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Das Ende der Bescheidenheit

Gabriela Moser macht seit Jahren Jagd auf ein System, dem Kritiker gerne einen Namen geben: Karl-Heinz Grasser. Seit beinahe zwei Jahrzehnten sitzt die grüne Verkehrssprecherin im Nationalrat in der zweiten Reihe – jetzt ist sie die Aufdeckerin der Nation.
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Bereits mit Abschluss des Studiums war sie 1978 nach Linz zurückgekehrt und hatte einen Posten als Lehrerin am Akademischen Gymnasium angenommen. Linz galt damals als dreckigste Stadt des Landes. „Meine straßenseitigen Fenster waren doppelt so schmutzig wie die gartenseitigen“, erinnert sich Moser. „In einem Wutanfall“ griff sie zum Telefonbuch, schlug unter „Grüne“ nach und fand die Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ), eine zersplitterte Gruppe in der jungen grünen Bewegung. 1982 waren sie gegründet worden, drei Jahre später zog Moser als ihre Spitzenkandidatin in den Linzer Gemeinderat ein und setzte strengere gewerbebehördliche Vorschriften für die Industrie im Großraum der oberösterreichischen Landeshauptstadt durch. „Die Verbesserung der Linzer Luft ist realpolitisch mein größter Erfolg – riechbar und sichtbar“, sagt Moser.

Erfolglos engagierte sie sich damals hingegen als Vermittlerin innerhalb des zerstrittenen grünen Lagers. 1994 gelangte Moser für die nunmehr geeinten Grünen erstmals in den Nationalrat, 2003 schließlich setzte sie sich in Oberösterreich als Schriftführerin bei den Koalitionsgesprächen für eine politische Zusammenarbeit von Schwarz-Grün ein: „Ich habe hier die Bereitschaft der ÖVP gesehen, grüne Inhalte deutlich zu übernehmen“, sagt Moser. Auf Bundesebene, wo wenige Monate zuvor die Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen gescheitert waren, hatte sie genau diese vermisst.

Politik, das ist in Mosers Weltbild nicht die Lust an der Macht oder am Besiegen anderer, sondern das Bewältigen alltäglicher Probleme, die letztlich nur auf politischem Weg gelöst werden können. „Ich will, dass alles aufgedeckt wird, was mit unrechten Dingen vor sich gegangen ist“, sagt Moser. Ihre Hartnäckigkeit kommt möglicherweise von einem persönlichen Kampf. 1987 diagnostizierten Ärzte bei Moser mehrere gutartige Tumore im Kopf. Ein halbes Jahr lang sah sie doppelt, Spuren der damals einsetzenden Gesichtslähmung sind ihr bis heute geblieben. „Diese Erfahrung hat mich zäh gemacht und relativiert im Leben sehr viel. Man fürchtet sich weniger.“ 

Vergangenes Jahr brachte Grassers Anwalt Michael Rami eine zivilrechtliche Klage wegen Rufschädigung gegen Moser ein. Das Verfahren läuft noch, im April soll Grasser als Zeuge bei Gericht aussagen. „Der Gerechtigkeitsanspruch ist etwas, was mich nach wie vor anspornt“, sagt Moser. Bezeichnend, dass sie dafür keine politischen Vorbilder findet. Nur eine Figur findet sie „mutig“: Ilda Boccassini, italienische Staatsanwältin und seit mehr als 15 Jahren treibende Kraft hinter den Ermittlungen gegen Regierungschef Silvio Berlusconi. Berlusconi und Boccassini, das ist die Geschichte einer innigen Feindschaft. Moser hat sich ein Bild der Staatsanwältin auf den Tisch gestellt. Rundherum türmen sich die weißgrauen Kartons, auf denen in Handschrift „ÖBB“ steht. Und „Grasser“. Der wollte auf DATUM-Anfrage lieber nichts zu seiner Lieblingsfeindin sagen.