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Wie das intransparente Normenwesen unseren Alltag prägt.

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Weshalb ein steirischer Ort wider Willen aufgelöst wird.

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Wie Bewohner im irakischen Mossul die IS-Terrorherrschaft erleben. 

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Was macht die Mutterkuh in der Silage?

Der bäuerliche Sprachschatz ist so reich wie für Nichtbauern uneinsichtig. Eine Nachhilfestunde.
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Bauer zu werden ist in. Aber nicht immer leicht. Jüngst scheiterten Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarovski mit ihrem Plan, am Unterhirzinger Hof in Kitzbühel einzuziehen. Das Anwesen gilt laut Baurecht und Grundverkehrsgesetz als Bauernhof. Und weder Grasser noch Swarovski haben vor, selbst zur Mistgabel zu greifen.

Vielleicht lag es aber auch nur am mangelnden Fachvokabular. Für wirkliche Promibauern wie Tobias Moretti oder jene 19 Landwirte, die im Nationalrat sitzen, ist der Bauernsprech eine Selbstverständlichkeit. All jenen, die ihn nicht „von dahoam“ mitbekommen haben, präsentiert DATUM einen Crashkurs mit wichtigen Ausdrücken aus der Welt der Landwirtschaft.

Ferkelstarter Die Eiweiß-Vitamin-Mischung ist eine segensreiche Erfindung der Tierfutterindustrie, die nicht nur schwächere Ferkel, die beim Kampf um die besten Zitzen das Nachsehen haben, auf Touren bringen soll. Übrigens: Pro Wurf bringt es eine Sau im Schnitt auf elf Ferkel. Bis zum Schnitzel dauert es sieben Monate.

Silage heißt Sauerkraut für das Vieh. Dazu wird Grünfutter oder Mais gehäckselt, in Silos gefüllt und luftdicht verschlossen. Milchsäurebakterien sorgen dann für die Vergärung. Das garantiert eine lange Lagerfähigkeit entweder im Fahrsilo, wo man sie bequem mit dem Traktor entnehmen kann, oder im Hochsilo. Oder in Silorundballen, die neuerdings nicht mehr nur mit weißer, sondern auch mit dunkelgrüner Folie gewickelt werden – damit sie sich besser ins Landschaftsbild einfügen. Geben Sie Acht vor Gärgasen im Hochsilo! Sonst müssen Ihre Hinterbliebenen einen neuen Hoferben küren.

Pfingstag ist eine unter Altbauern noch immer gebräuchliche Bezeichnung für Donnerstag. Laut dem Soziologen Roland Girtler ist dieser Wochentagsname griechischen Ursprungs, genauso wie „Irtag“ oder „Eritag“, die beide für Dienstag stehen. Wer es genauer wissen will, wird in Girtlers 2002 erschienenem Buch „Echte Bauern. Der Zauber einer Kultur“ fündig: „Der Irtag verweist auf den griechischen Kriegsgott Ares. Der Ausdruck ‚Pfingstag‘ verweist auf ‚Pente hemara‘, den ‚fünften Tag‘, vom Sonntag gerechnet.“

Pansen Damit Sie sich bei den ersten Komplikationen im Kuhstall nicht vor dem Tierarzt Ihres Vertrauens blamieren: Ein Rind hat vier Mägen. Sie heißen Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen. Der von Bakterien bevölkerte Pansen ist mit einem Fassungsvermögen von bis zu 180 Litern der weitaus größte. Dort wird das Gras, das zum Großteil aus schwer verdaulicher Zellulose besteht, vorverdaut, bevor es die Kuh, der Stier oder der Ochse später in aller Ruhe wiederkäut.

Großvieheinheit entspricht dem Lebendgewicht einer Kuh, die im Schnitt 500 Kilo auf die Waage bringt. Mithilfe der Großvieheinheit (GVE) kann man Rinder, Pferde, Schweine, Schafe und Legehennen miteinander vergleichen. Zum Beispiel kann bereits bei einem Stallneubau, der für mehr als 42 GVE ausgelegt ist, ein Umweltgutachten notwendig sein. Ein Pferd hat 1 GVE, ein Eber 0,3 GVE, ein Schaf 0,15 GVE. Damit ein Hühnerbauer auf eine Großvieheinheit kommt, müssen 240 Legehennen im Stall gackern.

Lagerhaus ist das Shoppingparadies der Landwirte. Egal ob Sie Nachschub an Gummistiefeln brauchen, das Kraftfutter für die Viecher im Stall aufgebraucht ist oder Sie überschüssiges Getreide verkaufen wollen: Ein Lagerhaus der Raiffeisen Ware Austria AG (RWA) ist immer in Ihrer Nähe. Außer in Wien und Salzburg, den einzigen Bundesländern, wo es keine Filiale gibt. Österreichweit gibt es 1.050 Betriebsstellen mit 10.800 Mitarbeitern. Der Bauernversorger brachte es 2004 auf einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro.

Bauernregel Glaubt man daran, besteht Hoffnung für die kommenden Monate. Denn „kalter Februar bringt ein gutes Jahr“. Bauernregeln, deren Wurzeln im Religiösen, Mythischen und Magischen beheimatet sind, sind an den Kalender gebunden. Die gereimten Wenn-dann-Sätze erfreuen sich trotz modernster Wettersatelliten bis heute großer Beliebtheit – nicht nur im Bauernstand. Eine prominente Bauernregel zum Monat April lautet: „Bauen im April schon die Schwalben, gibt’s viel Futter, Korn und Kalben.“

Mutterkuhquote Laut Vorgabe der EU dürfen in Österreich nicht mehr als 375.000 Mutterkühe gehalten werden. Die Mutterkuhquote beschreibt, für wie viele Mutterkühe ein Bauer eine jährliche Prämie von 230 Euro pro Tier kassiert. Dafür gibt es eine Auflage: Die Milch darf nicht an die Molkerei verkauft werden, sondern muss über das Jungtier veredelt, also verfüttert werden.

UaB ist die Abkürzung für Urlaub am Bauernhof. Sie besitzen einen Bilderbuchbauernhof, haben zumindest ein leer stehendes Zimmer und wollen im Sommer gestresste Städter beherbergen? Dann werden Sie schnell „Urlaub am Bauernhof“-Mitglied. Der Verein bringt es mit seinen 3.400 bäuerlichen Familienbetrieben nach eigenen Angaben österreichweit auf rund 44.800 Gästebetten – mehr als in ganz Wien. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Urlaub am Weinbauernhof, am Radlerbauernhof oder am Babybauernhof. Deren Qualität erkennt man an der Anzahl der Margeriten: Statt der bei Hotels üblichen Sterne verleiht eine Kommission den Bauernhöfen bis zu vier Blumen.

Natursprung nennt man den natürlichen Begattungsakt durch das männliche Tier. Heute ist diese Freude nur mehr wenigen Ebern und Stieren vergönnt. Schuld daran ist der Siegeszug der künstlichen Besamung. Dabei wird Muttertieren mit einem Kunststoffröhrchen zum günstigsten Zeitpunkt Sperma eingespritzt.

Dieses Sperma stammt nur von Vätern mit den besten Erbanlagen. Wie zum Beispiel Rumba. Er und seine Kollegen sind Sexarbeiter. Ihr einziger Auftrag ist es, so oft wie möglich ein „Phantom“ zu bespringen und dabei eine künstliche Scheide zu begatten.

AMA ist die Abkürzung für Agrarmarkt Austria. Die „Marktordnungsstelle“ untersteht dem Landwirtschaftsministerium und setzt die EU-Agrarpolitik für Österreich um. Ihre Hauptaufgabe: die Administration der Ausgleichszahlungen. Dazu gehören Rinderprämie, Prämien für umweltgerechte Bewirtschaftung (ÖPUL) sowie Zuschüsse für Bergbauern.

Die AMA betreibt auch die zentrale Rinderdatenbank. Sie ist das Meldeamt, das jedes Rind wie die beiden gelben Ohrmarken von der Wiege bis zum Schlachthof begleitet. Mit einer Tochterfirma ist die AMA auch im Agrarmarketing aktiv. Dazu gehört zum Beispiel das AMA-Gütesiegel. „Ziele sind, die Menschen auf die Bedeutung von Qualität, Frische und Herkunft bei Lebensmitteln aufmerksam zu machen und somit den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu fördern“, wie es im Infofolder der Agrarmarkt Austria heißt.

Hofkarte Landwirte können ihre Grundstücke, die auch Parzellen genannt werden, mithilfe von digitalen Luftaufnahmen auf den Zentimeter genau vermessen. Die Daten dafür liefert das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, das Flächenkataster und die gestochen scharfen Luftaufnahmen zusammenfasst. Die Hofkarte bildet eine wichtige Arbeitsunterlage für Bauern beim Ansuchen um EU-Förderungen.

SVB heißt die Sozialversicherungsanstalt der Bauern. Sie sorgt für deren Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung. Derzeit sind 295.841 Betriebe über die SVB im Fall eines Unfalls versichert.

Zur Vorbeugung hat man die Aktion „Sicherer Bauernhof“ gestartet, die Gefahrenquellen am Heuboden, im Stall und im Maschinenpark beseitigen helfen soll. Es gibt noch einiges zu tun: Nach den letzten verfügbaren Zahlen starben im Jahr 2004 74 Landwirte bei Arbeitsunfällen.

Nebenerwerbsbauer ist man dann, wenn man weniger als fünfzig Prozent seiner Gesamtarbeitszeit am land- und forstwirtschaftlichen Betrieb arbeitet. Als Basis dienen 2.000 Arbeitskraftstunden pro Jahr, was einer Vollarbeitskraft entspricht. Zuerwerbsbauer ist jemand, der zwischen fünfzig und neunzig Prozent seiner Arbeitszeit am Hof verbringt.

Maschinenring Falls Not am Mann ist oder „moderne und schlagkräftige Technik“ (Eigenwerbung) gefragt ist und nicht genügend Geld für eine eigene hypermoderne Sämaschine am Konto liegt, rufen Bauern den Maschinenring zu Hilfe. Aber nicht nur der Bauer am Feld bekommt Unterstützung: Auch der Bäuerin in der Hauswirtschaft gehen bei Bedarf Betriebshelferinnen zur Hand. Im Jahr 2004 verzeichnete der Maschinenring 7,298.253 bezahlte Einsatzstunden. Der erste Maschinenring wurde 1961 im oberösterreichischen Andorf gegründet; heute zählt die organisierte Nachbarschaftshilfe 94 Ringe mit 76.350 Mitgliedern.

Joch nennt man jene Fläche, die ein erfahrener Bauer oder Knecht mit einem Ochsengespann an einem Tag umpflügen konnte, als diese Art der Landarbeit noch üblich war. In Österreich entspricht ein Joch 0,5755 Hektar. Ein Hektar wiederum sind 10.000 Quadratmeter, das ist ein Quadrat mit 100 Metern Seitenlänge. In der kleinsten gebräuchlichen agrarischen Einheit, dem Ar (100 Quadratmeter), rechnen heute nur mehr Schrebergärtner.