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Streitgespräch

Bundespräsident Heinz Fischer über Streitkultur, Liberalismus und Sozialismus.

In 24 Stunden um die Welt

Einmal um den Globus in 24 Geschichten aus aller Welt, von Mumbai über Tokio nach Sarajevo.

Schuld und Sühne

Das Gefängnis ist gescheitert. Justizminister Brandstetter verspricht längst notwendige Reformen, an die kaum wer glaubt.

Interview

„Dürfen uns nicht isolieren“

Duce-Enkelin Alessandra Mussolini über die Linken, den Faschismus und HC Strache
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Frau Mussolini, Sie haben sich entschlossen, mit Ihrer Partei Alternativa Sociale dem Mitte-Rechts-Bündnis von Silvio Berlusconi beizutreten. Warum?

Die Entscheidung war notwendig, weil es die Veränderung des Wahlrechts erfordert hat. Wenn wir alleine geblieben wären, wären wir isoliert. Wir haben jetzt das Verhältniswahlrecht, wodurch die Parteien in den Vordergrund rücken.
Wir haben Berlusconi unsere sieben Programmpunkte präsentiert und dabei viele Gemeinsamkeiten erkannt. Eine davon ist die Veränderung des Biagi-Gesetzes, das eine Lockerung des Kündigungsschutzes mit sich gebracht hat. Zweitens der verstärkte Schutz unserer Kinder. Außerdem fordern wir strengere Einwanderungsgesetze. In diesen Bereichen gibt es eine Übereinstimmung.

Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen Ihrer Partei und der Alleanza Nazionale, der Sie einst angehörten?

Wir sind eine sozialkonservative Partei. Wir legen Wert auf Traditionen und Werte. Die anderen rechten Parteien sind wirtschaftsliberal ausgerichtet. Zum einen sind wir radikaler in unseren Ansichten, zum anderen konzentrieren wir uns mehr auf die Mittel- und Unterschicht. Wir sprechen Leute an, die die Linken nicht wählen wollen, weil sie erkennen, dass die ihre Anliegen nicht repräsentieren.

In den Umfragen liegt das Mitte-Links-Bündnis Unione vorn. Was erwarten Sie von einer Regierung unter Romano Prodi?

Eine Linksregierung würde Nassirya (jenen Ort im Irak, an dem am 12. November 2003 19 italienische Sicherheitskräfte starben, Anm.) mal tausend bedeuten. Der linksextreme Flügel hat in der Unione ein starkes Gewicht.

Als sich Außenminister Gianfranco Fini von der Alleanza Nazionale bei Israel für die Verbrechen Italiens im Zweiten Weltkrieg entschuldigte, haben Sie von „Verrat“ gesprochen. Warum?

Das stimmt nicht. Fini hat gesagt, dass Mussolini das größte Übel war. Das hat nichts mit den Rassengesetzen zu tun. Was mich stört, ist, dass er damit die ganze Zeit des Faschismus gemeint hat. Nicht nur die Rassengesetze oder die Allianz mit Hitler. Der Faschismus bestand aber nicht nur aus den Rassengesetzen. Fini hat früher von der faschistischen Tradition und dem Namen meines Großvaters gelebt. Dann ist das alles von einem Tag auf den anderen zum „größten Übel“ geworden. Deswegen bin ich gegangen und habe die Alleanza verlassen.

Wie lebt man mit dem Namen Mussolini?

Vorurteile bekommt man immer zu spüren. Aber es geht mir nicht anders als den Menschen, die Berlinguer heißen (der langjährige Chef der Kommunistischen Partei Italiens, Anm.) oder die andere bekannte Familiennamen tragen. Es gibt positive und negative Reaktionen. Nichts davon überrascht mich. Der Faschismus war eine einmalige und revolutionäre Sache in Italien, die mit meinem Großvater ihr Ende gefunden hat.

Der Faschismus hat in seiner Anfangsphase der Gesellschaft durch die Sozialgesetze einen enormen Entwicklungsschub gebracht. Vor dem Faschismus mussten schwangere Frauen und Kinder arbeiten. Außerdem hat mein Großvater die Rolle des Mannes revolutioniert. Heute spielt das keine Rolle mehr.

Es heißt, Sie seien mit dem Fußballer Paolo di Canio von Lazio Rom befreundet, dem Publikumsliebling eines Klubs mit ausgewiesen faschistischen Anhängern. Stimmt das?

Nein. Aber als er seine Fans mit dem Faschistengruß verabschiedet hat, war das eine Geste, die eine gewisse Gruppe miteinander verbindet. So wie sich die Kommunisten mit der geballten Faust begrüßen. Da habe ich halt gesagt, dass ich daran nichts Skandalöses finde.

Was halten Sie von der FPÖ? Kennen Sie Heinz-Christian Strache?

Natürlich. Ich bin jüngst in Wien gewesen, und wir hatten ein großartiges Treffen. Wir haben über das Einwanderungsproblem gesprochen, über das Thema Sicherheit, über Traditionen und Werte. Bei einigen Themen haben wir die gleichen Ansichten. Es ist wichtig, dass sich rechte Parteien treffen, auch rechtsradikale, um den Leuten verständlich zu machen, was wir denken. Wir haben sehr friedliche Positionen, uns geht es um das Wohl der Gesellschaft und um den Frieden.

War die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in italienischen Zeitungen ein Fehler?

Mittlerweile finden die muslimischen Länder einen Vorwand für alles. Ein Gerücht genügt, und schon brennen sie Kirchen nieder. Wenn die Muslime Respekt wollen, muss das ein gegenseitiger Respekt sein. Das ist aber im Moment nicht der Fall. Eine persönliche Meinung auszudrücken, wie das die Mohammed-Karikaturisten oder der Reformminister Roberto Calderoli mit seinem T-Shirt gemacht haben, ist eine Sache – Kirchen niederzubrennen und Priester zu töten, ist eine andere. Wo bleibt der Schutz unserer christlichen Wurzeln?