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Leserbriefe

Rapid und frust

Der Artikel ist ganz offensichtlich aus der Frustration über das vergangene Frühjahr heraus geschrieben, die jeder Rapid-Fan kennt und teilt. Aus dieser Emotion heraus aber zu vergessen, dass Rapid in den letzten 15 Jahren mehr als ein Mal am Rande der Existenz war, ist kurzsichtig. Einen Präsidenten, der ein eigentlich unglaubliches Budgetloch sanieren musste und damit die Existenz des Vereins gesichert hat, zu kritisieren, dass er nicht genug ausgibt, damit wir eine gut spielende Rapid sehen können, ist legitim.

Den Grund zu übersehen, daß ihn eine solche Erfahrung wohl geprägt und als Rapidler wohl im Mark erschüttert hat und er deswegen lieber langfristig denken will, ist allerdings meiner Meinung nach ebenso kurzsichtig. Der Autor schreibt zwar, so ein Hasard-Spiel wie beim FC Tirol sollt’s zwar nicht sein, aber ein bisserl hätt er’s offenbar schon gern so.

Es ist natürlich in Ordnung, einen Artikel zu schreiben, über dem „Polemik“ steht, und zu Papier zu bringen, dass Mario Bazina kein Ersatz für Steffen Hofmann und Andreas Ivanschitz war. Und dass die Stadt Wien Infrastrukturinvestititionen zahlen sollte. Alles nicht falsch und diskussionswürdig. Aber im DATUM sollte das schon ein bisserl durchdachter daherkommen, als wenn ich mit meinem Nachbarn im Stadion mit meinem G’spritzten in der Hand angesichts eines Grottenkicks drüber red.

Christian Bruckner, per E-Mail


Rapid und verantwortung

Einige Gedanken zum Artikel Bilanzspiele in der Ausgabe vom Juni: In einer Zeit, in der viele österreichische Fußballklubs entweder wirtschaftlich vor dem Abgrund stehen (Sturm, GAK, Admira) oder von selbstherrlichen Gönnern übernommen wurden (Red Bull, Magna), ist Rudi Edlinger als Rapid-Präsident einer der wenigen Hoffnungsschimmer. Es mag sein, dass die Anhänger ihr Eintrittsgeld nicht für die makellose Bilanz bezahlen. Aber ohne makellose Bilanz könnte es bald so weit sein, dass die Fans ihr Geld erst gar nicht mehr für Rapid-Eintrittskarten auszugeben brauchen, weil der Verein zahlungsunfähig wird und den Spielbetrieb einstellen muss.

Gerade die Rapid-Fans sollten an die frühen Neunzigerjahre zurückdenken und sich dieser Gefahr immer bewusst sein. Rapid ist der österreichische Fußballklub schlechthin. Er wird von rund 6.000 Mitgliedern und hunderttausenden Fans getragen. Kein noch so verlockender sportlicher Erfolg kann es rechtfertigen, die Existenz Rapids durch das Eingehen finanzieller Risiken aufs Spiel zu setzen.
Auch darf Rapid das eigene Schicksal niemals in die Hände eines Gönners legen. Dafür ist Rapid zu wertvoll. Ich glaube, Rudi Edlinger ist sich dieser Verantwortung bewusst und handelt danach, auch wenn das oft unpopulär ist. Dafür verdient er sich meine Hochachtung.

Christian Podoschek, per E-Mail


fussball und geschlechter

Kicking the Balls: 22 Seiten über Fußball und Geschlechterrollen – aber eine echte Gleichstellung wird in dieser DATUM-Ausgabe nicht einmal angedacht – im Sinne von Frauen und Männern gemeinsam auf dem Platz. Wenn in den Jugendligen Mädchenmannschaften regelmäßig gegen Buben antreten und gewinnen, wäre es nur nahe liegend, überhaupt alle Mannschaften, bis in die Bundesliga und die Nationalmannschaft, auch für Frauen und Mädchen zu öffnen und eine geschlechtermäßige Durchmischung zuzulassen. Und zwar ohne Frauenquote, sondern nach Qualifikation.

Angebliche physische Defizite sind ja ohnehin größtenteils ein Mythos, der verblasst, wenn man sich die Leistungen internationaler Topspielerinnen anschaut. (Die deutsche Fußball-Weltmeisterin Birgit Prinz bekam 2003 vom italienischen [Männer-]Verein AC Perugia ein Angebot!) Trotzdem ist „fehlende körperliche Voraussetzung“ das Hauptargument der ewigen Verhinderer. Dass gerade ein Mannschaftssport in der Lage ist, spezielle Fähigkeiten von SpielerInnen hervorzuheben und Mängel auszugleichen, hört man in dem Zusammenhang nie.

Tatsächlich fehlt es einzig am Willen der ausschließlich männlichen Entscheidungsträger. Dass die besten Spielerinnen in diesem Land ihre ganze „Karriere“ lang von ernst zu nehmender Nachwuchsarbeit und Förderungen fern gehalten werden, spricht für sich.

Warum also nicht mal eine Legionärin holen oder gar eine heimische Topspielerin aufstellen und etablieren? Ich denke, so manche könnte da locker mit dem österreichischen Niveau mithalten, von der Motivation könnte sich wohl so mancher was abschneiden, und überhaupt kann es insgesamt nur besser werden. Im ganzen Land würden die Zuschauerzahlen deutlich nach oben gehen (hallo, Sponsoren!), und österreichischer Fußball wäre endlich einmal wieder interessant – von der politischen Dimension ganz zu schweigen.

Meines Wissens ist die T-Mobile Bundesliga nicht grundsätzlich „männlich“ bzw. gibt es keinen Paragrafen, der Frauen das Recht vorenthält, in „Männer“-Mannschaften mitzuspielen. Und wenn es anders wäre, müsste diese Regelung im Sinne der Gleichberechtigung fallen. Denn wenn es nach denen ginge, die darüber unken, wären Frauen bis heute von Sport, Politik, Wissenschaft etc. ausgeschlossen.

Georg Höllering, per E-Mail


vermisster und literatur

Ansonsten gibt es an DATUM fast nie etwas auszusetzen: gute Texte, genaue Recherche, ansprechende Optik. Was euch allerdings mit der Geschichte um den vermissten Meinungsforscher eingefallen ist, verstehe ich nicht. Als langjähriger Leser weiß ich ja um eure Vorliebe für diese Art von Chronikberichterstattung, es ist ja auch schlimm, wenn Leute einfach so verschwinden, aber diese Story hatte meiner Ansicht nach mehr mit Literatur als mit seriösem Journalismus zu tun. Seid’s mir nicht bös.

Rainer Mösendorfer, per E-Mail


topal und happy end


Selten so eine wunderbar erhellende Geschichte gelesen wie über das Wunderkind Murat Topal in der Nummer mit dem Fußballschwerpunkt. Offenbar hat euer Porträt dazu beigetragen, dass der Mann jetzt plötzlich wieder bei diversen Ostligavereinen im Gespräch ist, unter anderem bei der Vienna. Wäre doch schön, wenn der eher tragischen Geschichte ein Happy End folgen würde.

Mario Lettner, per E-Mail


mahr und gedächtnis


Zu den letzten Fragen an Hans „Hansi“ Mahr in der letzten Ausgabe: Es ist schon bewundernswert, wie unglaublich subtil sich der Herr Mahr in schöner Regelmäßigkeit dem ORF vermeintlich nicht andient. Ich zitiere: „Ein ORF-Generaldirektor Hans Mahr ist nicht vorstellbar. Aber …“ Es mag ja sein, dass sich Herr Mahr in Sachen Sicherstellung der Freiheiten der Redaktion bei RTL Meriten erworben hat – als ernsthaften Kandidaten qualifiziert ihn das noch lange nicht. Oder vergisst man wirklich so schnell?

Wie hat denn RTL unter dem Fernsehmacher Hans Mahr ausgesehen? Mittägliche Talkshows à la „Meine Frau versteckt meine Unterhosen, was tun?“, Sportberichterstattung bis zum Abwinken und öde Hollywood-Schinken am Abend. Andererseits: Wären wir nicht wieder genau dort, wo wir mit dem ORF längst sind?

Michael Prokopetz, per E-Mail


mahr und erfahrung


Vielleicht wäre Hans Mahr wirklich die richtige Lösung an der Spitze des ORF, auch wenn das aus heutiger Sicht nahezu unmöglich scheint. Immerhin bringt er alles mit, was man im Fernsehgeschäft braucht: reichliche Erfahrung, Durchsetzungsvermögen, Kreativität, einen langen Atem und Mut zum Querdenken. Alles Eigenschaften, welche die derzeitige ORF-Führung auf schmerzliche Art vermissen lässt.

Andreas Schwegler, per E-Mail


Fussball und Komplexe

Die so genannte Doppelconference in der Fußballnummer war wohl das erhellendste Stück über den österreichischen Fußball seit Ewigkeiten. Das, was Kurt Palm in seinem Traumtor gefordert hat, hat Josef Hickersberger im Interview voll und ganz bestätigt. Solange wir an unserem Minderwertigkeitkomplex leiden, wird sich leider nie etwas ändern.

Die Argumentation „Wir sind ein kleines Land, wir werden es ohnehin nie weit bringen“ steht im totalen Widerspruch zur derzeitigen Weltmeisterschaft: Wenn es Mannschaften wie Trinidad und Tobago (1,1 Millionen Einwohner) und die Schweiz (7,4 Millionen) schaffen, mit ihrem Fußball Aufsehen zu erregen, warum sollte das Potenzial in Österreich nicht da sein? Eine kleine Rüge sei indes doch erlaubt: Die ausländerfeindlichen Tiraden des Coachs des Unterligavereins mögen ja ein Spiegelbild der Realität sein – im DATUM lesen will ich sie trotzdem nicht.

Gerhard Breitenfurtner, per E-Mail



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