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Gepeinigt

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Verfolgt

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Missbraucht

Warum ein Mädchen nicht mehr wachsen wollte.

Clemens Berger: Hojac

Hojac, der Taxifahrer und das verlorene Handy

Hojac: (nicht ganz nüchtern) Hallo, Hojac spricht.
Taxifahrer: Wer?
Hojac: Hojac, Peter Hojac. Ha O Jot A C, Hatschek verlorengegangen, dem Großvater gestohlen. Bin ich erleichtert, dass Sie abheben! Ich habe mein Handy im Wagen vergessen, also das, das Sie gerade –
Taxifahrer: Ich weiß.
Hojac: Wo sind Sie gerade?
Taxifahrer: Vor der Oper.
Hojac: Wie bekomme ich es wieder?
Taxifahrer: Ich kann es bei der Polizei abgeben.
Hojac: Nein, nicht nötig. Auf die ist kein Verlass. (Kichert, skandiert:) Öst’reichs Polizisten, Mörder und Faschisten! – Können wir uns irgendwo treffen?
Taxifahrer: Ich kann noch einmal zu Ihnen fahren.
Hojac: (zwischendurch lachend, als zwicke ihn jemand) Ich muss ins Bett, machen Sie sich keine, es ist ja schon, um Gottes willen – ich muss früh fleißig sein, aber morgen. Ich ruf Sie morgen noch mal an, ja?
Taxifahrer: Gut.
Hojac: Wie heißen Sie eigentlich?
Taxifahrer: Sükrü.
Hojac: Merhaba! Ich mag Türken. Sehr sogar. Ehrliche Menschen. Sie hätten ja auch nicht abheben müssen. So ein Wiener Taxifahrer hätte schon seine SIM-Karte reingeschoben oder das Telefon seiner Tochter geschenkt. Vor zwei Monaten war ich in Fethiye, wunderbar. Türkiye! Großartige Menschen. Lieb, zuvorkommend, gastfreundlich. Kennen Sie Fethiye?
Taxifahrer: Vom Namen her.
Hojac: Die Blaue Lagune, ein Paradies! Müssen Sie mal hin. Die Dolmu?-Taxis, herrlich! Das wär doch eine Idee für Wien.
Taxifahrer: Ich weiß nicht.
Hojac: Einsteigen, wo man will, aussteigen, wo man will – so sollte es sein! Der Kebab ist in Wien allerdings besser. Im Sandwich, meine ich, Döner. Da müssen Sie mir recht geben.
Taxifahrer: Möglich.
Hojac: Sagol, Herr Sükrü. Ich rufe Sie morgen an. Iyi geceler!

***

Frau: Hallo
Hojac: Merhaba!
Frau: Wer ist da?
Hojac: Hojac, Peter Hojac. Ha O Jot A C, Hatschek verlorengegangen, dem Großvater geraubt. Das ist mein Telefon! Ich meine: Ich rufe mein Telefon an, weil ich es gestern im Taxi vergessen habe. Gestern sprach ich aber mit einem Mann.
Frau: Ja, mit meinem. Das ist aber nicht die Nummer von gestern.
Hojac: Ich habe gestern mit einem anderen Telefon angerufen. Eine, na ja, eine Frau. Darum habe ich auch das – egal.
Frau: Wie sieht es aus?
Hojac: Nokia 6300. Ganz normal, silbern, leichte Kratzer. Und, ja – das auf dem Bildschirmschoner bin ich. Schwarzes Sakko, der Ansatz ist zu erkennen, weißes Hemd, Kragen offen, weißes T-Shirt unter dem weißen Hemd. Ich lächle. Leicht verschwitzt, das Gesicht.
Frau: Kenne ich Sie von irgendwo?
Hojac: Mich? Bestimmt nicht. Warum sollten Sie mich kennen? Ich bin ein kleiner Mann. Nichts Besonderes. Ich kann mir nicht einmal ein iPhone leisten. Ich kann mir nicht einmal den verlorengegangenen Hatschek leisten. Neuer Pass, neue Urkunden und so weiter. Aber eines Tages, Frau Sükrü, eines Tages – das bin ich meinen Ahnen schuldig!
Frau: Warten Sie.
Hojac: Sagol, Frau Sükrü.
Taxifahrer: Hallo?
Hojac: Merhaba, Herr Sükrü! Ich bin’s, Peter Hojac. Kann ich mein Handy abholen?
Taxifahrer: Was heißt abholen?
Hojac: Ich würde vorbeikommen, damit Sie keine Scherereien haben. Sagen Sie mir einfach Ihre Adresse, ich klingle kurz.
Taxifahrer: Es ist Sonntag. Ich gehe jetzt mit meiner Frau spazieren.
Hojac: Ich kann nachher kommen. Wo wohnen Sie denn?
Taxifahrer: Ottakring.
Hojac: Da muss ich heute sowieso hin. Einen Freund besuchen. Sagen wir gegen achtzehn Uhr?
Taxifahrer Neunzehn Uhr.
Hojac: Auch kein Problem. Welche Straße?
Taxifahrer: U-Bahn-Station Ottakringer Straße.
Hojac: Sagol, Herr Sükrü.