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Ein Hundefriseur in Wien

Gorazd Cmrelc (40) ist Hundefriseur und Hundefriseure-Ausbilder. Er lebt mit seinem Partner im 15. Bezirk in Wien.
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Wie hoch ist ihr Einkommen?

Wie die meisten Hundefriseure bin ich selbstständig. Ich arbeite als Hundefriseur und Ausbildner im Salon Jean Peau, habe einen Pauschalvertrag und verdiene 2.000 Euro netto pro Monat – fürs Waschen, Schneiden, Frisieren und Anlernen der Auszubildenden. 

Wie hoch sind Ihre Fixkosten?

Insgesamt ungefähr 1.000 Euro. Fixkosten für den Salon fallen keine an, für den Betrieb ist der Salonbesitzer zuständig. 

Wie und warum sind Sie Hundefriseur geworden?

Mit 30 Jahren war ich Manager eines Restaurants in Slowenien. Das hat mir nicht mehr gefallen, ich wollte etwas anderes machen. Meinen eigenen Hund und Hunde meiner Freunde habe ich schon damals gepflegt. Ich habe eine Ausbildung zum Hundefriseur gemacht und nach der Ausbildung gute Kontakte zu Hundezüchtern aufgebaut. Danach habe ich in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, meinen ersten Hundesalon aufgemacht. Vor drei Jahren habe ich den eigenen Hundesalon an eine ehemalige Schülerin verkauft und wohne seither fix in Wien.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Um 9.00 Uhr geht’s los. Zuerst spreche ich mit den Kunden über ihre Wünsche. Manche wollen einfach nur einen hübschen Hund, andere haben genaue Vorstellungen. Jeder Wunsch wird dem Kunden aber nicht erfüllt. Ich tue nichts, das dem Hund schadet. Ein komplett abgescherter Schäferhund fühlt sich nicht wohl, so etwas mache ich nicht. Pro Tag pflege ich vier bis acht Hunde. Meistens ist auch ein Schüler oder eine Schülerin dabei. Wir hatten schon Schüler aus der ganzen Welt: aus Kanada, Russland, dem Libanon und der Mongolei. Gegen 18.00 Uhr wird der Salon zugesperrt. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Das Wichtigste ist natürlich die Liebe zu Hunden. Wer keine Hunde mag, sollte kein Hundefriseur werden. Die beste Technik hilft dir nicht, wenn du keine Beziehung zu dem Tier aufbauen kannst. An meinem Job schätze ich vor allem die Abwechslung. Es gibt hunderte verschiedene Rassen, die alle anders behandelt werden müssen. Ein perfekter Umgang mit dem Hund hilft jedoch wenig, wenn man nicht mit den Besitzern gut umgehen kann. Jeder Hund und jeder Mensch ist anders.

Was gefällt Ihnen weniger?

Da fällt mir wirklich nicht viel ein. Gegen Ende eines langen Tages kann es manchmal anstrengend werden. In Slowenien habe ich einmal vor einer Ausstellung zwölf Hunde an einem Tag hergerichtet – das war schon zu viel. 

Sind aggressive Hunde ein Problem?

Nein, ich sehe das als Herausforderung. Es macht mir Spaß, mit schwierigen Hunden zu arbeiten. In meiner Zeit als Hundefriseur gab es nur einen Hund, den ich nicht mehr pflegen wollte. Es war unmöglich, eine Beziehung zu ihm aufzubauen – er war einfach schlecht erzogen. Die meisten Hunde werden ruhiger, wenn die Besitzer nicht dabei sind.

ZAHLEN UND FAKTEN

Die Groomer-Ausbildung, also die Ausbildung zum Hundefriseur, dauert zwei bis drei Wochen und kostet zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Hundefriseur ist ein freies Gewerbe. Das bedeutet, es ist kein Befähigungsnachweis zu erbringen, die Ausbilder unterliegen keinen staatlichen Kontrollen. Ausbilden darf, wer ausbilden will. Auch wer keine Ausbildung hat, darf sich sofort Hundefriseur oder Groomer nennen. In offiziellen Statistiken gibt es deshalb keine expliziten Zahlen zu dieser Branche; Hundefriseure sind zusammen mit Ahnenforschern, Feng-Shui-Beratern und Wedding-Planern in der Kategorie „Erbringung von sonstigen Dienstleistungen“ zu finden. Hundefriseure, die Hunde für Shows herrichten, müssen sich aber sehr wohl an Standards halten. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), der Dachverband für Kynologie (Hundekunde), verzeichnet derzeit 339 Rassen in zehn Gruppen. Jede Rasse ist dabei in ihrem Ideal beschrieben: Das Fell, die Nasenfarbe, Bewegungen, Verhältnisse von Bein- und Körperlängen, sogar die Hodenform ist normiert. Auch der Österreichische Kynologenverband (ÖKV) ist Mitglied der FCI. Er ist der Dachverband für rund 100 österreichische Hundeverbände und 500 Vereine. Im Mai 2012 findet in Salzburg die „World Dog Show“ statt. Zugelassen sind dort nur Hunde, die ein von der FCI anerkanntes Stammbuch haben und über ein halbes Jahr alt sind. Besonders erfolgreiche Hunde werden mit zusätzlichen Titeln wie „International Beauty“, „Show Champion“ oder „Working Champion“ geehrt.