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Ein Tanzsporttrainer in Wien

Simon Schmidt (29) ist staatlich geprüfter Tanzsporttrainer. Er lebt in Wien-Leopoldstadt, ist ledig und hat keine Kinder.
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Wie hoch ist Ihr Einkommen?

Als selbstständiger Vollzeit-Tanzsporttrainer variiert das Einkommen je nach Auftragslage und Bekanntheitsgrad. Rechnet man Unterrichtsstunden und das Tanzen bei Shows zusammen, so kommt man auf ein Einstiegseinkommen von ungefähr 1.000 Euro netto im Monat. Bei mir kostet eine Tanzstunde 30 Euro. 

Wie hoch sind Ihre Fixkosten?

Meine Fixkosten belaufen sich abseits der Miete auf ein bisschen mehr als 250 Euro im Monat. 

Wie und warum sind Sie Tanzsporttrainer geworden?

Ich habe mit 15 Jahren in einer Tanzschule mit Kursen begonnen und bin dann recht schnell zu einer Formationsgruppe gewechselt. Beim Formationstanzen tanzen mehrere Paare choreografisch gemeinsam. Mit 18 Jahren habe ich mit meiner damaligen Tanzpartnerin bei den ersten Turnieren mitgemacht. Im Zuge meines Sportwissenschaftsstudiums absolvierte ich im August 2006 die Ausbildung zum staatlich geprüften Trainer für Tanzsport. Eigentlich wurde ich Tanzsporttrainer, um mir mein Leben als Tänzer zu finanzieren. Ich bin auch Mitglied des österreichischen Nationalteams, insgesamt wurde ich zweimal Staatsmeister.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Ich arbeite, wenn die anderen frei haben. Meine Hauptarbeitszeit beginnt am Abend und endet um Mitternacht. Am Vormittag stelle ich die Programme zusammen, ruhe mich aus oder trainiere selbst. Ab 12.00 Uhr beginnen schon die ersten Trainings mit meinen Schülern. An Wochenenden bin ich meist komplett ausgebucht. Mein einziger ruhiger Tag ist der Montag. Ich trainiere zurzeit über 40 Tänzer, von Einzelpaaren bis zu Formationsgruppen. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Ich bin Tanzsporttrainer aus vollster Überzeugung. Es ist ein abwechslungsreicher Job, bei dem man sehr viele interessante Menschen kennenlernt, von Kindern bis Senioren. Im Gegensatz zum normalen Tanzlehrer, der fast ausschließlich mit Anfängern und Hobbytänzern zu tun hat, ist der Tanzsport ein Leistungssport. Ich trainiere professionelle Tänzer und versuche, alles aus ihnen herauszuholen – darin liegt auch die Herausforderung.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Die Arbeitszeiten gehen sehr an die Substanz. Ich muss mich terminlich immer nach meinen Schülern richten. Die meisten haben nur am Abend Zeit. Meine Freizeit leidet darunter. 

Wie und wo machen Sie Urlaub?

In den vergangenen Jahren ist sich bei mir kein Urlaub ausgegangen. Früher bin ich jeden Sommer eine Woche mit meinen Eltern nach Italien gefahren, im Winter war ich immer eine Woche Skifahren. Ich habe in den vergangenen Jahren wenig Zeit dafür gefunden. Außerdem kann ich es mir nicht leisten, länger zu pausieren, weil ich meinen Konkurrenten sonst einen Vorsprung gebe. Zurzeit sehe ich es als Urlaub, wenn ich ins Ausland zu Turnieren fahre. 

ZAHLEN UND FAKTEN

Die offizielle Ballsaison beginnt zu Faschingsbeginn am 11. November um 11.11 Uhr und dauert bis Faschingsdienstag, heuer ist das der 8. März. Alleine in Wien werden in dieser Zeit rund 450 Bälle ausgetragen. Durchschnittlich geben die Wiener laut der Wirtschaftskammer für einen Ballbesuch inklusive der Vorbereitungen rund 220 Euro aus. Die Ballzeit ist auch die Hauptsaison der Tanzlehrer. Die Aufgabe des Tanzlehrers ist es, den Schülern Gesellschaftstänze beizubringen. Wer als Tanzlehrer arbeiten möchte, muss eine dreijährige Ausbildung in einer gewerbsmäßig betriebenen Tanzschule absolvieren. Seit 1960 gilt Tanzen auch offiziell als Präzisionsleistungssport. Die Tanzsportler werden von einem Tanzsporttrainer ausgebildet. Um als Tanztrainer arbeiten zu können, muss man aktiv als Tanzsportler bei Turnieren mitgemacht haben. Die Ausbildung zum Tanzsporttrainer erfolgt über die Bundessportakademie und verläuft in drei Stufen: Übungsleiter, Instruktor – und zum Schluss Trainer. Die Anmeldung zu den Lehrgängen erfolgt über den Österreichischen Tanzsportverband (ÖTSV). Die Absolventen des Lehrgangs erhalten die Berufsbezeichnung „staatlich geprüfter Trainer für Tanzsport und Wertungsrichter“. Tanzsporttrainer werden hauptsächlich in Tanzsportvereinen beschäftigt oder geben Turnierpaaren Privatunterricht. In Österreich gibt es etwa 120 Tanzsportclubs und 107 staatlich geprüfte Trainer.