, wenn es vorbei ist (also unter 60 Sekunden dauert). Meine Lieblingsautorinnen sind die Britinnen Fay Weldon und Doris Lessing, Letztere 1919 geboren. Letztere ist auch eine Frau und Schriftstellerin, die ich zutiefst bewundere. Sie hat mit den Goldenen Notizbüchern Weltliteratur geschrieben, ich habe über zwei Dutzend ihrer Bücher gelesen, und mit ihrem Roman Das fünfte Kind, erschienen vor fast 20 Jahren, hat sie mein Herz getroffen. Überrascht hat mich auch der Roman Was ich liebte von Siri Hustvedt, der Frau Paul Austers, die ich in ihrer stilistischen Brillanz unterschätzt habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;uschi fellner&quot; height=&quot;290&quot; alt=&quot;uschi fellner&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/uf.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;und was nicht ...&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine einstige Vorliebe für die Autorin Lily Brett hat mit den Jahren abgenommen, weil ihre letzten beiden Bücher, insbesondere Von Mexiko nach Polen, nur noch um sich selbst kreisen. Lily Brett ist vorhersehbar geworden, und ich schätze an Autorinnen das Gegenteil, die kreative Unverlässlichkeit. Derzeit lese ich die autobiografische Geschichte eines schwarzen Mannes, der in den Sechzigern an der Seite einer weißen, jüdischen Mutter und von elf Geschwistern in New York aufwächst: Die Farbe von Wasser von James McBride   sehr, sehr gut! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann meine beiden Lebensbücher: Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil, große Literatur und absolut unspannend, und Die Erzählungen Thomas Manns. Beide Werke begleiten mich seit zehn Jahren, immer mit monatelangen bis ganzjährigen Unterbrechungen. Beide werden konsequent von zeigenössischen Bestsellern oder halt einfach Interessanterem abgestochen, was ihrer Anhänglichkeit keinen Abbruch tut. Bei Musil halte ich heute bei Seite 334, bei Mann immerhin schon bei Seite 782, was nur noch schwache 230 Seiten macht, bis ich in Ruhe aufgeben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ich nicht lese: Jede Form von Krimis und als Reiseführer verpackte Krimis à la Donna Leon. Dann schon lieber Gebrauchsanleitungen für elektronische Geräte. Wie oben kurz erwähnt , finde ich Klischee-Frauenbücher, in denen Klischee-Frauenleben klischeehaft angebiedert werden, geradezu beleidigend. Ich kenne keine einzige Frau, die je in ihrem Leben ein Hera-Lind-Buch gelesen hat. Vielleicht ist Hera Lind nur ein Mythos und wir alle sind jahrelang darauf reingefallen. Allerdings wollte mich die Frau, die vorgibt, Hera Lind zu sein, einmal verklagen, weil ich als Woman-Herausgeberin ein Foto von ihr verantwortete, auf dem sie Minirock trug und sie selbst einen Anflug von Cellulitis am äußeren Oberschenkel ortete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau, die vorgab, Hera Lind zu sein, fand das extrem beleidigend und bezichtigte mich der mangelnden Frauensolidarität (ich schwöre, ich hab keine Cellulitis an ihrem Oberschenkel bemerkt!). Da die Klage letztlich nie eingetroffen ist, bestärkt mich das in der Annahme, dass es Hera Lind vermutlich gar nicht gibt. Was ich auch niemals lese, sind die öden Inhaltsauflistungen auf Fertigprodukten. Und nur in höchster Not und auch dann nur ungern lese ich die Fahrpläne der ÖBB. Die sollten layoutmäßig dringend überarbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisherige Autoren der Reihe &lt;b&gt;Was ich lese und was nicht&lt;/b&gt; finden Sie &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/5896956/&quot;&gt;&lt;b&gt;hier&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>lebensarten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-02T09:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272867/">
    <title>Stammgäste</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272867/</link>
    <description>Nie hat er den Kochlöffel geschwungen. Geschweige denn sonst auch nur einen Finger im Haushalt gerührt. Sogar seine weiblichen Mitbringsel kommen in den Genuss der elterlichen Vollpension, frisch gepresster Orangensaft beim Frühstück inklusive. Je taime maman, je taime papa, die Welt ist in Ordnung. Selbst mit 28 Jahren und einem monatlichen Einkommen, das Jungakademiker hyperventilieren lässt, denkt Tanguy nicht daran auszuziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Frankreich wurde der Protagonist des gleichnamigen Films des Regisseurs Étienne Chatiliez im Jahr 2002 als Antiheld und Mamapritsch die Ikone einer neuen Generation. Auch in Österreich strömten Tausende in die Kinos, um sich über den unliebsamen Nesthocker, der partout nicht auf die Annnehmlichkeiten der elterlichen Fürsorge verzichten will, zu amüsieren. Die Chance, dass in den heimischen Sälen auch zahlreiche junge Österreicher lachten, die selbst von der Wirklichkeit des Tanguy Guetz gar nicht so weit entfernt sind, ist ziemlich hoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;nesthocker&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/nesthocker.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der typische Nesthocker unserer Zeit ist männlich, ledig, gebildet und hat gut verdienende Eltern. In den Siebzigern lag das durchschnittliche Auszugsalter in Österreich bei um die 20. Heute sind wir im Schnitt bei 26 bis 27 Jahren, sagt Rudolf Richter, Familiensoziologe an der &lt;a href=&quot;http://www.univie.ac.at/&quot;&gt;Universität Wien&lt;/a&gt;. Richters Erkenntnis ist durch demografische Fakten belegt. Während noch mehr als zwei Drittel aller männlichen Nachkommen zwischen 20 und 24 Jahren bei ihren Eltern hauptgemeldet sind, nimmt nur noch etwas mehr als die Hälfte aller Töchter elterliche Nestwärme in Anspruch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Daten der jüngsten Volkszählung von 2001 zufolge leben knapp mehr als 60 Prozent der 20- bis 24-Jährigen daheim. Im Jahr 1971 waren es nur 41,7 Prozent. Bei den 25- bis 29-Jährigen geht die Tendenz in dieselbe Richtung: 28 Prozent dieser Altersgruppe leben noch bei Mama und Papa. Für Rudolf Richter ist der Sachverhalt klar: Es handelt sich absolut um einen Trend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selber Kochen macht bei mir ja schon rein wirtschaftlich keinen Sinn, sagt Mathias. Seine Mutter koche ohnehin Süppchen für drei  sich selbst, seinen Vater und seinen kleinen Bruder im Teenageralter.  Dabei fällt auch für den Saxofonisten aus Steyr immer etwas ab, der regelmäßig nach Wien fährt, um sein Studium fortzusetzen und aufzutreten. Daheim in Oberösterreich hat Mathias einen eigenen Wohnbereich im Haus seiner Eltern. Der Musiker hat sein Budget für die Anschaffung von Instrumenten verplant. Deshalb habe das Geld für eigene vier Wände bislang nicht gereicht. Außerdem kann ich in einer Wohnung nicht üben, sagt er und lacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine 75 Quadratmeter hält Mathias, der auch während seines Studiums im nahen Linz zu Hause wohnte, selbst in Ordnung. Sagt er. Und mit wie viel Grad wäscht man jetzt zum Beispiel Handtücher? Na ja, der Andi lasst ja auch noch von der Mama waschen, sagt Mathias. Andi ist sein Zwillingsbruder und bewohnt seit Studienbeginn eine eigene Wohnung in Wien-Fünfhaus. Wenn Mathias in die Hauptstadt fährt, wohnt er bei ihm, nachdem ihn zuvor eine Freundin beherbergt hatte. Ganz hat sich freilich auch der Bruder noch nicht abgenabelt. Mathias zeigt auf ein mit sauber gebügelten T-Shirts gefülltes Intersport-Sackerl: Das hab ich ihm von daheim mitgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmen bilden Mathias und seine Familie längst keine mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmen bilden Mathias und seine Familie längst keine mehr. Die Entwicklungspsychologin Christiane Papastefanou von der Universität Mannheim, die ihre Habilitation zum Thema geschrieben hat (Die Familie in der Auszugsphase  Individuelles Auszugserleben, Mutter-Kind-Beziehung und Familiendynamik), stellte in einem Interview für den WDR jüngst fest: Dieses Leben unter einem Dach ist eigentlich eine Form der Solidarität zwischen den Generationen, die aus ökonomisch schlechten Zeiten resultiert, und das nimmt eindeutig zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbleib in der heimischen Schutzzone hat demnach innere und äußere Ursachen. Pragmatische Gründe wie Bequemlichkeit vermischen sich mit der finanziellen Situation und führen so oft zum längeren Verbleib im Nest. Die große Schwierigkeit, eine kontinuierliche Erwerbslage aufrechtzuerhalten, behindert den Auszug. Wer für seinen Lebensunterhalt also auf McJobs angewiesen ist, dem ist es zu riskant, sich auf die eigenen Beine zu stellen, sagt Familiensoziologe Richter. Das Resultat: Die Substandardwohnung empfinden viele junge Österreicher heute eher als Drohung denn als Verheißung. Nesthocker sitzen nämlich nicht unbedingt zwischen den Relikten ihrer Kindheit in FM4-beposterten Jugendzimmern. Wie im Fall von Mathias werden heimische Dach- und Kellergeschoße als neue Wohnterritorien erschlossen, die dem Nachwuchs ein Maximum an Freiheit erlauben, ohne gleich den Eltern Lebewohl sagen zu müssen. Oft wird aufgestockt, um- und angebaut und so Grundsteine für neue Großfamilienverhältnisse gelegt. Die Küche, die zu Mathias Wohnung im Haus seiner Eltern gehört, bleibt freilich unbenutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Mario spätabends nach Hause kommt, wartet seine Mama nicht, um ihm die Reste vom Mittagessen zu wärmen. Trotzdem: Um die Versorgungslage im Kühlschrank muss er sich keine großen Gedanken machen. Mir bleibt halt nix anderes übrig, rechtfertigt sich der 24-Jährige. Vor zwei Jahren hat er seine Lehre als Großhandelskaufmann abgeschlossen, danach den Präsenzdienst beim Bundesheer abgeleistet. Seitdem befindet sich Mario auf Jobsuche. Aber euch brauch ich eh nicht erzählen, wies momentan ausschaut, oder? Um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, macht er jetzt die Berufsreifeprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenns finanziell passen würd, wär ich eh schon weg, beteuert er. Nachdem er auf Grund seiner Erwerbslosigkeit über viel Tagesfreizeit verfügt und seine Wohnstatt in der Wiener Leopoldstadt mit allen Serviceleistungen kostenfrei in Anspruch nimmt, versucht er sich mit Wäschewaschen, Staubsaugen und Aufräumen zu revanchieren: Ich mach so viel wie möglich im Haushalt. Mutter Gertraud sieht das als stilles Übereinkommen. Eine Wohngemeinschaft funktioniert eben nur, wenn man sich gegenseitig unterstützt und sich jeder so gut wie möglich einbringt. Bislang kennt ihre Geduld keine Grenzen, allein: Wenn er in vier Jahren noch immer da ist, wäre das schon ein Problem, aber eher für ihn als für uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;237&quot; alt=&quot;buegeleisen&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/buegeleisen.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erklären lässt sich der Trend durch die veränderten Rahmenbedingungen des Erwachsenwerdens. Erst die Ausbildung, dann der erste Job, dann Ausziehen funktioniert nicht mehr. Heute ziehen Jugendliche während der Ausbildung aus, nach der Ausbildung wieder ein, danach wieder aus  oder auch nicht. Die Last der Unsicherheit der flexibilisierten Lebens- und Arbeitswelten trägt zu einem großen Teil die Familie, wie die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte Studie Families and Transitions in Europe aus dem Jahr 2003 bestätigt. Im Mikrokosmos Familie feiert das Biedermeiertum eine Rückkehr: Sie wird wieder zur Schutzzone, die Widrigkeiten der Außenwelt auffängt und abschwächt, indem sie als Unterkunftgeberin fungiert. Das elterliche Heim bildet für die meisten nicht nur das warme Nest, sondern vielmehr die Schutzhütte auf dem beschwerlichen Weg in die Selbstständigkeit. Pauschal von Muttersöhnchen zu sprechen, die sich vor der rauen Welt der Packerlsuppen und Waschmittel fürchten, wäre deshalb zu einfach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 28-jährige Martin ist ein Heimkehrer. Nach seiner Fachhochschulausbildung zum Prozessmanager in Steyr zog er vor einem Jahr zurück zu seinen Eltern nach Klosterneuburg. Seit kurzem hat er einen fixen Job bei einer Versicherung in Wien, in dem er nicht schlecht verdient. Jetzt sucht er die zu seiner verbesserten Finanzlage passende Wohnung. Irgendwas zwischen 40 und 50 Quadratmeter, im sechsten, siebten oder achten Bezirk. Das sind meine Favoriten. Dass er momentan noch zu Hause residiert, sieht er als Übergangslösung, nach dem Motto: ohne fixe Zukunftsperspektiven kein Eigenheim. Bis dahin bieten sich Übernachtungsmöglichkeiten in Wien bei Freundin und Großeltern. Stress mach ich mir keinen, aber bis Herbst, das wär schon nett, sagt Martin, der während seiner Zeit als Student bereits alleine gelebt hat. Mit der (Wieder-)Anpassung ans Leben mit Papa und Mama hat er laut eigenem Bekunden wenig Probleme: Klar muss man gewisse informelle Regeln einhalten. Sich dem Rhythmus anpassen und Rücksicht nehmen. Eine WG kann man wechseln, aber die Familie bleibt einem ja. Trotzdem hat das Dasein im Familienverband auch seine Vorteile. Meist günstig, weil eben gratis kostet und logiert man dort. Martin findet auch das fein, was er den Rückgriff auf die heimische Infrastruktur nennt: Waschmaschine, Telefon, Internet  Als Schmarotzer sieht er sich freilich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der Balanceakt zwischen Geben und Nehmen meist zu Gunsten des Nachwuchses ausfällt, steht trotzdem außer Frage. So hängen die Nesthocker mehr an Mamas Küchenschürze denn an ihrem Rockzipfel. Beim Essen gehts ans Eingemachte  eine Erkenntnis, die auch in der Populärkultur bereits ihren Niederschlag gefunden hat. Bei Mama und Sohn Berghammer in der Bad Tölzer Frühstückspension steht mittags nicht nur ein deftiger Schweinsbraten auf dem Tisch; bei Bedarf nimmt sich Mama Resi auch der Suche nach der ihrer Meinung nach geeigneten Schwiegertochter an. Woche für Woche führt uns so Der Bulle von Tölz die zwar stets spannungsgeladene, aber dennoch symbiotische Mutter-Sohn Beziehung in der bayerischen Provinz vor Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Petra findet es schön, dass immer etwas zu essen da ist. Die 26-jährige Studentin der Publizistik in Wien schreibt gerade an ihrer Diplomarbeit und nimmt wie viele ihrer Studienkollegen das freie Kost und Logis-Service der Eltern in Anspruch. Gar so glücklich ist sie mit der Gesamtsituation aber nicht. Die Wohnung ist klein, ihre Eltern deshalb stets präsent, weil einerseits pensioniert und andererseits seit jeher dem Haushalt verpflichtet. Mein soziales Leben spielt sich draußen ab, sagt Petra. Im Kinderzimmer mit Freunden herumzuhocken bringts nicht mehr, der restliche Wohnraum untersteht aber elterlichem Hoheitsgebiet. Oft streiten wir auch noch ums Fernsehprogramm. Das kann schon mühsam sein. Dennoch: Ein Auszug steht nicht zur Debatte. Weil es trotz allem bequem ist. Und außerdem hasse ich Hausarbeiten. Wenn ich allein wohnen würde, würde meine Wohnung wahrscheinlich verkommen. Die Regeln, die daheim zu befolgen sind, mögen zwar manchmal nerven, die Ketten sind dann aber lang genug, um die meist mütterliche Obsorge nicht gegen ein Leben als Spezialist für Fertigpizzas, Tiefkühllasagne und Dosenbierorgien einzutauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Einstellung rudert Petra gegen den Mainstream: Während es bei jungen Burschen nichts Besonderes mehr ist, bis spät in die Zwanziger im Hotel Mama eingecheckt zu sein, hält sich der Trend bei jungen Frauen eher in Grenzen. Die Gründe dafür liegen allerdings weniger darin, dass die jungen Frauen selbstbewusster und vor allem selbstständiger geworden wären  ganz im Gegenteil. Frauen sind prinzipiell früher mit der Ausbildung fertig und begeben sich früher in eine feste Beziehung, in der sie früh mit dem Partner zusammenziehen, sagt Entwicklungspsychologin Christiane Papastefanou. Und: Es ist immer noch so, dass junge Frauen im Haushalt mehr helfen müssen und natürlich die Mütter in der Erziehung mehr Wert darauf legen, dass die Töchter sozusagen die notwendigen Fähigkeiten erwerben und auf diese Rolle vorbereitet werden. Die Söhne werden eher geschont  was schlecht ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was den Trend noch verstärkt, benennt Familiensoziologe Rudolf Richter: Eltern sind toleranter geworden. Es ist für heutige Jugendliche möglich, relativ selbstständig zu sein und dennoch im Familienverband zu bleiben. Den Generationenkonflikt gibts heute kaum mehr. Eine These, die Christine Geserick, Assistentin der Geschäftsführung des österreichischen Instituts für Familienforschung, voll und ganz unterstreicht: Eltern und Kinder stehen sich heute emotional näher als noch vor 30 Jahren. Das Autoritätsgefälle nimmt ab. Kompromisse und Einschränkungen bleiben dennoch erhalten. Eltern bleiben Eltern, Kinder immer Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfe für Eltern, die ihre theoretisch voll erwerbsfähige und selbstständige Nachkommenschaft loswerden wollen, kommt indes vom Staat. Der legistische Schlüsselbegriff lautet Selbsterhaltungsfähigkeit. Die Unterhaltspflicht, die Eltern zu Versorgungsleistungen für den Nachwuchs anhält, kennt zwar keine per Gesetz festgeschriebene Altersgrenze. Aber: Sobald die Kinder die Möglichkeit haben, hackeln zu gehen und damit ihr eigenes Geld zu verdienen, ist Selbsterhaltungsfähigkeit gegeben, sagt der der Wiener Familienanwalt Alexander Scheer. Die Unterhaltspflicht ist damit hinfällig. Während der Ausbildungszeit sind die Eltern allerdings rechtlich daran gebunden, ihren Nachwuchs zu unterstützen. Die Unterhaltspflicht ist an den ordentlichen Ausbildungserfolg geknüpft. Für Studierende heißt das, dieselben Auflagen zu erfüllen, die für den Erhalt der Familienbeihilfe erforderlich sind: eine gewisse Stundenanzahl pro Semester und Einhaltung der Mindeststudiendauer inklusive Toleranzsemester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gratwanderung zwischen Nesthocker und Schmarotzer bleibt trotz allem eine schmale. Die Stammgäste am heimischen Tisch hadern mit ihrem Image. Obwohl sich Nesthocken im Aufwärtstrend befindet, kämpfen seine Vertreter mit Akzeptanzproblemen. Der Nesthockerbegriff ist negativ besetzt, sagt Familienforscherin Geserick. Diese Leute haben es eben nicht geschafft, sich von zu Hause zu lösen. Um sozialer Sanktionierung zu entgehen, taktiert man mit Verschweigen, Verharmlosen und Beschönigen, Motto: Es muss ja nicht gleich jeder wissen. Zu einem Foto ließ sich dementsprechend niemand der in dieser Geschichte Befragten überreden, beim besten Willen nicht. Das wär ja gleich, wie wenn ihr ein Bild von einem reinstellts und dazuschreibts: Ich bin Bettnässer, sagt Mathias, der die Wochenenden gerne am hauseigenen Swimming-Pool in Steyr verbringt, wo Mama Elfriede ihm und seinem Bruder ihr Tiramisu frei Luftmatratze liefert. Sie hat kein Problem damit, für ihre Söhne zu putzen, zu waschen und zu kochen, sagt sie: Der Mathias ist schon ein wenig bequem, aber er ist so lieb und er ist eh so viel unterwegs. Und wenn er daheim ist, schläft er meistens oder spielt Saxofon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maus&lt;br /&gt;
Je weiter im Norden Europas er aufwächst, desto schneller verlässt der Nachwuchs das Nest. Im Süden hingegen herrschen nicht nur hohe Außentemperaturen: auch die Nestwärme ist um einige Grad höher und veranlasst die Sprösslinge zum längeren Verbleib in der heimischen Schutzzone. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des britischen Economic and Social Research Council (ESCR) aus dem Jahr 2002, die jüngste zum Thema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Sachen Nesthockerei herrscht am Kontinent ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Vergleicht man das durchschnittliche Alter, in dem mehr als 50 Prozent das Kinderzimmer verlassen haben, liegen die nordischen Länder vorne. Die Dänen siedeln mit 21 Jahren ins erste Eigenheim  knapp gefolgt von den Finnen, die den Absprung vom mütterlichen Herd mit durchschnittlich 22 schaffen. Österreich befindet sich mit 27 Jahren am unteren Ende des Mittelfeldes  weit hinter Ländern wie Frankreich (24 Jahre), Deutschland (ebenfalls 24) und Belgien (26). Am stärksten sind die Familienbande im Süden Europas. In Griechenland tauschen erst im Alter von 28 Jahren 50 Prozent der Männer Mamas Hausmannskost gegen die Unabhängigkeit ein. Die Schlusslichter sind Spanien und Italien. Dort wird der männliche Nachwuchs erst mit 28 beziehungsweise 29 Jahren flügge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache für die europaweit unterschiedlichen Auszugszeiten und die Führungsposition der nordischen Staaten ist nicht deren geografische Nähe zu Herstellern von Selbstbaumöbeln, sondern die wohlfahrtsstaatlichen und kulturellen Traditionen im jeweiligen Land. Während in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland der Staat großzügige Unterstützungsleistungen gewährt, springt in den südlichen Ländern die Familie als soziales Netz ein. Auch die Situation am Wohnungsmarkt beeinflusst das Auszugsverhalten. In Spanien und Italien werden Wohnungen eher gekauft als gemietet  und das muss man sich erst einmal leisten können.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T15:31:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272804/">
    <title>Listen</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272804/</link>
    <description>&lt;b&gt;Die Listen gibt es ausschließlich in der Printversion.&lt;br /&gt;
Wenn Sie wissen wollen, wo Sie die aktuelle Ausgabe kaufen können, klicken Sie &lt;a href=&quot;http://www.datum.at/stories/743877/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T15:02:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272753/">
    <title>In a sentimental mood</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272753/</link>
    <description>Hans Dichand blickt auf den Computerausdruck seiner Geschichte. In der Internet-Enzyklopädie &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Dichand&quot;&gt;Wikipedia &lt;/a&gt; beschreiben sie Dichands Leben und Streben. 85 Jahre auf drei Seiten und ein bisserl was. In Dichands altem, müdem Gesicht steht eine Mischung aus Verwunderung und Verärgerung. &lt;i&gt;Die haben was gegen uns. Da steht so viel drinnen, was nicht stimmt. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Aber das Ärgste, was nicht stimmt, ist die letzte Zeile in der ganzen Sache: Kategorien: Österreichischer Journalist/Geboren 1921/NSDAP-Mitglied. Steht da! Ich war nie in der Nähe von der NSDAP! Ich war nicht einmal bei der HJ, was ja eine Pflichtorganisation war!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;285&quot; alt=&quot;dichand_il&quot; width=&quot;195&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dichand_il.jpg&quot; /&gt; Hans Dichand wird etwas dagegen unternehmen, wie er sagt. So wie er seit jeher etwas unternimmt gegen Personen, Vorfälle oder Zustände, die er als unmöglich, feindlich, unhaltbar oder unangenehm empfindet. Er trat stets dafür ein, dass man die ehemaligen Soldaten des Zweiten Weltkriegs nicht pauschal verurteilt. &lt;a href=&quot;http://krone.at&quot;&gt;Die Krone&lt;/a&gt; verteidigte Kurt Waldheim, der sich für seine Tätigkeit auf dem Balkan damit verantwortete, nur seine Pflicht getan zu haben. Österreich sei das erste Opfer der Nazis gewesen, trommelte Dichand. Ist das nicht ein Widerspruch? Gibt es eine Pflicht gegenüber den Vergewaltigern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das war ja gar nicht ihre Pflicht. Sie glauben vielleicht im Nachhinein, dass sie ihre Pflicht getan haben. Einer verbrecherischen Regierung gegenüber hat man überhaupt keine Pflichten. Aber wenn sie so unter diktatorischem Druck stehen, dass sies nicht bemerken, dann kann es passieren. Aber gut ist es nicht. Der Waldheim ist mein Nachbar am Attersee, und ich red manchmal mit ihm: Was der damals gesagt hat,  ich hab nur meine Pflicht getan, ist falsch. So darf sich ein ehemaliger Soldat nicht verhalten heute, nach all dem, was er weiß.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Dichand unterstützte Waldheim ja trotzdem, oder? &lt;i&gt;Nein, na gut, die waren alle arme Hunde, nicht wahr, wie ich auch.&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Wenn er sagt, ich habe nur meine Pflicht getan, dann stimmt das nicht, was er sagt. Das hat die Kronen Zeitung aber nicht gesagt!&lt;/i&gt; Oh ja. Immer. Immer, immer, immer. Das ist ganz klar. Eine mühsame Geschichte, diese Aufarbeitung. Ja, sicher. Aber allmählich sollte man es doch aufgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das heute der Staat, den Dichand sich 1945 gewünscht hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Nicht ganz, würd ich sagen. Es ist ein Staat, in dem ich nach wie vor gerne lebe, aber verschiedene Dinge wünsch ich mir doch anders. Vor allem dass es bei der EU um unsere Unabhängigkeit als Staat geht. Wie wir zu kämpfen haben um die Unabhängigkeit der Zeitung, so müssen wir als Staat auch um unsere Unabhängigkeit kämpfen. Es wäre schon so richtig, wies der de Gaulle &lt;/i&gt; (französischer General und Widerstandskämpfer, Frankreichs Präsident 1959 bis 1969, gestorben 1970, Anm. d. Red.) &lt;i&gt;mal gesagt hat: eine Union der Vaterländer. Ich bin sehr für Europa. Wie die meisten Österreicher auch. Das ist eine große Idee, und man sollte das schon weiter verfolgen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Aber das, was wir jetzt in der EU haben, ist uns eigentlich fremd. Die Politiker, die dort wirken, sind uns nie nahe gekommen. Es gibt ein paar Enthüllungen darüber, die haben aber noch mehr unangenehme Dinge gebracht. Wir sehens ja an den Leserbriefen. Die Österreicher sind zutiefst unzufrieden über die politische Situation in Österreich. Europa-Gedanke, das ist was für uns. Aber so, wie er jetzt besteht, wollen wir ihn eigentlich nicht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Dichand nun ein Gegner der EU oder nicht? Seine Skepsis deckt sich mit der Skepsis an den meisten Stammtischen. Hat er sie von dorther oder hat er sie dorthin gebracht? Wer war zuerst da, Dichands Ohr im Volk oder Dichands Ohr im eigenen Bauch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans Dichand und die Neue Kronen Zeitung verstehen sich als Emanzipation Österreichs von einem parteiabhängigen zu einem selbstständigen Bewusstsein. Die dumpfen, paranoiden, ressentimentschwangeren, egoistischen, kleinbürgerlichen Nebengeräusche hören sie nicht. Sie spielen Zweite Republik. Nein, sie spielen Zweite Republik, wie sie eigentlich gehörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;krone21&quot; width=&quot;450&quot; align=&quot;center&quot; class=&quot;center&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/krone21.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der einen Seite von Dichands Hochhaus fließt der Donaukanal, auf der anderen Seite, über den Bahngeleisen, steht der Karl-Marx-Hof. Der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt, in dem sich während des Februaraufstandes 1934 die aufmüpfigen sozialdemokratischen Arbeiter verschanzten und von den Heeresgeschützen des totalitären Ständestaates unter dem Christlichsozialen Engelbert Dollfuß zusammenkartätscht wurden. Und brauchen wir das noch einmal, so eine Unruhe? Rechts an der Wand über Dichands Schreibtisch im 16. Stock des Kronen Zeitung-Hauses hängt ein Bild, das die Front des Karl-Marx-Hofs zeigt. Aus einem Fenster flattert ein Fähnlein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer war einmal hier oben, erzählt Dichand, und das einsame aufrechte Fähnlein wurde ihm gezeigt. Auf Dichands Gesicht wird eine Mischung aus Lächeln und Mitleid gelegen sein. Gusenbauer soll cool geantwortet haben, es würden schon wieder andere Trends kommen. Und Hans Dichand wird mit seiner Kronen Zeitung etwas dagegen unternehmen oder dafür. Je nachdem, was ihn stört und was ihm nützt und was den Menschen nützt oder ihnen schadet. Wie er es seit dem 11. April 1959 macht. Wie er zwischen Gut und Böse unterscheidet, weiß nur er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht folgt er nur einem diffusen, aber hartnäckigen Ziehen, wenn er oder die Politik aus der Balance, aus der Sozialpartnerschaft oder aus dem Konsens treibt. Dann unternimmt er gegen das Ziehen etwas, koste es, was es wolle. Und wenn diejenigen, die ihn nicht verstehen, dazu Kampagne sagen oder Boulevardstück, wie der Film der belgischen Dokumentarfilmerin Nathalie Borgers über die Krone, oder Verhetzung, wie diejenigen, die einem den Erfolg nicht gönnen, wie er oft grantelte, dann kann auch ein Dichand nichts dagegen unternehmen. Wir haben viele Feinde. Und auch Neider natürlich. Wenn man so eine Auflage hat, sagen sich viele: Da stimmt ja was nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder doch. Er kann darauf hinweisen, dass er die im Verhältnis zur Einwohnerzahl größte Zeitung der Welt geschaffen hat. Weltberühmt in Österreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vereinigung von Gegensätzen (Coincidentia oppositorum) stellt einen uralten Versuch der Theologen und Philosophen dar, die Einheit der Welt zu beschreiben, deren Widersprüche erst in der Unendlichkeit, im Göttlichen aufgelöst werden. Die Krone ist kein Gottesbeweis, auch wenn sie die Wahrheit gepachtet zu haben glaubt. Aber Hans Dichand würde wahrscheinlich eine Charakterisierung mögen, die ihn nach einem Wort des Nikolaus von Kues (14011464) zugleich als den Größten und den Kleinsten zeichnet. Kues bezeichnete diese Einheit mit einer Silbe: Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand ist 85 Jahre alt, er hackelt gnadenlos jeden Tag, auch wenn ihn derzeit ein eitrig gewordenes Hühnerauge auf der Fußsohle sekkiert. Ruhe kann er keine geben, nur das Privatfernsehen hat er offenbar beiseite gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Im Moment schon. Ich glaube, das ist eine zu große Sache jetzt, jetzt brauch ma eine Kriegskassa. Da brauch ma alles, da kosten die Anwälte viel. Ich weiß ja nicht, wie es ausgehen wird. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abwehrkampf gegen die Begehrlichkeiten des 50-Prozent-Partners WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, ein der SPD nahe stehender deutscher Zeitungskonzern), die seinen Sohn Christoph Dichand nicht als Chefredakteur akzeptieren will, strapaziert seine Kräfte und Fantasie aufs Äußerste. Vielleicht hält ihn der Schutz der Familieninteressen auch munter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Mal, wenn er die WAZ erwähnt, lächelt er. Die Schlacht hat seine Entscheidungen beschleunigt, neben dem Sohn besetzt auch Schwiegertochter Eva als Geschäftsführerin der Gratispostille heute eine strategische Position. In lobhudelnden Branchenzeitungen wird sie als Shooting-Star beschrieben. Jung, attraktiv, versteht was vom Geschäft. Sieht Dichand in ihr eine Nachfolgerin?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das kann ich eigentlich noch nicht sagen. Sie ist in unsere Familie gekommen und hat ihre Sache immer sehr gut gemacht, ist also Herausgeberin einer sehr erfolgreichen Gratiszeitung geworden, die auch wirklich gut gemacht ist, nicht? Und die uns jetzt helfen wird, denn wenn wir eine so große Gratiszeitung haben, werden sich die Fellner-Brüder schwer tun. Selbst wenn uns die Gratiszeitung was wegnehmen sollte, bin ich froh drüber. Denn ich spür dann, die nimmt einem anderen mehr weg. Also ich bin sehr froh, dass sie das so gut macht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Eva Dichand als die Krone der Nachwuchsgeneration gilt, legt das ein grundsätzliches Problem des Journalismus in Österreich offen. Wie beurteilt Dichand den journalistischen Nachwuchs, wo doch seine Schwiegertochter vom Business her quer einstieg?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich bin ein Journalist, der von Anfang an gesagt hat, mehr Frauen! Die Tageszeitungen oder die Zeitungen überhaupt in der ganzen Welt sind in erster Linie Männerzeitungen. Und so hab ich mich immer bemüht, Frauen heranzuziehen. Das war lange Zeit schwierig. Das ist aber heute gar nicht mehr schwierig, weil die jungen Studentinnen heute, die sind wirklich gut. Und wir nehmen immer wieder neue auf. Wir glauben, das kann man ausgleichen. Da geschieht den Frauen ja auch sehr viel Unrecht, nicht? Dass sie so wenig verdienen im Vergleich zu den Männern, das muss man ja irgendwie ausgleichen. Das ist ja fast ein Jammer, dass sie nicht auf die Straße gehen oder dass sie mit zivilem Ungehorsam reagieren. Da würd ich sie sofort unterstützen! Auf die Straße gehen würde ich aber selber nicht mehr. &lt;/i&gt;Und lächelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Hans Dichand&quot; height=&quot;282&quot; alt=&quot;Hans Dichand&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dichand.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken wollten in den Neunzigern Dichand kein Geld geben, um seinen Kompagnon Kurt Falk auszuzahlen. Heute finanzieren sie Wolfgang Fellners neues Projekt. Stellt &lt;i&gt;Österreich&lt;/i&gt; eine Gefahr für die &lt;i&gt;Krone&lt;/i&gt; dar?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Titel ist nicht gut gewählt. Er ist ein bissl überheblich. Ich meine, er hat Berechtigung gehabt, als es damals, 1945, ein Österreich wieder gegeben hat. Da hat man die erste Zeitung Neues Österreich genannt. Die hat damals allen drei Parteien gehört, die es damals halt gegeben hat (SPÖ, ÖVP und KPÖ, Anm. d. Red.). Und das war eigentlich ein guter Gedanke, die Zeitung war nicht so schlecht. Der erste Chefredakteur war Ernst Fischer. Ein Kommunist, aber ein guter Mann.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Marktchancen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das sind tüchtige Leute, diese Fellner-Brüder. Und sie haben viel Geld. Vor allem von Parteien, die uns, die Krone, nicht mögen, nicht? Er lacht. Sie wissen darüber Bescheid, ich brauche nicht weiter erzählen. Recht gelassen seh ich dem entgegen, dass sie auf uns zukommen. Wir werden die Zeitung nicht ändern. Wir sind die Krone, wir bleiben die Krone. Wir wollen das Internet mehr heranziehen an die Redaktion. Die Bürger sollen genauso, wie sie bei uns die Zeitung mitmachen durch ihre Leserbriefe, im Internet ein eigenes Programm haben.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schmeckt dem USA-kritischen Dichand der Besuch von Präsident George W. Bush? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wissen Sie, ich war einer der ersten Journalisten, die nach 1945 nach Amerika eingeladen worden sind, um die Demokratie zu studieren, die wir so lang nicht gehabt haben. Ich bin nach Amerika gekommen und ich hab alles wunderbar gefunden. Ich hab auch in der Stimme Amerikas immer wieder gesprochen, immer Deutsch. Die Frage der Schwarzen hats ja damals gegeben, damals hat man noch Neger gesagt, nicht? Und da bin ich einmal interviewt worden, vom Chicago Defender, als Untertitel hat die Zeitung gehabt: The Greatest Negro Newspaper of the World. Und sie haben mich gefragt, also wie ist denn bei ihnen in Graz  ich bin ja ein Grazer, ich hab ja die Kleine Zeitung gemacht damals  mit den Schwarzen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich sag also, die sind wie die anderen Bürger, wir gehören alle zusammen, also da mach ma keine Unterschiede. Na dürfen die überall mit ins Hotel oder in jedes Wirtshaus und so weiter, in jedes Restaurant? Aber ja, das ist überhaupt keine Frage. Aber wir haben nur einen Schwarzen in Graz. Der ist ein sehr populärer Mann, weil der schenkt Gratisproben vom Meinl-Kaffee aus.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand lächelt. Denkt er in diesem Augenblick an seinen Weg aus Graz über Amerika nach Wien und in die österreichische Weltberühmtheit? Der EU-USA-Gipfel schrumpft zur Episode und zur Benimmregel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Da bin ich natürlich auch kritisch. Ich bin aber dagegen, dass man Demonstrationen macht gegen ein Staatsoberhaupt wie den Bush. Der hat seine Fehler gemacht, das kann man ihm auch vorhalten. Aber der ist eingeladen von der Regierung. Er ist Gast, und man soll sich einigermaßen benehmen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benehmen ist, wenn man Dichands Diktum folgt? Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Burgtheaterdirektor Claus Peymann wurden verunglimpft, Michael Häupl und Helmut Zilk gnadenlos aufgebaut. Gefühle wirft er der EU entgegen, die strukturellen Ursachen der Arbeitslosigkeit oder des Hungers sind zu kompliziert. Was sagt ihm das simple Wort, die Weltkonzerne seien die mächtigsten Feudalherren der Menschheitsgeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja, ja, zweifellos. Diese Globalisierung, diese Macht der großen Konzerne, die kritisiere ich schon. Das gefällt mir nicht. Weil das halt das Heimatgefühl auflöst. Wenn wir nur noch in Europa sind und dann nicht einmal drüber bestimmen dürfen, wie wirs haben wollen, nicht? Ich mein, da hätten wir schon ein bissl auf die Schweiz schauen können. Vielleicht übertreibt sie manchmal das Demokratische, aber grundsätzlich hat sie schon Recht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum gab es in der Kronen Zeitung noch keine Kampagne dagegen, dass alle paar Sekunden ein Kind auf der Welt verhungert? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ach ja? Das ist schon ein Anliegen für uns. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Buch des Schweizers Jean Ziegler, des Sonderberichterstatters der UNO für Ernährungsfragen, wird dieser Zustand beschrieben und begründet. Wäre das der Krone ein Anliegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ganz bestimmt. Ganz bestimmt. Mir ist der Herr Ziegler bekannt, also in die Richtung gehen wir schon. Es ist nur schwierig bei Hilfen, die wir für so exotische Länder leisten, in denen richtige Diktaturen herrschen. Ich hab den Eindruck, dass so viel danebengeht. Also wir sammeln zwar Geld und schicken das auch hin, und dann ist es verschwunden und die haben nichts davon.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glaube, etwas dagegen machen zu können, ist eine zentrale Geschäftsgrundlagen der Zeitungsbranche. Ist der Glaube gefährdet, muss man etwas dagegen unternehmen. Gegen die unangemessene Macht des Raiffeisen-Konzerns, der sich durch Christian Konrads Appetit auch auf dem Mediensektor etabliert hat. Raiffeisen wirkt in der Mediaprint mit und hilft den Fellners beim Aufbau des neuen Projekts. Wie kann in so einer heiklen Zeit der gelernte Journalist Hans Dichand  gelernter Buchdrucker  eine Kernposition wie die Chefredaktion der Krone einem Juristen wie seinem Sohn Christoph umhängen? Bei aller Liebe zur Familie. Wäre nicht ein Mann mit journalistischer Glaubwürdigkeit, der diese Zeitung auch inhaltlich führen kann, besser? Christoph Dichand ist kein Meinungsträger. Wie Hugo Portisch zum Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jetzt haben Sie einen genannt, den wollte ich von mir aus nennen. Mit dem bin ich befreundet, mit dem hab ich zusammen den Kurier gemacht. Ich habs ihm ja angeboten, aber der will das nicht. Seine Frau ist noch dazu sehr krank und er ist in Italien und hat dort ein kleines Häusel oder auch ein größeres, ich weiß es nicht.&lt;br /&gt;
Den würde ja nicht nur ich nehmen, sondern ich habe wiederholt dem Kurier geraten, ihn zu nehmen. Dort war er ja schon einmal. Glauben Sie, die hätten ihn genommen? Die haben das nicht mal in Erwägung gezogen. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sie haben Recht, na selbstverständlich. Aber unter den anderen Leuten einen zu finden, jetzt in diesem Moment und mit diesen Konflikten, denen wir ausgesetzt sind, da habe ich meinen Sohn eingesetzt. Der hat Jus studiert, das braucht er nämlich, das geht mir ab, wissen Sie. Der passt dorthin und der wird auch von der Redaktion angenommen. Also der ist der Beste, den ich finden konnte. Aber ich bin nicht wie der Bauer, der seinen Hof nicht abgeben will. Ich will das ja für die Familie erhalten. Wenn er auch kein Schreiber ist, kein ausgesprochener. Es gibt ja auch andere Journalisten, die keine Schreiber sind  also so ist er der Beste, den ich finden konnte.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;dichand31&quot; width=&quot;203&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dichand31.jpg&quot; /&gt;Dichands Aufstieg fußt auf seinem Verständnis von Unabhängigkeit, das sich durch die Erfahrungen der NSDAP-Diktatur, des Militärdienstes in der Marine, des Kampfes um Ordnung und Sauberkeit nach 1945 bildete. Man könnte auch sagen: Selbstherrlichkeit. Er unterstützte die Sozialpartnerschaft, er bekämpfte die Kommunisten. Nach sechs Jahren Schwarz-Blau ist der politische Konsens zumindest an der Oberfläche getrübt, die Sozialpartnerschaft und der ÖGB sind schwer beschädigt. Ist Dichands Konzept gescheitert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt; Nein, würd ich sagen. Nein, ich meine, die Sozialpartnerschaft ist etwas sehr Wichtiges für uns, und soweit ich hineinhören kann in die Bevölkerung, meine ich, die sind weiter für Sozialpartnerschaft.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den kommenden Wahlen hätte er gerne die große Koalition?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die haben wir ja schon einmal gehabt, und sie war nicht gerade beispielgebend. Vieles hat uns nicht gefallen. Wir hoffen, dass wir gescheiter geworden sind. Aber das kann man nicht so sagen, nicht? Jedenfalls ist eine tiefe Unzufriedenheit da. Die hat sogar Auswirkung auf unsere Auflage. Dass man jemals über drei Millionen in Österreich erreichen kann, hätt ich mir ja auch nicht gedacht. Und nun, glaub ich, sind wir ganz gut im Zeitungsmachen. Aber so gut, dass wir über drei Millionen haben und dass wir am Sonntag drei Millionen 900.000 haben, so gut sind wir ja nicht. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder Lachen. Schmerzt ihn die Schande des ÖGB? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es tut mir nicht gerade weh. Aber ich bin empört, wie die meisten Österreicher. Dass so etwas passieren kann! Nur meine ich, wenn man sagt, der ÖGB ist pleite, dann stimmt das nicht. Eine Gewerkschaft ist eine Institution, die wirklich kein Geld braucht. Wenn sie das fürs Goldpflügen verbraucht hat, ist es eine andere Sache. Aber im Grunde kann der ÖGB ohne Geld auskommen. Mitgliedsbeiträge braucht er natürlich. Er wird stark bleiben, wenn er ordentlich geführt ist.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Nationalratswahl steigt im Herbst, der von Dichand bekämpfte Wolfgang Schüssel darf sich eine Verlängerung seines Erfolgs gegen die Krone erhoffen. Vielleicht mit den Grünen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja, ich hab eigentlich viel und manchmal auch guten Kontakt mit den Grünen. Ich muss immer den Kopf schütteln, wenn ich denke, die Grünen wollen so viel, was wir auch wollen, wissen Sie? Sie haben aber ein paar Leute dort, die einfach was ganz was anderes machen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der eine zum Beispiel, der Enthüller, der Peter Pilz. Der Pilz hat einmal gesagt: Ja, wenn ich was zu sagen hätte, die Kronen Zeitung würd ich verbieten.  Ja, das ist schon lang her, aber ich habs nicht vergessen, weil man so was einfach nicht vergisst.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Dichand nachtragend?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich bin eigentlich nicht nachtragend. Aber wenn mir einer sagt, er will mir die Existenz nehmen, indem er das verbietet, dann gfallt mir das net. Ich nehm das net einmal sehr ernst. Weil das kriegens eh net zamm.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hält er Alexander Van der Bellen für regierungstauglich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja. Ja, der macht einen guten Eindruck. Ich versteh nicht, dass er sich das alles gefallen lässt, was so passiert. Hätte eine schwarz-grüne Koalition seinen Segen? Wies jetzt ist, nicht. Die Grünen sind so extrem in manchen Dingen, dass ich das also nicht will, weder mit den Roten noch mit den Schwarzen. Die Grünen sind im Moment, find ich, nicht regierungsfähig.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Positionen machen die Grünen seiner Meinung nach untauglich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zum Beispiel, dass die Frau Stoisits im Parlament auf Kroatisch zu reden anfängt, das ist gar nicht so schlecht. Schließlich haben wir Österreicher, die Kroaten sind. Wenn Frau Stoisits für diese Menschen was tun will, warum soll sie sie nicht im Parlament kroatisch ansprechen! Das halt ich für gut. Aber dass sie uns als Einwandererland bezeichnet, das ist schlecht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sehen Sie, wenn ich durch Wien fahre und in Bezirke komme, wo viele Ausländer sind  da hab ich ja überhaupt nichts dagegen , finde ich arg, dass die Überfremdung auch kulturell so stark wird. Und wenn nur mehr die Kinder kriegen und wir keine mehr, dann schauts in 20 Jahren anders aus. Ich habe ein Heimatgefühl zu Österreich, das ich auch behalten möchte. Und Einwanderungsland, das macht zu viel Probleme.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er selbst hat behauptet, dass die Überfremdung in manchen Gebieten, vor allem in Wien, auch ein Versäumnis der Politik sei. Untersuchungen weisen nach, dass Österreich Zuwanderer braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sicher, diese Anschauung gibt es auch, und sie ist ja auch richtig zum Teil. Aber wir sollten dagegen etwas von uns selber aus machen. Was macht Amerika zum Beispiel! Die meisten Länder tun etwas gegen zu starke Einwanderung. Als Menschen anerkenne ich alle Leute, die zu uns kommen. Und manchen gehts auch so schlecht, dass man ihnen helfen will. Wenn die Leute da zum Beispiel von Afrika kommen und unterwegs schon auf See schiffbrüchig werden und umkommen. Die tun mir alle Leid und ich möchte ihnen helfen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;dichand4&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dichand4.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Dichand der typische Österreicher? So klassisch im Nestroyschen Sinn, dass kein Dichter, Historiker und Analytiker zu seiner Beschreibung befähigt ist, sondern nur eine tägliche Exegese in einer Zeitung mit einer Auflage von rund einer Million ihm näher, wenn auch nicht nah kommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Jörg Haider von der täglichen Bearbeitung seiner zynisch-menschenverachtenden Sentenzen lebt und viele Journalistenkarrieren sanierte, so lebt die Krone von der täglichen Auseinandersetzung um Beleidigung und Belehrung des Publikums. Das für den Ruf, den Ruhm und den Run der Krone verantwortliche Kernteam wie Richard Nimmerrichter (Staberl) oder Kolumnisten wie Viktor Reimann spiegelt den auf eine kleinbürgerliche Sprache und aggressive Selbstmitleidigkeit reduzierten Kampf der Österreicher um ein Selbstbild und für das Vergessen der Mittäterschaft im Zweiten Weltkrieg wider. Aber eben nicht nur das, sondern auch die Sehnsucht nach einer heilen, von Zäunen gesicherten Welt, die mit der großen Welt doch irgendwie zusammenhängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teils förderte Dichands Zeitung die für sie so überaus vorteilhafte erste Bürgerpflicht Ruhe und Ordnung, teils setzte Dichand der Verluderung der öffentlichen Rede und Denke Widerstand entgegen, indem er das ORF-Volksbegehren und den Widerstand gegen das Donaukraftwerk in der Hainburger Au unterstützte. Wer Dichands Interviews aus den vergangenen 15 Jahren durchkämmt, stolpert mehrmals über Warnungen vor der Inbesitznahme des ORF durch die politischen Parteien. &lt;br /&gt;
Er hat prophezeit, Schüssel würde sich den ORF unter den Nagel reißen. Es ist genau das passiert, und mittlerweile ist der Leidensdruck der ORF-Redakteure so groß geworden, dass es eine Petition gibt, SOS ORF. Ist es schlimmer denn je?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja, leider ist es so. Aber ich sehe ja, wie wir uns schwer tun, die Unabhängigkeit zu halten. Man hat uns schon einmal die Zeitung wegnehmen wollen, damals nach Olah, nicht? Und heute müssen wir mit der WAZ rechnen, die uns auch die Unabhängigkeit nehmen will. Es ist also schwer. Wenn man nicht so kämpferisch ist wie wir, können sie die Unabhängigkeit, die auch die brauchen und haben sollen, nicht erreichen. Das wird immer so weitergehen. Einmal ein bissl links, einmal ein bissl rechts, einmal viel links, einmal viel rechts und so weiter.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit lernten die Zeitungen und mit ihnen die Leser das Umdenken von der zensurierten Kriegs- in die Friedensgesellschaft. Die Parteizeitungen waren ein Phänomen des Übergangs. Im Pressehaus wurde viele Jahre lang neben der Kronen Zeitung die Presse des Fritz Molden (Waschlapski &amp; Fepolinski) recherchiert und gedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Molden in Schwierigkeiten schlitterte, übernahm Dichand das Haus und die Druckerei. Seither besetzt die Krone allein den historischen Ort des (Partei-)&lt;br /&gt;
Boulevards, wo Molden Mitte der Fünfziger den ÖVP-nahen Bild-Telegraph (Chefredakteur: Gerd Bacher) druckte. Das Blatt häufte 1958 Schulden bei Molden an, der wollte es kaufen. Doch Julius Raab verweigerte nach einem Streit mit Molden über eine Korruptionsaffäre in der ÖVP (es ging um den Landesparteiobmann Fritz Polcar und die Parteispenden eines Stahlbankrotteurs) die Zustimmung. Molden stellte eine Kopie des Bild-Telegraph, das Bild-Telegramm, her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeitungskrieg eskalierte, der Neue Kurier (Chefredakteur: Dichand) musste auch den Bild-Telegraph herstellen, am 20. März 1958 wurden die Druckplatten des Bild-Telegramm gerichtlich beschlagnahmt. Die politische Aufarbeitung förderte die ÖVP-Beteiligung am Bild-Telegraph und die SPÖ-Unterstützung des Bild-Telegramm zu Tage. Die große Zeit der Parteizeitungen neigte sich freilich dem Ende zu. Am 25. März stellte das Bild-Telegramm das Erscheinen ein, wenig später auch der Bild-Telegraph. Der Express (Chefredakteur: Gerd Bacher) kam auf den Markt, in dem spätere Stars der Krone wie Heinz Prüller lernten. Ein Jahr danach kaufte Dichand die Titelrechte der Neuen Kronen Zeitung um 170.000 Schilling. In einem bis heute nicht wirklich geklärten Deal vermittelte der ÖGB-Vize Franz Olah den Kredit (zwölf Millionen Schilling, nicht ganz eine Million Euro) für Redaktion, Papier und Druck. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand sollte ihm ein Leben lang die Treue halten. Olah empfahl Dichand den ehemaligen Persil-Mitarbeiter Kurt Falk als Geschäftsführer. Die Krone tauchte am 11. April 1959 auf, zwei Jahre später wollte der mit ÖVP und SPÖ abwechselnd Kontakt haltende Molden die Krone kaufen, doch die CA verweigerte ihm auf einen Wink der ÖVP-Regierung hin den Kredit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krone durchdringt heute jede Schicht und Sphäre des Landes, und Dichand lächelt die Anmutung weg, er könnte was ändern, und versucht genau das, wenn ihm wer und was nicht passt. Er arbeitete mit Staberl und Michael Kuhn mehrere Jahrzehnte lang zusammen und warf sie von einem Tag auf den anderen weg. Caspar Einem gehört weg, ließ er schreiben, weil der den Semmeringtunnel als Verkehrsminister unterstützte, und das war Dichand nicht recht. Wolfgang Schüssel sollte nach Krone-Diktum nicht mit dem Rechtsausleger Jörg Haider paktieren, weil Reaktionen aus Europa abzusehen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand wollte etwas gegen den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit und des Antisemitismus in Österreich unternehmen. Gegen das im öffentlichen Raum bis zu den Gerichten hinauf nachgewiesene Urteil, die Krone habe mit Mitarbeitern wie Staberl alte fremdenfeindliche, antisemitische und andere Ressentiments geschürt und genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich kenne den Vorwurf, ich kenne den Staberl. Ich kenne das alles. Und da muss ich Ihnen sagen: Es passiert ein Mal in vielen Jahrzehnten. Da ist man nicht da, und da gelingt es ihm, etwas in die Zeitung zu bringen, was einem dann nicht gefällt. Das geht mir natürlich jeden Tag so, aber bei so heiklen Dingen passierts manchmal.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gegner Dichands erzählten nach einem persönlichen Gespräch vom selben Rätsel: der weltoffene Kunstsammler, der ein Revolverblatt betreibt. Wie macht der Dichand das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das mach ja nicht ich, das machen die anderen. Wir haben viele Feinde. Und auch Neider natürlich. Wenn man so eine Auflage hat, sagen sich viele: Da stimmt ja was nicht. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widerstand gegen seine Meinung redet er gerne zu Unverständnis zurecht. Aber war misszuverstehen, dass Staberl und ein gewisser Viktor Reimann, illegales NSDAP-Mitglied, nach 1945 Mitbegründer der Nazi-Auffangpartei VdU (Verband der Unabhängigen, Vorgänger der FPÖ), ewig gestrige Meinungen und Haltungen in der Krone veröffentlichen durften? Ist es ein Irrtum, dass der Rechtsaußen Andreas Mölzer und der populistische Hans Peter Martin, Dichands letzte Entdeckung, bei ihm schreiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kommt es, dass Dichand politisch unbedarfte und auf ihr Eigenwohl allzu sehr bedachte Schönlinge wie Karl-Heinz Grasser (Website von der Industriellenvereinigung bezahlt, Bauernhof in Kitzbühel, der nur landwirtschaftlich genutzt werden darf, für sich und seine Frau Fiona Swarovski gekauft) fördert? Fußt seine Protektion von Jörg Haider nur auf der Bewunderung für dessen agitatorisches Talent oder doch auch auf dessen Sympathien für SS-Angehörige?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand lobt und verdammt. Entspricht das seinem Wesen oder folgt das dem Kalkül für die Auflage?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich glaube, man muss bei einer Zeitung klar sprechen über die Dinge. Das machen wir zum Beispiel auch in den Leserbriefen. Es haben sich Leute um uns gesammelt, die jeden Tag ihre Leserbriefe bringen können. Und die tun mit den Leserbriefen mehr als ein Abgeordneter. Denn die reden ja für drei Millionen Menschen, nicht? Man sagt mir, manche Leute beginnen die Zeitung bei den Leserbriefen zu lesen &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammen die Brüderschaften und Feindschaften aus dem persönlichen Urteil oder hört er auf sein Ohr, das ins Volk hört?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es ist eine Mischung  zwischen persönlicher Meinung und dem, was man im Ohr hat. Ich glaube schon, dass wir mit Gefühl für die Leser die Zeitung machen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Karriere Jörg Haiders ist trotz aller Hilfe Dichands zerborsten. Vor ein paar Jahren prophezeite Dichand in einem Interview, dass Haider seinen Nimbus verlieren werde, falls er sich nach Kärnten zurückziehe. Mit den Bundeskanzlerambitionen werde es zu Ende sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist offenbar so weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja, es ist wirklich so weit. Ich glaub, er hat große Fehler gemacht. Nicht nur, dass er sich zurückgezogen hat, man kann, glaub ich, sich auch von Kärnten her entwickeln. Er hat große Chancen gehabt. Er hat das vertan. Wirklich vertan.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachteil am Vorteil ist, dass sich ein gewisser Strache zum Nachfolger proklamiert. Wie schätzt Dichand den ein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;dichand3&quot; width=&quot;270&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/dichand3.jpg&quot; /&gt;&lt;i&gt;Ja, Strache hat sicher gewisse Chancen. Allein wenn er die Ausländerfrage aufgreift, die ja ein Problem besonders auch in Wien ist. Zweifellos. Aber dann, muss ich sagen, kenn ich ihn zu wenig, auch als Politiker. Da möchte ich eigentlich kein Urteil abgeben. Das muss sich erst bei mir bilden. Dass er aus einer schlagenden Verbindung kommt, na ja, ich war nie in einer schlagenden Verbindung. Ich war beim christlich-deutschen Turnverein. Das war sehr harmlos. Er lacht. Sein Programmpunkt eins ist ja die Ausländerfrage, und dort ist man wirklich ein bisschen zu großzügig, indem man sagt: Wir sind ein Einwanderungsland. Das mein ich eigentlich nicht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wenn wir zu wenig Kinder haben, frag ich mich: Tut der Staat alles, damit das besser ausgeglichen wird? Da tut der Staat zu wenig. In Frankreich hat sich gezeigt: Nach 1945 war das ein sterbendes Land. Ganze Dörfer sind dort ausgestorben und so, und dann hat der Staat was gemacht, und auf einmal sind sie familienfreundlich geworden und haben genügend Kinder.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dichand ist heute der letzte Herausgeber und Eigentümer einer Tageszeitung in diesem Land, der selbst kommuniziert, Partei ergreift, ob als Cato oder als Aurelius. Warum tut Dichand das? Und warum, glaubt er, reden die anderen nicht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Für die anderen kann ich nicht sprechen. Ich verstehe gar nicht, warum sie das nicht machen. Aber der vom Kurier, den der Konrad weggegeben hat &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Peter Rabl?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Rabl, nicht wahr, der hat das auch gemacht. Sag ich: Wieso haben Sie den Rabl weggegeben, der war ja gar nicht so schlecht? Sagt der Konrad: Na ja, der ist ein Herrenreitertyp.  Das ist ein bäuerlicher Ausdruck, den ich bis dahin noch nicht gehört hab. Ein Herrenreitertyp.&lt;/i&gt; Dichand lacht&lt;i&gt;. Deshalb hat er ihn weggegeben.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer ist mächtiger, Herr Dichand, Christian Konrad oder Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Macht überlasse ich gerne dem Konrad.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T14:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272680/">
    <title>No Hit Wunder</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272680/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;227&quot; alt=&quot;pop1&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/pop1.jpg&quot; /&gt;Dieser Tage ist mir ein Buch in die Hände gefallen: Die guten Kräfte, 1982 im &lt;a href=&quot;http://www.hannibal-verlag.de/&quot;&gt;Hannibal Verlag&lt;/a&gt; erschienen. Ein noch nicht einmal 160-Seiten-Bändchen, das sich der neuen Rockmusik in Österreich widmet. Herausgegeben vom 2000 verstorbenen Günter Brödl, der den Ostbahn Kurt(i) als Wiener Mischung aus Rockstar und Volkstribun visionierte und gemeinsam mit Willi Resetarits wahr machte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vergriffene Werk versammelt Texte und Künstlerporträts aus der kurzen Periode Anfang der Achtziger. Einer Zeit, in der  ohnehin ordentlich zeitverzögert zum Rest Europas, angepfiffen von Punk und New Wave  ein kleiner, lauwarmer Sturm im Wasserglas für putzige Wellchen der musikalischen und kreativen Aufregung im Austropop-unseligen Land mit dem A sorgte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreibt der angloamerikanische Musikjournalismus heute, ohne mit der Wimper zu zucken, über die Revolution von 77 und herrscht so etwas wie Konsens, Punk als letzten übergreifenden Paradigmenwechsel im westlichen Pop zu lesen (anders als HipHop, Dance, House, Elektronik/DJ-Culture, Techno und Grunge danach), so war es schon auf der Höhe der damaligen Zeit eine Vermessenheit, auch nur von einer Neuen Österreichischen Welle zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschenkt, dass die großen Momente dieser Geschichte kaum je niedergeschrieben wurden. Etwa wenn die Wiener Punkband Pöbel samt Anhang treffsicher das Metropol verwüstet, dabei in bester Aktionisten-Tradition das Blut eines Karpfen (!) verspritzend. Genau jenes Metropol, mit dem sich eine urbane ÖVP (wir erinnern uns ) Zeitkultur umhängen wollte. Genauso geschenkt, dass heute, fast ein Vierteljahrhundert danach, noch offensichtlicher ist, dass vieles, was unter die große, bunte Aufbruchsmütze gezwängt wurde, ein klassischer Fall von des Kaisers neuen Kleidern war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Austropop-Wiedergänger, die (oft gar nicht so) geschickt die Zeichen der Zeit erkannten und den eigenen Sound modifizierten. Interessanter  denn was damals schon faul war, stinkt heute erst recht zum Himmel , dass exakt diese Künstler jene sind, deren Musik bis heute wenigstens in irgendeiner Form übrig geblieben ist. Nicht zuletzt deswegen, weil sie mit unermüdlichem Powerplay des heute jenseitigen Ö3 in die Gehörgänge junger Menschen gebrannt wurde. Die Wilfrieds, EAVs und Minisexe dieses Landes oder die Franz Moraks. Zum Herrn Staatssekretär später. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mich bei der Lektüre von Die guten Kräfte unangenehm berührt hat, ist, dass sich eine Leseart österreichischer Popgeschichte als eine Geschichte des Verschwindens, des Verstummens und Nichtvorkommens aufdrängt. Von den meisten im Buch behandelten Bands finden sich heute vielleicht noch in Second-Händ-Läden verstreute Tonträger, keine Rede von anderswo üblichen Neuauflagen. Der Backkatalog ist hierzulande weitestgehend mausetot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunmalkluge wenden ein, dass haptisch greifbare Tonträger ohnehin Schnee von gestern seien. Aber Download hin, Download her, Formate ändern nichts an der grundlegenden Misere. Um zu einem englischsprachigen Slogan zu greifen: Ignorance of your culture is not considered cool. Begreift man gute Popmusik als eine Mischung aus geistiger und künstlerischer Verwurzelung (oder wenigstens einer Reflexion bzw. Kenntnis der Wurzeln) und bewusst betriebener Entwurzelung, als den Triumph, der unanhaltbar dahinfließenden Zeit einen Moment abzuringen, der mitunter ein (künstlerisches) Leben andauern kann, ergibt sich aus der Geschichtslosigkeit, aus dem Fehlen verinnerlichter Referenzmodelle notgedrungen die Perspektivlosigkeit, die völlige Beliebigkeit so vieler heimischer Popmusiker. Die Besinnung auf Punk- und Post-Punk- bzw. New-Wave-Traditionen und -Ansätze führte in den letzten Jahren in den USA, in Großbritannien und anderswo zu einer wahren Flut an oft aufregenden neuen Bands. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber selbst dazu scheinen hiesige Bands oft zu blöd. Man nennt sich nach Doors-Songs oder spielt als Alternativband bei der Langen Nacht der Kirchen. Es passt einfach nichts zusammen, es wird weiterhin nichts begriffen, weil noch nie etwas begriffen wurde. Musik, inszeniert als haltungsfreie, entideologisierte, strikt selbstreferenzielle Zone  das mag die Marketinghooligans interessieren, als deren Schlachtfeld die Musik herhalten muss. Aber sonst berührt das nur unmündige, unreflektierte Konsumentinnen, und die sind auch in Österreich ein Auslaufmodell. So wird es auch den meisten Protagonisten der zahlreichen Bands, die in den letzen Jahren hierzulande entstanden, oft im Feedback mit parallelen medialen Erfolgsgeschichten wie etwa &lt;a href=&quot;http://fm4.orf.at&quot;&gt;FM4&lt;/a&gt;, dem Musikfernsehen &lt;a href=&quot;http://www.gotv.at&quot;&gt;gotv &lt;/a&gt;oder dem &lt;a href=&quot;http://www.soundportal.at/&quot;&gt;Grazer Radio Soundportal&lt;/a&gt;, so ergehen wie ihren Vorgängern aus den Achtzigern: So wie ihre Musik jetzt schon kaum durch- oder über soziale wie regionale Subszenen hinausdringt, wird sie in ein paar Jahren verschwunden sein. Kein Problem, wenn sie von Anfang an als Hobby gedacht war, diese Musik. Neben den ungezählten CDs (das Pressen von 1.000 Stück ist billiger), die in irgendwelchen Kellern eben nicht verrotten, stehen dann Legionen von ungehörten MP3s einsam im Cyberspace. Was oder, besser, wer neben den Konsensprodukten übrig bleibt, sind die journalistischen Begleiter, das Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;215&quot; alt=&quot;pop2&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/pop2.jpg&quot; /&gt;Zum Beispiel, straight from the 80s, der heute als über Mittvierziger dem ORF-Jugendsender FM4 als Außenminister (Eigendefinition) mit vorstehende Martin Blumenau, ein nahezu omnipräsenter Wiener Musikfunktionär, Walter Gröbchen, oder die Herren Eberhard Forcher und Rudi Nemeczek mit Moderatorenkarriere respektive Karriere in der Werbung (wir treffen uns am ideologischen Friedhof der Kreativen!). Oder der schon erwähnte Franz Morak. Dieser personifiziert, dass sich in Österreich künstlerischer und politischer Opportunismus  das muss man zusammenbringen, sich als kritischer Musiker und Schauspieler einer blauschwarzen Regierung zur Verfügung zu stellen!  allemal lohnen. Das von Brödl 1982 formulierte Spektrum der Einschätzungen der Figur Morak  entweder der letzte Dreck oder eine Klasse für sich  dürfte sich über die Jahre nicht wesentlich erweitert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleibt der große Tote, Falco. Bei allem Respekt: Ohne Möglichkeit zur Gegenwehr wird der 1998 verstorbene Musiker zum Ausgangsmaterial für eine dieser Mythen, die sich als Versatzstücke gern genommener österreichischer Lügenidentitäten so hervorragend eignen. Österreich war 1938 Opfer der deutschen Nationalsozialisten. Der Sieg der österreichischen Fußballnationalmannschaft 1978 über Deutschland in Córdoba hat eine Signifikanz über seinen vertrottelt patriotischen Aspekt hinaus. Herr Hölzl war ein Popstar von Weltrang. Erst unlängst nannte ein namhaftes Musikfernsehen letztere Angelegenheit ungeniert beim Namen: Dem Rest der Welt ist Falco schlicht ein One-Hit-Wonder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch lassen wir die Disco im Dorf. Sie leistet im Grunde schon alles, was man sich von ihr wünschen kann, die österreichische Popkultur im Jahr 2006. Schon irgendwie ein bisschen gut gebaut auf schlüpfrigem Grund, sozusagen. Es brummt und summt eh auf vielen Ebenen, aber nichts Genaues dringt nicht durch. Da ein Furz, dort ein Knallbonbon. Die Reflexion der gesellschaftlichen Desaster, die unsere Regierung in den letzten Jahren zu verantworten hat, findet nicht statt. Die Zurechtrückung schief gehängter Menschenbilder  nada. Die überfällige Desavouierung der unerträglichen Seitenblicke-Gesellschaft  geht nicht, will ja selber rein. Das Aufbrechen einer unsäglichen Integrationsdiskussion in Richtung Identitätspolitik (wer will sich denn schon integrieren?)  zu komplex. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie und wo auch? Bei allen Qualitäten kann man Radio FM4 längst als geölte Vereinnahmungsmaschine sehen, die die Halbwertszeiten von Subszenen immer mehr verkürzt und zielstrebig den Weg aller Medien geht: die Message zu werden. Wie ein engagierter Künstlervertreter unlängst meinte: Selbst einen Kulturkampf kann man sich nur mehr wünschen. (Fast) einsam die brillanten Attwenger, die anlässlich der Verleihung des Amadeus Awards 2003 deutliche Worte für &lt;a href=&quot;http://starmania.orf.at&quot;&gt;Starmania&lt;/a&gt; fanden: Dieses bescheuerte Karaoke-Herumgehopse da im Fernsehen, das is doch alles reaktionär, hallo! Nichtsdestotrotz begrüßen weite Teile der Musikszene die Neuauflage, garantieren Major- und ORF-Kapital doch Jobs an der Peripherie. Im Veranstaltungsbereich bilden Agenturen Monopole, dockt Österreich mit Großveranstaltungen wie Nova Rock und Frequency an europäische Standards an. Doch wie die Existenz von McDonalds-Filialen ist das eine vernachlässigbare Segnung. Spielen heimische Bands dort  guck, in der einen Band spielt ein Agenturmitarbeiter und in der anderen einer vom Marketingpartner , die Verhaberung hört niemals auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;188&quot; alt=&quot;pop3&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/pop3.jpg&quot; /&gt;Die Agenturen treiben im braven Musikimportland Österreich die Gagen in die Höhe und bluten manche der ohnehin angeschlagenen, weil zusehends untersubventionierten Veranstaltungsorte aus. Leistet sich die Politik dann eine Repräsentationsangelegenheit wie das Donaufestival in Niederösterreich, geht wieder vieles schief, weil das öffentliche Geld Gagen abermals in absurde Höhen treibt und auch noch, wie bei der Eröffnung geschehen, sich die gebotene Kultur allfälligen Neugierigen, Nichtauskennern gar nicht erschließen kann, weil die Rahmenumstände ungeeignet sind. Bei immer noch existierender Trennung von E(rnsten)- und U(nterhaltungs)-Musikern, was die Tantiemenausschüttung anbelangt, gelang dem österreichischen Musikfonds  Schirmherrschaft: Franz Morak  das Husarenstück, Kulturgelder als Wirtschaftsförderung umzuwidmen. Dass die SPÖ und die Grünen allerdings gar keine Konzepte zur Förderung von Popmusik vorweisen können, soll hier nicht verschwiegen werden. Vielleicht pumpt der Musikfonds demnächst Geld in Richtung Christina Stürmer, Zweite beim Karaoke-Herumgehopse und einsames Aushängeschild des kommerziell so richtig erfolgreichen Musikkreativstandorts Österreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handwerk hat auch im Pop goldenen Boden. Und dass der absoluten Mittelmäßigkeit dieser jungen Frau ein großes Identitifaktionspotenzial innewohnt, überrascht kaum. Die ungefilterte Verbindung ihrer jüngsten Single mit einem Eis allerdings zeigt von gehöriger Unverfrorenheit des Managments. Eilfertigen Poptheoretikern, die den Satz Ich kriege nie genug als enthemmten Hedonismus deuten, halte ich das grässliche Bild eines sich an Eis überfressenden Teenagers entgegen. Eine der letzten Niederungen heimischer Populärkultur entfaltete sich mit der Kokainaffäre des Rainhard Fendrich. Taugt so etwas in entwickelteren Kulturen zur Diskussion über Drogenpolitik an sich, um die es in A ganz schlimm bestellt ist, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf, waren die Reaktionen ein einziges Gräuel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Spur der Idee, dass, strafrechtlich relevanter Tatbestand hin, strafrechtlich relevanter Tatbestand her, jemand, der durch Drogen aus der Bahn geworfen wird, ganz egal was man von der Person Fendrich halten mag, in allererster Linie Hilfe braucht. Nicht Schadenfreude, Abgrenzung oder Hohn. Die Verlogenheit gerade von Kreisen, denen man ein liberaleres Verständnis des Problems unterstellen möchte, zeigt abermals: Es passt so wenig zusammen in diesem Land. Und die bunte Popkuh tanzt dazu.</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T14:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272628/">
    <title>Freier Radikaler</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272628/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Willi Langthaler&quot; height=&quot;290&quot; alt=&quot;Willi Langthaler&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/willi1.jpg&quot; /&gt;Der Feind sollte gebührend empfangen werden. Noch nie zuvor war er so nahe. Greifbar war er freilich auch diesmal nicht. Rund 15.000 Menschen hatten sich Ende Juni am Wiener Westbahnhof versammelt, um gegen das Böse zu demonstrieren. George W. Bush, der Präsident der USA, war für einen Kurztrip nach Wien gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weit vorne in dem heterogenen Tross aus Globalisierungskritikern, Vertretern muslimischer Gemeinden und Linker verschiedenster Glaubensbekenntnisse sticht eine Gruppe von rund 100 Leuten aus dem Zug hervor. Die meisten von ihnen sind jünger als 30, tragen olivgrüne T-Shirts und haben rote Fahnen geschultert. Auf denen steht in sattem Schwarz der Schriftzug antiimperialista. Darüber das Logo der Antiimperialistischen Koordination (AIK).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anheizer geben die Parolen per Megafon vor, die Gruppe stimmt ein: USA  internationale Völkermordzentrale! Irgendwo in dem Gewühl bemüht sich einer ganz besonders, den Überblick zu bewahren: Wilhelm Langthaler, den alle nur Willi nennen. Die AIK ist seine Gruppe. Der 36-jährige gelernte Elektrotechniker ist ihr Gründer und Sprachrohr und gilt seit Jahren als einer der kompromisslosesten und umstrittensten Vertreter der linksextremen Szene in Österreich. Down, down, USA!, brüllt ein Vorschreier, die Leute stimmen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Forderung ist zugleich das Programm der AIK. Was wir seit dem 11. September 2001 von den USA gesehen haben, ist die offene Proklamation eines globalen Machtanspruchs, sagt Langthaler. Die Differenz zwischen dem Westen und der Dritten Welt treibt den Krieg der Kulturen an. Unsere Existenzberechtigung ist der Antiimperialismus, Ausdruck und Stimme dieses globalen Konflikts zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre lang hat Langthaler für den Elektronikkonzern Philips gearbeitet. Seit zwei Jahren ist er in Karenz, kümmert sich um seine Zwillingstöchter. Daneben findet er genug Zeit, dem politischen Aktivismus zu frönen. Die Art, in der die AIK das tut, ist für viele Genossen aber nicht mehr akzeptabel. Während des Irak-Kriegs etwa hatte sich die Organisation auf die Seite des Baath-Regimes von Saddam Hussein gestellt und 2003 die Sammelaktion 10 Euro für das irakische Volk im Widerstand gestartet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben die Zusammenarbeit mit Leuten gesucht, die in Opposition zur Baath-Partei standen, sagt Langthaler, der im Gespräch stets ruhig und überlegt wirkt. Aber angesichts eines imperialen Krieges ist klar, dass man auf der Seite dieses Landes stehen muss. Im Iran ist es ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso in den Palästinensergebieten, wo man den Wahlsieg der radikalen Hamas im Herbst begrüßte. Oder im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Tod des serbischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic trug sich Langthaler ins Kondolenzbuch ein. Überall dort, wo es gegen die USA geht, stelle sich die AIK auf die Seite des Volkes, wie Langthaler sagt. Was die Motivation und die Ziele der Gegner der USA sind, scheint nebensächlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der radikalen Linken ist die Organisation, die laut Langthaler ein paar Dutzend Leute umfasst und sehr gut international vernetzt ist, deshalb isoliert. Was sogar der aktuelle Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums bestätigt. In den vergangenen Jahren organisierte die AIK im norditalienischen Assisi ein jährliches antiimperialistisches Sommercamp, an dem laut dem Verfassungsschutz des größten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen auch Gruppierungen teilnehmen, zu deren Handlungsoptionen auch terroristische Mittel gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die AIK sieht in den unterdrückten Massen, egal was die im Kopf haben, Verbündete. Die Dritte Welt ist ihr neues revolutionäre Subjekt, es gibt keine Differenzierung. Uns trennt viel von der AIK, wir wollen mit ihnen nicht mehr kooperieren, sagt Dietmar Zach, Sprecher der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Für mich ist die AIK kein Teil des linken Spektrums, auf Grund ihres Nationalismus und ihrer Bündnispolitik mit Islamisten und damit mit dem Antisemitismus, sagt auch Kurt Wendt, einst Organisator der Donnerstagsdemos gegen die schwarz-blaue Regierung. Die AIK versucht alles auf eine Schwarz-Weiß-Formel herunterzubrechen. Mir ihrer Arbeit gelinge es Langthalers Organisation jedoch, Jugendliche anzusprechen und sie abzuziehen, bedauert Wendt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;willi langthaler&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;willi langthaler&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/willi.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Leute, die mit Langthalers Positionen nichts anfangen können, beschreiben ihn als konsequenten und verlässlichen Genossen, als einen, der kein Hitzkopf ist, sich jedoch gerne ab und an ein wenig zu staatsmännisch gibt. Mit einer kleinen Gruppe bereiste der AIK-Chef vor dem Krieg mehrmals den Irak, wo man, begleitet in Staatskarossen von Mitarbeitern des berüchtigten Geheimdienstes Mukhabarat, gemeinsame Pressekonferenzen mit Saddams Vize Tarek Aziz und Außenminister Nadji Sabri inklusive. Politisch sozialisiert wurde der gebürtige Grazer im Elternhaus. Die Mutter, eine Ärztin, und sein Vater, ein für die UNO tätiger Soziologe, hatten mehrere Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika gearbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Anliegen war, bei der sozialen Entwicklung zu helfen. Und da bekommt man mit, dass das eigentlich ziemlich scheitert. Über diese Dinge ist zu Hause gesprochen worden, da habe ich sicher angeknüpft. 1984 nehmen die Eltern den 15-jährigen Willi zur Besetzung der Hainburger Au mit. Von da an geht er politisch seinen eigenen Weg. Prägend war für mich die Antiautoritätsbewegung von 1987, als das erste Sparpaket aufgelegt worden ist, sagt Langthaler. Vor der Matura engagiert er sich zwei Jahre lang in einer linken Schülerbewegung. Schließlich kommt er mit dem Umfeld der Revolutionären Marxisten/Sozialistische Alternative in Kontakt, einer trotzkistischen Gruppe, der schon Peter Pilz, Raimund Löw und Georg Hoffmann-Ostenhof angehörten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Gruppe den Grünen annähert, wendet sich Langthaler ab und gründet 1989 mit einer Handvoll Genossen die Revolutionäre Kommunistische Liga. Doch dort kommt es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Alten und Jungen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gründet Langthaler 2000 die AIK. In den Neunzigern ist schnell klar geworden, dass die Perspektive vom Sozialismus in weite Ferne gerückt ist. Wir haben gesagt: Europa ist befriedet, der Kapitalismus hat gesiegt. Aber die Widersprüche sind immer stärker geworden. In der Linken besonders umstritten ist heute die Position der AIK im Palästina-Konflikt, in dem sie klar gegen Israel Stellung bezieht. Es liegt in der DNA Israels, dass sie ganz Palästina haben wollen, und sie machen das so lange, bis sie ganz Palästina haben, sagt Langthaler. Aus der Schuld, die sich Europa aufgeladen hat, die Palästinenser leiden zu lassen und gegenüber denen die Vernichtung als Nation zu propagieren, das ist inakzeptabel. Wegen des Holocaust ist Israel legitim? Unfug! Die Frage der Wahrnehmung Israels hat zu einer Auseinandersetzung zwischen Antiimperialisten und den so genannten Antideutschen geführt, die es als Pflicht Deutschlands und Österreichs sehen, Israel zu protegieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heribert Schiedel, Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes und vehementer Kritiker der AIK, sagt: Nach Auschwitz Antizionist zu sein, den Juden das Recht auf einen eigenen Staat abzusprechen, ist für mich antisemitisch. Ähnlich fiel das Urteil der DÖW-nahen Aktion gegen den Antisemitismus aus, die die AIK vor drei Jahren als antisemitische Organisation einstufte. Leo Gabriel, Spitzenkandidat der Liste Die Linke bei der Wahl zum Europaparlament 2004, warnt davor, den Vorwurf des Antisemitismus zu instrumentalisieren. Wer immer dieses Killerargument benutzt, ist schon auf frischer Tat ertappt, bei einer Intrige mitzuwirken. Es ist eine Verleumdungsstrategie, Leute, die für eine radikale Umwälzung eintreten, als antisemitisch zu bezeichnen, sagte Gabriel der deutschen Tageszeitung Junge Welt. Mit solchen Klassifizierungen müsse man wohlüberlegt umgehen, sagt auch der jüdische Politologe John Bunzl vom Institut für Internationale Politik. Er hatte in einem Schreiben an das DÖW dessen Antisemitismus-Urteil gegenüber der AIK kritisiert. Zumindest er kenne keine Beweise, die eine Verurteilung der AIK rechtfertigen würden. Was man ihnen aber vorwerfen muss, ist die alleinige Fixierung auf die USA und die kritiklose Unterstützung aller Bewegungen der so genannten Dritten Welt, die sich gegen die USA richten, sagt Bunzl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Willi Langthaler&quot; height=&quot;271&quot; alt=&quot;Willi Langthaler&quot; width=&quot;450&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/willi3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was man als gut und was als böse betrachte, hänge einzig von der sozialen und kulturellen Position ab, glaubt hingegen Langthaler. So habe die Mehrheit der Weltbevölkerung die Täter der Anschläge vom 11. September als gut und jene, die getroffen wurden, als böse angesehen. Das heißt nicht, dass wir legitimieren, dass Zivilisten getroffen werden. Aber das ist völlig unverhältnismäßig: Da sind 2.500 oder 3.000 Leute umgekommen. An jedem Tag, in jeder Woche des US-Engagements, wo auch immer, wenn man das summiert, sind das Kinkerlitzchen zu dem, was die Herrschaft des globalen Kapitalismus angerichtet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas anderes seien die Anschläge von Madrid gewesen, wo Bomben in Pendlerzügen explodierten: Dort hat es das Volk getroffen. Das ist die Schwäche von Al-Kaida: Die haben keine Fähigkeit, eine politische und soziale Differenz zu etablieren. Ergeben sich in dieser Denke nicht Anknüpfungspunkte an rechte Gruppen? Eine Kooperation mit solchen schließt Langthaler nicht aus: Das ist die These jener, die uns Antisemitismus vorwerfen. Es gibt überhaupt keinen Kontakt zur Rechten. Wenn es  aber ein seriöses Interesse gäbe, müsste man aber über die Grundlage einer Zusammenarbeit sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher in der Reihe &quot;Österreichische Wege&quot; erschienen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernhard Lang&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0906/stories/2756865/&quot;&gt;Der lange Atem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Fiala&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0806/stories/2601949/&quot;&gt;Der Missionar&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Brezina&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0406/stories/1907909/&quot;&gt;Kinderarbeiter&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig Scharinger&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0306/stories/1790405/&quot;&gt;Bauernkönig&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markus Rogan&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0206/stories/1639888/&quot;&gt;Angst vor Erbsen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elke Krystufek&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0106/stories/1476542/&quot;&gt;Freikörperkünstlerin&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Zellhofer&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/1105/stories/1196857/&quot;&gt;Lichtgestalt&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Prenner&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/1005/stories/1112723/&quot;&gt;Der Fernsehbauer&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans Mahr&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0905/stories/1007315/&quot;&gt;Die Nummer zwei&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfgang Rosam&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0205/stories/777586/&quot;&gt;Der Wolfgang, der nicht schweigt&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heide Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0305/stories/784192/&quot;&gt;Die Freiheit, die sie meint&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anton Polster&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0405/stories/782979/&quot;&gt;Polstergeist&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Kalina&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0505/stories/782932/&quot;&gt;Der Verkäufer Joe&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Sporschill&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/6705/stories/805718/&quot;&gt;Menschenfischer&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margit Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.datum.at/0805/stories/940395&quot;&gt;Die Denkmalpflegerin&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>republik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T14:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://www.datum.at/6706/stories/2272567/">
    <title>GUTE ZEITEN ALTE ZEITEN</title>
    <link>http://www.datum.at/6706/stories/2272567/</link>
    <description>Das ist doch alles ein Baberlzeug. So kommentierte der damalige ÖVP-Bundeskanzler Julius Raab die Anfänge des österreichischen Fernsehens. Mittlerweile gibt es das Baberlzeug seit mehr als 50 Jahren; und damals wie heute ist der ORF gefangen zwischen Bildungsanspruch und politischer Einflussnahme. Vor der Wahl des nächsten Generaldirektors im August wird die Kritik am &lt;a href=&quot;http://orf.at&quot;&gt;ORF&lt;/a&gt; immer lauter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem politischen Zugriff leidet auch die Programmqualität, glaubt die unabhängige Initiative &lt;a href=&quot;http://www.sos-orf.at/&quot;&gt;SOS ORF&lt;/a&gt;: Qualitätsprogramme werden in die Nacht geschoben, im Hauptabendprogramm werden immer häufiger kommerzielle Sender kopiert, heißt es auf ihrer Website.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber war das früher anders, besser? Was wurde aus Fernsehsprachkursen wie Russisch für Anfänger? Sogar das sowjetische Fernsehteam bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck verfolgte sie begeistert. Eine Fernsehwoche mit dem ORF-Programm von den Fünfzigern bis heute  und darüber hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Montag, 4. August 1958&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Neuer Kurier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fernsehprogramm des 4. August 1958 beginnt um 20 Uhr und konzentriert sich auf das Wesentliche: Nachrichten, Sport und Heimat. Das Ganze nur auf einem Programm. Am Tag darauf ist Sendepause. Will man dieses zweistündige Vergnügen nicht verpassen, gilt es zunächst das Fernsehprogramm zu finden. Im Kurier ist es ein kleiner Kasten inmitten des ausführlichen Radioprogramms. Das sollte sich ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;fernsehprogramm kurier&quot; height=&quot;353&quot; alt=&quot;fernsehprogramm kurier&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/kurier1.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immerhin gibt es das Nachrichtenflaggschiff Zeit im Bild schon. Eingefallen ist der Name dem damaligen ORF-Mitarbeiter Thaddäus Podgorski. Kommentar des Programmplaners Gerhard Freund: Na ja, guat is das wirklich net, aber lass mas derweil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem brachte es Podgorski später bis zum ORF-Generalintendanten (19861990). Erstausstrahlung der ZiB war am 1. Jänner 1957. Anfangs wurden vor allem außenpolitische Berichte und Weltchronik gesendet, manchmal auch ein österreichischer Beitrag. Es dominierten veraltete oder skurrile Beiträge: Wasserski fahrende Elefanten und Ähnliches. Man glaubte alles was aus dem Fernsehen kam, man konnte das auch, denn man erfuhr ja nichts, schreibt Podgorski in seinem Buch Die große Illusion. Erinnerungen an 50 Jahre mit dem Fernsehen (&lt;a href=&quot;http://www.bibliophile-edition.at&quot;&gt;Bibliophile Edition&lt;/a&gt;, 2005). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprecher der ZiB war Herbert Kragora  er wurde Österreichs erster Fernsehstar. Nach einem 20-minütigen Sportblock folgt der abendfüllende Heimatfilm Auf der Alm, da gibts ka Sünd unter der Regie von Franz Antel (Der Bockerer). Für Jugendliche nicht zugelassen. Zum Abschluss folgt noch einmal Zeit im Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Dienstag, 19. Oktober 1965&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Kronen Zeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Kronen Zeitung&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Kronen Zeitung&quot; width=&quot;180&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/krone1.jpg&quot; /&gt;Mitte der Sechziger beginnt das Programm bereits um 18.30 Uhr. Seit 1961 läuft außerdem ein so genanntes Technisches Versuchsprogramm: der spätere ORF2. Trotz dieser Fortschritte ist das österreichische Fernsehen für den Fernsehkritiker der Kronen Zeitung nur ein Zimmer-Küche-Kabinett-Betrieb. Grund: An diesem Dienstag kann die beliebte Quizshow Quiz 21 wegen Studiomangels nicht ausgestrahlt werden. Für die Krone stellt diese Unterschlagung schlicht eine Verletzung des Gewohnheitsrechts dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlimmer noch: stattdessen eine Konserve aus Deutschland Amélie Léfèvre, ein Film von und mit Curd Jürgens. Der Bildungsauftrag wird ernst genommen, der Abend beginnt mit einem Fernsehsprachkurs: Adventures in English. Danach folgen Kurznachrichten und Reklame sowie die vierte Folge der sechsteiligen Unterhaltungsserie Nicht verzagen  Stangl fragen. Darin kümmert sich ein Wiener Kaffeehauskellner um die Sorgen seiner Gäste und Arbeitskollegen. Das Programm endet mit der Verkehrsrundschau, einer Sendung über das richtige Verhalten im Straßenverkehr, dann folgt noch ein Bericht über die Frankfurter Buchmesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Versuchsprogramm setzt auf geballte Information: zwei Mal Nachrichten und eine halbstündige Schulfernsehsendung über das Wesen der UNO. Als Gegenpol zur deutschen Konserve im ersten Programm kommt der Hauptabendfilm Adieu Philippine aus Frankreich. Er handelt von einem jungen Mann, der in den Algerien-Krieg eingezogen werden soll, und wurde mit Laiendarstellern gedreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Mittwoch, 12. Mai 1976&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Arbeiterzeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manches ändert sich nie. Zum Beispiel Fußball im Fernsehen. Am 12. Mai 1976 ist das Finale des Europapokals der Landesmeister, des Vorläufers der heutigen Champions League. Bayern München gewinnt 1:0 gegen den französischen Klub St. Etienne. Die Erfolge österreichischer Klubs halten sich in Grenzen, bis Córdoba wird es noch zwei Jahre dauern. Die Kindersendung Am, dam, des wird 1976 ein Jahr alt. Der Fernsehkindergarten besteht aus Geschichten, Liedern und Bastelanleitungen. Bekannte Figuren sind die Gans Mimi, der Clown Enrico  und Thomas Brezina. Danach folgt Landwirtschaft heute, eine Sendung, die sich mit Themen wie Österreichisches Braunvieh, Haflinger (in zwei Folgen) und Das Leben auf der Alpe beschäftigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Arbeiterzeitung&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Arbeiterzeitung&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/arbeiterzeitung1.jpg&quot; /&gt;Am frühen Abend dominiert das Kinderfernsehen: Puppentheater, die Zeichentrickserie Der knallrote Autobus und die Familienserie Papermoon mit der jungen Jodie Foster. Themen an diesem Tag in der Bürgerrechtssendung Wir mit Walter Schiejok: der Wir-Radwandertag und Informationen über Hypotheken in Niederösterreich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders das zweite Programm: Seit 1959 gibt es österreichisches Schulfernsehen  für den Schulunterricht bestimmte Sendungen. Auf diesem Gebiet Vorreiter im gesamten deutschsprachigen Raum, werden sie 1992 aus Kostengründen eingestellt. Danach folgt Bildung für Erwachsene: Teleberuf Marketing soll angehende Werber auf die Härten der Branche vorbereiten. Als Abschluss begibt sich der Seher mit Heinz Sielmann auf eine Expedition ins Tierreich. Das Abendprogramm wird mit Alfred Hitchcock und der Abenteuerserie Quentin Durward bestritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Donnerstag, 27. April 1989&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der Standard&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fernsehtag startet mit einer brasilianischen Telenovela, der ersten ihrer Art im ORF: Die Sklavin Isaura. Die Serie spielt in Brasilien um 1850. Im Mittelpunkt stehen die schöne Sklavin Isaura und ihr Kampf um Freiheit und Liebe. Wie macht man Hörfunk bietet anschließend einen Blick hinter die Kulissen des Radios.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;standard&quot; width=&quot;334&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/standard.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stationen sind die Nachrichtenredaktion, eine Orchesteraufnahme und die Sportberichterstattung. Danach stellt Neue Mythologie in fünf Minuten die griechische Figur Prometheus vor, der den Menschen das Feuer brachte. Um 13.40 Uhr beginnt mit der Zeichentrickserie Fred Basset das Kinderprogramm; die 16. der insgesamt 40 Isaura-Folgen beendet es um 18.00 Uhr. Es folgt Oh Gott, Herr Pfarrer mit dem Serienprofi Robert Atzorn in der Hauptrolle, den sich nachfolgende Generationen als Unseren Lehrer Dr. Specht wünschen werden. Nach der deutschen Komödie Trouble im Penthouse strahlt der ORF eine Eigenproduktion aus: Seinerzeit. In dieser Nostalgiesendung stellen sich Prominente aus Politik und Kultur Publikumsfragen. Nach den fünfminütigen Seitenblicken, die seit 1987 ausgestrahlt werden, folgt die Unterhaltungsserie Hallo, Hotel Sacher  Portier mit dem legendären Tatort-Kommissar Fritz Eckhardt. Sport gibt es auch an diesem Tag, allerdings hauptsächlich auf FS2 (ab 1992 ORF2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach folgt die legendäre Musikwunschsendung Wurlitzer, moderiert von Peter Rapp. Das Hauptabendprogramm eröffnet um 20.15 Uhr der Inlandsreport, Vorgänger des heutigen Report. Themen der Sendung sind der Transitverkehr, die Milliardenpleite der Firma Klimatechnik und die Arbeitspflicht in österreichischen Gefängnissen. In der Dokumentation Vom Mehrwert der Kultur wird die steirische Landesausstellung (Menschen, Münzen, Märkte) vorgestellt. Vor dem Wunschfilm gibt es im Café Central eine Diskussion zum Thema Die Seele ist ein weites Land. Anlass: die zu dieser Zeit stattfindende Ausstellung Wunderblock  Eine Geschichte der modernen Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Freitag, 9. Februar 1996&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
TV-Media&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;TV Media&quot; height=&quot;538&quot; alt=&quot;TV Media&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/tvmedia.jpg&quot; /&gt;Seit 1989 hat sich viel getan: Klassisches Bildungsfernsehen findet sich kaum noch  höchstens spätnachts. Den Vormittag auf ORF1 besetzen Wiederholungen des 1994 gestarteten Confetti-TiVi. Danach Sport, bei Absage: Confetti-TiVi. Am Nachmittag und Abend wechseln sich Serien und Sitcoms ununterbrochen ab, immer dabei: der Sport. Am Abend dominieren amerikanische Spielfilme, zehn Minuten für Sport am Freitag müssen aber sein. Auch der Vormittag in ORF2 ist mit Wiederholungen vom Vortag verplant. Der Nachmittag ist mit Telenovelas und Willkommen Österreich auf ein älteres Zielpublikum zugeschnitten. Nicht zu vergessen die Bürgerproblem-Talkshow Schiejok täglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hauptabend bringt einen Freitagskrimi  wie bis heute üblich. Um 22.35 Uhr stößt man erstmals auf Bildungssendungen: zuerst das Wissenschaftsmagazin Modern Times, moderiert vom heutigen SP-Nationalrat Josef Broukal. Anschließend eine Sendung mit dem Erfinder der Anti-Baby-Pille zum Thema Hormone. Die Kulturzeit beginnt für die Programmplaner des ORF um 1.30 Uhr mit der gleichnamigen Sendung. Die Serie läuft heute in 3Sat und geriet kürzlich in die Schlagzeilen: ORF-Generaldirektorin Monika Lindner soll gebeten haben, einen Beitrag über die Initiative SOS ORF erst nach der Stiftungsratssitzung zu senden. Dem Wunsch wurde entsprochen, der Beitrag erst am 16. Juni gesendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Samstag, 17. Juni 2006&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Heute&quot; height=&quot;477&quot; alt=&quot;Heute&quot; width=&quot;220&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/heute.jpg&quot; /&gt;Zugegeben, eine Ausnahmesituation. Schließlich ist Fußball-WM in Deutschland. Den Zusehern ausnahmsweise Fußball auf hohem Niveau zu zeigen, könnte sogar noch als Erfüllung des Bildungsauftrags durchgehen. Was bleibt aber nach Abzug der achtstündigen WM-Berichterstattung übrig? Zunächst die Kinder- und Zeichentrickserien am Vormittag. Danach Jugendserien und der englische Starkoch Jamie Oliver. Schnitt. Um 23.30 Uhr beginnt der abendliche Filmblock mit amerikanischen Actionfilmen. Die sind so alt, dass sie jeder, der sie sehen wollte, schon gesehen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Highlight in ORF2 ist an diesem Tag Trooping the Colour, die Berichterstattung über die Geburtstagsfeier der englischen Königin Elizabeth II. Zwei Stunden. Neben dem obligatorischen Heimatfilm gibt es vor allem natur- und österreichbezogene Sendungen (Harrys liabste Hüttn, Land und Leute) . Zum abendlichen Abschluss gehört die passende Musik: Vorentscheidung zum Grand Prix der Volksmusik 2006. Davor geht es im Volksanwalt um die Frage, wer jetzt wirklich für die Gemeindestraßen verantwortlich ist. In der Nacht folgen Krimiserien, darunter eine alte Folge der einstigen österreichischen Vorzeigeproduktion Kommissar Rex.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Sonntag, 20. November 2016&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Österreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Oesterreich&quot; height=&quot;585&quot; alt=&quot;Oesterreich&quot; width=&quot;270&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://www.datum.at/6706/static/6706datum/images/oesterreich.jpg&quot; /&gt;Der ORF hat sich wieder seines Bildungsauftrags besonnen. Das gilt schon fürs Kinderprogramm, wo die lieben Kleinen rechtzeitig auf die Härten des Lebens und die Frage nach der richtigen Ausbildung vorbereitet werden. Pensionsvorsorge ab sechs in Zusammenarbeit mit Raiffeisen bildet den Auftakt, gefolgt von Berufsbild: Jägermeisterin. Pünktlich nach dem Messgang hält Bundeskanzler Wolfgang Schüssel seine wöchentliche Rede zur Lage der Nation, unterbrochen nur vom begeisterten Klatschen der ORF-Generalintendantin Silvia Fuhrmann. Darauf folgt leichtere Kost: In der Reality-Soap Bauer sucht Kuh übt das Traumpaar Grasser-Swarovski vor den Augen der hoch erfreuten Öffentlichkeit den Natursprung, missliebige Stiere dürfen rausgevotet werden. Im Hauptabendprogramm wandelt der unermüdliche Sepp Forcher in Mei liabste Wies auf den Pfaden von Kräuterpfarrer Weidinger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORF2 wurde vor fünf Jahren privatisiert: An der ORF2 Pulsplus GmbH halten Niki Fellner und Eva Dichand je 40 Prozent, der Rest entfällt auf die Christian-Konrad-Gedächtnisstiftung. Hier setzt man auf Serviceformate mit Alltagstauglichkeit: Handyservice-TV (mit freundlicher Unterstützung von Samsung) und Computerberatung (powered by Microsoft) wechseln sich ab mit Woman-TV und Wirtschaftssendungen (Schauen Sie sich nach oben, sponsored by Fielmann).</description>
    <dc:creator>Klaus Stimeder</dc:creator>
    <dc:subject>medien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Klaus Stimeder</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-01T13:47:00Z</dc:date>
  </item>


<textinput rdf:about="http://www.datum.at/6706/search">
   <title>find</title>
   <description>Search this site:</description>
   <name>q</name>
   <link>http://www.datum.at/6706/search</link>
</textinput>


</rdf:RDF>
