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Prophet des Untergangs

Gerhard Spannbauer ist sich sicher, dass demnächst das Geldsystem und in der Folge die gesellschaftliche Ordnung zusammenbrechen wird. Er hat dagegen vorgesorgt, und immer mehr Menschen tun es ihm gleich.
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„Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.“

(Offenbarung 1,3)

 

Es ist ein ungewöhnlich warmer Novembertag; so warm, dass Gerhard Spannbauer im dünnen schwarzen Pulli draußen auf der Terrasse seines Hauses sitzt. Sein Schäferhund Baron streift durch den Garten, nur das gelbe Laub am Boden erinnert daran, dass der Sommer längst vorbei ist, auch wenn die Sonne heute ihre letzten Kräfte bündelt und den besseren Münchner Vorort Gauting in ein goldenes Licht taucht. Fast scheint es so, als wäre das Leben schön und die Welt gut. Doch es ist nur ein bittersüßer Nachgeschmack des letzten ruhigen Sommers für lange Zeit. Im nächsten werden bereits marodierende Horden auf der Suche nach Essbarem und Trinkwasser durch Gauting ziehen; und ein Menschenleben wird nicht mehr viel zählen. Das jedenfalls fürchtet ­Gerhard Spannbauer.

Im Garten des 47-Jährigen steht eine Zielscheibe, hier trainiert er seine Fertigkeiten mit der Armbrust. Und am Zaun neben der Eingangstür hängt ein Schild, auf dem steht: „Achtung, bissiger Hund“. Auch wenn der vermeintliche Kampfhund Baron nicht einmal wirklich auf seinen Namen hört. „Der hat seinen ganz eigenen Kopf“, sagt Spannbauer und zuckt mit den Schultern. Er hat sich seinen Kopf kahl rasiert, man sieht ihm an, dass er seinen Körper trainiert. Wenn es sein muss, hat er sein Haus in Windeseile mit NATO-Stacheldraht umzäunt. Er will kein leichtes Opfer sein, wenn die Banden herumstreichen und Häuser plündern. An den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Finanzsystems glaubt er wie die Zeugen Jehovas an den baldigen Auftritt der vier apokalyptischen Reiter – mit religiösem Eifer. „Es geht nicht anders“, sagt er und wundert sich, dass es nicht längst passiert ist. „Ich bin immer wieder überrascht, was die Politik so aus dem Zylinder zaubert. Seit ich das beobachte, hätte das System fünfmal kollabieren müssen, ob Lehman oder Griechenland. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo es nicht mehr geht.“ 

Dann wird alles ganz schnell gehen. Die Bankomaten werden kein Geld mehr ausspucken, die Regale der Supermärkte leer sein, und die Stromversorgung wird zusammenbrechen. Die Zukunft, die sich Spannbauer ausmalt, erinnert an düstere Endzeitfilme, wo sich eine kleine Gruppe rechtschaffener, tapferer Bürger gegen eine Übermacht wild gewordener Outlaws verteidigen muss. „Wenn die Russenmafia mit scharfen Waffen kommt, bin ich tot, da darf man sich keine Illusionen machen. Aber gegen eine kleine Gruppe Gewaltbereiter kann ich mich und meine Familie verteidigen.“

Vorräte für ein Jahr hat Spannbauer eingebunkert ...

2008 hat Spannbauer ein Buch mit dem Titel „Finanzcrash. Die umfassende Krisenvorsorge“ im obskuren Kopp Verlag veröffentlicht, in dem auch Ufologen, Verschwörungstheoretiker und Eva Herman ihre Bücher herausbringen. In seinem Buch beschreibt er, wie sich die Menschen auf den Finanzcrash vorbereiten sollen: Vorratskammern, Goldreserven, Selbstverteidigung, die ganze Palette. Spannbauer spricht den Leser direkt an, Platz für Zweifel lässt er nicht. Für Imperative schon: „Wir stehen vor einem weltweiten Finanzcrash, auf den Sie sich jetzt vorbereiten müssen!“, steht schon am Buchrücken in knallroten Buchstaben. Gewidmet hat er den 300-seitigen Ratgeber für die Vorsorge gegen den Untergang „all den fleißigen und strebsamen Menschen, denen leider der Verlust ihrer Lebensleistung droht“. Dazu bietet Spannbauer unter anderem Checklisten, um auf den Ernstfall optimal vorbereitet zu sein. „Hustenbonbons, Kaugummi, Lutschbonbons“ ist da ebenso ein Punkt wie „Gibt es Mitbewohner, von denen eine erhöhte Gefahr ausgehen könnte?“.

Damals wurde er als Spinner verlacht, obwohl just im selben Monat die Großbank Lehman Brothers pleiteging und die USA tatsächlich kurz vor dem Finanzkollaps standen. Drei Jahre später steht Europa unter einem 780 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm, Italien vielleicht kurz vor der Pleite, und dass Griechenland noch zu retten ist, glaubt eigentlich niemand mehr. Dafür glauben immer mehr Menschen, dass Spannbauer damals schon recht hatte. Seine Bücher stehen bei großen Handelsketten wie Thalia zwar in der Esoterik-, nicht in der Wirtschaftsabteilung. Mittlerweile aber kann er darüber herzhaft lachen und hat nach eigenen Angaben 70.000 Exemplare von „Finanzcrash“ verkauft.