• Facebook
  • Twitter
  • RSS

Streitgespräch

Der FPÖ-Chef über die Angst vor einem Kanzler Strache.

Hauptsache billig

Wie Erntehelfer in Österreich ausgebeutet werden.

Blackout

Warum ein Stromausfall in Österreich zur Katastrophe werden könnte.

Ökonometer

Ein Schleusenwart in Wien

Kurt Zemsauer (55) ist Schleusenaufseher an der Donauschleuse Nußdorf in Wien.
Bild 1 von 1

Wie hoch ist Ihr Einkommen?
Rund 1.800 bis 2.000 Euro netto. Je nach Überstunden und ob Schifffahrtssaison ist – die läuft von April bis Oktober – oder nicht.
 
Wie hoch sind Ihre Fixkosten?
Ungefähr 1.200 Euro. Das beinhaltet Miete, einen Kredit und die Kosten für alltägliche Dinge wie Auto und Benzin.

Wie und warum sind Sie Schleusenwart geworden?
Ich bin gelernter Automechaniker. Nach fünf Jahren in diesem Beruf hat mich ein Schulkollege im Jahr 1979 auf den Posten als Schleusenaufsicht aufmerksam gemacht. Da ich auch gesundheitlich angeschlagen war, zog ich die Arbeit im Freien der Werkstatt vor. Die Ausbildung zur Schleusenaufsicht erfolgte durch spezifische Kurse für die gesetzlichen Grundlagen wie zum Beispiel die Schiffsführer- und Funkprüfung sowie Maschinenbaukurse fürs technische Verständnis der Anlage.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Ich habe mehrere Funktionen. Unter anderem bin ich Hochwasserschutzleiter mit dem Zuständigkeitsbereich Wien-Donaukanal-Kuchelau bis Freudenau. Hier sorge ich durch die Steuerung der Wasserdurchflussmenge an der Wehranlage des Donaukanals dafür, dass Wien im Falle eines Hochwassers nicht überschwemmt wird. Meine Hauptaufgabe ist der Schleusenbetrieb. In der Hauptsaison schleusen wir bis zu 14 Schiffe täglich. In der Vorsaison sind es zwei bis drei Schleusungen am Tag. Bei einer Abmessung von 80 mal 15 Metern passen circa zwei Schiffe durch unsere Schleuse. Bis der Niveauunterschied ausgeglichen ist und die Schiffe weiterfahren können, dauert es circa eine halbe Stunde. Der Schleusendienst umfasst auch die Koordination des Schiffsverkehrs.
Zu meinem Tätigkeitsbereich gehört auch die Instandhaltung und Beaufsichtigung der Wehr-, also Hochwasserschutzanlage sowie des gesamten Geländes. Seit 2005 arbeiten wir mit der Verbund Hydro Power zusammen, die hier am Standort Nußdorf ein Wasserkraftwerk gebaut hat. Das bedeutet, dass die Steuerung der Wehranlage in der hochwasserfreien Zeit vom Standort Freudenau aus passiert. Im Falle eines Hochwassers werden von dort auch die Kraftwerksturbinen deaktiviert.  

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Dass täglich neue und abwechslungsreiche Aufgaben auf mich warten. Ich bin kein Büromensch und froh, wenn ich nach ein paar Stunden Sitzen für einen Kontrollgang raus an die frische Luft kann.

Was gefällt Ihnen weniger?
Wenn Hochwasser ist oder kaltes und regnerisches Wetter. Man muss ja trotzdem alle paar Stunden raus und zum Beispiel die Pegelstände kontrollieren.

Wie und wo machen Sie Urlaub?
Urlaub im eigentlichen Sinn habe ich seit mindestens fünf Jahren gar nicht mehr gemacht. Ich nehme mir zwar frei, aber dann kümmere ich mich um den pflegebedürftigen Vater meiner Lebensgefährtin. Da bleibt keine Zeit zum Wegfahren.


ZAHLEN UND FAKTEN:

Die Ausbildung zum Schleusenwart erfolgt nicht durch eine Lehre, sondern durch mehrere Kurse aus den Bereichen Schiffsführung (Schiffsführerpatent) und Funkverkehr, technische Lehrgänge auf dem Gebiet des Maschinenbaus und Computerkurse, um die Bedienung der elektronisch gesteuerten Anlage zu erlernen. Nach rund zwei Jahren hat man alle notwendigen Vorraussetzungen für den Beruf absolviert. Dem Schleusenwart obliegt die Steuerung und Wartung der Schleusen. Er sorgt dafür, dass der Schiffsverkehr ungehindert die Schleuse passieren kann. Im Falle eines Hochwassers koordiniert die Schleusenaufsicht den Zufluss der Wassermenge, um eine Überschwemmung zu verhindern.
Entlang der Donau gibt es vom deutschen Kehlheim bis zum rumänischen Sulina 18 Schleusen mit angeschlossenen Wasserkraftwerken. Die Schleusen dienen dem Schiffsverkehr zur Überwindung des Niveauunterschieds des Wasserpegels. 14 dieser Donauschleusen verfügen über ein Zwei-Kammern-System, das eine gleichzeitige Abfertigung von ankommenden Schiffen aus Berg- und Talrichtung ermöglicht. In Österreich liegen zehn der 18 Donauschleusen, die verteilt auf Wien, Nieder- und Oberösterreich rund 350 Kilometer der Donau mit mehr als 150 Metern Höhenunterschied regeln. Die beiden größten Schleusen an der Donau sind die des Eisernen Tores an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien mit einer Länge von 310 Metern und einer Breite von 34 Metern.