Hopfengarten
Der Braumeister und die verfluchte Frage nach dem Lieblingsbier
Wenn man sich als Bierliebhaber, -kenner oder gar -brauer outet, kommt irgendwann unausweichlich die Frage aller Fragen: die nach dem Lieblingsbier. Ich kann mich noch gut erinnern, als Kind hatte man immer eine Lieblingsspeise, und die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Stopfer (Mais-Gries-Sterz oder auch Riebel, im Rheintal aber einfach Stopfer genannt) mit Brombeerkompott. Später dann Marillenknödel mit braunem Zucker und Zimt obendrauf, anfangs mit Kern (macht das Gegessene-Knödel-Mitzählen überflüssig und kann, am Tellerrand gesammelt, bei der Wer-bekommt-den-letzten-Knödel-Frage sehr hilfreich sein), später mit einem Stück Würfelzucker anstelle des Kerns.
Im Vorschulalter habe ich mich, wenn ich meinen Eltern glauben kann, ein ganzes Jahr lang ohne nennenswerte Mangelerscheinungen ausschließlich von Erbsen ernährt. Klarer Fall: Lieblingsessen. Anschließend Fischstäbchen (mit Erbsen), dann Kässpätzle (nicht wie in Vorarlberg oft üblich mit Apfelmus, sondern mit Zwiebeln). Was ich damit sagen will: Als Kind war die Sache einfach.
20 Jahre später ist das beim Bier wesentlich komplizierter. Man isst und trinkt gerne gut, hat ein paar Favoriten. Aber Lieblingsbier? Irgendwann trinkt man sein erstes Bier, zum Beispiel ein Zipfer Urtyp in einem längst vergessenen Linzer Altstadtlokal (Moskitos, 27 Schilling!). Kurz darauf – man will mehr – ein Schlägl Kristall in der Tiefgarage eines Schulfreundes, eine Flasche zu dritt, viel zu warm (objektiv), viel zu bitter (subjektiv).
Schnell hat man alle verfügbaren Lager/Hellen/Märzen durch (eh Synonyme) und stößt in die fruchtig-leichte Welt der Weizenbiere vor. Begeisterung! Begeisterung, bis, ja, bis man eines dieser ungewöhnlichen Gläser vor sich hat, randvoll serviert, feinporiger Schaum, das Bier selbst pechschwarz, im Mund cremig, Kaffee- und Röstaromen … das erste Stout!
Dann Altbier aus Düsseldorf, Bockbiere zu Weihnachten (gibt es noch dunkle Böcke in Österreich?), Real Ales in Südengland, belgische Biere: Kriek, Lambic, Geuze, Trappist. Amerikanische IPAs, Milk Stouts, Ambers. Biere, gebraut mit Roggen, Dinkel, Hirse, Chili, Pfeffer, Salz, Koriander. Immer wilder werden die Biere, die man probiert … aber Lieblingsbier?
Tatsächlich bleiben mir gute Biere (aber natürlich auch guter Wein und gutes Essen) besonders dann in Erinnerung, wenn ich sie zu einem besonderen Anlass oder mit einer besonderen Person genossen habe. Also, um die Frage doch noch einigermaßen zu beantworten (in zufälliger Reihenfolge):
Ein schönes Stout in einem guten (britischen) Pub mit offenem Kamin.
Ein Trappistenbier im Känguruh (Wien).
Ein Samichlaus, wenn es draußen eiskalt und dunkel ist.
Ein Hofstettner Kübelbier in der „Alten Welt“ (Linz).
Ein eiskaltes Singha im Thailand-Urlaub.
Ein frischer Hop Devil im 1516 (Wien).
Ein neues Bier, das mich überraschen kann (zuletzt Schneider Aventinus).
Oder einfach ein gutes Bier mit einem guten Freund.



