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Im Land der Klapperschlangen

Die republikanischen Kandidaten werden in der ersten TV-Debatte seit langem im Wüstenstaat Arizona ihre Giftzähne zeigen. Michigan und der Super Tuesday stehen auf dem Spiel.
Foto: Mike Johnston
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Foto: Mike Johnston

Die heutige Debatte in Arizona ist aus mehreren Gründen bedeutsam: Seit Florida, wo Romney seinen damaligen Hauptkontrahenten Newt Gingrich in Grund und Boden redete, hat sich das Feld wieder vollkommen verändert. Romney muss härter denn je gegen sein Loserimage ankämpfen. Newt Gingrich braucht einen guten Auftritt, um zu Überleben. Und der sozialkonservative Evangelikale Rick Santorum wird erstmals als Frontrunner im Zentrum des Interesses stehen. 

Rick Santorum hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er rhetorisch zu den Stärksten des Feldes zählt. Auch mit Romney hat er sich schon einige Mal erfolgreich angelegt und mit seiner fundierten Kritik an Romneycare das Leben schwer gemacht. Zentraler Punkt dieser Auseinandersetzung wird das „Individual Mandate“ sein, vergleichbar mit der Pflichtversicherung im Gesundheitssystem bei uns. Romney hat es während seiner Amtsperiode als Gouverneur in Massachusetts eingeführt. Obama hat das Modell übernommen. Mehr als die Hälfte der Wähler stehen „Obamacare“ negativ gegenüber. Deshalb wird Santorum einmal mehr betonen, dass es für Romney aussichtlos wäre, dem Obama auf diesem wichtigen Schlachtfeld zu besiegen, weil er doch genau dasselbe eingeführt hat. Das ist ein starkes Argument, das Romney bisher nie wirklich entkräften konnte. Santorum selbst aber wird von allen Seiten angegriffen werden. Ob und wie er dagegen bestehen kann, wird viel über den weiteren Verlauf des Rennens aussagen. 

Romney wiederum ist immer für Aussetzer gut. Wir erinnern uns an seine 10.000-Wette oder sein nervöses Lachen, wenn er in die Defensive gerät, um nur zwei zu nennen. Seine beste Performance kam in Florida gegen Gingrich. Damals trat er als Underdog in den Ring, gut gecoacht vom ehemaligen Debattentrainer von Michele Bachmann Brett O'Donnell (hier bei Stephen Colbert). Den allerdings haben ihn die Romney-Leute kurz darauf gefeuert. Warum? O'Donnell habe zuviel positive Berichterstattung für seine Arbeit mit Romney erhalten, das hätte die Leistung der restlichen Mitarbeiter zu sehr überdeckt. Klassisches Eifersuchtsdrama also, es bleibt für Romney zu hoffen, dass ihn die Entscheidung heute nicht in den Allerwertesten beißt. 

Newt Gingrich ist nur noch im Rennen, weil er Newt Gingrich ist. Ohne Geld und ohne Wählerunterstützung dümpelt seine Kampagne seit der Niederlage in Florida nur so herum. Nicht einmal professionelle Werbespots kann er sich mehr leisten. Das letzte Mal, dass wir solche Videos im Home-Movie-Stil (29 Minuten!) zu sehen bekamen, war Michele Bachmann kurz davor ihre Kampagne zu beenden. Das ist von Newt Gingrich nicht zu erwarten, obwohl er laut neuen Umfragen wahrscheinlich zu den unbeliebtesten amerikanischen Politikern zählt, seit es Umfragen dazu gibt. Er führt seinen persönlichen Kreuzzug gegen Romney und für seine Zukunft als gutbezahlter Redner und Polit-Berater. Erst wenn er seinen Ruf annähernd wiederhergestellt hat, wird er es mit sich vereinbaren können, aufzuhören. Bis dahin lacht sich Romney ins Fäustchen. Denn Gingrich nimmt Santorum Wählerstimmen auf der konservativen Seite weg. Newt hofft mit der Debatte heute wieder Boden gut machen zu können, er hält sich ja für so etwas wie den größten Rhetoriker seit Cicero. Wir dürfen damit rechnen, dass er sich zunächst ein bisschen zurückhalten wird. Romney und Santorum sollen sich erstmal an die Gurgel gehen, dann betritt Newt in glänzender Rüstung die Szene um die Streithanseln in staatsmännischer Manier zu versöhnen. Dazu mischt er noch etwas Gift gegen die „Eliten-Medien“ und Obama, fertig ist das Comeback. So dürfte sein Ideal-Szenario in etwa aussehen. Newt wird heute jedenfalls spannend zu beobachten sein.

Ron Paul hat in den vergangenen Wochen ebenfalls an Strahlkraft verloren. Seine Umfrage-Werte zeigen beständig nach unten. Ein erhoffter Sieg in Maine ging sich nicht aus. In der Debatte wird Ron Paul wohl wieder seine altbekannten libertären Themen anbringen: Reform des Geldsystems samt Abschaffung der Federal Reserve, Deregulation, etc. Mit Santorum hat er sich vor allem in Sachen Iran schon harte Schlagabtäusche geliefert. Wegen der zunehmenden Spannungen im Nahe Osten wird sein Nuklear-Programm auch heute ein Thema sein. Vorgestern präsentierte Ron Paul außerdem diesen gut produzierten Spot:

 

Das alles wird in Aussicht auf die wichtige Vorwahlen in Michigan und Arizona am 28. Februar ablaufen, bevor es dann in Richtung Super Tuesday am 6. März geht. Michigan ist Romney Geburtsstaat wo er einen Gutteil seiner Kindheit verbracht hat. Das hindert ihn natürlich nicht daran, in Werbespots wie ein Roboter rüberzukommen, der über Detroit wenig mehr zu sagen hat, als wie schön er die Autoshows immer gefunden habe. Vielleicht liegt es daran, dass Romney nicht in Detroit, sondern in der Nachbar-County Oakland aufgewachsen ist, gleich nördlich der 8 Mile Road. Damals wie heute gehörte Oakland zu den reichsten Counties in den USA. Dort leben nicht die Auto-Arbeiter, bei denen Romney so gerne gut ankommen würde, sondern die Autobarone.

Santorum lag in Michigan knapp zwei Wochen lang in Führung. Vorgestern ist er allerdings erstmals seit seinem Hattrick wieder hinter Romney zurückgefallen. Der hat fast 4 Millionen Dollar in TV-Werbeplätze investiert, seinen Super Pac miteingerechnet. Auch gegen Santorum gibt es schon einige negative Spots aus dem Hause Romney, wenn er auch weniger Angriffsfläche bietet als Newt Gingrich.

Doch immer mehr Republikaner fragen langsam auch öffentlich, ob es für Romney reicht, sich den Weg zur Nominierung einfach mit TV-Werbung freizubomben. Sollte Michigan verlieren, sagen manche, ist es für Romney vorbei. Insgeheim hofft man in einem solchen Fall auf einen Quereinsteiger wie den Gouverneur von New Jersey Chris Christie oder den Bruder von George W. Bush, Jeb Bush. Solche Überlegungen schwächen Romney. Ob er gegen Obama überhaupt noch eine Chance hat, wenn dieser schmutzige Nominierungsprozess vorbei ist? Je länger er sich hinzieht, desto mehr schadet es Romney, das zumindest scheint klar.

Wer sich die Debatte live geben möchte und weder Satelliten oder Kabel-TV sein eigen nennt: Auf der CNN-Website wird es einen Livestream geben. Beginn ist 2:00 Uhr morgens MEZ.

Titelfoto: Mike Johnston