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Operation Mindfuck

Sie beobachten die Toten. Sie erklären dir, wie ruiniert du bist. Und verlangen auch noch Geld dafür. Ein Nachmittag bei Scientology.

Scientologen

Text: Birgit Wittstock
Illustration: Tom Mackinger
Depressiv, instabil, unverantwortlich, übermäßig kritisch und selbstsicher. „Das sieht nicht gut aus. Wie beurteilst du selbst das Ergebnis?“ Von der kahlen weißen Wand schickt Lafayette Ronald Hubbard ein unverwüstliches Lächeln. Wissend, verschwörerisch und mit sich im Reinen. Den steifen weißen Hemdkragen weltmännisch über den des grauen Sakkos geklappt. Das schüttere Haar aus der hohen Stirn gekämmt: ordentlich und aufgeräumt. Alfred* gibt sich alle Mühe, hinter seinem Arbeitstisch aus dunklem Holz Rons Aura heraufzubeschwören. Sein Anzug sitzt so korrekt wie seine Frisur. Vor ihm liegt ein Ausdruck der „Oxford Capacity Analysis“. Er setzt eine besorgte Miene auf, als er das Kurvendiagramm interpretiert.

Die standardisierte Persönlichkeitsanalyse ist der erste Schritt in ein besseres Leben; in ein Leben, das man dank der Lehren Rons und der Unterstützung von Scientology selbst in der Hand hat, verheißt man bei der Scientology-Kirche. 200 Fragen die man mit „Ja oder überwiegend Ja“, „unsicher“ oder „Nein oder überwiegend Nein“ beantworten muss, um den Scientology-Leuten einen Überblick über das zu behandelnde Problem zu verschaffen. „Macht Ihnen ein geringfügiges Versagen Ihrerseits nur wenig Sorgen?“, „Sind Sie für Rassentrennung und Klassen- unterschiede?“ oder „Sprechen Sie langsam?“ Am Ende werden die Antworten vom Computer ausgewertet. Der persönliche „Ruin“ wird grafisch vor Augen geführt und liegt faktisch untermauert auf dem Tisch.

„In deiner gegenwärtigen Lage kannst du nicht selbst entscheiden. Du bist beeinträchtigt von deinem Ruin. Aber es liegt in deiner Hand, etwas dagegen zu unternehmen. Wenn du möchtest, können wir dir dabei helfen, dich aus dieser unzufrieden stellenden Situation zu befreien“, sagt Alfred ohne jegliches Mitgefühl in der Stimme. „Ich kann mir vorstellen, dass du dich momentan nicht sehr wohl fühlst.“ Selbst dort, wo die Kurve steil in den „wünschenswerten Zustand“ ragt, sieht Alfred Grund zu Kritik.

Diese Kombination aus übertriebener Selbstsicherheit, Aktivität und Fähigkeit würde andere vor den Kopf stoßen und zu manischer Selbstüberforderung führen. Am Ende stehe der unabwendbare Zusammenbruch. „Ist das stimmig?“, fragt Alfred mit fixierendem Blick. Völlig stimmig. „Dann gehen wir es an“, sagt Alfred. Das „Angehen“ kostet 21, 30 Euro und beinhaltet einen Kurs zum Thema „Kommunikation“. Zuerst legt Alfred noch einen zweiseitigen Vertrag auf den Tisch. Ich unterschreibe, dass ich die Scientology Kirche niemals klagen werde.

Die Wartezeit kann man sich im Zentrum der Scientology-Kirche Österreich im sechsten Wiener Bezirk mit Lesen vertreiben. Das Zentrum liegt im Souterrain eines Altbaus unweit der Mariahilfer Straße. Die Einrichtung ist minimalistisch und auf das Wesentlichste reduziert. Die Räume ähneln einem Fuchsbau: verwinkelte Gänge, kleine Kammern. Im Eingangsbereich, der „Reception“, liegen in breiten Bücherregalen die Werke L. Ron Hubbards auf. Hubbard war ein fleißiger Schreiber, hatte zu jedem erdenklichen Thema etwas beizusteuern. Neben seinem Bestseller „Dianetik“, in dem er seine Lehre erklärt, türmen sich Bücher, in denen Hubbard in Fotografie und Kunst einführt. Daneben Bücher über Partnerschaft, Drogen und das „Dianetik- Selbsthilfepaket“: für jedes Problem eine Lösung.

Sonja strahlt übers ganze Gesicht. „Schön, dass du gekommen bist“, sagt sie mit starkem Kärntner Akzent und streckt ihre Hand aus. Der Eiffelturm, an einem goldenen Bettelarmband an ihrem Handgelenk festgemacht, schwingt bei jeder Bewegung heftig mit. Alfred kommt aus seinem Büro und verlangt weitere vier Euro für die Kursunterlagen. Die Blicke der beiden sind bohrend und der geringe Abstand, in dem sie sich aufbauen, körperlich unangenehm. Sonja lacht. Alfreds ernstes Gesicht wirkt wie eingefroren. Good Cop und Bad Cop. Vorbei an der „Reception“, hinter der die Büros liegen, gehen wir in den Seminarraum. An einer der Türen ist auf einer goldenen Tafel „L. Ron Hubbards Büro“ zu lesen. Hubbard ist seit 21 Jahren tot, doch ist in jedem Scientology-Zentrum weltweit ein perfektes Abbild seines Büros eingerichtet. Die Allgegenwart von Rons Geist bekommt dadurch eine räumliche Dimension.

Im Seminarraum wird der spartanische Einrichtungsstil fortgeführt: ein Tisch mit vier Sesseln in der Mitte und ein Schreibtisch in der rechten Ecke. Dahinter hängen drei goldgerahmte Zertifikate der Scientology Academy Florida, die Sonjas Status als „Coach“ bescheinigen. An der Längs- und Breitseite des Raumes stehen zwei Regale: eines voller Wörterbücher und Lexika, eines mit Dianetik-Selbsthilfepaketen und Ordnern. Mit etwa zehn Schritten durchquert man den Raum und kommt in eine angeschlossene Kammer, die vom eigentlichen Seminarraum durch ein großes Fenster einsehbar ist. Das Bild wiederholt sich: ein Tisch, vier Sessel und ein Regal, beladen mit Selbsthilfepaketen. Auf den Studiertischen stehen geflochtene Körbchen mit bunten Holzbauklötzen und Holztieren darin. Sonja setzt sich hinter den Schreibtisch, auf dem sich Aktenordner türmen. Sie lässt mich meine erfundenen Personendaten wiederholen und legt eine Mappe an.

Wie hast du eigentlich von dem Seminar erfahren?“, fragt sie und zupft an den Spitzen ihrer langen blondierten Haare. „Über eine Studienkollegin.“ „Hat sie einen Kurs bei uns gemacht?“ Sonja schaut mir aufmerksam in die Augen. Ihr grün glitzernder Lidschatten ist verwischt, das Haar am Ansatz dunkel und fettig. Sie ist verschwitzt und wirkt abgekämpft. „Weil es draußen so heiß ist“, entschuldigt sie sich ungefragt. „Wie heißt denn deine Kollegin?“ „Eleonore“, sage ich, ohne nachzudenken. Sonja sieht mich scharf an. „So eine kleine, dunkelhaarige. Du weißt schon. Mit schulterlangen Haaren“, sage ich. Sonjas angestrengter Blick schweift zum Fenster, das mit weißem Papier verhangen ist. Mit einer Hand befühlt sie das Kreuz mit den vier sternförmigen Strahlen – das Symbol von Scientology, das sie an einer Silberkette um den Hals trägt. Durch einen kleinen Spalt sieht man die Füße vorbeigehender Passanten. Dann lächelt sie und nickt. „Ja, ich weiß, wen du meinst.“

Nachdem sich Sonja erfolgreich an eine erfundene Person erinnert hat, will sie noch mehr wissen. Sie beginnt, von sich zu erzählen: von ihrem BWL-Studium in Graz, dem Umzug nach Wien, wo sie sich als „Landei“ bis heute nicht zurechtfindet, und von ihrem Jahr in Florida, wo sie sich ganz Rons Lehren widmen konnte. Ich erzähle ihr im Gegenzug ein paar ausgedachte Geschichten über mich. Sie strahlt. Nach getanem Smalltalk beginnt der Kurs. Sonja schickt mich ins Nebenzimmer, um die Kommunikationsmodelle und Theorien L. Ron Hubbards zu „studieren“. Sie übergibt mir eine Kopie, auf der sämtliche Punkte des Kurses aufgelistet sind und die nach erfolgreicher Beendigung jedes Teils unterschrieben werden müssen. Sie schließt die Tür, setzt sich an ihren Schreibtisch und beobachtet mich durchs Fenster. Das erste Kapitel umfasst ein Editorial, in dem Scientology als „geisteswissenschaftliches, philosophisches Wissensgebäude“ erklärt wird.

Titel: „Scientology – Die Welt zu einem besseren Ort machen“. Darauf folgt eine umständliche Definition des Begriffs Kommunikation, illustriert mit altbackenen Schwarz-Weiß-Fotos, die aussehen, als könnte sie Hubbard selbst geschossen haben. Jemand hat das Nebenzimmer betreten. Offenbar eine Frau. Die Stimme klingt jung und dringt leise durch die geschlossene Tür. „Bitte ruf sie an. Sie geht mit dir in die Klasse und kennt dich“, sagt Sonja. Es sei nichts dabei. „Ich kann natürlich auch anrufen, aber besser wäre es, wenn du es tust.“ „Ich will nicht“, antwortet die andere Stimme. „Na, sei nicht so“, sagt Sonja freundlich und bestimmt. Nach einigem Hin und Her lässt sich die Unsichtbare breitschlagen und geht telefonieren. Einige Augenblicke später ist sie zurück. „Es hat niemand abgehoben“, sagt sie und ihre Stimme klingt erleichtert.

„Hast du eine Nachricht hinterlassen?“ „Nein.“ „Dann probierst’ es später noch mal, ja?“, sagt Sonja und schickt ein blendendes Lächeln hinterher. Nach rund 20 Minuten beginnt die eigentliche Arbeit: Sonja holt mich in den Seminarraum. Bei Scientology gehe es um das „richtige Verstehen“. Es bilde die Grundlage allen Erfolgs, dass Begriffe nicht missinterpretiert würden, denn sobald man ein Wort missverstehe, sei es vorbei. Sie beginnt mich zu prüfen. Wortdefinitionen von Begriffen wie Ursache, Partikel, Duplikat und Axiom. Antworten hat sie selbst kaum parat, weshalb sie zur Kontrolle in gängigen Wörterbüchern und Lexika nachschlägt.

Manche Begriffe haben im Scientology-Sprech besondere Bedeutung. Als ich Partikel mit Teilchen oder Stückchen erkläre, schüttelt Sonja milde den Kopf. Dann greift sie nach einem speziellen Scientology-Wörterbuch und liest: „Jede Kommunikation umfasst ein Partikel, das in einer von vier Kategorien sein kann: ein Gegenstand, eine schriftliche Mitteilung, ein gesprochenes Wort oder eine Idee – verstanden?“ Danach lässt sie mich die beschriebenen Modelle so lange wiederholen und erklären, bis die Scientology-Termini sitzen.

Das grundlegende Modell ist dabei jenes der „einfachen Kommunikation“: Die beiden „Terminale“ A und B kommunizieren miteinander. Dies bedarf der „Absicht“ von A und der „Aufmerksamkeit“ von B. Bei B muss weiters eine „Duplikation“ stattfinden, was in Scientologisch als „die Aktion, etwas genau zu reproduzieren“ definiert wird. „Das Ausmaß der Realität, das in diesem Kommunikationszyklus erreicht wird, hängt vom Ausmaß der Duplikation ab.“ Im nächsten Schritt müsse A das duplizieren, was von B ausging, erklärt Hubbard in seinem Lehrbuch. „Wenn dies gemacht wurde, dann gibt es keine nachteiligen Konsequenzen.“

Hubbards Weisheit letzter Schluss: „Kommunikation scheint in diesem Universum das einzige Verbrechen zu sein und die einzige Rettung für eine Person liegt in der Kommunikation.“ Nach langwierigem, pedantischem Wiederkäuen dieser Botschaften kommen „Demos“ an die Reihe: Die Kommunikationsmodelle sollen anhand von Rollenspielen mit den Bauklötzchen veranschaulicht werden, die beteiligte Personen und Interaktionen symbolisieren sollen. „Damit es wirklich klar ist, sonst hast du nichts davon“, sagt Sonja.

Nächstes Kapitel, selbes Spiel. Nach vier zermürbenden Stunden des unablässigen Wiederholens, Definierens und Darstellens betritt ein Mädchen die Kammer. Sie setzt sich wortlos auf die gegenüberliegende Seite des Tisches und versinkt sofort in ihren Unterlagen, die aussehen, als ob sie für Leseanfänger geschrieben wären: große Buchstaben, doppelter Zeilenabstand und viele Illustrationen mit Sprechblasen. Das Mädchen folgt den Buchstaben mit dem Zeigefinger der rechten Hand und liest sich selbst leise vor. Mit der linken Hand baut sie mit schnellen, geübten Bewegungen „Demos“ auf und ab. Die Welt um sie herum existiert nicht mehr.

Das Aufgabenblatt verlangt nach einem Aufsatz. Es ist bereits der Zweite an diesem Nachmittag. Diesmal soll der Student die Kommunikation der Mitstudenten nach dem Hubbardschen Modell analysieren. Das Problem: Es gibt nur eine Mitstudentin, und die kommuniziert nicht. Sonja hat schnell eine Lösung parat. Sie schickt mich auf die nahe Mariahilfer Straße. Unter Beobachtung von Barbara, meinem Gegenüber. Als sie leise ihren Namen murmelt, erkenne ich die Stimme von vorhin wieder. Barbara ist wenig begeistert, aber sie fügt sich den Anweisungen. Mit langen Schritten steigt sie die Stiegen zu der Einkaufsstraße hinauf. Barbara ist etwa 1,85 und scheint sich in ihrem Körper nicht wirklich wohl zu fühlen. Sie bewegt sich mit der ungelenken Unsicherheit eines pubertierenden Teenagers. Ihr ernstes, ungeschminktes Gesicht ist von Akne gezeichnet, das dunkelbraune Haar streng zu einem Zopf gebunden. Das pinke Sweatshirt, das sie trägt, sieht aus wie aus den Achtzigern.

Barbara ist 18 und geht noch zur Schule. Sie ist ständige Mitarbeiterin in der Scientology Kirche Österreich und träumt davon, wie Sonja nach Florida zu gehen und die Zertifikate zum „Coach“ zu machen. „Aber dafür bedarf es noch vieler Kurse“, sagt sie. Wie sie diese Kurse finanziert, darüber will Barbara nicht sprechen. Auch sonst ist sie nicht gerade redselig, was persönliche Dinge angeht. Dafür erzählt sie ausführlich, wie sie manchmal stundenlang einen einzigen Satz studiert. Die Lehre von Scientology zu verinnerlichen sei harte Arbeit. Und: Es würde ihr ja nur dann helfen, wenn sie wirklich verstanden habe, was Ron gemeint hat.

Die Suche nach geeigneten Kommunikationen ist auf der Mariahilfer Straße einfach und schnell erledigt: Ich belausche den Streit zwischen drei Männern und zwei Burschen, die mit ihren Fahrrädern am Gehsteig gefahren sind. Ein Paradebeispiel von „Nichtkommunizieren“, in perfektem Scientologisch beschrieben. „Das hast du ganz richtig verstanden“, sagt sie. Der Weg zu diesem Verständnis war ein steiniger: Bei der vorangegangenen Diskussion über das „Nichtkommunizieren“ prallten zwei Welten aufeinander. Sonja wiederholte gebetsmühlenartig Hubbards Weisheit: „Ein Mensch ist so tot, wie er nicht kommunizieren kann.“

In den Unterlagen wird das „Nichtkommunizieren“ als „Nichtbereitschaft, Kommunikationen auszusenden oder zu empfangen“ oder auch als „zwanghafte Kommunikation ohne Richtung und ohne den Versuch, duplizierbar zu sein“ bestimmt. Auch „Individuen, die beim Empfang von Kommunikation schweigend dastehen und nicht bestätigen oder nichts erwidern“ kommunizieren dem Modell nach nicht. „Sie sind tot“, sagt Sonja. Meinen Einwand, dass Kommunikation nicht nur über Sprache passiert, wischt sie mit einer wegwerfenden Handbewegung vom Tisch. Nach einstündigem, hartnäckigem Aneinandervorbeireden mache ich es mir leichter.

Ich akzeptiere für den Rest des Kurses meinen Tod und attestiere ihn den nichts ahnenden Probanden. Sonja ist vom Aufsatz begeistert. Es geht weiter wie gehabt: lesen, definieren, wiederholen und endlos „Demos“ abspielen. Die Konzentrations- fähigkeit hat nach sieben Stunden ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Sonja ist ungehalten. „Die ,Demos‘ nicht vergessen. Immer während dem Studieren ,Demos‘ machen, sonst lernst du nichts.“

Es ist Abend geworden. Im Seminarraum nebenan haben zwei Männer am Arbeitstisch Platz genommen. Der „Coach“ ist von seinem Studenten hörbar beeindruckt. Durch die Tür dringen Definitionen mit der Geschwindigkeit von Maschinengewehrsalven. Sonja lässt indes nicht locker. Sie will mich nicht aufgeben, befindet aber letztlich, dass es keinen Sinn mehr habe. Ich sei über einen Begriff gestolpert, den ich nicht verstanden habe, und deshalb könne ich nichts mehr behalten. Erneut Begriffsdefinitionen. „Das müssen wir das nächste Mal alles wiederholen“, sagt sie. „Wann hast du Zeit? Morgen? Übermorgen? Du musst deinen Stundenplan abgeben.“

Der Arbeitsplan für die nächste Einheit: Trainingsübungen, bei denen sich Coach und Student in einem Meter Abstand gegenübersitzen, ohne sich zu bewegen. Stundenlang. Danach die Steigerung: bewegungsloses Gegenübersitzen und verbale Angriffe über sich ergehen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine halbe Stunde nach dem vereinbarten Zeitpunkt läutet das Telefon. Auf der Mobilbox erinnert Sonja mit zuckersüßer Stimme daran, dass ich heute „eigentlich in der ,Org‘ einen Termin gehabt“ hätte. „Wann kommst du denn? Wäre total super, wenn du mich anrufen könntest.“ Zwei Tage später noch eine Nachricht: „Wollte nur mal schauen, wie’s dir geht. Ob du irgendetwas nicht verstanden hast oder ob dir etwas dazwischen- gekommen ist.“ Und mit Nachdruck: „Ruf mich an.“

*Aus Rücksicht auf die handelnden Personen wurden sämtliche Namen geändert.



maueseFrage an die Maus

Was ist Scientology und wer steht dahinter?

Erstmals wurde John Sweeney mit seinen eigenen Waffen geschlagen: Der BBC-Reporter hatte jüngst in Los Angeles für eine TV-Doku über die Scientology-Kirche recherchiert, die dort ihren Hauptsitz hat. Womit er nicht gerechnet hatte: Die Scientologen verfolgten den Reporter sechs Tage lang auf Schritt und Tritt. Sie filmten ihn und warfen ihm unentwegt vor, seine Berichterstattung sei einseitig und unprofessionell. Irgendwann verlor Sweeney die Fassung und brüllte den Scientology-Sprecher an. Ein paar Tage bevor die BBC die Reportage ausstrahlte, stellte Scientology Sweeneys Ausraster auf die Videoplattform YouTube. Ergebnis: Kritisiert wurde nicht Scientology, sondern die Methoden der BBC.

Heute steht die im Jahr 1954 von Lafayette Ronald Hubbard (1911–1986) gegründete Church of Scientology in vielen Ländern im Ruf einer gefährlichen Sekte. Nach Hubbards esoterischem Weltbild, das er in seinem Buch „Dianetik“ beschreibt, kann der Mensch in acht Stufen durch körperliche und geistige Arbeit den Zustand der „völligen Freiheit“ erlangen. Dafür müssen kostenpflichtige Kurse besucht werden. Wie teuer diese sind, gibt Scientology nicht bekannt. Laut Scientology-Österreich- Sprecherin Sonja Henkel gibt es weltweit acht bis neun Millionen Mitglieder, davon rund 5.000 in Österreich.

German Müller, Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, verweist auf den Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006, laut dem es etwa 120.000 Scientology-Mitglieder weltweit gibt. In Österreich sind es 300 bis 500 – die Angaben kommen von Personen, die sich laut Müller„von der Gruppe distanziert haben“. Die meisten Scientologen leben in den USA, dort hat Hubbards Kult prominente Anhänger wie Tom Cruise und John Travolta. In Österreich ist Scientology als Verein seit Anfang der Siebziger vertreten. Hierzulande gibt es zwei Kirchen: eine in der Capistrangasse im sechsten Wiener Bezirk und das „Celebrity Center“ in der Favoritner Senefeldergasse, das Prominente werben soll. Oberster Scientologe ist der Amerikaner David Miscavige, der Vorsitzende in Österreich heißt Peter Fleischer.



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