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Ins Nichts verbannt

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die im totalitären Burma seit Jahrzehnten verfolgt wird. Tausende leben in provisorischen Lagern an der Grenze zu Bangladesch.
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„Niemand lebt ein so hartes Leben wie wir“, sagt Nasima. „Doch Gott hat uns unsere Seele noch nicht genommen. Deshalb leben wir.“ Sie sitzt in einem Zelt auf dem schmutzigen Boden; ein warmer Wind weht durch den Raum, der mit Plastikplanen bedeckt ist. Seit einem Jahr lebt sie nun hier, in einem provisorischen Lager in Bangladesch nahe der burmesischen Grenze. Nasima ist eine Rohingya, deshalb musste sie aus Burma flüchten.

Die Volksgruppe der Rohingya ist eine muslimische Minderheit, die seit Jahrhunderten im Westen Burmas an der Grenze zu Bangladesch lebt. Burmas Militärregime jedoch akzeptiert die Rohingyas nicht im Land und verfolgt sie seit Jahrzehnten gezielt. Nasimas Ehemann sitzt in einem burmesischen Gefängnis, sie ist gemeinsam mit Tausenden anderen Rohingyas nach Bangladesch geflüchtet. In Burma werden die Rohingya seit fast 60 Jahren verfolgt. 1942 kam es zu einem Massaker, bei dem geschätzte 100.000 Rohingyas von burmesischen Buddhisten getötet wurden. 36 Jahre später, 1978, versuchte das burmesische Militär noch einmal, die Minderheit aus Burma zu vertreiben. Bei der sogenannten Aktion Drachenkönig wurden tausende Menschen gefoltert, verhaftet und umgebracht. Zwischen 250.000 und 300.000 Rohingyas flüchteten ins benachbarte Bangladesch, wo die meisten von ihnen bis heute leben. Mit der Reform des burmesischen Staatsbürgerschaftsgesetzes 1982 wurde den Rohingyas der Anspruch auf eine Staatsbürgerschaft genommen, das Regime machte die im Land verbliebenen Rohingyas staatenlos. Eine erneute Aktion des burmesischen Regimes 1991/92 führte zu einer weiteren Massenflucht von etwa 270.000 Rohingyas. Doch auch in Bangladesch sind sie Bedrohung, Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt.

„Wir sind als Flüchtlinge nach Bangladesch gekommen“, erzählt Rahul. „Wir können nicht viel arbeiten und das bisschen Geld, das wir dabei verdienen, ist nicht genug, um die Familien zu ernähren. Obwohl wir auch hier Hunger leiden, ist es besser als in Burma.“ Nur rund 20.000 Rohingyas in Bangladesch leben als offizielle Flüchtlinge in Lagern des UN-Flüchtlingshochkommissariats. Viele andere gründeten eigene, provisorische Lager, in denen sich die Lebensumstände von Jahr zu Jahr verschlimmern.

Anfang 2009 haben tausende Rohingyas versucht, mit Hilfe von Schleppern über Malaysien nach Thailand zu flüchten. Die thailändische Armee hat die Flüchtlinge aufgefangen und zurück aufs offene Meer geschickt. Wochen später fand man Boote mit ausgehungerten Rohingyas vor Indonesien im Meer treiben, Hunderte starben oder sind bis heute vermisst. Obwohl es dieser dramatische Fluchtversuch sogar in die europäischen Medien geschafft hat, hat sich seither nicht viel geändert. Zu Beginn dieses Jahres haben Anti-Rohingya-Gruppen in Bangladesch zu weiteren Verfolgungen aufgerufen. Nach Vergewaltigungen, Razzien und Überfällen wurden tausende Rohingyas vertrieben, eingesperrt oder nach Burma zurückgebracht.