• Facebook
  • Twitter
  • RSS

Streitgespräch

Neos-Chef Matthias Strolz über die Grenzen des Liberalismus.

Ziesel

Warum 130 Erdhörnchen einen Bauträger 18 Millionen Euro kosten.

Kirche

Über das Leben in einem der strengsten Klöster der Welt mitten in Graz.

Ukraine: Road To Euro(pe)

Ein teurer Spaß

Fußballfans müssen tief in die Tasche greifen, wenn sie zur EM in die Ukraine kommen möchten. Für Hotelzimmer werden Fantasiepreise verlangt, und auch die Flugtickets sind im Juni um ein Vielfaches teurer als normalerweise.

Fußballfans, die die Europameisterschaft in der Ukraine live erleben möchten, können sich schon jetzt auf ein teures Spektakel einstellen. Flüge sind ohnehin schon zu normalen Zeiten teuer. Ein Direktflug von Wien nach Kiew im kommenden Mai würde mit Austrian Airlines mit dem „billigen“ Red-Ticket derzeit knappe 400 Euro kosten (dieser und alle folgenden Preise jeweils für ein Retour-Ticket, laut Recherche auf den jeweiligen Airline-Webseiten am 26. Jänner). Ein stolzer Preis, der aber noch günstig erscheint im Vergleich zu einem Ticket Mitte Juni. Denn dann ist selbst das billigste Ticket nicht unter 550 Euro zu haben.

Im Normalfall zahlt es sich aus, eine etwas längere Reisezeit in Kauf zu nehmen und auf Fluglinien umzusteigen, die einen Zwischenstopp einlegen. Mit AirBaltic kostet ein Ticket von Wien über Riga nach Wien üblicherweise um die 250 Euro, auch wenn man „nur“ einige Wochen im Voraus bucht. Heute, fünf Monate vor dem Flugdatum im Juni zur EM, kommt ein Ticket bei der lettischen Fluglinie auf mindesten 350 Euro – vorausgesetzt, man ist flexibel was die Reisetage betrifft.

Billigfluglinien sind auch zu normalen Zeiten nur eine recht umständliche Alternative, denn generell fliegen nur sehr wenig Low-Cost-Carrier in die Ukraine, und von Österreich gar keine. Daher muss man zuerst beispielsweise nach Memmingen nahe München fahren, um von dort mit einem relativ günstigen Ticket von der ungarischen Fluglinie Wizzair nach Kiew zu kommen. Ein Ticket im Mai bekommt man für diese Route derzeit für knapp 200 Euro. Einen Monat später sind es knapp 400 Euro.

Ist man zeitlich nicht flexibel, können die Tickets noch mehr kosten. Und bei Flügen in die Austragungsstädte am Tag eines Spiels sind sie noch einmal empfindlich teurer. Hinzu kommt, dass mittlerweile an vielen Tagen die „billigeren“ Economy-Tickets oft bereits ausverkauft sind.

Einmal in der Ukraine angekommen, wird es nicht leichter, billig über die Runden zu kommen. Die ukrainischen Austragungsstädte leiden unter einem massiven Mangel an Hotelbetten, vor allem im 2- und 3-Stern-Bereich. Mangelndes Angebot und eine hohe Nachfrage bedeutet eine exorbitante Preissteigerung. In Lemberg beispielsweise bekommt man normalerweise ein Doppelzimmer in einem halbwegs ansprechenden Hotel beziehungsweise Pension für 30 Euro die Nacht. Sucht man auf der Webseite booking.com derzeit nach einem Hotelzimmer im Juni, dann kostet schon ein Zwei-Mann-Zelt im so genannten Fan-Camp 246 Euro für 4 Nächte. Ein Bett in einem Mehrbett-Zimmer in einem Hostel kostet für 4 Nächte 370 Euro, ein Hotelzimmer oder Apartement für vier Nächte ist nicht unter 1000 Euro zu bekommen. In Kiew ist es ähnlich, und in Charkiv und Donetzk sind mittlerweile ausschließlich die Zelte in den Fan-Camps halbwegs leistbar. Die meisten Hotels oder Apartements sind schon jetzt völlig ausgebucht oder nur für Fantasiepreise zu haben (500 Euro für eine Nacht in einem Appartement).

Um diesem Problem entgegenzuwirken, versucht die Regierung derzeit Alternativen zu finden. In Kiew beispielsweise sollen schwedische Fans auf einer Insel im Dnjepr zelten dürfen. Außerdem sollen Studentenwohnheime zu Hotels umfunktioniert werden – Sowjet-Charme wäre hier im Preis inbegriffen.

Zumindest sind derzeit die Vorbereitungen auf die Euro in vollem Gange. Mittlerweile gibt es in den U-Bahnen sogar Karten auf Englisch und in lateinischer Schrift. So finden auch jene Fußballfans zum Stadion, die weit draußen am Stadtrand ein leistbares Quartier gefunden haben.