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In „Saturday Night Fever“ zeigt ATV betrunkene Jugendliche beim Feiern und hat damit einen Quotenhit gelandet. Auch die Protagonisten selbst verdienen mittlerweile an ihrem Exhibitionismus.
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„Ich bin keine, die mit jedem fickt, aber weiß schon, dass ich mich anzieh wie eine Hure“, erzählt Tara der Kamera. Es sollte der erste Satz werden, der jemals von ihr im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Tara ist gerade einmal 17 Jahre alt, steht in einem Sexshop und probiert für die ATV-Dokusoap „Saturday Night Fever“ („SNF“) möglichst knappe Outfits an, um am Abend in der Disco eine gute Figur zu machen. Die Kamera darf sie auch in die Umkleidekabine begleiten, wo sie sich nur in Tanga und BH präsentiert und stolz erzählt, dass sie ihre Brüste „Babys“ nennt. 

Die Wienerin ist einer der jugendlichen Stars von „SNF“, dessen mittlerweile vierte Staffel bis Ende März immer dienstags um 20.15 Uhr auf dem Privatsender über den Bildschirm flimmerte – Fortsetzung folgt im Herbst. Jetzt sitzt sie bei ATV in einem Besprechungszimmer, schüchtern und nervös; so wie 17-Jährige eben sind, wenn sie plötzlich ein Interview geben müssen. Die sonst so offene Tara trägt ein hochgeschlossenes helles T-Shirt, um den Hals hat sie ein Tuch gebunden. Leise und verzagt piepst sie Sätze, die wohl kokett wirken sollen, etwa: „Ich hab mir einfach gedacht, ich muss Österreich mal unterhalten.“ Doch ohne Kamera funktioniert die Figur Tara nicht; schon gar nicht, wenn sie sich selbst hinterfragen muss, anstatt sich einfach nur zu präsentieren und eine Show abzuziehen.

„So feiert Österreichs Jugend“, lautet der Untertitel von „SNF“, und er beschreibt das Konzept der Sendung recht gut. Die Handlung: Burschen, die sich besinnungslos saufen; Mädchen, die mit Typen knutschen, nur um ein Getränk spendiert zu bekommen; und das alles kommentiert durch einen Sprechertext, der zwischen bissig und zynisch oszilliert. Ort der Handlung: Jugendzimmer und Großraumdiscos in ganz Österreich. Die Protagonisten: Jugendliche aus den bildungsfernen Schichten, zumeist vom Land. Die ATV-Kamera ist überall dabei, ob beim Beziehungsdrama oder dem missglückten Aufrissversuch – teilweise ist das erstaunlich amüsant, teilweise so peinlich, dass man kaum hinsehen kann. Dass „SNF“ im selben Jahr startete, in dem „Fremdschämen“ zum Wort des Jahres gewählt wurde, kann eigentlich kein Zufall sein.

Seit Jänner 2010 ist das Format auf ATV zu sehen, erfunden hat es Programmdirektor Martin Gastinger. Es war naturgemäß eine bewusste Provokation: „Wir wussten von Anfang an, dass es kontrovers diskutiert wird. So was hat noch niemand im Fernsehen gezeigt“, sagt er. Da hat er recht.