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Der Computerwurm Stuxnet hat zum ersten Mal gezeigt, was für die Armeen der Welt im Internet möglich ist. Wie er funktioniert, wer ihn entwickelt haben könnte und warum die Experten staunen.
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Meilenstein. Game Changer. Smart Missile. Das sind die Schlagworte, die man zu hören bekommt, wenn man einen Internetexperten über Stuxnet befragt. Manche sprechen sogar von der besten Malware aller Zeiten: Ein ausgeklügeltes Computerprogramm, einige Millionen Euro teuer, entwickelt von jemanden, der genau weiß, was er da tut. Bis ins letzte Detail ist bis heute nicht geklärt, wer dieses Programm wofür geschrieben hat. Zumindest hat das Ding schon seine eigene Website bekommen. 

Wer alle Geschichten und Fakten verdichtet, kommt auf diese, allem Anschein nach wahrscheinlichste Variante: Die Geheimdienste der USA und Israels haben sich zusammengetan, um eine Urananreicherungsanlage im Iran auszuschalten. Die hätte wiederum in naher oder ferner Zukunft atomwaffenfähiges Material produzieren können. Stuxnet war ihre Waffe. Die Mission war erfolgreich, kein einziger Schuss musste abgegeben werden. Eine technologische Machtdemonstration, die im Internet ihresgleichen sucht.  Wieso das plausibel klingt haben die New York Times hier und die Fachzeitschrift Wired hier zusammengetragen. Für den Cyberverteidigungs-Think-Tank der NATO erklärt der deutsche Computerexperte Ralph Langner in diesem Video, warum bei Stuxnet eigentlich jedem Politiker und General der Mund offen stehen bleiben sollte: 

Stuxnet versteckte sich mehrere Jahre auf Computern auf der ganzen Welt, bevor es entdeckt wurde. Dementsprechend wahrscheinlich ist es, dass noch andere Programme in den Weiten des Internets werken. Angriffsziel, Angriffszeit, Angreifer: unbekannt. Eine Reihe von Staaten haben seitdem Cyber-Truppen rekrutiert, man testet und entwickelt meist im Geheimen. Dazu kommt eine ebenfalls verdeckt arbeitende Mafia, die organisierte Kriminalität im Internet. Der Nachfolger von Stuxnet jedenfalls wurde Mitte Oktober entdeckt: Duqu, ein ausgefeilter Trojaner. Vermuteter Verwendungszweck: Globale Spionage. Der US-amerikanische Nachrichtenkonzern Fox hat bereits in seiner gewohnt hochpeitschenden Manier erklärt, dass man Stuxnet die Atombombe des Internets nennen könne und Duqu dann die Wasserstoffbombe. Als die Sicherheitsfirma Symantec das neue Schadprogramm entdeckte, vermuteten viele Experten sogar einen direkten Link zu Stuxnet: Duqu solle auch technisch auf dem bereits gefundenen Wurm aufbauen. Diese Theorie wird mittlerweile wieder bezweifelt. So gut wie sicher ist aber: Wo Stuxnet und Duqu herkommen, gibt es noch mehr.