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Jäger ohne Beute

Morgen machen die republikanischen Vorwahlen in New Hampshire ihren zweiten Stopp. Für Jon Huntsman könnte es bereits die letzte Station sein.

Für Jon Huntsman heißt es Alles oder Nichts. Seine erste Chance könnte auch seine letzte sein. Seit Wochen tourt er durch New Hampshire, den zweiten US-Bundesstaat, in dem die Republikaner ihre Vorwahlen abhalten. Iowa, die erste Station, hat er ausgelassen („they pick corn in Iowa and pick presidents here in New Hampshire“, erklärte er), in den nationalen Umfragen liegt er auf dem letzten Platz der republikanischen Bewerber um das höchste Amt im Staat. Und in New Hampshire muss er wohl Zweiter werden, damit ihn endlich jemand wahrnimmt.

Alle hatten sie ihren Moment. Bereits im Sommer Michele Bachman, gefeiert als die neue Sarah Palin, als Liebling der Tea Party. Dann Rick Perry, der texanische Gouveneur, der noch nie eine Wahl verloren hat. Herman Cain, der Businessman frei von politischen Altlasten, allerdings nicht von diversen Anschuldigungen sexueller Belästigung, wie sich schnell herausstellte. Schließlich Newt Gingrich, arrogant, unsympathisch; aber immerhin ein politischer Profi. Ron Paul, der alte Libertäre mit den jungen, enthusiastischen Fans. Und letztendlich Rick Santorum. Zwar weiß niemand wirklich, warum, aber sein Timing war gut. Rechtzeitig zum Caucus in Iowa begann sein Aufstieg in den Umfragen; nur acht Stimmen trennten ihn letztendlich von dem Mann, den sie alle jagten: Mitt Romney, der wohl republikanischer Präsidentschaftskandidat wird, den aber niemand wirklich leiden kann, am wenigsten die republikanische Basis.

Michele Bachmann und Herman Cain sind mittlerweile aus dem Rennen, Rick Perry auf dem besten Weg dorthin, nur Jon Huntsman hat weiterhin niemand bemerkt. Er ist der einzige, der keinen kometenhaften Aufstieg in den Umfragen verzeichnen konnte, zu keiner Zeit. Er ist der eine Kandidat, den die Republikaner noch weniger leiden können als Romney. Wie auch? Er spricht fließend Mandarin und war Botschafter in China, noch dazu bestellt von Präsident Obama. „Während Sie in China die Politik der Regierung Obama umgesetzt haben, haben wir versucht, Republikaner zu unterstützen und die Politik des Präsidenten zu stoppen“, warf ihm Romney bei einer TV-Debatte dieses Wochenende vor (Woraufhin der ihm in Mandarin antwortete). Eine Gruppe von Ron-Paul-Fans erstellte ein schwer untergriffiges Video, in dem ihm im Grunde vorgeworfen wird, ein chinesischer Spion zu sein. (Ron Paul selbst hat sich von dem Spot distanziert). Dazu kommt: Huntsman ist wie Romney Mormone, also für manche Anhänger einer obskuren Sekte, und damit kein Christ. Huntsman glaubt an den Klimawandel und befürwortet gleichgeschlechtliche Partnerschaften; damit ist für einen Gutteil der weit nach rechts gerückten republikanischen Basis sowieso unwählbar. Die Webseite ProPublica hat für alle Präsidentschaftskandidaten eine Subseite eingerichtet, „Our Guide to the best Coverage of“ nennt sich das Ganze. Für alle, bis auf einen: Jon Huntsman.

In New Hampshire dürfte nun seine Stunde der Wahrheit schlagen: Gegenüber der Washington Post nannte er das Resultat in Iowa „zweideutig“: Die Wähler würden immer noch nach einer Alternative zu Mitt Romney suchen, und seit Wochen will er die Wähler in New Hampshire überzeugen, dass er genau diese Alternative ist. In einem Wahlspot des (Huntsman unterstützenden) PACs „Our Destiny“ wird der gar als einziger echter Konkurrent Romneys dargestellt. Romney hat den Sieg in New Hampshire allerdings bereits in der Tasche, er liegt bei rund 40 Prozent. Der FiveThirtyEight-Blog der New York Times will nun, einen Tag vor der Wahl, doch noch so etwas wie ein Momentum für Huntsman ausgemacht haben: Letzten Umfragen zufolge liegt er bei rund 16 Prozent und könnte Ron Paul den zweiten Platz streitig machen – während ihn andere Polls bei nur neun Prozent und auf dem vierten Platz sehen.

Sollte er tatsächlich nur auf dem vierten Platz landen, könnte Huntsmans Kampagne bereits nach seinem ersten Antreten ein schnelles Ende finden: Bei den kommenden Vorwahlen in South Carolina und Florida liegt er mit drei bis fünf Prozent in den Umfragen auf dem letzten bzw. vorletzten Platz. Und er hat eigentlich keinen Grund, in einem für ihn aussichtslosen Rennen zu bleiben. Während der de facto ebenfalls chancenlose Ron Paul eine Botschaft hat, die weit weg vom republikanischen Mainstream ist, und die er möglichst lange unter die Leute bringen will, ist Huntsman einfach ein moderater Republikaner. Genau deshalb hat er auch keinerlei Chancen auf die Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten von Mitt Romney, die ebenfalls ein Grund wäre, lange im Rennen zu bleiben. Moderat ist der nämlich selbst, Mormone und ein Mann auch. Sprich: Huntsman würde für einen Präsidentschaftskandidaten Romney keinerlei neue Wählerschichten erschließen. Gut für Huntsman, dass Mormonen an Wunder glauben, er wird eines brauchen.