War Room
Newts Rache
Vor zwei Wochen in New Hampshire sah Mitt Romney noch wie der sichere Gewinner im Rennen um die Nominierung der Republikaner aus. Sein Sieg dort war auf seinen überraschenden Triumph in Iowa gefolgt; ein Doppelschlag, den es vorher noch nie gegeben hattet. Auch in South Carolina lag er damals laut Umfragen noch relativ bequem in Führung. Bisher hat jeder Gewinner im Palmetto State (benannt nach einer dort heimischen Palmen-Art) am Ende auch die Nominierung eingeheimst.
Doch es wäre nicht der Wahlkampf 2012, wenn sich das alles nicht innerhalb einer Woche ändern könnte. Oder innerhalb eines Tages, wie Donnerstag zum Beispiel, an dem es richtig rund ging. Eine kleine Zusammenfassung der Ereignisse, die das Rennen wieder spannend gemacht haben:
Mitt Romney ist doch nicht der Sieger von Iowa. Rick Santorum hat ihn um 34 Stimmen geschlagen. Aber es schaut nicht danach aus, als könnte Santorum davon profitieren. Wenn dieser Knaller überhaupt nach South Carolina hallt, dann vermutlich zum Nachteil Romneys, der seinen historischen Doppelsieg abschreiben muss.
Rick Perry gibt auf und für Newt Gingrich eine Wahlempfehlung ab. Gingrich freut sich, will er doch die republikanischen Wähler gegen Romney auf sich vereinen. Perrys Endorsement wird ihm ein paar Prozent bringen.
Überhaupt, Newt Gingrich hat gerade „Surge“. Das heißt, seine Umfragewerte steigen, weil die Wähler alles wollen, nur nicht Mitt Romney. Doch mitten in seinen (mittlerweile zweiten) Surge platzte am Donnerstag seine zweite Ex-Frau, die in der Washington Post und auf ABC erzählte, wie Newt sie anno dazumal um eine „offene Ehe“ bat. Einvernehmlicher Ehebruch, das kommt in einem frommen Bundesstaat wie South Carolina nicht so gut. Immerhin hat Gingrich im heiklen Metier der Ehen-Auflösung dazugelernt. Seiner ersten, krebskranken Frau ließ er die Scheidungsunterlagen bekanntlich noch direkt ans Krankenbett liefern. Surge zu Ende?
Eher nicht, denn am Abend ging schließlich eine weitere TV-Debatte über die Bühne, die gefühlte 357. der Saison. Dort drehte Gingrich eine pikante Frage gleich zu Beginn in einen umjubelten Triumph. Romney hingegen gab eine schwache Vorstellung und wieder sein nervöses Lachen zum Besten, während er um die einfachsten Fragen herumlavierte. Hier zum Beispiel versucht er zu rechtfertigen, warum er seine Steuererklärung bisher nicht veröffentlicht hat (ein unter Präsidentschaftskandidaten übliches Prozedere):
Es wird schwer gegen Obama, wenn Romney nicht bald lernt, seine Coolness zu bewahren.
Die letzten Umfragen vor der heutigen Wahl zeigen allesamt Newt Gingrich als Sieger. Auch Nate Silver sieht Newt vorne, mit einer 82-prozentigen Sieges-Wahrscheinlichkeit. Angenommen, er läge richtig: Dann müsste sich Romney vermutlich auf einen längeren Wahlkampf einstellen, weil Gingrich die Anti-Romney-Stimmen endgültig auf sich vereinigen könnte.
Von da an würde es ein Kampf bis auf's Letzte. Als nächstes geht es nach Florida. Romney hat dort vorsorglich schon seit Monaten Sendezeit für seine Werbespots gebucht. Für Gingrich wird es schwierig, diese Maschine zum Stottern zu bringen. Wenn er aber auf einer Welle der Euphorie von South Carolina nach Florida surft, dann ist wohl alles möglich.
Die Scherereien mit Newt hat sich Mitt vermutlich selbst eingebrockt, mit dem Trommelfeuer negativer Spots, die sein Super PAC in Iowa auf seinen Hauptgegner losgelassen hat. Ein bisschen weniger davon hätte Gingrich vermutlich ebenfalls entscheidend geschwächt, ohne aber größeren Schaden anzurichten. Stattdessen hat es Romney jetzt mit einem äußerst wütenden, in seiner Würde verletzten Egomanen zu tun, der alles daran setzt, Romney zu verhindern.
Gewinnt Romney heute wider Erwarten, dann können die Wahlkommissionen schon mal die Stimmzettel für November drucken lassen.
Wer das Spektakel live mitverfolgen möchte, ist bei Politico oder der Washington Post gut aufgehoben. Ab zirka 2 Uhr morgens MEZ können wir mit den ersten Ergebnissen rechnen.




