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Das Ende der Bescheidenheit

Gabriela Moser macht seit Jahren Jagd auf ein System, dem Kritiker gerne einen Namen geben: Karl-Heinz Grasser. Seit beinahe zwei Jahrzehnten sitzt die grüne Verkehrssprecherin im Nationalrat in der zweiten Reihe – jetzt ist sie die Aufdeckerin der Nation.
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Grünen-Parteichefin Eva Glawischnig bringt ein weiteres Argument: „Das Aufdeckerfeld ist eine Männerdomäne. Als Frau stellt man sich selbst meist mehr in den Hinter- und die Inhalte in den Vordergrund.“ Peter Pilz kann mit dieser Argumentation nichts anfangen: „Einen unterschiedlichen Stil hat jeder. Wer keinen Ehrgeiz hat, hat in der Politik nichts verloren“, sagt Pilz. „Den hat die Gabi genauso. Keiner ist glücklich, wenn er sachlich sehr gute Arbeit macht und trotzdem kaum öffentliche Beachtung bekommt. Dass Moser trotzdem so lange durchgehalten hat, ist toll.“ 

Moser entstammt einer bürgerlichen Linzer Familie, der Vater ist Orthopäde und Cartellverbands-Mitglied, die Mutter Klavierlehrerin. Die Eltern schicken die Kinder in ein katholisches Privatgymnasium, erzogen werden Moser und die drei jüngeren Geschwister auch von ihrer „stark katholisch orientierten Großmutter“. Während des Studiums ist Moser in der Katholischen Hochschulgemeinde tätig, organisiert Arbeitskreise, veranstaltet Feste. Bis heute zahlt sie die Kirchensteuer. „Ich habe wenig mit der Kirche zu tun, aber ab und zu findet man mich dort schon vor“, sagt Moser. „Wenn ich ideologisch geprägt bin, dann eher von dieser Seite.“ Sie besitzt ein Stadthaus in Linz, in Wien mietet sie eine Wohnung in der Josefstadt, dem traditionell bürgerlichen achten Gemeindebezirk. Auf geschlechtergerechte Sprache, sonst ein Anliegen der Grünen, legt Moser im Interview keinen Wert. Seit 2004 besitzt sie die Jagdkarte, obgleich sie „noch nie ein Tier geschossen“ hat. Von ihrem Vater, einem passionierten Jäger, hatte Moser einige Gewehre geerbt. „Ich habe es teilweise aus Interesse, aus persönlicher Herausforderung und teilweise deswegen gemacht, um in männliche Kreise hineinzuschnuppern“, sagt sie. 

Moser glaubt an Gott, darf jagen und ist Lehrerin. Sie ist bürgerlich und links und vielleicht ein bisschen von beidem: Realo im politischen Alltag, Fundi in Öko-Themen. So lobt Parteichefin Glawischnig sie als „hochkarätige Öko-Abgeordnete“ und „wandelndes Programm, weil sie ihren Lebensstil so konsequent auf ihre Politik umsetzt“. Die passionierte Wanderin legt sich während des Studiums einen Saab 99 zu – um ihn 1983 zu verkaufen und anschließend zusammen mit ihrem Mann, einem Physiker aus Bayern, dem Autofahren gänzlich abzuschwören.

Während ihrer Studienzeit steigt Moser erstmals auf die Barrikaden: 1972 inskribiert sie an der Universität Salzburg Geschichte und Germanistik und schließt sich kurz darauf dem Protest gegen die geplante Verbauung der Grünflächen in der Stadt Salzburg an. Es folgen klassische Stationen des grünen Protests: Anti-Atom-Demo in Zwentendorf ab 1977, Besetzung der Hainburger Au ab 1983 und ab 1985 Widerstand in Wackersdorf. Geplant war dort die Entstehung einer zentralen Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren. Moser organisierte Busse, die die Demonstranten aus Oberösterreich nach Bayern brachten.